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Elisa Demonki liest Klassiker, alte philosophische Werke und Gedichte."Das Wort sei die Macht in deinem Ohr, dein Gefühl zu akzeptieren und neu zu erleben."Lesungen: Philosophie, Literatur, Klassiker, Gedichte von Goethe, Heine, Nietzsche, Georg Trakl, Schiller…

Lesung - Klassiker, Philosophie, Gedichte Literatur von Goethe, Heine, Kant, Nietzsche, Lessing… Gelesen von Elisa Demonki Elisa Demonki

    • Kunst
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Elisa Demonki liest Klassiker, alte philosophische Werke und Gedichte."Das Wort sei die Macht in deinem Ohr, dein Gefühl zu akzeptieren und neu zu erleben."Lesungen: Philosophie, Literatur, Klassiker, Gedichte von Goethe, Heine, Nietzsche, Georg Trakl, Schiller…

    (62) Elisabeth zu Wied (Carmen Sylva) »Angst« aus »Geflüsterte Worte«

    (62) Elisabeth zu Wied (Carmen Sylva) »Angst« aus »Geflüsterte Worte«

    Wenn es eine Hölle geben kann, so ist sie ganz gewiß nur eine Zeit namenloser Angst. Denn es gibt wohl nichts Furchtbareres als Angst. Die Schmerzen des Leibes und der Seele reichen nicht an das Gefühl wahnwitziger Angst hinan, welche die Glieder lähmt, das Wort in Eis verwandelt, das Herz in einen Krater, in dem es pocht und siedet Tag und Nacht.



    Die Höllengeborenen, welche die Angst erfanden, wußten, daß diese dem Menschen die Sinne und Gedanken raubt. Und dennoch haben Unzählige diesem Entsetzen widerstanden und sind für einen einzigen Gedanken, für eine einzige Überzeugung durch die Qual hindurchgegangen in den Tod, der wie ein Balsam ihre erlöschenden Kräfte umfing.



    Ein Gedanke trug diese Menschen dem Himmel zu, während ihre Henker in der Hölle verweilten, darum, wenn die Angst, o Seele, dich umnachtet, so ist es nur darum, weil du zweifelst, weil deine Überzeugung schwankt, weil du nicht den Glauben hast, daß höchste Weisheit dich erleuchtet, und wenn sich die ganze Welt wider dich kehrt.



    Du hast schon Angst vor der Leute Geschwätz, schon diese Kleinigkeit ist dir so unerträglich, daß du lieber dem Moloch dieser Leute opferst, als dich freudig zu deiner Überzeugung zu bekennen.









    Das macht, weil das Christentum die Throne bestiegen hat und in goldenen Gewändern einhergeht, anstatt verfolgt und verhöhnt und gemartert zu sein. Damals zweifelte keiner, und alle gingen in den Tod.



    Der Zweifel ist die Ausgeburt des Wohllebens und der Erschlaffung. Wer leidet, der zweifelt nicht, im Gegenteil, er wird nur immer bestärkt in seinem Glauben. Du aber bist in der Verweichlichung groß geworden, in dem bequemen Weihrauch der Kirche, der dich einhüllt und keinen Kampf mehr von dir fordert, und da trifft dich das Ungemach mit seiner Folter, Angst, wie etwas Unbekanntes, Entsetzliches.



    Angst ist entsetzlich. Sie hat hundert Köpfe und tausend Krallen, sie hat gar kein Antlitz, und gar keine Gestalt, das macht sie so furchtbar. Die heilige Vehm nahm Masken vor, um furchtbarer zu sein. Dasselbe tut die Angst. Sie hat kein erkennbares Aussehen, sondern legt sich dir auf Herz und Glieder und raubt dir den Verstand.









    Das aber ist wiederum der Körper, der dich also schwach macht, denn du weißt, daß du dasselbe denkst wie zuvor. Die Angst an einem Totenbette ist schlimmer als der Tod, die Angst vor einem vernichtenden Gespräche schrecklicher als das Gespräch, das mit einem Menschen stattfindet, der nur eine kurze Zeit über dich Gewalt bekommen hat und dich nicht ewig foltern kann.



    Die Angst, Unrecht getan zu haben, die Angst vor der Tat, die du für recht hältst, und von der du doch nicht gewiß weißt ob sie zum Guten führt, die Angst, ein Wort gesprochen zu haben, das einem andern Schaden bringt, – aber siehst du nicht, daß die ganze Natur Angst hat?



    Vor dir, dem Räuber, der alles Lebendige verzehrt, fürchten sich alle, und dein Entzücken ist grenzenlos, wenn eins dieser bangen, mißtrauischen Wesen sich an dich anschmiegt und glaubt, daß du es gut mit ihm meinst. Womit hast du denn dieses Vertrauen verdient? Was hast du getan, damit Vogel und Reh, Schmetterling und Eidechse dir vertrauen? Denn selbst die Haustiere sind alle dem Tode verfallen, du nährst sie nur für dich, nicht zu ihrem Wohl.









    Und dann willst du allein das Gefühl der Angst nicht kennen? Hast du das verdient? Du würdest nicht so arm sein, als … (weiterlesen auf https://podcast-lesung.de/62-elisabeth-zu-wied-carmen-sylva-angst-aus-geflusterte-worte/)

    • 21 Min.
    (61) George Gordon Byron »Stanzen für Musik« / »Stanzas For Music«

    (61) George Gordon Byron »Stanzen für Musik« / »Stanzas For Music«

    »Byron allein lasse ich neben mir gelten.«
    J.W.Goethe
    There be none of Beauty‘s daughters
    With a magic like thee;
    And like music on the waters
    Is thy sweet voice to me:


    Der Schönheit Töchter keine gleich’
    Mit einem Zauber ähnlich dir,
    Wie Musik aus dem Wasserreich
    Ist deine süße Stimme mir:

    When, as if its sound were causing
    The charmed ocean‘s pausing,
    The waves lie still and gleaming,
    And the lull‘d winds seem dreaming.

    Sie zog, sobald ihr Ton begann,
    Den Ozean in ihren Bann;
    Glänzend still, die Wellen schwingen
    Und die Winde träumend singen.




    And the midnight moon is weaving
    Her bright chain o‘er the deep;
    Whose breast is gently heaving,
    As an infant‘s asleep:

    Und der Mitternachtsmond webend
    Hell sein Netz über der Tiefe,
    Deren Brust sich langsam hebend
    Als ob leis ein Kindlein schliefe:

    So the spirit bows before thee,
    To listen and adore thee;
    With a full but soft emotion,
    Like the swell of Summer‘s ocean.

    So beugt sich so vor dir der Geist,
    Der dir zuhört und dich preist;
    Mit der kraftvoll sanften Regung,
    Wie des Sommermeers Bewegung.«
    Der britische Dichter George Gordon Byron schrieb das Gedicht im Jahre 1816 für seine Tochter Ada. Ada Lovelace gilt heute als die erste Programmiererin der Welt.



    Übersetzung von Anna J. Rahn aus dem Buch »Lord Byron – Ein Autobiografisches Lesebuch«
    mit Bildern von Ulrike Theusner. Sie spielte auch das Klavier in »Stanzas For Music«.


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    • 7 Min.
    (60) Jacob und Wilhelm Grimm »Der alte Großvater und der Enkel«

    (60) Jacob und Wilhelm Grimm »Der alte Großvater und der Enkel«

    Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floß ihm auch etwas wieder aus dem Mund.

    Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen mußte sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen und noch dazu nicht einmal satt; da sah er betrübt nach dem Tisch, und die Augen wurden ihm naß.

    Einmal auch konnten seine zitterigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte aber nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus mußte er nun essen.

    Wie sie da so sitzen, so trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen. »Was machst du da?« fragte der Vater.
    »Ich mache ein Tröglein,« antwortete das Kind, »daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin.«

    Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an, fingen endlich an zu weinen,
    holten alsofort den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.

    • 4 Min.
    (59) Johann Wolfgang von Goethe »Hexenküche« Auszug aus »Faust - Der Tragödie erster Teil«

    (59) Johann Wolfgang von Goethe »Hexenküche« Auszug aus »Faust - Der Tragödie erster Teil«

    Auf einem niedrigen Herd steht ein großer Kessel über dem Feuer. In dem Dampfe, der davon in die Höhe steigt, zeigen sich verschiedene Gestalten. Eine Meerkatze sitzt bei dem Kessel und schäumt ihn, und sorgt daß er nicht überläuft. Der Meerkater mit den Jungen sitzt darneben und wärmt sich. Wände und Decke sind mit dem seltsamsten Hexenhausrat geschmückt.

    Faust.
    Mir widersteht das tolle Zauberwesen!
    Versprichst du mir, ich soll genesen,
    In diesem Wust von Raserei?
    Verlang’ ich Rat von einem alten Weibe?
    Und schafft die Sudelköcherei
    Wohl dreißig Jahre mir vom Leibe?
    Weh mir, wenn du nichts bessers weißt!
    Schon ist die Hoffnung mir verschwunden.
    Hat die Natur und hat ein edler Geist
    Nicht irgend einen Balsam ausgefunden?

    Mephistopheles.
    Mein Freund, nun sprichst du wieder klug!
    Dich zu verjüngen, gibt’s auch ein natürlich Mittel;
    Allein es steht in einem andern Buch,
    Und ist ein wunderlich Kapitel.

    Faust.
    Ich will es wissen.

    Mephistopheles.
    Gut! Ein Mittel, ohne Geld
    Und Arzt und Zauberei, zu haben:
    Begib dich gleich hinaus aufs Feld,
    Fang’ an zu hacken und zu graben,
    Erhalte dich und deinen Sinn
    In einem ganz beschränkten Kreise,
    Ernähre dich mit ungemischter Speise,
    Leb’ mit dem Vieh als Vieh, und acht’ es nicht für Raub,
    Den Acker, den du erntest, selbst zu düngen;
    Das ist das beste Mittel, glaub’,
    Auf achtzig Jahr dich zu verjüngen!




    Faust.
    Das bin ich nicht gewöhnt, ich kann mich nicht bequemen
    Den Spaten in die Hand zu nehmen,
    Das enge Leben steht mir gar nicht an.

    Mephistopheles.
    So muß denn doch die Hexe dran.

    Faust.
    Warum denn just das alte Weib?
    Kannst du den Trank nicht selber brauen?

    Mephistopheles.
    Das wär’ ein schöner Zeitvertreib!
    Ich wollt’ indes wohl tausend Brücken bauen.
    Nicht Kunst und Wissenschaft allein,
    Geduld will bei dem Werke sein.
    Ein stiller Geist ist Jahre lang geschäftig,
    Die Zeit nur macht die feine Gährung kräftig.
    Und alles was dazu gehört
    Es sind gar wunderbare Sachen!
    Der Teufel hat sie’s zwar gelehrt;
    Allein der Teufel kann’s nicht machen.

    • 4 Min.
    (58) Johann Wolfgang von Goethe »Gretchens Stube« aus »Faust - Der Tragödie erster Teil«

    (58) Johann Wolfgang von Goethe »Gretchens Stube« aus »Faust - Der Tragödie erster Teil«

    Gretchen (am Spinnrad, allein)

    Meine Ruh ist hin,
    Mein Herz ist schwer;
    Ich finde sie nimmer
    und nimmermehr.

    Wo ich ihn nicht hab,
    Ist mir das Grab,
    Die ganze Welt
    Ist mir vergällt.

    Mein armer Kopf
    Ist mir verrückt,
    Meiner armer Sinn
    Ist mir zerstückt.

    Meine Ruh ist hin,
    Mein Herz ist schwer,
    Ich finde sie nimmer
    und nimmermehr.




    Nach ihm nur schau ich
    Zum Fenster hinaus,
    Nach ihm nur geh ich
    Aus dem Haus.

    Sein hoher Gang,
    Sein edle Gestalt,
    Seines Mundes Lächeln,
    Seiner Augen Gewalt,

    Und seiner Rede
    Zauberfluß,
    Sein Händedruck,
    Und ach! sein Kuß!

    Meine Ruh ist hin,
    Mein Herz ist schwer,
    Ich finde sie nimmer
    und nimmermehr.

    Mein Busen drängt
    Sich nach ihm hin,
    Ach dürft ich fassen
    Und halten ihn,

    Und küssen ihn,
    So wie ich wollt,
    An seinen Küssen
    Vergehen sollt!

    • 5 Min.
    (57) Christoph Wilhelm Hufeland im Vor- und Nachwort zu Immanuel Kants »Von der Macht des Gemüts«

    (57) Christoph Wilhelm Hufeland im Vor- und Nachwort zu Immanuel Kants »Von der Macht des Gemüts«

    Unglaublich ist es, was der Mensch vermag, auch im Physischen, durch die Kraft des festen Willens; und so auch durch die Not, die oft allein einen solchen festen Willen hervorzubringen vermag.

    Wer kann leugnen, daß es Wunder und Wunderheilungen gibt? – Aber was sind sie anders als Wirkungen des festen Glaubens entweder an himmlische Kräfte, oder auch an irdische und folglich Wirkungen des Geistes?



    Jedermann kennt die Kraft der Imagination. Niemand zweifelt daran, daß es eingebildete Krankheiten gibt, und daß eine Menge Menschen an nichts anders krank sind, als an der Krankheitseinbildung (Hypochondrie). Ist es nun aber nicht ebensogut möglich und unendlich besser, sich einzubilden, gesund zu sein? Und wird man nicht dadurch ebensogut seine Gesundheit stärken und erhalten können, als durch das Gegenteil die Krankheit?

    Ja am auffallendsten zeigte sich die Kraft des Geistigen bei ansteckenden und epidemischen Krankheiten. Es ist eine ausgemachte Erfahrungssache, daß die, welche guten Mut haben, sich nicht fürchten und ekeln, am wenigsten angesteckt werden. Aber daß eine schon wirklich geschehene Ansteckung noch durch freudige Exaltation des Geistes wieder aufgehoben werden könne, davon bin ich selbst ein Beispiel. – Ich hatte in dem Kriegsjahre 1807, wo in Preußen ein pestartiges Faulfieber herrschte, viele solche Kranke zu behandeln und fühlte eines Morgens bei dem Erwachen alle Zeichen der Ansteckung, Schwindel, Kopfbetäubung, Zerschlagenheit der Glieder, genug alle Vorboten, die bekanntlich mehrere Tage dauern können, ehe die Krankheit wirklich ausbricht. – Aber die Pflicht gebot; andere waren kränker als ich. Ich beschloß, meine Geschäfte wie gewöhnlich zu verrichten und mittags einem frohen Mahle beizuwohnen, wozu ich eingeladen war. Hier überließ ich mich einige Stunden ganz der Freude und dem lauten Frohsinn, der mich umgab, trank absichtlich mehr Wein wie gewöhnlich, ging mit einem künstlich erregten Fieber nach Hause, legte mich zu Bett, schwitzte die Nacht hindurch reichlich und war am andern Morgen völlig hergestellt.



    Guanaco; CC BY-SA 3.0

    • 4 Min.

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