43 Folgen

Wir reden über die Zukunft der Demokratie.

"Wer jetzt?" ist der Podcast fürs Praktische. Mit und über Menschen, die an der Weiterentwicklung und Förderung unserer Demokratie arbeiten, und unser politisches System von innen oder außen verändern.

Philipp Weritz als Gastgeber interviewt Menschen aus Politik, Wissenschaft, Medien, Zivilgesellschaft und mehr in 30-40 Minuten Folgen über Ideen und Projekte, wie Demokratie morgen aussehen kann.

Wer jetzt? Demokratie im 21. Jhd. Demokratie21

    • Nachrichten
    • 4.9, 9 Bewertungen

Wir reden über die Zukunft der Demokratie.

"Wer jetzt?" ist der Podcast fürs Praktische. Mit und über Menschen, die an der Weiterentwicklung und Förderung unserer Demokratie arbeiten, und unser politisches System von innen oder außen verändern.

Philipp Weritz als Gastgeber interviewt Menschen aus Politik, Wissenschaft, Medien, Zivilgesellschaft und mehr in 30-40 Minuten Folgen über Ideen und Projekte, wie Demokratie morgen aussehen kann.

    Die Kluft des Vertrauens mit Martina Handler

    Die Kluft des Vertrauens mit Martina Handler

    Martina Handler ist Politikwissenschaftlerin Mediatorin und Leiterin für Partizipation am ÖGUT-Institut. Im Gespräch mit Philipp Weritz über gesellschaftliches Lernen, wie eine Kluft zwischen Politik und der Bevölkerung entstand und was Beteiligungsmethoden dabei helfen können.

    „In der Art des Umgangs entsteht die Qualität des Miteinanders“. Martina Handler ist eine große Fürsprecherin von Beteiligungsprozessen. Mit der Plattform partizipation.at hat sie ein umfassendes Informationsangebot erstellt und schildert dort ihre Erfahrungen aus der Praxis. Was macht erfolgreiche Beteiligung aus? „Ein klares Ziel, Klarheit über die angestrebten Ergebnisse, Transparenz im Informationsfluss und Handlungsspielraum. Ganz klar auch: Was wird mit den Ergebnissen im Anschluss passieren?“ Oft wird Beteiligung von politischen Gremien bestellt und sie müsse den Verantwortlichen oft ein Commitment abringen.

    Vor allem, da Beteiligung immer noch ein ehrenamtliches Engagement ist, fordert sie das mit einem Blick auf die Zeit: „Ich als Begleiterin dieser Prozesse achte immer darauf, dass wir die Zeit so viel wie nötig aber so wenig wie möglich beanspruchen. Für Politik und Verwaltung ist das bezahlte Arbeit, für die Bevölkerung ist das Freizeit“. Erste Prozesse sehen den Wert dieses Engagements als Dienst am Gemeinwohl und entlohnen daher. Das hat auch den zusätzlichen Nutzen, einen diverseren sozioökonomischen Schnitt an den Verhandlungstisch zu bringen. „Was darf Demokratie kosten?“, fragt Handler.

    Selbst die Politik sei immer wieder überrascht von der Qualität der Ergebnisse: „Damit hätten wir nicht gerechnet, dass ‚einfache Bürgerinnen‘ so etwas erarbeiten können“. Diese Überraschung kommt nicht von irgendwo. „In den letzten Jahren und Jahrzehnten habe ich beobachtet, wie es immer mehr Misstrauen gibt zwischen Politik und Bevölkerung. In beide Richtungen“. Bürgerinnen die Politiker pauschal verurteilen, und politisch Verantwortliche, die in Beteiligungsprozessen nur Stereotypen sehen. Diese Kluft des Vertrauens hat der deutsche Verwaltungswissenschaftler Helmut Klages erforscht, mit dem Resultat, dass institutionalisierte Partizipation sie wieder schließen könnte.
    Falscher Ort und falsche Absicht

    Gibt es auch Gelegenheiten, wo keine Form der Beteiligung sich eignet? Inhaltlich sei Beteiligung für fast alles zu verwenden, meint Handler. Komplett fehl am Platz ist sie nur, wenn sie am falschen Ort oder mit der falschen Absicht eingesetzt wird. Das kann zweierlei Form annehmen:

    1. Kein ernsthaftes Angebot. „Oft wird Beteiligung nur angeboten, weil sie en vogue ist“. Das fällt für sie unter das Stichwort Pseudopartizipation und habe nur den Zweck, die Bürgerinnen und Bürgern ein Gefühl der Wirksamkeit zu geben, jedoch nicht mehr. Genau diese Augenauswischerei führe oft dazu, dass Partizipation als zahnloses Instrument wahrgenommen wird und sich die Bevölkerung trotz Beteiligung außen vorgelassen fühlt.

    2. „Beteiligung ist kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, möglichst viele Menschen möglichst lange beschäftigt zu halten“. Kombiniert man das mit einem kleinen Handlungsspielraum, ist der Misserfolg vorprogrammiert.
    Bürger und Öffentlichkeit

    Partizipation und Beteiligung verwendet sie synonym. Handler unterscheidet jedoch zwischen Bürgerbeteiligung und Öffentlichkeitsbeteiligung. Bei letzterem sind die Bürgerinnen und Bürger ein Stakeholder von vielen, mit organisierten Interessen, von Wirtschaft über Umwelt bis zu Sozialem. „Ich mache das nicht von der Anzahl der Menschen abhängig, Öffentlichkeitsbeteiligung hat nicht diesen Aspekt von Größenordnung“. In dem Moment wo die Betroffenen über die reine Bevölkerung hinausgehen, ist es für sie eine Form von involvierter Öffentlichkeit.

    • 43 Min.
    Auf wie viele Wesenszüge einer Demokratie können oder dürfen wir während einer Krise verzichten?

    Auf wie viele Wesenszüge einer Demokratie können oder dürfen wir während einer Krise verzichten?

    Das ist die Frage des ersten Demokratie21 Expert*innen Rundrufs -
    Hör- und lesbare Perspektiven über Gegenwart und Zukunft unserer Demokratie - aus Politik, Journalismus, Wissenschaft, der organisierten Zivilgesellschaft und der Verwaltung.

    Einen Monat vor der US-Präsidentschaftswahl 1944 wies Franklin D. Roosevelt in einer Ansprache republikanische Versuche, fast zwei Drittel der Soldaten und große Teile der amerikanischen Bevölkerung vom Wahlrecht fernzuhalten, zurück, denn Wahlen seien der sicherste Schutz gegen die Schwächung der Demokratie. Auch und vor allem in schwierigen Zeiten, wie etwa während eines Weltkrieges.

    Demokratie ist wie ein Kartenhaus. Langwierig im Aufbau und leicht kaputt zu machen.

    Auf wie viele Wesenszüge einer Demokratie können wir oder dürfen wir während einer Krise verzichten? Hier sind Antworten, die wir dazu bekommen haben.

    • 42 Min.
    Wie man einen Ort vor dem Aussterben bewahrt mit Roland Gruber

    Wie man einen Ort vor dem Aussterben bewahrt mit Roland Gruber

    Roland Gruber hilft mit seinem Architekturbüro nonconform, einen Ort vor dem Aussterben zu bewahren oder einen Versuch der Wiederbelebung einzuleiten. Ein Gespräch über kritische Punkte im Ortssterben, warum es  Kümmerer braucht und lässige Zukunftsreisen.

    Nehmen wir an, eine kleine Gemeinde kämpft mit Leerständen und schrumpfenden Bevölkerungszahlen. Was sind die ersten Schritte, die man entgegensetzen kann? „Als allererstes stelle ich Fragen: Wer ist Bürgermeister? Um welchen Ort handelt es sich? Welche Geschichte hat er? Warum stirbt er aus?“ Fragen die wehtun, gehören genauso dazu. „Welche Punkte im Ort tun weh? Aus einem Leerstand kann schnell ein Flächenbrand werden“, sagt Gruber. Viele Bürgermeister*innen würden erst beginnen, sich an ihn zu wenden, wenn die kritische Masse an Herausforderungen (zu) groß wird. Viel interessanter und spannender sei es, wenn die Lage zuvor entschärft werden kann: „Wir müssen uns jetzt kümmern, weil sonst wird es passieren“.

    Ein Faktor ist auch die Größe: „Je kleiner die Orte sind, desto mehr menschelt es, und desto eher hängt es von den Personen ab, die dahinterstehen“. Es braucht konkret zwei, drei Leute, die ähnlich denken und auch mit anpacken wollen. Nach all diesen Fragen entsteht ein Bild, das eine mögliche zweite Phase einläutet. „So könnte ein Weg aussehen. Manchmal muss man auch sagen 'Sorry, aber das wird nichts'. Jeder Meter wäre ein verlorener Weg, weil es nicht angenommen wird, oder der Punch fehlt. Solche Momente gibt es oft genug.“.

    Eine Reise in die Zukunft

    Ist der Wille da und noch nicht alles zu spät, geht es um Dynamiken: „Für die Arbeit mit Kommunen ist das ein wichtiges Thema: Man muss die Akteurskonstellation verstehen, mit der man es zu tun hat, erst dann kann es weitergehen“. Das ist eine Reise in die Zukunft, auf die man sich einlassen muss. Ein typisches Beispiel sei ein kleiner Ort mit fünf bis sieben Leerständen, Nahversorger die am Ortsrand sind, eine Straße die mehr umfährt als durch das Zentrum zu gehen, eine „gewisse trostlose Atmosphäre“.

    Dann hängt es vom Commitment und dem Bekenntnis aller Akteure ab, umfassend und mutig nachzudenken. „Wie gestalten wir diesen Ort - der nicht im Einzug eines Ballungszentrums liegt - in den nächsten 10 Jahren?“ Das braucht neue Ideen und vor allem zu Beginn einen Wow-Effekt. „Man braucht diese fünf Leute, die es ziehen, aber du brauchst mehr. Du musst es in die Breite bringen“. Beteiligung darf und muss auch Spaß machen, meint Gruber. „Das soll etwas Festival-Ähnliches sein. Offen, lässig und nicht retro“.  Nach diesem ersten großen, gemeinsamen Prozess, entsteht ein Ziel und ein Wunschbild, das jetzt mit harter Arbeit umgesetzt wird.

    Umsetzen und Kümmern

    Dieses Wunschbild besteht aus 50 bis 100 Dingen, die man umsetzen sollte in den nächsten Jahren. Einer der wesentlichsten Erfolgsfaktoren, ist eine Person, die sich dem annimmt.  „Wir nennen diese Menschen Kümmerer. Sie haben oft eine große Karriere hinter sich, haben internationale Erfahrungen sammeln können, sind Multitalente und kehren nach 20 bis 25 Jahren zurück in ihren Ort“. Sie benötigen gute Organisation, Kommunikation, Durchsetzungsfähigkeit und Fingerspitzengefühl. Ihre Arbeit ist vielfältig und hart: Bauliche Aspekte managen, neue Treffpunkte erzeugen, Orte aufsperren oder neue Formate erfinden.

    „Man kann nicht davon ausgehen, wenn es ein Zukunftsbild gibt, dass das von selbst kommt. Wenn wir das in Papier festhalten, brauche ich wirklich konkrete Handlungsanweisungen und Vornamen und Nachnamen, die dahinterstehen und das machen“. Hören Sie mehr darüber und wie das am Beispiel Trofaiach in der Steiermark funktioniert im Podcast.

    • 53 Min.
    Welt verbessern für Anfänger mit Rebekka Dober

    Welt verbessern für Anfänger mit Rebekka Dober

    Rebekka Dober vertritt mit YEP die Stimme der Jugend. In Schulen, Vereinen und Unternehmen veranstaltet sie partizipative Prozesse, um die Perspektiven von jungen Menschen einzubringen und sie so zu ermächtigen. Warum Schulausflüge der Beginn von Demokratiebegeisterung sein können, und wie ein Moment der ungeteilten Aufmerksamkeit von Alexander van der Bellen für Inspiration gesorgt hat.
    „In jedem Fach in der Schule hören wir meistens nur, wie schlecht die Welt ist. Wir wissen immer, welche Herausforderungen es gibt, aber wir hören nicht, was wir dagegen tun können“. Es liegt oft nur an dem fehlenden (Selbst)Bewusstsein, sagt Dober. „Wenn man die Menschen fragt, mitgestalten lässt und ihnen eine Möglichkeit dazu gibt, dann wollen sie auch“.

    „Ich glaube, dass man mit Bildung was verändern kann. Ich bin sehr viel gereist und es ist egal wo man hinkommt, ob Indien, Russland oder Kolumbien. Überall sagen die Menschen, dass sie bei Bildung ansetzen würden, um wirklich etwas zu verändern.“ Kinder und Jugendliche seien noch nicht in Denkmustern gefangen und denken noch mehr „out-of-the-box“, so kann Neues entstehen. Diese Gedanken bildeten die Basis für YEP: Jungen Menschen beweisen, dass sie etwas verändern können, und sie mit den entsprechenden Fähigkeiten auszustatten. Denn egal was für einen Ansatz man hat, man braucht das passende Bildungsangebot, um ihn umzusetzen, meint Dober. Unternehmerisches Denken, Marketing oder ein Finanzkonzept brauche jede Idee.
    Trick 17
    Menschen glauben, dass ihr Handeln dann wirksam ist, wenn sie erlebt haben, dass ihr Handeln etwas bewirkt. In Kombination mit einem abstrakten Thema wie Demokratie ein umso schwereres Unterfangen. Wie kann man dieser Zwickmühle zuvorkommen? „Demokratie ist etwas, das du erfahren musst. Das ist erfahrungsbasiertes Lernen!“. Sie gibt das bekannte Beispiel vom Schulausflug: „Wenn die Schüler tatsächlich mitbestimmen dürften - das passiert so selten - würde aber einen Riesenunterschied machen. Du musst wählen, alle Interessen inkludieren, ausrechnen was es kostet, wie kommst du hin? Das ist Demokratie, wenn du merkst, wenn ich was verändere, dann verändert sich was“.
    Oft scheitere es bereits daran, dass Jugendlichen nicht genug zugetraut werde, oder nur die ermutigt werden, die bereits aus stabilen sozioökonomischen Verhältnissen stammen. Sie bemüht sich, alle in diesen Ermächtigungsprozess mitzunehmen.
    Die andere Seite
    Dober geht mit ihrem Programm nicht nur in Schulen und Vereine, sondern auch in Unternehmen. Ein Betrieb, der beispielsweise dringend Lehrlinge benötigt, kann so die Perspektive von jungen Menschen verstehen. Warum bricht jemand eine Lehre ab? Was trägt zum Gefühl bei, willkommen zu sein? Das nicht als eine Einbahnstraße zu sehen, ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. „Ein Jugendlicher soll seine Lehre durchziehen, sonst verliert das Unternehmen Geld und er fühlt sich ‘disempowered‘, wenn er merkt, hier nicht zu passen“.

    • 36 Min.
    Der Preis des Regierens mit Katrin Praprotnik

    Der Preis des Regierens mit Katrin Praprotnik

    Halten Politiker*innen ihre Wahlversprechen öfter als gedacht? Warum wird nach einer Legislaturperiode der Juniorpartner in Regierungen eher abgestraft? Kathrin Praprotnik im Gespräch mit Philipp Weritz über den Zustand österreichische Demokratie und was die Arbeit des Austrian Democracy Lab dazu beiträgt. Hier lesen sie drei Stichpunkte aus dem Gespräch.

    2000 Versprechen unter der Lupe
    Im Zuge ihrer Dissertation untersuchte Praprotnik die Versprechen, die Parteien im Wahlkampf gaben. Wie viele davon waren am Ende einer Regierungsperiode umgesetzt worden? „Wenn ich erzählt habe, dass ich dazu forsche, kam immer die Antwort ‘Es wird sowieso nichts umgesetzt.‘ Das war auch meine Motivation zu fragen, ob das wirklich so ist“. Das Ergebnis war, dass 50-60 Prozent umgesetzt oder zumindest zum Teil umgesetzt werden. Für Praprotnik trotzdem ein beachtlicher Wert: „Parteien, die in einer Regierung zusammentreten, tun das in einer Koalition. Sie müssen also immer Kompromisse finden“. Die öffentliche Meinung, dass Wahlzuckerl nur das bleiben, wurde also relativ klar widerlegt.
    „Das hat mir auch gezeigt, was Wissenschaft können muss und können soll: Über schnelle, vorgefertigte Meinungen hinwegsehen und eine empirische Grundlage für den öffentlichen Diskurs zu liefern“. 2000 Wahlversprechen hat sie untersucht, jedes einzelne ein kleiner Mosaikstein im großen Bild. „Man lernt sehr viel über die Programmatiken von Parteien. Wie lang gewisse Forderungen bestehen, welche sich wiederholen, woher sie kommen und wie sie schlussendlich umgesetzt werden“. Das bestimmt die Rahmenbedingungen der repräsentativen Demokratie „und erklärt letztlich die Bedingungen, in denen wir alle leben“.
    Regieren oder nicht regieren?
    Ein zweiter Aspekt ihrer Forschung waren die „Kosten des Regierens“. Zwei Koalitionspartner, die eine Legislaturperiode beenden und die Frage: Wer wird von den Wählerinnen mehr belohnt bzw. bestraft? „Die Wahlergebnisse der letzten Jahrzehnte zeigen, dass der größere Regierungspartner ein Stück weit weniger verliert, als der kleine Partner. In Österreich war vor allem die Wahl 2002 dafür ein Beispiel, wo die FPÖ auf ein Drittel ihrer Stimmen reduziert wurde“. Auch eine europaweite Studie bestätigt dieses Bild. „Der Juniorpartner hat es schwieriger, sein Profil zu bewahren und zu schärfen und kann in Kombination auch weniger umsetzen. Deswegen wird er nach einer Wahl auch eher abgestraft“, erklärt sie.
    Was bedeutet diese Erkenntnis für Koalitionsverhandlungen von kleineren Parteien? Ist eine Umsetzung von wenigen eigenen Zielen einen potentiellen Stimmverlust wert? „Das ist die Frage, die sich jede Partei stellen muss. In der Politikwissenschaft unterscheiden wir zwischen drei Zielen: Wählerstimmen, Ämtern und politischen Inhalten“. Vor einer Wahl werde der Fokus klar auf Wählerstimmen liegen, diese stehen auch in einer sehr linearen Kurve zu Ämtern: „Je höher der Stimmenanteil, desto mehr Ämter bekomme ich“.
    Zufrieden mit Österreich?
    Das Austrian Democracy Lab ist ein wissenschaftliches Forschungsprojekt der Universitäten Krems, KF-Graz und dem Forum Morgen. Wie steht es um die Zufriedenheit und die Qualität der Demokratie in diesem Land? Mit Christina Hainzl leitet Praprotnik das ADL, sie forschen zu Wahlrecht, Partizipation und Föderalismus. „Die drei Themenbereiche sind unsere Basis um die Qualität, das Verständnis und Reformpotentiale zu identifizieren“. Partizipation hält sie für das entscheidende Merkmal: „Wie stehen einzelne Bürgerinnen und Bürger zur Demokratie? Unterstützen sie sie, machen sie mit? Wenn ja, ist das System viel stabiler. Je mehr Partizipation, desto mehr Demokratie“.
    Wahlen seien nur der Ausgangspunkt, das Wahlrecht, die Beteiligung am Diskurs, die Nutzung direktdemokratischen Elementen und die simple Frag

    • 36 Min.
    Die Themen von Morgen mit Andreas Kovar

    Die Themen von Morgen mit Andreas Kovar

    Der Public-Affairs-Berater Andreas Kovar erklärt wieso und wo Politik konstruktiver ist als gedacht und wie man Inhalte von gesellschaftlicher Relevanz findet. Hier lesen sie zwei Stichpunkte aus dem Gespräch.

    Am richtigen Fuß erwischt werden

    Kovar erzählt, dass seine Projekte und Kontakte oft aus Bestehendem gewachsen sind: „Fast immer hat eines zum nächsten geführt“. Ein Beispiel ist die Arena Analyse, eine Methode die das Ziel hat zukünftige gesellschaftliche, wirtschaftliche oder politische Entwicklungen zu identifizieren. Im Gespräch mit dem CEO der Post AG, fragte dieser 2003, wie können wir es verhindern, von großen Themen nicht am falschen Fuß erwischt zu werden? „Wir haben uns ein Jahr lang schlau gemacht. Wie gehen Institutionen wie Versicherungen, Militär, Kirchen oder Regieren mit strategischer Früherkennung um?“.

    Das Ergebnis ist vergleichsweise simpel, man muss mit Insidern reden. „Damit kann man zwar keine Zukunftsforschung betreiben, aber man weiß, was hier und heute passiert. Das ist aber nicht das, was in der Öffentlichkeit diskutiert wird“. Politik und Medien würden sich zwar gerne als Avantgarde und Vorreiter geben, in Wirklichkeit laufen sie aber immer gesellschaftlichen Entwicklungen hinterher. Seit 2006 wird einmal jährlich die Frage gestellt „Was blüht uns morgen?“, sagt Kovar. Eine Beobachtung, die ihm seit damals aufgefallen ist, ist das Tempo von Veränderungen: „Die Entwicklungen gehen nicht so schnell, wie man denkt, diese Langsamkeit ist erstaunlich. Klimawandel ist seit den 80er Jahren ein Thema, medial hat es aber erst vor zwei, drei Jahren richtig begonnen“.

    Praktisch gesehen fragt das Team 50-100 Expert*innen, welche Dinge sie aktuell beschäftigen, die in der Öffentlichkeit noch keinen Raum finden oder mehr Beachtung benötigen. Wie identifiziert man Menschen, die Themen von morgen identifizieren? „Wir versuchen ein Thema möglichst vielfältig anzugehen, um so blinde Flecken auszuschließen und keine Verzerrungen zu erleiden. Politiker sind ausgeschlossen, denn die erzählen was sie gerne erreichen würden. Auch Journalisten fragen wir nicht, denn die erzählen was in den letzten Wochen in den Medien diskutiert wurde“. Gute Beobachter, die keine Themen verkaufen wollen, fasst er zusammen.

    Konfrontation versus Kooperation

    Die aktuellste Ausgabe der Arena Analyse behandelt das Thema Konstruktive Politik. Dabei ist es nicht um die Frage gegangen wer konstruktive Politik betreibt, sondern welche Experten ein mehr oder weniger an Konfrontation und Kooperation bemerken. An den Orten abseits der politischen Großbühne, wo die tatsächliche Arbeit stattfindet. „Hätte man nur die Medien analysiert, wäre man zu dem Schluss gekommen, dass es sehr viel mehr Konfrontation gibt. Man hätte das auf die neue Regierung 2017 zurückgeführt oder auf die Wahl von Trump. Was in den Medien aber nicht steht, ist, dass es deutlich mehr Kooperation gibt“.

    Kovar erzählt, dass die Überlegung aufkam, ob dies nicht durch das eigene Verhalten verzerrt worden war. „Wir arbeiten an Lösungen, nicht am Verhindern. Daher sind wir auch oft mit Leuten in Kontakt, die Lösungen finden wollen“. Schlussendlich kam aber ein interessantes Fazit dabei heraus: Die Art der Konfrontation hat sich verändert. Politiker verschiedener Couleurs würden auch länderübergreifend zusammenarbeiten, während solche, die im selben Wählerteich angeln, sich schwerer tun. „Aber sogar das stimmt nicht immer. Auf regionaler Ebene wird ein konstruktives Umfeld sogar erwartet und auch belohnt“. Tendenziell lässt es sich konstruktiver arbeiten, je weniger man im Rampenlicht steht. „Im Spotlight ist es oft schwierig konstruktiv zu agieren. Wenn keine Kameras da sind, verhalten sich die Leute ganz anders“.

    • 51 Min.

Kundenrezensionen

4.9 von 5
9 Bewertungen

9 Bewertungen

bzumoh ,

Toller, informativer Podcast!

Bitte mehr davon! :)

Top‑Podcasts in Nachrichten

Zuhörer haben auch Folgendes abonniert: