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Die Reportagen rücken Menschen ins Zentrum. Gezeigt werden deren Schicksale und Abenteuer.

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Die Reportagen rücken Menschen ins Zentrum. Gezeigt werden deren Schicksale und Abenteuer.

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    Wunderkinder – Wenn sie erwachsen werden

    Wunderkinder – Wenn sie erwachsen werden

    Bomi Song konnte bereits mit eineinhalb Jahren lesen, machte mit 16 die Matura und studierte danach in Berlin Musik. Ihre jüngere Schwester Hani stand ihr in nichts nach und ist heute ebenfalls auf dem Weg zu einem Master in Musik. «Reporter» hat die beiden in München getroffen. «Ich fühlte mich immer als eine Extrawurst.» Bomi Song denkt mit gemischten Gefühlen an die Etikettierungen zurück, mit denen man das hochbegabte Kind versehen hat. Die heute 26-Jährige erstaunte Fachleute mit ihrer Virtuosität an der Geige und Lehrer mit ihrer raschen Auffassungsgabe. Drei Schuljahre übersprang sie, bevor sie als 16-Jährige an der Zürcher Kantonsschule für Kunst und Sport die Matura machte. Kurze Zeit später wagte sie, gerade 17 Jahre alt, ganz allein den Schritt an die Universität nach Berlin.

    Auch Hani, die jüngere der zwei Song-Schwestern, fühlte sich unwohl mit ihren Talenten. «Ich habe oft extra langsamer gemacht oder versteckt, dass ich schneller oder besser war als die anderen in meiner Klasse», erzählt Hani. Sie habe nicht als Streberin gelten wollen und wäre am liebsten wie alle anderen gewesen. Besonders gestört hat die beiden Schwestern das Vorurteil, ihre koreanischen Eltern hätten sie zu Höchstleistungen getrieben. «Unsere Eltern haben uns nicht gepusht, wir wollten selber üben», sagen die zwei.

    Reporterin Nathalie Rufer begleitet die Schwestern seit vierzehn Jahren und hat sie für die «Reporter»-Reihe über Wunderkinder in München getroffen, wo die beiden inzwischen leben. Dem Geigenspielen sind sie treu geblieben. Hani macht den Master an der Musikhochschule, Bomi musiziert im Orchester des Nationaltheaters.

    • 22 min
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    Wunderkinder – Thierry malt

    Wunderkinder – Thierry malt

    Thierry Bouvard ist Autist. Er kann nicht sprechen, aber er kann malen. Und er malt, wo immer er Platz für Papier und Stifte findet. Dabei hat er sich seine ganz eigene, geniale Technik angeeignet. Thierry Bouvard aus dem zürcherischen Dietlikon ist 20-jährig. Als Thierry ein Jahr alt war, verstummte er. Zwei lange Jahre später erhielten seine Eltern die niederschmetternde Diagnose: frühkindlicher Autismus. «Das hat uns wie ein Blitz getroffen», sagen Thierrys Eltern, André und Joan Bouvard. Sie nahmen seine Therapie selbst in die Hand, vernetzten sich mit anderen Betroffenen und halfen Thierry, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Damals hatten sie noch die Hoffnung, ihr Sohn könne seinen Entwicklungsrückstand aufholen und eine «normale» Schulkarriere absolvieren.

    Diese Hoffnung hat sich aber zerschlagen. Trotzdem hat Thierry enorme Fortschritte gemacht: In jüngeren Jahren warf er sich auf den Boden und schrie lauthals, wenn er im Einkaufscenter von einem Bodenbelag auf einen anderen treten musste. «Er war total unflexibel, kleinste Veränderungen im Alltagstrott warfen ihn völlig aus der Bahn», erinnert sich André Bouvard. Trotz all dem – Joan und André versteckten ihren Sohn nicht.

    Thierry malt, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Als Vorlage dienen ihm Fotos, Postkarten und Bilder aus dem Internet. Diese interpretiert er auf seine ganz eigene Art: Er malt nicht, sondern setzt einzelne Striche zu Flächen zusammen und interpretiert Farben. An der Vernissage seiner zweiten Ausstellung traf Reporterin Helen Arnet den Künstler und ehemaligen Kunstdozenten Emil Müller, alias mülleremil, der Thierrys Werke als genial bezeichnet: «Seine Zeichnungen haben etwas, das sehr tief geht.»

    • 22 min
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    Wunderkinder – Schule für Hochbegabte

    Wunderkinder – Schule für Hochbegabte

    Etwa zwei Prozent der Bevölkerung haben einen IQ von 130 und mehr. Sie gelten als hochbegabt. In Zürich gibt es eine eigene Schule für solche Kinder: die Talenta. Die Hochbegabten und ihre Eltern freut es – der Gegenwind aus der staatlichen Bildungswelt ist jedoch enorm. Xaver Heer ist studierter Biologe, zudem ausgebildeter Primar- und Gymnasiallehrer. Er hat einen hochbegabten Sohn und musste feststellen, dass es für solche Kinder keine massgeschneiderten Schulangebote gab, sehr wohl aber eine Nachfrage. Also lancierte er 1998 in der Stadt Zürich ein schweizweit einmaliges Pilotprojekt: Unter dem Titel «Talenta» wurden neun hochbegabte Kinder zwischen sieben und zehn Jahren in einer eigenen Klasse unterrichtet. Der Gegenwind aus der staatlichen Bildungswelt war enorm – und ist geblieben. Dass Hochbegabte unter sich sein sollen, war und ist vielen suspekt. Über zwanzig Jahre später hat die «Talenta» ein eigenes Schulhaus im Zürcher Kreis 6 und unterrichtet rund fünfzig Kinder, allesamt hochbegabt. Das heisst: Sie haben einen IQ von 130 und mehr. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung fallen in diese Kategorie.

    Die zehnjährige Michelle Jacober ist eines dieser hochbegabten Kinder. Die intellektuelle Überfliegerin aus dem Glarnerland ging gerne in den Kindergarten und freute sich auf die Schule. Dort begannen allerdings bald die Probleme. Michelle war unterfordert und verlor das Interesse am Lernen. Sie begann zu schwänzen, zog sich zurück. Und ihr Gemüt verdunkelte sich zusehends. Das änderte sich erst, als sie an die Talenta wechselte. «Wir haben unsere fröhliche und aufgestellte Tochter wieder», sagt Monika Jacober.

    Die Talenta ist nicht mehr die einzige Schule für Hochbegabte. Das Angebot ist gewachsen – und steht quer in der Bildungslandschaft, stellt Reporter Simon Christen fest. In der Pädagogik geben die Befürworter einer «inklusiven Beschulung» den Ton an. Hochbegabte, Minderbegabte und alle dazwischen sollen in die gleiche Klasse gehen. Keinen ausschliessen, alle einschliessen. Inklusion statt Exklusion. Die «Talenta» sondere Hochbegabte ab und bringe sie um wichtige Lernerfahrungen im Umgang mit sozialer Vielfalt, argumentieren Kritikerinnen. Xaver Heer sieht das ganz anders: «Es konnte mir noch niemand beweisen, dass das, was wir machen, den Kindern schadet.» Im Gegenteil, die Kinder, die in seine Schule gingen, seien zufrieden. Und das sei doch die Hauptsache.

    • 24 min
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    Wunderkinder – Der hochbegabte Maximilian

    Wunderkinder – Der hochbegabte Maximilian

    Maximilian Janischs IQ liegt bei 149+ und sprengt somit die gängige Skala. Seine schulische Karriere ist beispiellos: Die Primarschule brachte er in drei Jahren hinter sich, die Mathematik-Matur absolvierte er mit neun. Heute ist der bald Siebzehnjährige der jüngste Student der Schweiz. Für Schlagzeilen sorgte Maximilian erstmals 2013, als er – mit neuen Jahren – von der ETH als Student abgelehnt wurde, während US-amerikanische Top-Universitäten um den Hochbegabten buhlten. In der Folge bot ihm die Universität Zürich ein auf ihn zugeschnittenes Förderprogramm an. Seit zwei Jahren ist Maximilian regulärer Student an der Uni Zürich und hat in zwei Semestern seinen Bachelor geschafft. Bald möchte er in Princeton bei seinem Mentor Camillo De Lellis promovieren. Parallel zu seinem Studium in Zürich absolviert Maximilian ein Mathematik-Studium in Perpignan.

    Seine Sommerferien verbringt Maximilian im italienischen Orbetello, wo das Mathegenie einen Sommer lang Italienisch lernt, zusammen mit anderen Sprachschülerinnen und Sprachschülern Ausflüge macht und in einer Gastfamilie lebt. Dort trifft Reporterin Helen Arnet auch auf Maximilians Eltern. «Ausnahmetalente wie Maximilian sind gar nicht so selten – speziell ist seine Art der Förderung», sagt Maximilians Vater Thomas Drisch, Mathematikprofessor im Ruhestand. Zusammen mit seiner Frau Monika Janisch einer promovierten Betriebsökonomin, hat er die Beschleunigung von Maximilians Schulkarriere angestossen. «Die Schweiz kann es sich schlicht weg nicht leisten, mathematisch-naturwissenschaftlich hochbegabte Kinder und Jugendliche nicht angemessen zu fördern», meint Vater Thomas Drisch, und auch Sohn Maximilian ist davon überzeugt. Denn momentan seien es vor allem Sport- und Musik-Ausnahmetalente, denen ein besonderes Augenmerk zuteilwerde.

    • 22 min
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    Kaffee zum Glück

    Kaffee zum Glück

    Thomas Schwegler baut in Peru Kaffee an. Mit Erfolg: Seine Kaffeebohnen werden weltweit mit Bestnoten ausgezeichnet. Finanziell trägt sein Unternehmen noch keine grossen Früchte. Trotzdem teilt er seinen Erfolg mit den Einheimischen. Thomas Schwegler produziert Fair Trade Kaffee, beliefert unter anderem ein Schweizer Luxuskaufhaus und hat schon mehrere Preise gewonnen. Dass der 45-Jährige seine Erfüllung im Kaffeegeschäft findet, ist ein Zufall. 2005 reiste er für eine Non-Profit-Organisation, nach Südamerika. Er unterstützte eine Kaffee-Kooperative, später wurde er Kaffeehändler. Vor acht Jahren entschied er sich, selber Kaffee anzupflanzen: «Ich will von A bis Z etwas gestalten. Und das möglichst gerecht, möglichst fair. Und den Leuten etwas vermitteln».

    Dem Zürcher ist wichtig, dass auch die Einheimischen von seinem Erfolg profitieren. Als nächstes will er für sie eine neue Schule bauen. Die Wände der alten sind durchnässt, sie kann jederzeit einstürzen. Schwegler ist der Initiator dieses Projekts. Seine Firma finanziert einen Teil der neuen Schule, der andere soll über Spenden zusammenkommen. Er sei kein Entwicklungshelfer, betont er, sondern Geschäftsmann. Sein Fokus liege beim Aufbau seiner Kaffeemarke.

    Schwegler hat sein ganzes Erspartes in seine Firma gesteckt und zusammen mit Investoren seinen Traum von einer eigenen Kaffeefarm realisiert. Er lebt in Südamerika ein karges Leben: Mit einem Schlauch wird Wasser von einem Bach umgeleitet. Während der Regenzeit ist es braun. In der Nacht wird Schwegler oft von Ratten geweckt. «Dieses Leben hat auch etwas Entschleunigendes. Aber manchmal fehlt mir der Schweizer Luxus schon». Reporter Samuel Bürgler erzählt die Geschichte eines Menschen, der von sich sagt: «Es ist wichtig für mich, einmal von dieser Welt zu gehen und sagen zu können, du hast im ganz kleinen Rahmen etwas Positives beigetragen.»

    • 23 min
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    Vom Flüchtling zum Coiffeurkönig

    Vom Flüchtling zum Coiffeurkönig

    Ghamkin Saleh ist mit nichts in die Schweiz gekommen. Heute prägen seine Geschäfte Zürichs Strassenbild. Er brachte es zum Chef von mehr als einem Dutzend Coiffeursalons, zwei Restaurants und einer Schneiderei. Dann kam die Coronakrise und brachte alles ins Wanken. Ghamkin Saleh flüchtete 1993 aus Syrien in die Schweiz. Sein erstes Geld verdiente er in Zürich als Tellerwäscher und Pizzaiolo in einem italienischen Restaurant. Ein Leben, das ihn nur bedingt erfüllte. Er wollte mehr. Zwei Träume hatte er stets vor Augen: ein Filmstudium absolvieren. Und seine alleinstehende Mutter mit den zehn Geschwistern in die Wahlheimat Schweiz holen, um ihnen Perspektiven zu eröffnen. Denn in Syrien hatten sie keine: Die Salehs gehörten zur unterdrückten kurdischen Minderheit. Beide Wünsche konnte er sich erfüllen.

    Saleh entdeckte bald sein Talent als Unternehmer. Er fing klein an und wurde immer grösser: Aus einem Coiffeursalon sind inzwischen zwölf geworden. Seine Familie spielte dabei eine zentrale Rolle. Sie gab ihm den emotionalen Rückhalt, den er brauchte. Gleichzeitig setzte er seine Geschwister jeweils als Geschäftsführer ein. Und weil er viele Geschwister hat, wurden es immer mehr Geschäfte. Daneben widmet sich Ghamkin Saleh seiner Leidenschaft: dem Filmemachen. Schon in Syrien wollte er Regisseur werden. Aber er musste schnell feststellen, dass der künstlerischen Freiheit dort enge Grenzen gesetzt waren. Also flüchtete er.

    Bis vor wenigen Monaten war Salehs Welt in Ordnung. Seine Geschäfte florierten. Und er arbeitete an einem Spielfilm. Dann kam die Corona-Pandemie. Deren Auswirkungen bringen sein Imperium nun ins Wanken. Ghamkin Saleh befürchtet Filialschliessungen, was Folgen für die gesamte Grossfamilie haben würde. Wegen des finanziellen Drucks droht auch sein aktuelles Filmprojekt zu scheitern, in das er bereits mehrere zehntausend Franken gesteckt hat. Reporter Christian Vogt hat den Multiunternehmer Ghamkin Saleh in den letzten anderthalb Jahren mit der Kamera begleitet und dabei einen Menschen erlebt, der gespalten ist zwischen der Verantwortung gegenüber seiner Grossfamilie und seiner Passion für das Filmemachen.

    • 23 min

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