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Jeden Monat erscheinen frisch aufbereitete Klassiker und vergessene Filmperlen auf Blu-ray, zumeist bei mit Herzblut kuratierten Reihen von Boutique-Labels. Knut Brockmann und Jochen Ecke picken sich die Werke heraus, die sie besonders interessant finden, und sie reden darüber: über die Form, die filmhistorische Einordnung und filmische Besonderheiten.

Ein Filmarchiv Brockmann & Ecke

    • Film History

Jeden Monat erscheinen frisch aufbereitete Klassiker und vergessene Filmperlen auf Blu-ray, zumeist bei mit Herzblut kuratierten Reihen von Boutique-Labels. Knut Brockmann und Jochen Ecke picken sich die Werke heraus, die sie besonders interessant finden, und sie reden darüber: über die Form, die filmhistorische Einordnung und filmische Besonderheiten.

    Der Superfighter (Project A / A gai waak), 1983

    Der Superfighter (Project A / A gai waak), 1983

    Man merkt diesem Film an, dass er von langer Hand vorbereitet ist: Jackie Chan will Anfang der 1980er Jahre seinen Status als Superstar zementieren, seine Film noch mehr einem internationalen Publikum öffnen, Schauwerte maximieren. Project A ist von der ersten Einstellung an enorm ambitioniert: ein Kostümfilm soll es sein! Jackie Chans Star-Prototyp muss noch einmal neu gedacht werden! Und wie funktioniert eigentlich die Dramaturgie dieser neuen Blockbuster aus Hollywood? Nicht zu vergessen: Jackie bringt sich beim Fall von einer Turmuhr beinahe um. Und setzt damit auch einen unheilvollen Präzedenzfall für seine späteren Filme. Wir reden darüber, wie Project A die Weichen für den Rest von Jackie Chans Karriere stellt. Und wo sich zwischen all den Schauwerten dann doch auch wieder das Politische versteckt.

    • 55 min
    Johnny Guitar, 1954

    Johnny Guitar, 1954

    Was wenn der Western als Genre eine Lüge ist? Wenn es gar keinen meritokratischen Wettbewerb um die schönste christliche Utopie bei der Erschließung des Westens gab oder gibt, weil der reaktionäre Kapitalismus sowieso schon gewonnen hat? Darum, so unsere Lesart, geht es in Nicholas Rays apokalyptischem Johnny Guitar. Wir reden darüber, warum der Film für das amerikanische Publikum zehn Jahre zu früh dran war. Und warum er für die europäischen Kinogänger, besonders in Paris, genau rechtzeitig kam.

    • 56 min
    Dracula, 1958

    Dracula, 1958

    Man kann Terence Fishers Dracula auf mindestens zweierlei Weisen gucken: eine, bei der man den Plot ernst nimmt und glaubt, es geht um die Vernichtung Draculas (zum ersten Mal: Christopher Lee) durch Van Helsing (Peter Cushing). Dann muss man sich allerdings auf Langeweile einstellen. Das liegt daran, dass sich die vermeintlich Guten und Redlichen hutzelige Männchen mit stiff upper lips sind, fast noch reaktionärer als die männliche Besetzung von Bram Stokers Roman. Damit lässt sich der sagenhafte Erfolg des Films nicht erklären. Die viel schönere und plausiblere Alternative: wir schauen den Film und gehen davon aus, dass sexy Dracula der Held ist. Wir reden darüber, wie Terence Fisher seinen Film so baut, dass das Publikum gar nicht anders kann als - frei nach William Blake - of the devil's party without knowing it zu sein. Und schwelgen in Technicolor und Christopher Lees Byronic badness.

    • 55 min
    Revolver - Die perfekte Erpressung (Revolver), 1973

    Revolver - Die perfekte Erpressung (Revolver), 1973

    Wir erleben mit dem Gefängnisdirektor Vito Cipriani (Oliver Reed), dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Italien und Frankreich Mumpitz ist. Stattdessen regiert das Kapital. Von hier auf jetzt sind Recht und Gesetz egal: Ciprianis Frau wird entführt. Der Gefängnisdirektor wird gezwungen, einen Sträfling laufen zu lassen, wenn er sie wiedersehen will. Milo Ruiz (Fabio Testi), so der Name des Sträflings, soll verschwinden, weil das Kapital es so will. Aber vorher bäumen sich Ruiz und Cipriani noch einmal gegen die neue, alte Weltordnung auf. Das ist natürlich ein hoffnungsloses Unterfangen, wenn es an Klassenzusammenhalt mangelt. Wir reden darüber, wie präzise Sollima diese Ausweglosigkeit langsam und systematisch spürbar macht. Und über Ennio Morricones grandiosen Score, der uns das böse Ende des Films eigentlich schon ganz früh verrät. Wir wollen es aber nur nicht wahrhaben.

    • 58 min
    Der eiskalte Engel (Le samouraï), 1967

    Der eiskalte Engel (Le samouraï), 1967

    Alles an diesem Film ist Behauptung und Erfindung, angefangen beim Zitat, das Melville in der ersten Einstellung einblenden lässt: das stamme aus dem Ehrenkodex der Samurai, behauptet der Film da. Das ist natürlich Quatsch. Der Regisseur und Drehbuchautor hat es frei erfunden. Der eiskalte Engel macht auch sonst keinerlei Hehl aus seiner Künstlichkeit, seinem Ästhetizismus: theaterhafte Sets prallen auf gegenwärtige Straßenaufnahmen wie weiland bei der Nouvelle Vague, viele der Figuren haben erst gar keinen Namen, sondern tragen nur eine Typenbezeichnung: "der Kommissar", "die Pianistin". Zuvorderst wird Alain Delon zur reinen, wunderschönen Oberfläche. Und zumindest im Film darf diese Schönheit gegen die Absurdität des menschlichen Daseins gewinnen.

    • 57 min
    Frankenstein Junior (Young Frankenstein), 1974

    Frankenstein Junior (Young Frankenstein), 1974

    Wir reden darüber, wie der Film mit James Whales' legendären Frankenstein-Verfilmungen für Universal umgeht - und wie die Drehbuchautoren Mel Brooks und Gene Wilder vielleicht auch Bezug auf Mary Shelleys Roman nehmen. Wie Brooks immer wieder Momente echten Grauens produziert und sich enorm viel Zeit nimmt, bis er dann endlich mit einem Gag diesen Momenten die Schwere nimmt. Und natürlich über das Schauspiel der gerade verstorbenen Cloris Leachman, die als Frau Blücher Pferde scheu macht und Bettpfosten erotisch auflädt.

    • 56 min

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