about:web #2 – Was das Internet über dich denkt

Die zweite Folge des neuen Podcast von Mozilla & ze.tt: über das Internet, Dich & mich!

about:web – der brandneue Podcast von Mozilla und ze.tt

Episode 2 – Was das Internet über dich denkt

Protagonisten: • Wolfgang Kerler – Redaktionsleiter von Wired in Deutschland • Sachar Klein – Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Hypr • Andre Padecken und Sandra Drolshagen – Betreiber des Instagram-Accounts MissyMinzi • Douglas Rushkoff – US-amerikanischer Autor, Dozent und Kolumnist

Skript:

Mae Becker: Ah, der “Is mir egal” Mann. Der ist super. Ewig nicht mehr gehört. Aber immer noch ein guter Beat. Was macht die BVG, die Berliner Verkehrsgesellschaft, eigentlich jetzt? Ah…. ja… da steht es ja gleich… noch ein Video

Jetzt sind sie auf 80er. Auch nicht schlecht. Hmmm hmmm hmmm … Oh Mann, das wird mein Ohrwurm. Das wird mein Ohrwurm der nächsten Wochen. Das weiß ich jetzt schon. Um den zu übertünchen brauch ich jetzt dringend etwas Anderes.

Ach, guck, der „Supergeil“-Typ von Edeka… ach, ja… Liechtenstein. Der war echt super. Supergeil, quasi.

Jaja, ihr kennt das alle. Zu viel Zeit und einen Computer zur Hand und schon ist man in den Weiten des Netzes abgetaucht und macht sich eine gute Zeit. Oft auch, wenn man eigentlich gar keine Zeit hat. Das Internet ist ein Traum für alle, die prokrastinieren wollen. Das heißt, so richtig schön bummeln, und die eigene Zeit etwas anderem widmen, als dem, das man gerade wirklich zu tun hat. Das Internet macht es uns leicht, uns mit super wichtigen Sachen eine gute Zeit zu machen: Wir schauen Katzenvideos an, lustige Gifs oder auch einfach nur anderen Menschen beim Leben zu. Wir versacken auf Suchmaschinen und in Online-Lexika. Aber, wer sind wir für das Internet? Werden alle diese Inhalte eingestellt, um uns zu belustigen? Um uns zu zerstreuen? Und uns zu informieren? Oder warum? Darum soll es in dieser Folge von about:web gehen. Hi, ich bin Mae von ze.tt. Und ich führe euch durch diesen Podcast, präsentiert von Mozilla, den Machern des Browsers Firefox, und Tochter der Non-Profit Organisation Mozilla Foundation. Im Gegensatz zu einigen anderen Tech-Unternehmen, setzt Mozilla euch an erste Stelle und tritt seit 20 Jahren für das Internet ein. Mit so Sachen wie der Multicontainer Erweiterung, die Werbe-Tracker davon abhält, euch von Seite zu Seite, Plattform zu Plattform zu verfolgen. Ich sag das nur jetzt hier schon mal, denn nachdem wir herausgefunden haben werden, was auf der anderen Seite des Webs so gedacht und gemacht wird und mit welcher Motivation, werden ihr wahrscheinlich unbedingt sowas wie die Multicontainer-Erweiterung für euren Browser haben wollen. Trust me. Oder gleich die neueste Version von Firefox, die mit verbesserter Tracking Protection kommt und alles blockt, was euch im Internet verfolgt.

Also: Woher kommen all diese Dinge, die uns im Web begegnen und warum sind sie da? Wer hat da was von - und wer nicht? Ist es etwa gewollt, dass wir wie Anne aus der letzten Folge unsere Hände nicht mehr von unseren Handys und Tastaturen lassen können? Und wenn ja, von wem? Und warum? Ist Aufmerksamkeit die neue Währung geworden?

[Jingle]

Ich klicke mal hier mal da, wie Hans Guck in die Luft und mache mir eigentlich über gar nichts Gedanken, wenn ich mit viel Zeit mal im Netz unterwegs bin. Denn das Internet ist ja schließlich dafür da, mich zu belustigen. Oder? Und für mich ist ein einzelner Klick auf eine Sachen eben wirklich nur das: ein bedenkenloser Klick. Und die Zeit, die ich auf einzelnen Portalen verbringe ist für mich auch nur das: eine Minute meiner Lebenszeit.

So wie ich klicken sich viele ganz bedenkenlos durch das Internet. Dabei werden wir aber von unsichtbaren Kräften gelenkt. Das zeigt schon mein kurzer Stroll auf Youtube. Wie von Geisterhand zieht es mich von einem Video zum nächsten. Immer dem guten Beat und dem skurrilen Inhalt nach. Dass ich bei genau diesen Videos lande, ist dabei sicher kein Zufall.

Für die Akteure auf der anderen Seite sieht mein kleiner Ausflug durch die Weiten des Netzes ganz anders aus. Sie nehmen das ernst. Und sie haben sich beim Design der verschiedenen Webseiten etwas gedacht. Und bei ihren Social Media Posts. Und auch bei den Inhalten, die sie für uns ausspielen. Denn es gibt ganz verschiedene Techniken, wie man sich im Netz unsere Aufmerksamkeit aneignet.

Sachar Klein: “Letztendlich geht es darum, den Menschen etwas zu geben, das sie entweder, was für sie komplett neu ist, oder man bietet ihnen etwas, was sie bestätigt, dass sie dann schlussendlich sagen „Ha! Siehste! Ich bin nicht allein mit meiner Meinung.“ Oder aber was sie dermaßen erstaunt und überrascht, dass sie sagen „Das kann doch gar nicht wahr sein. Schau dir das doch mal an!“

Mae Becker: Eben habt ihr Sachar Klein gehört. Dass ich mich ausgerechnet mit ihm über diese Sachen unterhalte, kommt nicht von ungefähr. Denn Sachar ist Gründer und Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Hypr in Berlin und arbeitet für große Unternehmen, aber auch für Startups oder aber Magazine. Sein Job ist es, für diese Kunden Aufmerksamkeit zu generieren und zwar auf den unterschiedlichsten Plattformen und mit verschiedenen Mitteln.

Sachar Klein: “Die Art und Weise, wie wir Kommunikation verstehen ist einerseits, dass die Aufmerksamkeit von Menschen erlangen müssen, um dann die Aufmerksamkeit der Menschen so zu framen, dass wir die Kunden oder die Auftraggeber für die wir tätig sind, letztendlich davon am meisten profitieren können. Gleichzeitig gibt es nicht nur um simple Aufmerksamkeit, sondern darum die Aufmerksamkeit so zu gestalten, dass sich die Nutzer gut unterhalten und informiert fühlen.”

Mae Becker: Sachar, der auch einen journalistischen Background hat, möchte, dass die Internetnutzer seinen Inhalten gerne ihre Aufmerksamkeit schenken, nicht durch Druck. Er möchte Inhalte schaffen, die man einfach gerne klickt. Natürlich immer das Kommunikationsziel seiner Kunden im Hinterkopf. Aber woher weiß man, was gern geklickt wird? Dafür muss man vor allem die Zielpersonen sehr gut kennen. Und sie dort abholen, wo sie sind, erklärt mir Sachar:

Sachar Klein: Ich habe tatsächlich früh gelernt, dass man gute Geschichten erzählen muss. Dass man die Geschichten aber eben nicht aus seiner eigenen Perspektive heraus erzählen muss, sondern dass man immer berücksichtigen muss, wem man diese Geschichten erzählt, damit man die Aufmerksamkeit der Leute auf sich ziehen kann.

Leute, die sich Gehör verschaffen möchten und müssen, müssen zuerst wahnsinnig viel zuhören. Ich persönlich bin ein Freund dessen, dass ich lieber selber höre, lese, beobachte, analysiere und auf Basis dessen eine Entscheidung treffe, was die Leute wirklich interessiert, worüber sie nachdenken, worüber sie weniger gerne nachdenken. Und dann muss ich das Ganze natürlich als Schablone über das legen, was unsere Auftraggeber interessiert und was sie gerne kommuniziert sehen wollen. Damit das dann auch wirklich gut funktioniert. Mae Becker: Der Schlüssel, unsere Aufmerksamkeit zu erhaschen liegt also darin, uns besonders gut zu kennen. Kommunikationsagenturen wie Hypr wollen nicht einfach irgendwen erreichen, sie wollen die richtigen Menschen für ein bestimmtes Kommunikationsziel erreichen. Damit die Werbebotschaft des Kunden auch bei denen ankommt, die sie interessiert.

Ganz ähnlich verfährt auch Journalist Wolfgang Kerler. Auch wenn er eigentlich keine Werbeziele mit seiner Arbeit verfolgt. Die guten Geschichten will er dennoch an den richtigen Mann und die richtige Frau bringen. Wolfgang leitet seit ein paar Monaten die Redaktion von Wired in Deutschland.

Wolfgang Kerler: Wired ist ein Technologie-Magazin. Früher wars mal ein Heft, jetzt sind wir nur noch im Netz. Unser Themengebiet sind Zukunftstechnologien und alles, was damit politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen Konsequenzen zusammenhängt.

Mae Becker: Ich unterhalte mich mit Wolfgang, weil er ein digitales Medium betreibt. Eins auf das wir, bei unseren Streifzügen durch das Netz klicken können. Menschen, die Wired lesen, interessieren sich für Technologie und Zukunftsthemen, wie beispielsweise E-Mobility und Blockchain. Ihr Tech-Wissen bekommen sie bei Wired schon seit 1993. Wer sich so lang hält, muss wissen, was er tut. Wolfgang, der vorher lang beim Bayerischen Rundfunk und auch Korrespondent des ARD Haupstadtstudios war, weiß, wie man die Aufmerksamkeit dieser bestimmten Gruppe fesselt.

Wolfgang Kerler: Man kann natürlich durch reißerische Überschriften und Unmengen an Content, den man irgendwie raushaut, schnell so eine Aufmerksamkeitswelle erzeugen […] und kriegt dann wahrscheinlich auch auf einen Schlag mal viele Klicks. Aber unser Ziel ist es, uns quasi eine treue Nutzerschaft aufzubauen. Wir versuchen an bestimmten Themen einfach viel dran zu bleiben, lang dran zu bleiben. Und dann versuch ich natürlich, dass viele Geschichten echt nur wir haben. Also exklusive Geschichten oder spannende Artikel, tatsächlich die sich dann von selbst verbreiten, weil die Leute das so interessant finden, dass sie es dann posten und verschicken und so weiter.

Mae Becker: Wolfgang geht es also darum, relevante News zu verbreiten und auch bemerkenswerte und für die Leser relevante Geschichten zu erzählen. Es geht darum, etwas zu bringen, was dem Leser wiederum etwas bringt, was ihn begeistert, ihm Spaß macht. Gern auch mit einer knalligen Headline und dem ein oder anderen Tech-Gossip über Elon Musk.

Aber ist es wirklich nur das? Oder gibt es da noch eine andere Seite, wenn wir über Aufmerksamkeit sprechen? Gibt es da nicht noch diese Sache namens Aufmerksamkeitsökonomie? Kurz: Ist da nicht noch jemand anderes zufrieden