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Kay Brinkmann und Giedrimas Jeglinskas: Wie widerstandsfähig ist Europa wirklich?

Europa lebt in einer sicherheitspolitischen Grauzone: nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden. Der russische Angriff auf die Ukraine hat eine Form der Auseinandersetzung sichtbar gemacht, die weit über klassische Militärlogik hinausgeht. Cyberangriffe, Desinformation, ökonomischer Druck und gezielte gesellschaftliche Polarisierung sind längst Teil der strategischen Realität. Hybride Kriegsführung zielt nicht auf den schnellen Sieg, sondern auf Ermüdung, Verunsicherung und das langsame Erodieren demokratischer Entscheidungsfähigkeit. Der frühere Eurocorps Chief of Staff Kay Brinkmann bringt diesen Zustand auf den Punkt: Man sei nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden – und genau darin liege die größte Herausforderung für Europas Sicherheit.

Militärisch wächst das Bewusstsein, dass Abschreckung nur dann wirkt, wenn sie glaubwürdig ist. Innerhalb der NATO wurden erstmals seit dem Kalten Krieg wieder umfassende, gemeinsame Verteidigungspläne beschlossen. Doch zugleich ist klar: Sicherheit lässt sich nicht allein militärisch herstellen. Brinkmann betont, dass moderne Verteidigung immer auch gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit einschließt – funktionierende Infrastruktur, mentale Vorbereitung der Bevölkerung, politische Handlungsfähigkeit. Resilienz ist keine Zusatzaufgabe, sondern Voraussetzung dafür, Konflikte gar nicht erst eskalieren zu lassen.

Besonders deutlich formuliert das der litauische Parlamentarier Giedrimas Jeglinskas, dessen Land aus historischer Erfahrung heraus früh vor russischer Machtpolitik gewarnt hat. In Osteuropa sei die Bedrohung nie abstrakt gewesen, sagt er, weshalb Sicherheits- und Verteidigungspolitik dort gesellschaftlich breit getragen werde. Europa insgesamt jedoch ringe mit Fragmentierung, politischen Fliehkräften und nachlassender Geschlossenheit. Diplomatie ohne Machtbasis, so Jeglinskas, mache verwundbar. Frieden entstehe nicht durch gute Absichten, sondern durch Stärke – militärisch, politisch und gesellschaftlich. Diese Diagnose stand im Zentrum einer Diskussion beim 48forward Festival im November 2025 in der Münchner Alten Kongresshalle. Sie verweist auf eine unbequeme Wahrheit: Europas Sicherheit entscheidet sich nicht in einem einzelnen Konflikt, sondern daran, ob der Kontinent bereit ist, dauerhaft Verantwortung für seine eigene Resilienz zu übernehmen.

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