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Der Literaturpodcast von Hamburger Abendblatt und dem Literaturhaus Hamburg mit Literaturhaus-Chef Rainer Moritz und Abendblatt-Kulturredakteur Thomas Andre.

Next Book Please Hamburger Abendblatt

    • Society & Culture
    • 5.0, 18 Ratings

Der Literaturpodcast von Hamburger Abendblatt und dem Literaturhaus Hamburg mit Literaturhaus-Chef Rainer Moritz und Abendblatt-Kulturredakteur Thomas Andre.

    Der Bigamist, der Verleger und einer, der Abschied nimmt

    Der Bigamist, der Verleger und einer, der Abschied nimmt

    Literaturpodcast

    Der Bigamist, der Verleger und einer, der Abschied nimmt



    Was lesen? Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz über aktuelle Bestseller, die es in sich haben.

    Next Book Please, neue Folge: Heute geht es um drei aktuelle Bücher. Und eines ist kein Roman. Eher das glatte Gegenteil davon: Siegfried Unselds „Reiseberichte“ sind nüchterne Dokumentationen der Arbeitstage des Frankfurter Verlegers, der mit Suhrkamp deutsche Kulturgeschichte schrieb.
    Zwischen 1959 und 2002 verfasste Unseld etwa 1500 Berichte von seinen Berufsreisen. Sie waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und sind vielleicht gerade deswegen spannend - zumindest für Menschen, die sich für den Kulturbetrieb interessieren. Was für die beiden Podcaster Rainer Moritz und Thomas Andre doch wohl sicher zutrifft.

    Bei den anderen beiden Titeln wird dann wieder klassisches Romanland betreten. Tayari Jones, 1970 in Atlanta geboren, erzählt in ihrem zweiten Roman „Das zweitbeste Leben“ eine ganz eigene Familiengeschichte. Es geht um Bigamie, Verrat, Loyalität und ein Leben im Schatten. Jones setzt die Leben der Teenager Dana und Chaurisse in Szene, sie sind unterschiedlich: Während Chaurisse als offizielle Tochter des Chauffeurs James Witherspoon normal aufwächst, führt die ihr unbekannte Halbschwester Dana ein Leben im Geheimen. Kein alltäglicher Stoff.

    Bernhard Schlink („Der Vorleser“) betritt dagegen in seinem neuen Erzählungsband „Abschiedsfarben“ allzu bekanntes Terrain. Es geht um die letzten Dinge, um Abschiednehmen, Tod, alte Rechnungen und Schuld. Muss man das gelesen haben? Hören Sie eine Einschätzung in unserem Podcast!

    • 28 min
    Der kleine Mann und die Sexdates

    Der kleine Mann und die Sexdates

    Was lesen? Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz über aktuelle Bestseller, die es in sich haben.


    Taffy Brodesser-Akner hat es in ihrer US-amerikanischen Heimat mit VIP-Porträts zu einiger Bekanntheit gebracht. Ihr erster Roman ist nun auf Deutsch erschienen: „Fleishman steckt in Schwierigkeiten“ ist ein Eheroman. Eheromane erzählen so gut wie immer vom Scheitern, so auch dieser. Im Mittelpunkt der Handlung steht der New Yorker Leberspezialist Toby Fleishman, der frisch geschieden ist. Seine Ex-Frau Rachel ist Künstleragentin und so ehrgeizig und geldgeil, wie man es in der Upperclass Manhattans nun mal oft ist. Toby ist eher Idealist, was folgte, ist die Scheidung. Dann ist Rachel mit einem Mal verschwunden; das gibt diesem Roman einen Spannungsbogen. Toby ist nun allein mit den zwei Kindern, und wir rekapitulieren mit ihm die Ehekrise und die Gesetze unter den Reichen, wonach man immer noch mehr haben muss. Toby selbst ist bescheidene 1,68 Meter groß, aber auf Tinder ein Großer: In diesem manchmal auch komischem Roman beschreibt Brodesser-Akner diverse seiner Sexdates. Wenig überraschend stand dieser Roman auf der Bestsellerliste.
    Ann Petrys „The Street“ war 1946 ein gewaltiger Erfolg, der sich anderthalb Millionen Mal verkaufte. Die afroamerikanische Autorin traf einen Nerv mit ihrem Stoff, der im Problemstadtteil Harlem spielt. Und diesen Nerv trifft der nun auf Deutsch noch einmal neu veröffentlichte Roman heute wieder, in einer Zeit, in der Amerika mal wieder über Rassismus streitet. „Die Straße“ erzählt vom Aufstiegswillen der alleinerziehenden Mutter Lutie Johnson und wie dieser scheitern muss. Ein beeindruckendes Buch, findet Thomas Andre und Rainer Moritz.
    Das dritte Thema dieser der englischsprachigen Literatur vorbehaltenen Ausgabe von Next Book Please ist Benjamin Myers’ eigenwilliger Coming-of-age-Roman „Offene See“, einer der Überraschungserfolge dieses Sommers. Die Bildungsreise des 16-jährigen Robert Appleyard zu einer exzentrischen Frau, die ihn in die Geheimnisse des Lebens einweiht und dabei selbst ein großes Geheimnis hat, ist charmant und lebt von den Naturbeschreibungen. Welchem Podcaster er wohl besser gefällt?

    • 25 min
    Ein Sylt-Buch, ein Datenklauer-Roman, eine Schwaben-Pietcong-Story

    Ein Sylt-Buch, ein Datenklauer-Roman, eine Schwaben-Pietcong-Story

    Was lesen? Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz über aktuelle Bestseller, die es in sich haben.


    Wie war Sylt früher? Wie ist es heute? Und welche Farbe hat die Nordsee? Das sind Fragen. Wichtige Fragen. Susanne Matthiessen beantwortet sie in ihrem Buch „Ozelot und Friesennerz. Roman einer Sylter Kindheit“. Ein so nostalgisches wie zorniges Buch, finden Rainer Moritz und Thomas Andre. Beide kennen die Insel, die so vielen lieb und vor allem teuer ist, aber vornehmlich aus der Nebensaison.


    Außerdem besprechen die beiden Podcaster in der neuen Folge von Next Book Please die neuen Romane von Anna Katharina Hahn und Benjamin Quaderer. Letzterer ist ein dieser Literatursaison besonders hochgehandelter Debütant. Er hat den großen Liechtenstein-Roman geschrieben – wir haben darauf gewartet.


    In „Für immer die Alpen“ geht es um die Lebensgeschichte des Datenklauers Heinrich Kieber, der einst den ersten Steuersünderskandal lostrat. Sie erinnern ich, 2008, Zumwinkel? Genau. Der Heinrich Kieber. Quaderer macht aus seiner Verräter- und Heldenstory einen Schelmenroman, in dem nix wahr, auch auch nicht alles ganz erfunden ist.


    Autor Quaderer ist um Originalität bemüht und postmodern beseelt. Ob das immer alles Not tut? Hören Sie dazu die Meinung der beiden Kritiker. Anna Katharina Hahns „Aus und davon“ ist dagegen ein eher konventionell erzählter Familienroman, in dem von Schwaben und Amerikanern, vom „Pietcong“ und jugendlicher Adipositas erzählt wird – hinsichtlich seiner Qualität sind sich die Kritiker ziemlich einig.

    • 28 min
    Der Größenwahn ist auch Sache der Frauen

    Der Größenwahn ist auch Sache der Frauen

    Was lesen? Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz sprechen über aktuelle Bestseller, die es in sich haben.

    • 37 min
    Next Book Please: Diesmal unter anderem mit einem Literaturquickie

    Next Book Please: Diesmal unter anderem mit einem Literaturquickie

    Eine der Überraschungen in dieser Literatursaison ist Alexander Röslers Krankenhausroman „Unter Kitteln“. Dabei ist es allein schon das Thema, das ihn zu einem Buch der Stunde macht — das Krankenhaus ist der Sozialort der Corona-Gegenwart. Der Erzähler (und hauptberufliche Chefarzt) Rösler erzählt mit bösem Blick und mit Witz von einem Provinzspital in Brandenburg, und er tut das auf schmalem Raum. Mit knapp 180 Seiten ist der Stoff um den Assistenzarzt Hagen Burbeis knapp und doch völlig ausreichend bemessen. Ein echter Literaturquickie also. So heißt auch der Hamburger Verlag, in dem der Roman erscheint. Rainer Moritz und Thomas Andre sind von „Unter Kitteln“ in jedem Fall angetan, so viel sei an dieser Stelle verraten.
    In der neuen Folge von Next Book Please besprechen die Podcaster außerdem Cihan Acars Romandebüt „Hawaii“, das von einem wieder in seiner Heimatstadt Heilbronn gestrandeten Ex-Profifußballer handelt, der etwas planlos durch den Alltag taumelt, ehe er sich in heftigen Straßenkämpfen wiederfindet. Der junge Held Kemal ist ein moderner Dazwischenmensch, als Sohn von Immigranten ein Bi-Kulturalist. „Hawaii“ handelt aber auch von Xenophobie und rechtsgewirktem Bürgertum, ist also hochaktuell. Bleibt die Frage, für wie gelungen der aus Heilbronn stammende Podcaster Moritz das Porträt der süddeutschen Stadt hält…
    Neben den zwei deutschen Autoren stehen zwei irische im Mittelpunkt dieser Folge. Zum einen Anne Enright, die einst mit „Das Familientreffen“ bekannt wurde und nun ihr neues Werk „Die Schauspielerin“ vorlegt. Dort entblättert sie eine Mutter-Tochter-Beziehung, die unter erschwerten Bedingungen etabliert wird. Die titelgebende Mutter reüssiert zunächst außer in Großbritannien auch in Hollywood und am Broadway als Aktrice. Aber diese Katherine O’Dell erlebt dann das, was in ihrem Berufsfeld oft vorkommt: Die Engagements bleiben aus. Am Ende eines nicht allzu langen Lebens verfällt sie einer Art von Wahnsinn. Ihre Tochter, eine Schriftstellerin, spürt den Lebenslinien der Mutter ein Vierteljahrhundert nach deren Tod nach. Ob daraus eine gewinnbringende Lektüre wird, ist Thema von Next Book Please.
    Zum anderen, um auf das irische Erzählerdoppel zurückzukommen, gibt es ein letztes Buch des großen William Trevor (1928-2016). Bei Hoffmann und Campe erscheint „Letzte Erzählungen“, und mit diesen erlebt man Trevor, den glänzenden Erkunder des menschlichen Seelenlebens, der deshalb immer eher Geschichten von der dunklen Seite zu erzählen hat, noch einmal in Bestform.

    • 38 min
    Next Book Please: Olive Kitteridge, Ufos in der Wüste und Fußball-Blödheit

    Next Book Please: Olive Kitteridge, Ufos in der Wüste und Fußball-Blödheit

    Man kann auf ganz verschiedene Weisen von Amerika erzählen. Unter den neuen Büchern gibt es diesbezüglich zwei beredte Beispiele: Zum einen Elizabeth Strouts „Die langen Abende“, eine Fortsetzung von „Mit Blick aufs Meer“, in dem Strout vor einigen Jahren ihre Heldin Olive Kitteridge einführte. Auch in „Die langen Abende“ entfaltet die amerikanische Autorin ein Kleinstadtpanorama mit skurrilen und, das kann man unverdrossen so sagen: authentischen Figuren. Olive ist mittlerweile über 70 und immer noch direkt in ihren Aussagen. Das macht sie zu einer unverkennbaren Figur der Gegenwartsliteratur, finden Rainer Moritz und Thomas Andre.
    Zum anderen, um auf die unterschiedlichen Annäherungen an Amerika zurückzukommen, wäre da „Götter ohne Menschen“, Hari Kunzrus bereits 2011 im Original erschienener und jetzt endlich auf Deutsch vorliegender Wüsten-Roman. Er nimmt, anders als Strout, nicht einen kleinen Kosmos zum Ausgangspunkt seines Portraits, sondern einen mehrere Jahrhunderte umspannenden Erzählbogen, in dem die Glücksversprechen und Sinnsuchen eines Landes in grellen Farben abgebildet werden. Beinah die gesamte Handlung spielt in der Mojave-Wüste, und wir treffen dort auf autistische Kinder, Rockstars, Hedgefonds-Manager, Indianer, Ethnologen, Hippies und Ufologen. Klingt reichlich verblasen, wird durch die avancierte Erzählkunst des Autors aber zu einem puren Lesevergnügen.
    Beim letzten Titel in dieser Ausgabe von Next Book Please widmen sich die beiden Podcaster ihrer zweiten Passion - dem Fußball. Gegenstand des Gesprächs ist Daniel Cohn-Bendits Sachbuch „Unter den Stollen der Strand“, eine in weiten Teilen unterhaltsame und kluge, autobiografisch geprägte Fußballgeschichte, bei der sich aber insbesondere einer der beiden Kritiker an Cohn-Bendits sicherlich borniert zu nennende Haltung gegenüber dem deutschen Fußball stört. Da könnte jemand in seiner Fan-Seele getroffen sein…

    • 34 min

Customer Reviews

5.0 out of 5
18 Ratings

18 Ratings

WiPBerlin ,

Wunderbar!

Auf so einen Literatur-Podcast habe ich lange gewartet! Schöne (aktuelle) Buchauswahl, informative Rezensionen, angenehm zuzuhören. „Die Liebe im Ernstfall“ und „Herkunft“ habe ich bereits gelesen, fand es aber wunderbar, noch einmal während des Gesprächs über das Gelesene nachzusinnen.
„Der Platz“ kommt nun auch auf meine Leseliste. Vielen Dank!

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