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Suki Fuller und Dr. Volker Pötzsch: Was bedeutet Verteidigung im Zeitalter hybrider Bedrohungen?

Die gefährlichsten Angriffe kündigen sich nicht an. Sie kommen nicht mit Sirenen, nicht mit Rauch, nicht mit Einschlägen, sondern als Update, als Nachricht, als bequeme Entscheidung. Hybrid Warfare ist kein Krieg im klassischen Sinn, sondern die schleichende Verschiebung dessen, was als normal gilt. Suki Fuller, Expertin für geopolitische Strategien und Fellow im Council of Competitive Intelligence Fellows, antwortet auf die Frage nach dem Stand der Cybersicherheit deshalb mit einer irritierenden Zahl: null. Nicht als Kapitulation, sondern als Realismus. Sicherheit sei kein Zustand, sagt sie, sondern ein bewegliches Verhältnis. Während man glaubt, besser geworden zu sein, habe sich die Bedrohung bereits weiterentwickelt. „Böswillige Akteure suchen ständig nach neuen Wegen, um Schaden anzurichten.“ Wer das vergesse, überschätze sich selbst.

Wie konkret diese abstrakte Bedrohung längst ist, lässt sich beziffern. Dr. Volker Pötzsch, Leiter der Steuergruppe Aufbau INNO in der Abteilung Innovation und Cyber des Bundesministerium der Verteidigung, verweist auf einen Schaden von 202 Milliarden Euro durch Cyberkriminalität allein in Deutschland innerhalb eines Jahres. Cybersicherheit sei lange als technisches Randthema behandelt worden, sagt Dr. Pötzsch, delegierbar, abstrakt, politisch bequem. Erst jetzt entstehe ein Gefühl von Dringlichkeit. Doch auch das könne trügen. „Wir werden immer kämpfen müssen“, sagt er – nicht aus Pessimismus, sondern weil Stillstand im digitalen Raum sofort Verwundbarkeit bedeutet.

Hybrid Warfare zielt dabei nicht nur auf Server, sondern auf Routinen, nicht nur auf Staaten, sondern auf Menschen. Kühlschränke, Autos, Telefone: Cyber ist kein eigener Raum mehr, sondern Teil des Alltags. Der Mensch sei dabei zugleich die größte Schwachstelle und die größte Hoffnung, sagen beide. Technik könne perfekt sein, Systeme redundant – ein Moment der Unachtsamkeit reiche dennoch. Sicherheit beginne deshalb nicht bei Behörden oder Gesetzen, sondern bei Bewusstsein. Über diese Einsicht sprachen Suki Fuller und Dr. Volker Pötzsch mit Tina Kulow beim 48forward Festival 2025 in der Alten Kongresshalle. Es war ein Gespräch, das keine Gewissheiten versprach, sondern eine nüchterne Erkenntnis formulierte: Sicherheit beginnt dort, wo man aufhört, sie für selbstverständlich zu halten.

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