24 Folgen

Die TROPE gegen die Chronologie. In TROPE DER FILM wird bewegtes Bildmaterial eingesetzt, um zeitliche Abläufe zu relativieren oder ad Absurdum zu führen. Nach der Trope-Logik ist Zeit lediglich ein Phänomen, dass durch das künstlich aufgesetzte Notwendigkeitsdenken seine Berechtigung erhält. Zeit (oder Chronologie) ist ein sich ständig selbst dynamisierendes Instrument der Lebenskontrolle im Sinne der Entrechtung des ursprünglich denkfähigen Menschen. Zeit definiert die Zivilisation und ist einer der bedeutendsten Stützpfeiler der Betriebswirte im Kampf gegen die Nichtexistenz der besagten Notwendigkeit und dem dadurch entstehenden Bedarfsdenken. Letzteres wiederum ist zivilisatorisch bedingt zeitabhängig und bedarf eines ständigen kontrollierten Anstosses. Unsere Vorstellung von Zeitablauf ist nicht unsere eigene. Zwar stellen wir fest, dass sich gewisse Prozesse in ihrer subjektiven Kognition, was ihre Dauer betrifft, von Mensch zu Mensch unterscheiden, doch werden sie schliesslich nach genormten Schemata im Sinne der Verständigung eingeordnet. Auf diese Form der freiwilligen Zeitenteignung wird ein Mensch bereits im Kindesalter konditioniert. Der Zustand der Konditionierung wird mit Hilfe unzähliger Werkzeuge während eines Menschenlebens aufrechterhalten - nicht selten durch die Androhung der völligen gesellschaftlichen Auslöschung. Der Begriff des kollektiven Bewusstseins definiert sich in der Medienwelt durch das anerzogene Zeitverständnis und somit der Gier, Informationen „zeitdiskret“ verarbeiten zu wollen. Wenn wir nun die Darstellung von Zeit als Kunstform herausarbeiten wollen, ist der Weg dahin bereits zur Hälfte gegangen. Zeit ist ein kunsthaftes Gebilde. Es entspricht der menschlichen Existenz nur in sofern, als dass die schmerzliche Wahrnehmung der Sterblichkeit nach einer einfachen Erklärung verlangt. Hier wird jedoch klar, dass sich Sterblichkeit nicht durch Chronologie, sondern durch Endlichkeit ergibt. Ein determinierter Ablauf ist nur durch geplante Auslöschung des einzelnen Lebens möglich. Da ein Mensch aber nicht allein durch das Wissen von fleischlicher Endlichkeit so folgend funktioniert (und durch Produktivität versucht, das Wissen um sie zu verdrängen) muss nachgeholfen werden: Die Berechenbarkeit der Dauer fleischlicher Existenz ist für die heutigen Volkswirtschaften ein essentielles Arbeitsmittel und eine wichtige Planungskonstante. Ab einem festgesetzten Alter ist demnach die Funktionseinheit Mensch verschlissen und muss aus dem Gefüge herausgelöst werden. Unsere Konditionierung suggeriert uns einen zeitlichen Endzustand - einen Quasi-Todesfall. Die Willkür dieser Definition von zeitlicher Abhängigkeit wird durch so-genannte Sterbetabellen deutlich. Volkswirtschaften funktionieren nicht zuletzt auf Grund der konditionierten Zeit-Menschen so hervorragend im Hinblick auf ihre reibungslose Verwaltung. Löst sich der Mensch durch wie auch immer geartete Umstände von seiner Chronologie-Konditionierung, gerät eine Volkswirtschaft ausser Kontrolle. Dies zeigt auf, dass unsere eigene „Zeit“ keine Rolle spielt. Zeit wird uns nicht geraubt, sie wird uns eingeredet. Etwas, was es nicht gibt, kann im Prinzip immer wieder von neuem erschaffen werden - als künstliches Gebilde. In mehr oder minder festgesetzten Zyklen wird eben dieses Gebilde immer wieder neu für uns erfunden. Gute Beispiele sind die Ordnung und die Ideologie der globalen Finanzmärkte. Ohne Zeitkunst wäre diese Form des Handels nicht möglich - sie definiert sich durch sie. Die Geschwindigkeit mit der wir in der Lage sind, Handlungsabläufe zu vervollständigen definiert unsere Leistungsfähigkeit. Ein Weg, dieser Bizarrheit entgegenzutreten ist die Schaffung der Zeit-Trope. (mehr im Booklet)

TROPE der Podcast ZEYKRUMMBECKER 2003

    • TV und Film
    • 5.0 • 1 Bewertung

Die TROPE gegen die Chronologie. In TROPE DER FILM wird bewegtes Bildmaterial eingesetzt, um zeitliche Abläufe zu relativieren oder ad Absurdum zu führen. Nach der Trope-Logik ist Zeit lediglich ein Phänomen, dass durch das künstlich aufgesetzte Notwendigkeitsdenken seine Berechtigung erhält. Zeit (oder Chronologie) ist ein sich ständig selbst dynamisierendes Instrument der Lebenskontrolle im Sinne der Entrechtung des ursprünglich denkfähigen Menschen. Zeit definiert die Zivilisation und ist einer der bedeutendsten Stützpfeiler der Betriebswirte im Kampf gegen die Nichtexistenz der besagten Notwendigkeit und dem dadurch entstehenden Bedarfsdenken. Letzteres wiederum ist zivilisatorisch bedingt zeitabhängig und bedarf eines ständigen kontrollierten Anstosses. Unsere Vorstellung von Zeitablauf ist nicht unsere eigene. Zwar stellen wir fest, dass sich gewisse Prozesse in ihrer subjektiven Kognition, was ihre Dauer betrifft, von Mensch zu Mensch unterscheiden, doch werden sie schliesslich nach genormten Schemata im Sinne der Verständigung eingeordnet. Auf diese Form der freiwilligen Zeitenteignung wird ein Mensch bereits im Kindesalter konditioniert. Der Zustand der Konditionierung wird mit Hilfe unzähliger Werkzeuge während eines Menschenlebens aufrechterhalten - nicht selten durch die Androhung der völligen gesellschaftlichen Auslöschung. Der Begriff des kollektiven Bewusstseins definiert sich in der Medienwelt durch das anerzogene Zeitverständnis und somit der Gier, Informationen „zeitdiskret“ verarbeiten zu wollen. Wenn wir nun die Darstellung von Zeit als Kunstform herausarbeiten wollen, ist der Weg dahin bereits zur Hälfte gegangen. Zeit ist ein kunsthaftes Gebilde. Es entspricht der menschlichen Existenz nur in sofern, als dass die schmerzliche Wahrnehmung der Sterblichkeit nach einer einfachen Erklärung verlangt. Hier wird jedoch klar, dass sich Sterblichkeit nicht durch Chronologie, sondern durch Endlichkeit ergibt. Ein determinierter Ablauf ist nur durch geplante Auslöschung des einzelnen Lebens möglich. Da ein Mensch aber nicht allein durch das Wissen von fleischlicher Endlichkeit so folgend funktioniert (und durch Produktivität versucht, das Wissen um sie zu verdrängen) muss nachgeholfen werden: Die Berechenbarkeit der Dauer fleischlicher Existenz ist für die heutigen Volkswirtschaften ein essentielles Arbeitsmittel und eine wichtige Planungskonstante. Ab einem festgesetzten Alter ist demnach die Funktionseinheit Mensch verschlissen und muss aus dem Gefüge herausgelöst werden. Unsere Konditionierung suggeriert uns einen zeitlichen Endzustand - einen Quasi-Todesfall. Die Willkür dieser Definition von zeitlicher Abhängigkeit wird durch so-genannte Sterbetabellen deutlich. Volkswirtschaften funktionieren nicht zuletzt auf Grund der konditionierten Zeit-Menschen so hervorragend im Hinblick auf ihre reibungslose Verwaltung. Löst sich der Mensch durch wie auch immer geartete Umstände von seiner Chronologie-Konditionierung, gerät eine Volkswirtschaft ausser Kontrolle. Dies zeigt auf, dass unsere eigene „Zeit“ keine Rolle spielt. Zeit wird uns nicht geraubt, sie wird uns eingeredet. Etwas, was es nicht gibt, kann im Prinzip immer wieder von neuem erschaffen werden - als künstliches Gebilde. In mehr oder minder festgesetzten Zyklen wird eben dieses Gebilde immer wieder neu für uns erfunden. Gute Beispiele sind die Ordnung und die Ideologie der globalen Finanzmärkte. Ohne Zeitkunst wäre diese Form des Handels nicht möglich - sie definiert sich durch sie. Die Geschwindigkeit mit der wir in der Lage sind, Handlungsabläufe zu vervollständigen definiert unsere Leistungsfähigkeit. Ein Weg, dieser Bizarrheit entgegenzutreten ist die Schaffung der Zeit-Trope. (mehr im Booklet)

    • video
    Photos

    Photos

    • 11 Min.
    • video
    Outtakes

    Outtakes

    • 3 Min.
    Dokumentation

    Dokumentation

    • video
    Szene 15: Verzerrung

    Szene 15: Verzerrung

    • 3 Min.
    • video
    Szene 14: Verfolgung

    Szene 14: Verfolgung

    • 3 Min.
    • video
    Szene 13: Treppenhaus

    Szene 13: Treppenhaus

    • 3 Min.

Kundenrezensionen

5.0 von 5
1 Bewertung

1 Bewertung

Top‑Podcasts in TV und Film