Es gibt eine Szene, die sich in deutschen Unternehmen täglich wiederholt und über die kaum jemand spricht, weil sie längst als Normalzustand gilt: Ein Team sitzt in einem Konferenzraum, der aussieht wie alle Konferenzräume der Welt. Es wird präsentiert, diskutiert, moderiert – und am Ende fährt jeder nach Hause mit einem rauchenden Kopf und dem diffusen Gefühl, dass das Wesentliche irgendwie nicht gesagt worden ist. Diese Form des Zusammenkommens hat Effizienz versprochen, aber etwas übersehen, das sich nicht wegoptimieren lässt: dass echte Ideen selten in PowerPoint-Folien entstehen und dass Vertrauen – das eigentliche Fundament jeder Zusammenarbeit – nicht per Tagesordnungspunkt beschlossen werden kann.
Die Gegenbewegung ist leise, aber sie ist real. Immer mehr Unternehmen suchen nach anderen Formen: kleinere Formate, ausgesuchtere Orte, intensivere Begegnungen. Denn Gewohnheit ist der größte Feind des Denkens – wer immer am selben Schreibtisch sitzt, denkt immer in denselben Bahnen. Monika Harlinghausen-Smith und Curt Simon Harlinghausen haben daraus ein Projekt gemacht: Über dreieinhalb Jahre haben sie einen denkmalgeschützten Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert in Ruhpolding zu einem Ort umgebaut, der Konferenz-Location, Innovationslabor, Schreinerei, KI-Lab und Familienheim in einem ist. Führungskräfte aus aller Welt kommen hierher – und merken spätestens am zweiten Tag, dass sie nicht in einem Hotel sind. „Die Leute merken, sie sind bei uns zu Hause", sagt Curt Simon Harlinghausen. „Da läuft auf einmal ein Kind durch, oder da sind Schafe, die blöken." Diese scheinbare Kleinigkeit verändert alles.
Was das Wandl beschreibt, ist mehr als ein ungewöhnliches Tagungshaus – es ist ein Argument. Ein Argument dafür, dass Erleben und Verstehen zusammengehören, dass das Haptische und das Strategische sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig bedingen. „Gerade im Zeitalter der KI, wo die Menschen viel zu viel Zeit auf der Strategie verbringen und dann die Entwicklung verpassen, ist es so wichtig, dass man in dieses Hands-on geht", sagt Harlinghausen. Ein Gespräch mit dem Gründerpaar, geführt vor Ort zwischen knarzenden Holzdielen und dem Blick auf den Unternberg, hat gezeigt: Die Fragen, die dieser Ort stellt – Wie wollen wir arbeiten? Was braucht es, damit aus einem Treffen wirklich etwas entsteht? –, reichen weit über Ruhpolding hinaus.
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Fotoquelle: sashmedia / saschabartel
Informationen
- Sendung
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- Veröffentlicht2. April 2026 um 09:45 UTC
- Länge31 Min.
- BewertungUnbedenklich
