14 episodes

Der Podcast Neues TERRAIN behandelt Fragen der urbanen Mobilität von blinden und sehgeschädigten Menschen, neue Technologie und wissenschaftliche Verfahren zur Unterstützung, Neues aus dem Projekt Terrain und gesellschaftliche Fragestellungen.

Neues Terrain Gerhard Jaworek, Sebastian Ritterbusch

    • Natural Sciences

Der Podcast Neues TERRAIN behandelt Fragen der urbanen Mobilität von blinden und sehgeschädigten Menschen, neue Technologie und wissenschaftliche Verfahren zur Unterstützung, Neues aus dem Projekt Terrain und gesellschaftliche Fragestellungen.

    Leitlinien

    Leitlinien

    Aufbauend zur letzten Folge, in welcher das klassische Hilfsmittel, der Langstock, betrachtet wurde, geht es heute um Leitlinien und Leitsysteme. Leitlinien gibt es auch für sehende Menschen. Sie folgen Straßen und wegen und laufen in der Regel nur in Ausnahmen querfeldein. Für blinde Menschen stellt sich die Frage, wie man verschiedene Leitlinen verfolgen kann. Wie kann man einigermaßen geradeaus gehen, ohne dauernd vom Weg abzukommen? Wie bekommt man mit, dass die Straße eine Kurve macht? All das bekommen sehende Menschen sehr früh schon mit. Häuserwände können mit dem Stock oder auch der Hand entlang verfolgt werden. Bordsteine können mit dem Stock entlanggegangen werden. Bordsteinkanten kündigen auch Kurven an. Eine wesentliche Erkenntnis im Orientierungs- und Mobilitätstraining muss sein, dass man begreift, dass Leitlinien generelle Umweltmuster darstellen, deren Verfolgung und Interpretation sich auch an unbekannten Orten anwenden lässt. Sehende verfolgen oft auch taktile Leitlinien, indem Sie versuchen sich nachts, ohne Licht zu machen, durch die Wohnung, beispielsweise zur Toilette zu bewegen. Sie tasten sich an Möbeln und Türen entlang und finden so ihren Weg, oder auch nicht. In jedem Fall entwickelt sich eine innere Landkarte. Die besteht bei blinden Menschen dann eher aus Bordsteine, Rabatten, Häuserwänden, aber auch aus statischen Dingen, wie Mülltonnen, Blumenkübeln, Gitter, Masten und weiterem. Es gibt zwei Fernsinne, das Sehen und das Hören, wobei der Sehsinn noch deutlich weiter reicht. Der Langstock verlängert den Umweltradius für den Tastsinn. Nicht überall sind jedoch Leitlinien vorhanden. Straßen und Plätze müssen meist frei überquert werden. Auf dem Land gibt es häufig keine Bordsteine in Neubaugebieten. Es gibt auch akustische Leitlinien, so können manche blinde Menschen Hauswände hören. Sie müssen dann nicht ständig mit dem Stock oder der Hand sich daran entlang hangeln. Manche überqueren Straßen, indem sie akustisch auf das gegenüberliegende Gebäude zulaufen. Bei dieser Technik wird die Tatsache ausgenutzt, dass jeder Mensch Trittschall erzeugt. Der Langstock stellt eine weitere Geräuschquelle dar, deren mit Umweltinformation beladene Reflektion ausgewertet und zur Verbesserung der Orientierung als Leitlinie verwendet werden kann. Hört die Hauswand rechts auf, dann weitet sich der Raum akustisch. Grünstreifen können von manchen ebenfalls gehört werden. Das Gehör ins Leitsystem zu integrieren ist mit die höchste Schule eines Mobilitätstrainings. Desto länger jemand erblindet ist, desto jünger er zum Zeitpunkt war, desto eher kann diese Technik erlernt und vervollkommnet werden. Bei geburtsblinden Menschen ist sie meist sehr verbreitet. Eine weitere akustische Leitlinie kann Verkehr sein, der einem die Gehrichtung vorgibt. Ein Ziel des Unterrichts ist es, dass man auch lernt frei zu gehen und nicht ständig eine Leitlinie benötigt. Die Leitlinie wird dann zur Grenze. (...)

    • 39 min
    Der Langstock - Hilfsmittel oder Zauberstab?

    Der Langstock - Hilfsmittel oder Zauberstab?

    Ottmar Kappen und Christoph Erbach, beide Mobilitätstrainer bei Sehwerk, sind zu Gast bei Gerhard Jaworek vom Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Thema der Folge ist der klassische Blindenstock oder Langstock. Jeder, der an blinde Menschen denkt, verbindet das meist mit dem robustesten und zuverlässigsten Hilfsmittel zur Orientierung, dem Langstock, den die blinde Person vor sich her pendelt beziehungsweise mit sich führt. Die Geschichte, dass sich blinde Menschen mit Stöcken orientieren, geht bis in das Mittelalter zurück. Es scheint Darstellungen zu geben, die Blinde mit Stock zeigen. Auf dem Gemälde „Zug der Blinden“, das auf um 1800 geschätzt wird, geht einer mit einem Stecken voraus und andere blinde Menschen folgen. Der klassische Langstock wurde in Frankreich von Guilly d’Herbemont entwickelt. In Deutschland hielt sich noch sehr lange bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein der weiße kurze Krückstock. Der Volksmund sagt heute noch „Das sieht ja ein Blinder mit dem Krückstock“… Hauptnachteil des Krückstocks ist die zu kurze Distanz, um auf Hindernisse reagieren zu können. Er diente auch eher der Kennzeichnung und weniger der Orientierung. Die Systematisierung der Benutzung des Langstockes erfolgte 1944 durch Richard Edwin Hoover. Der Stock sollte ungefähr bis zum Brustbein reichen. Bei Kindern, bzw. Personen, die sehr schnell unterwegs sind, etwas länger, um einen längeren Reaktionsweg zu erreichen. Erste Experimente wurden in den 70er Jahren mit Stativ-Beinen gemacht, die man weiß anstrich. Heute kommen häufig Hightech-Materialien zum Einsatz, wie man sie vom Outdoor-Bereich her kennt, beispielsweise Carbon, Aluminium und andere Leichtmetalle bis hin zum Flugzeugstahl. Die Machart des Stockes, also wie viele Klappteile er besitzt, das Material des Stockes und auch der Spitze, legen fest, wie gut der Stock Bodeninformationen überträgt. Den Vorteil eines praktisch faltbaren Klappstocks erkauft man sich eventuell durch seinen dadurch eher dämpfenden Charakter und die dadurch etwas weichere und verwaschenere Informationsübertragung. Auch die Spitze ist hierfür sehr entscheidend. Eine starre unbewegliche überträgt mehr Information und gibt mehr Geräusch, was auch zur Auswertung der Umgebung genutzt werden kann, aber auf Kopfsteinpflaster bleibt man damit hängen. Oft kommen Rollspitzen zum Einsatz. Diese entlasten die Stockhand enorm. Sie drehen sich leider nicht in Laufrichtung. Die Rollspitze hat die Technik verändert. Bei starren Spitzen tippt man eher und bei Rollspitze verbleibt der Stock auf dem Boden. Es gibt im wesentlichen drei Typen von Langstöcken und Kombinationen davon: 1. Der starre Langstock kann weder gefaltet, noch ineinander geschoben werden. 2. Der Teleskop-Langstock. mit ihm kann die Länge variiert werden. Das kann beispielsweise dann sinnvoll sein, wenn man mal schneller und mal langsamer unterwegs ist. 3. Der Faltstock. Von zwei bis sechs Teile, die durch einen Gummizug gehalten werden. (...)

    • 1 hr 3 min
    Mobilitätstraining - Wie blinde Menschen lernen sich die Welt zu erschließen

    Mobilitätstraining - Wie blinde Menschen lernen sich die Welt zu erschließen

    Gerhard Jaworek vom Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT) traf sich mit Christoph Erbach Rehabilitationslehrer von Beruf und angestellt bei der Firma Sehwerk am SZS zum Thema Mobilitätstraining: Wie blinde Menschen lernen sich die Welt zu erschließen. Gleich bei der Vorstellung appelliert der Gast an alle, dass es am Rehabilitationslehrer-Nachwuchs mangelt, obwohl es ein sehr vielfältiger und abwechslungsreicher Beruf sei. Ein Rehalehrer unterstützt Menschen mit einer Seheinschränkung oder Blindheit, um in ein selbstständiges Leben, um in die Welt zu finden. Angefangen vom selbstständigen Stellen eines Weckers, sich anzuziehen, Körperhygiene, Nahrungszubereitung, Essen bis hin zum Umgang mit dem Blindenstock, nutzen von Navigationshilfen und was sonst noch für ein eigenständiges Leben nötig ist, umfasst die Aufgaben eines Rehalehrers. Mobilitätstraining und Unterricht in lebenspraktischen Fertigkeiten (LPF) ein lebenslanger Prozess sind, weil sich Lebensumstände ändern und daher andere Fähigkeiten und Fertigkeiten wichtig werden. Ein Kind muss beispielsweise lernen, sich selbst die Schuhe zu binden. Später braucht es den Weg zur Schule, dann wird spätestens im Studium Kochen, Wäschepflege und Haushaltsführung wichtig. Der Weg zur Uni, vermutlich sogar in einer neuen Stadt, und vieles mehr muss erlernt werden. So muss im Laufe des Lebens immer mal wieder nachtrainiert werden. Bei diesem Reha-Unterricht gibt es Basiseinheiten, wie der Umgang mit dem Langstock, aber ansonsten entsteht das Kolloquium individuell durch die Lebenssituation eines jeden einzelnen Individuums betont Christoph. Wenn jemand etwas beispielsweise auch nicht lernen möchte, ist das OK. Es geht um Lebensglück und Lebensqualität in diesem Unterricht. Grundvoraussetzung muss immer sein, dass die betroffene Person sich in diesen Bereichen verändern möchte. Oft gibt es unangemessene Einflussnahme von Angehörigen Betroffener, die in bester Absicht meinen, so ein Training verordnen zu müssen. Der Unterricht ist eine Sache. Der psychische Umgang und die Verarbeitung einer plötzlichen Erblindung eine andere. Hier ist höchste Sensibilität und Respekt gefordert. Thema sind oft ganz einfache Wünsche, wie „Für mich wäre es ein Glück, wieder selbst in meinen Garten fahren zu können.“ Der Weg dahin kann steinig sein. Zu Orientierung und Mobilität gehört weit mehr, als nur den Langstock angemessen einsetzen zu können. Training des räumlichen Vorstellungsvermögen, wo bin ich gerade im Raum, und was muss ich tun, um zu einem gewünschten anderen Ort zu gelangen, ist am Anfang manchmal gar nicht so einfach. Sicheres Gehen, wie auch die Überwindung von Stufen und Treppen stellen vor allem Menschen mit einer Altersblindheit vor große Herausforderungen. Pro Retina ist eine Selbsthilfevereinigung für Menschen mit Netzhautdegenartionen. Schwierig ist oft am Anfang, dass die betroffene Person alles so erledigen möchte, wie sie es in der (...)

    • 57 min
    Vernetzungstreffen Intelligente Mobilität

    Vernetzungstreffen Intelligente Mobilität

    Am 18. April 2018 fand in Frankfurt das zweite Vernetzungstreffen der Projekte in der Förderline „Verlässliche Technik für den mobilen Menschen“ statt. Markus Winkelmann vom ITAS am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Sebastian Ritterbusch von der iXpoint Informationssysteme GmbH konnten an dem Treffen teilnehmen, und unterhalten sich hier über die Erfahrungen und die verschiedenen Gespräche, die sie dort führen konnten. Die Vernetzungstreffen ermöglichen den Projekten einen Austausch sowohl über ihre Projekte, als auch über Querschnittsthemen, die alle Projekte in der Förderlinie vereint. Verglichen zum ersten Vernetzungstreffen im Rahmen der Fachtagung Mobilität im Wandel in 2017 konnte hier noch stärker den einzelnen Projekten als auch den begleitenden ELSI Themen (Ethische, rechtliche und soziale Aspekte) Rechnung getragen werden. In der Einführung durch Frau Albrecht-Lohmar für das BMBF-Referat „Mensch-Technik-Interaktion; Demografischer Wandel“ wurde großer Wert darauf gelegt, dass Forschung und Förderung kein Selbstzweck sein dürfen, sondern sie zu Innovationen führen sollen, die auch bei den Menschen ankommen. In der Begrüßung durch Dr. Marcel Kappel für den Projektträger und Organisator VDI/VDE-IT im Bereich Mensch-Technik Interaktion wurde die Einbettung der Förderlinie in das Forschungsprogramm dargestellt. Das Projekt KoFFI zur kooperativen Fahrer-Fahrzeug Interaktion startete die Projektvorträge. Es ging dabei um Fragen wie man mit Konfliktsituationen zwischen Fahrer und Fahrzeug umgehen kann, oder wie eine Vertrauenssituation hergestellt wird. Eine kritische Frage war auch, in welchen Situationen sich ein Fahrzeug über die Entscheidungen des Fahrers hinwegsetzen sollte. So verhindert beispielsweise ein ausgelöster Airbag sehr deutlich die Aktionsfreiheit des Fahrers, es ist jedoch weithin akzeptiert, dass hier die unaufgeforderte Einschränkung des Menschen weit schlimmeres verhindern kann. Wann hingegen Überholvorgänge noch abgebrochen werden dürfen, sind hingegen deutlich kompliziertere Fragestellungen, die im Projekt untersucht werden. Dabei muss auch grundsätzlich berücksichtigt werden, dass ein Einverständnis auch ein Verständnis voraussetzt. Hier ergaben sich im Projekt überraschende Ergebnisse, über die uns Susanne Kuhnert vom Institut für Digitalethik der Hochschule für Medien (HDM) Stuttgart erzählte. In der ethischen und rechtlichen Begleitung des sonst technisch ausgelegten Projekts KoFFI ging es weit über eine Literaturarbeit hinaus, und es wurde das Gespräch mit Probanden im Sinne einer experimentellen Philosophie gesucht, wo mit empirischen Ergebnissen und Experimenten gearbeitet wurde. Im der Forschung um autonomes Fahren zur Erarbeitung von ethischen Leitlinien (vgl. medizinische Leitlinien) stellte sich dabei früh die Frage, ob die Nutzergruppe überhaupt den Begriff der Autonomie versteht. Das Projekt KoFFI untersucht grundsätzlich die Nutzbarkeit von Gesten und natürlicher Sprache zur Interaktion (...)

    • 2 hrs
    Vibrationsbänder

    Vibrationsbänder

    Richtungsinformationen lassen sich sehr gut über Vibrationen vermitteln. Dafür hat Patryk Dzierzawski im Rahmen seiner Abschlussarbeit Vibrationsbänder entwickelt, aufgebaut und evaluiert. Am Lehrstuhl vom Computer Vision for Human-Computer Interaction Lab (cv:hci) und dem Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) werden nicht nur Assistive Technologien für Menschen mit Sehbehinderungen evaluiert und angeboten, sondern auch dazu unterrichtet. Weiterhin werden Studierenden Möglichkeiten geboten unter anderem mit Abschlussarbeiten in diesem Bereich sich direkt an der Forschung zu beteiligen. Patryk Dzierzawski stellt dazu hier im Gespräch mit Gerhard Jaworek seine Abschlussarbeit zu Vibrationsbändern zur Navigationsunterstützung an Arm oder Fuß vor. Die Arbeit bestand aus dem Design, der prototypischen Herstellung, einer Ansteuerung durch Smartphone und der Evaluation des vibrotaktilen Interfaces. Die Vibrationsbänder selbst bestehen aus mit 3D-Druck erstellten Band und Gehäuse, einem Mikrocontroller mit Batterie und Vibrationsmotoren. Bei der Erstellung war das Vorwissen um Wearable Computing und Robotik sehr hilfreich. Schon in der Folge 2 „Blind Orientieren“ dieses Podcasts wurden vorgestellt, wie vibrotaktile Interfaces zum Einsatz kommen können. Meisst gab es hier nur einfache Vibrationen, wo hingegen die Vibrationsbänder drei von einander unabhängig ansteuerbare Vibrationsaktoren eingesetzt werden. Damit können elementare und wichtigste Navigationsanweisungen zur Richtung und Warnmeldungen zum Anhalten sehr direkt vermittelt werden. Der große Vorteil der vibrotaktilen Vermittlung liegt dabei darin, dass der Hörsinn nicht wie bei Narration und Sonifikation eingeschränkt wird. Im Gegensatz zu kommerziellen Lösungen wie dem VibroTac System lag in der Arbeit der Fokus auf einer leichten und preiswerten selbstätigen Herstell- und Reparierbarkeit durch Rapid Prototyping Technologien mit der damit einhergehenden Reduzierung auf eine minimale Lösung, die noch die volle Navigationsunterstützung liefern kann. Die Literaturrecherche führte unter anderem zum „Gentle Guide“, wo an jedem Arm ein Vibrationsmotor eingesetzt wurde, wo durch die Nutzenden gerade die Nutzung zweier Bänder kritisch gesehen wurde, so wurde hier eine Lösung mit nur einem Band angestrebt. Interessanterweise hat sich diese reduzierte Lösung als sehr effektiv in einem Navigationstest erwiesen, wenn auch die Interpretation der Signale im Vergleich zur akustischen Ausgabe durch den Menschen etwas länger dauerte. Im FDM 3D-Druck kamen für das Armband ein flexibles TPU Filament und für den Gehäuseschutz für Platine und Batterie ein hartes Filament zum Einsatz. Für den Microcontroller Adafruit Feather 32u4 Bluefruit LE mit eingebautem Bluetooth Low Energy (BLE)-Modul musste auch die Ansteuerelektronik für die Motoren ausgelegt werden. Die Programmierung erfolgte mit der Arduino-Entwicklungsumgebung und ermöglichte die Ansteuerung durch Smartphones über Bluetooth LE. (...)

    • 46 min
    Raumklang

    Raumklang

    Mit unserem Gehör können wir Geräusche unmittelbar orten und identifizieren. Um diese Fähigkeit sinnvoll im Projekt nutzen zu können, gibt uns Dr. Paul Modler einen Einblick in Raumklang. Die Abteilung Medienkunst Akustik (MK Akustik) der Staatlichen Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe befasst sich mit elektronischer und elektroakustischer Musik, Klanginstallation und Sonifikation. Sie wird von Dr. Paul Modler geleitet, der uns in diesem Gespräch einen Einblick in Raumakustik und Techniken für räumliches Hörempfinden über Kopfhörer geben konnte. Paul Modler ist gerade von einem Besuch der Ars Electronica in Linz zurückgekehrt. Ein hervorgehobenes Event des Festivals der elektronischen Künsten war die Klangwolke einer Story mit Feuerwerk, Maschinen, Jets und Booten auf der Donau. Der Wettbewerb Prix Ars Electronica gab einen Einblick, welche aktuellen Richtungen die durchaus diskutierte Medienkunst darbietet. Nach seinem Diplom in den Ingenieurwissenschaften an der ehemaligen Universität Karlsruhe (jetzt Karlsruher Institut für Technologie (KIT)) zur Signalverarbeitung und Filterentwurf des Waveterm Synthesizer der Palm Products GmbH (PPG), gelangte Paul Modler an die University of York, wo er im Bereich der Music Technology promovierte und von dort an die Hochschule für Gestaltung in die Medienkunst geworben wurde. Seine Forschungsinteressen gehen auch in Richtung des Mehrkanaltons, insbesondere im Verfahren der Ambisonics, das nach langer Durststrecke inzwischen sogar als Raumklangformat bei YouTube Einzug gehalten hat. Die MK Sound setzt sich mit der Frage der Musikerstellung, der Definition und möglichen Instrumenten sowie der Technik, Installation und Performance in einem sehr breiten Spektrum interdisziplinär auseinander. Es gibt Lehrveranstaltungen zur analogen Tonerzeugung, wie auch die Auseinandersetzung mit neuen digitalen Einflüssen und die Abbildung analoger Synthesizern auf mobilen Geräten wie bei Korg. Die Gruppe wird auch von besuchenden Künstlern wie John Richards in Richtung Circuit Bending inspiriert. Dies führt zu faszinierenden Abschlussarbeiten wie den Atmospheric Disturbances von Lorenz Schwarz, wo Raumklang mit Plasmalautprechern künstlerisch umgesetzt wurde. Interessante Impulse entstehen auch aus der Zusammenarbeit mit weiteren Instituten und Hochschulen: So beteiligen sich auch oft Studierende des KIT an Projekten. Die Aufnahme fand im Studio 311 der MK Sound statt, wo die Gruppe einen mobilen Klangdom installiert hat, um an ambisonischen Verfahren zu arbeiten und ihn musikalisch zu nutzen. Zur Ansteuerung kommt hier die Software Zirkonium wie auch die Software des Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique (IRCAM) „Spat“ zum Einsatz, sowie andere verfügbare Verräumlichungstools. Ein Aspekt ist dabei auch der Wandel der Sicht auf den Lautsprecher vom Mittel zum Zweck hin zu einem eigenständigen Musikinstrument. (...)

    • 2 hrs 43 min

Top Podcasts In Natural Sciences