Ringvorlesung "Machtmissbrauch"

Anna Isenmann

Die Podcast-Reihe der Friedrich-Alexander-Universität beleuchtet aus verschiedenen sozial- und geisteswissenschaftlichen Perspektiven die Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen von Machtmissbrauch. Der Podcast ist aus den Live-Aufnahmen der Ringvorlesung Machtmissbrauch entstanden -einer Initiative des Teams der Frauenbeauftragten der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie. Die Veranstaltung hat zum Ziel, das Thema Machtmissbrauch in seiner Vielschichtigkeit sichtbar zu machen, darüber ins Gespräch zu kommen und dafür zu sensibilisieren.Hinweis: Alle Vorträge thematisieren verschiedene Formen und Handlungen von Machtmissbrauch -also auch verschiedene Formen der Gewalt und Diskriminierung. Das kann bei  Zuhörenden sogenannte Flashbacks oder starke emotionale Reaktionen auslösen. Achten Sie auf Ihre persönlichen Grenzen.

Episodes

  1. Machtmissbrauch in der Kunst

    Episode 1

    Machtmissbrauch in der Kunst

    Machtmissbrauch und (sexualisierte) Gewalt treten in der Welt der Künste aufgrund besonderer Bedingungen durchaus häufig auf. Individuelle Abhängigkeiten, starke Macht-Asymmetrien und der Kult um (meist männliche) Künstler-Genies schufen tiefverwurzelte Strukturen, die Missbrauch systematisch begünstigen. Das Überschreiten von sozialen, ästhetischen und psychologischen Grenzen wird nicht selten mit der Innovationskraft des Ausnahmetalents der Kunstschaffenden legitimiert. Der Anspruch auf Einzigartigkeit der Kunstproduktion schafft Arbeitsbedingungen, die geprägt sind von starken Hierarchien, extremen Abhängigkeiten und einer persönlich involvierenden Arbeitsumgebung – und damit einen ermöglichenden Nährboden für Übergriffe und Machtmissbrauch. Zudem zeigt sich Machtmissbrauch im Bild oder der Literatur selbst, etwa wenn Gewalt oder sexuelle Ausbeutung sichtbar gemacht und die, möglicherweise traumatisierende, Beschädigung der Person vor Publikum (auf ewig) wiederholt.  Aida Bosch zeigt an einschlägigen Beispielen, wie Machtmissbrauch in der Kunst durch spezifische, oft „intime“ Arbeitskulturen, starke Machtasymmetrien und den Mythos des Künstlergenies hervorgebracht wird, ordnet diese machttheoretisch ein und zeigt Maßnahmen zur Prävention für den Kunstbetrieb auf.Aida Bosch ist apl. Professorin am Institut für Soziologie der FAU. Sie forscht zu visueller und materieller Kultur, zur Soziologie der Objekte sowie zur Kunst- und Literatur. Sie ist außerdem PI am Graduiertenkolleg Literatur und Öffentlichkeit in differenten Gegenwartskulturen. Aktuelle Publikationen: Bosch Aida/Hieber Lutz/Steuerwald Christian (Hg.), 2025: Handbuch der Soziologie der Künste. Springer Nature; Bosch Aida/Kley Antje (Hg.), 2025: Literatur und mediale Öffentlichkeiten. Orientierende Fallstudien. Stuttgart. Metzler. Moderation: Cleophea Ferrari, Fakultätsfrauenbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Arabistik und Semitistik

    56 min
  2. Ausbeutung, Widerstand und Emanzipation. Typische Muster des Gewerkschaftsaktivismus von Migrantinnen

    Episode 2

    Ausbeutung, Widerstand und Emanzipation. Typische Muster des Gewerkschaftsaktivismus von Migrantinnen

    Aktuell geraten sowohl gleichstellungspolitische Fortschritte als auch Maßnahmen der Antidiskriminierung zunehmend unter Druck „von rechts“. Es waren und sind auch viele Migrantinnen, die diese erkämpft und durchgesetzt haben, um ihre Arbeits- und Lebensverhältnisse zu verbessern. Die historischen Arbeitskämpfe führten sie dabei teils mit, teils ohne die Unterstützung von Gewerkschaften. Dabei blieben sie in der bundesdeutschen und auch gewerkschaftlichen Geschichtsschreibung lange ungesehen. Der Beitrag beleuchtet einerseits der Geschichte weiblicher Migration in Deutschland und zeichnet typische Ausbeutungsmechanismen und intersektionale Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts und der Herkunft auf dem Arbeitsmarkt, in Organisationen sowie in Gewerkschaften selbst nach. Andererseits liegt der Fokus auf Kämpfe des Widerstands und der Emanzipation gegen jene Verhältnisse – sowohl aus historischer Perspektive als auch aus der Perspektive der Migrantinnen selbst. Anhand eigener Empirie aus dem Projekt „Migrantinnen als Gewerkschaftsaktivistinnen. Zur Konstruktion intersektionaler Solidarität“ (Hans-Böckler-Stiftung) zeichnen Judith Holland und Andreas Fischer nach, aus welchen Gründen und unter welchen Lebens- und Arbeitsbedingungen Frauen mit Migrationsgeschichte in Streiks und Gewerkschaften aktiv werden. Dabei rekonstruieren sie typische Hürden, Verlaufsmuster und Bruchpunkte gewerkschaftlicher Aktivität. Nicht zuletzt steht die Frage im Raum, welche Rolle das Geschlecht und die Migrationsgeschichte im Rahmen des gewerkschaftlichen Aktivismus einnehmen.Andreas Fischer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der FAU. Seine Forschungsschwerpunkte sind Arbeits- und Industriesoziologie, Industrielle Beziehungen, Jugendsoziologie sowie Bildungs- und Hochschulforschung.Aktuelle Publikationen: Fischer Andreas (2025): „Wir sind Weltmeister im Ertragen.“ Die Wahrnehmung und Deutung innerdeutscher sozialer Ungleichheiten durch ostdeutsche Betriebsratsmitglieder. In: Brunner D./Kuhnhenne M. (Hg.), Gewerkschaften und ostdeutsche Transformation. Mitgestaltung – Mitbestimmung? Bielefeld. Transcript, 203-222.; Fischer Andreas (2025): Der Wandel betrieblicher Mitbestimmungspraxis in Ostdeutschland. Typische Verlaufsmuster und zentrale Einflussfaktoren. WSI-Mitteilungen 78(4), 245-252. Judith Holland ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Arbeits- und Organisationssoziologie, Geschlechterforschung, vergleichende Gesellschaftsanalyse sowie rekonstruktive Sozialforschung. Aktuelle Publikationen: Holland Judith (2026): Gewerkschaftliche Gleichstellungspolitik im Aufwind? Ein historischer Vergleich deutscher und französischer Gewerkschaften. In: Arbeit–Bewegung–Geschichte, 25 (1), 15–36; Artus Ingrid/Holland Judith (2025): Gewerkschaften und Gender. In: Schroeder W./Greef S.(Hg.), Handbuch Gewerkschaften in Deutschland. Wiesbaden. Springer VS, 277−304. Moderation: Miriam Zapf, Frauenbeauftragte am Department Anglistik/Amerikanistik und Romanistik sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Romanistik

    48 min
  3. Episode 3

    Gute oder böse Organisation? Macht und Machtmissbrauch aus organisationspädagogischer Sicht

    Von der Wiege bis zur Bahre – Organisationen sind in unserem Leben allgegenwärtig und erscheinen uns nicht selten unausweichlich. Dabei erleben wir Organisationen sehr unterschiedlich: gebend und gierig, leer und lebendig, gut und böse. Gleichwohl Organisationen rationale Gebilde darstellen und scheinbar transparent und nachvollziehbar handeln, ist ihnen ein hohes Maß an Irrationalität eingeschrieben. Sie sind in aller erster Linie menschliche Sozialgebilde, die sich durch menschengemachte Zwecke und menschliche Praxis (re)produzieren, ihre Mitglieder partiell und funktional inkludieren, in denen Macht gebraucht, verhandelt und missbraucht wird. Im Vortrag thematisieren Nicolas Engel und Jenny Kipper aus organisationspädagogischer Perspektive Organisationen als machtvolle Arenen und Akteure, analysieren die institutionellen und organisationalen Voraussetzungen des Machtmissbrauchs und fragen schließlich, welche Implikationen dies für eine pädagogische Begleitung von Organisationen in Entwicklungsprozessen und eine damit verbundene Haltung und Praxis pädagogischer Organisationsentwicklung hat. Nicolas Engel ist Lehrstuhlinhaber des Lehrstuhls für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Organisationspädagogik. Seine Forschungsschwerpunkte sind Pädagogik als kritische Kulturwissenschaft, pädagogische Organisations- und Institutionalisierungsforschung, Erziehung nach Auschwitz unter veränderlichen Bedingungen, Übersetzung von Wissen im Spannungsfeld von Organisation, Gesellschaft und Politik, (De)Institutionalisiserung des Pädagogischen, Gesellschaftlichkeit und Politizität erziehungswissenschaftlicher, insbesondere organisationspädagogischer Wissensproduktion und Organisationsentwicklung als pädagogisches Arbeitsfeld. Aktuelle Publikationen: Wielens Alia/Engel Nicolas (2025): Doing gendered memory. Zur Bedeutung von Geschlecht in gedenkstättenpädagogischer Wissensvermittlung. Zeitschrift für Bildungsforschung; Moser Vera/Powell Justin/Engel Nicolas/Abend Sophie/Wolf Lena (2025): Institutionalizing inclusion in higher education. Alter 19(4), 31-51. Jenny Kipper ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Organisationspädagogik. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Organisationsentwicklung, Organisationstheorien und -forschung sowie Theorien des Lernens und Didaktik der Erwachsenenbildung. Aktuelle Publikationen: Kipper Jenny (2025): Lebenslanges Lernen im New Work Zeitalter. In: Knappertsbusch I./von Gilsa L. (Hg.), New Work und Arbeitsschutz. Springer-Verlag.  Moderation: Cornelia Scherer, Frauenbeauftragte am Department Geschichte und Senior Fellow for Medieval History am Buchprojekt Burchards Dekret Digital

    52 min
  4. Episode 4

    Machtmissbrauch und #Metoo im Film: Wie Hollywood von sich selbst erzählt

    Der ursprünglich von Tarana Burke geprägte Hashtag #MeToo verbreitete sich weitläufig in den sozialen Medien und in der Berichterstattung über Missbrauchsskandale, insbesondere im Zusammenhang mit dem Skandal um den Hollywood-Filmproduzenten Harvey Weinstein im Jahr 2017. Die #MeToo-Bewegung schärfte das Bewusstsein für Missbrauch im Hollywood-System und auch in verschiedenen Medienhäusern und führte zu einer Reihe von öffentlichkeitswirksamen Prozessen und Verurteilungen. Gleichzeitig ist Hollywood auch der Ort, an dem über diese Skandale erzählt wird, Erzählungen, die sich um die Macht von Unternehmen, vermeintlichen Starruhm sowie Aufstieg und Fall von Medienpersönlichkeiten drehen. Im Vortrag untersucht Heike Paul, wie und mit welchen filmischen und erzählerischen Mitteln Machtmissbrauch in aktuellen Filmen dargestellt wird. Zu den behandelten Filmen gehören She Said (2022), Bombshell (2019) und The Assistant (2020).Heike Paul ist Inhaberin des Lehrstuhls für American Studies. Außerdem Leiterin des Graduiertenkollegs das Sentimentale in Literatur, Kultur und Politik und Gutachterin der DFG und hat zahlreiche Fellowship Awards bekommen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Global Sentimentality, Amerikanische Mythen, Gender Studies, Afro Amerikanische und Afro-Kanadische Forschung, Popkultur, Erziehung nach 1945, Mobilitätsforschung, implizites Wissen. Aktuelle Publikationen: Paul Heike/Séville Astrid (Hg.), 2026: Semantiken des Verzichts: Kultur- und sozialwissenschaftliche Perspektiven. transcript; Paul Heike/Pritz Sarah (Hg.), 2025: Sentimental State(s): Affective Politics of Order and Belonging. Bielefeld. transcript.Moderation: Aida Bosch, stellvertretende Fakultätsfrauenbeauftragte und apl. Professorin am Institut für SoziologieTonspuren der analysierten Filme (Youtube): Multiplefetch: The Casting Couch in Classic Hollywood Movies (https://www.youtube.com/watch?v=BnBOJYtGHvc)Universal Pictures Germany: She Said. Offizieller Trailer deutsch HD (https://www.youtube.com/watch?v=7S9qqZ69alI)Movieclips: It was like he took my voice scene (https://www.youtube.com/watch?v=TnHOFvLoILQ)TrailerTracker: Die Unbestechlichen 1976 TV-Sport Remastered (https://www.youtube.com/watch?v=FDJ3DWL_09I)KinoCheck: Bombshell Trailer German Deutsch (2020) (https://www.youtube.com/watch?v=Wx3YJOgca-w)The New York Times: Meet the Woman Behind the Men in Media List (https://www.youtube.com/watch?v=AUmIkP8OXF8)Boxoffice Movie Scenes: "Pull your dress up, let me see your legs". Bombshell clip (https://www.youtube.com/watch?v=9IqsWv9bdik)Ascot Elite Entertainment: The Assistant Trailer Deutsch (https://www.youtube.com/watch?v=WqcopSzs1Lc)Boxoffice Movie Scenes: Toxic boss gets paid million to leave the company. Bombshell clip (https://www.youtube.com/watch?v=TuVo6Jkj_Fk)

    1h 9m
  5. Episode 5

    Wie herrschen Imperien? Strukturen, Institutionen und Akteure imperialen Machtstrebens

    Aktuell wird weltpolitisch eine Rückkehr imperialer Großmachtpolitik diagnostiziert. Bewertet wird diese Entwicklung zurecht fast einhellig negativ: Imperien werden als politisches Ordnungsmodell abgelehnt. Ein zentraler Grund ist, dass Imperien als Inbegriff von Machtkonzentration gelten, imperiale Eliten als besonders machtversessen – und imperiale Herrschaft als emblematisch für politischen Machtmissbrauch. Aber wie genau wirkt imperiale Macht? Welche Akteure und Institutionen dominieren in Imperien – oder ist Imperialität ein strukturelles Machtphänomen? Eva Marlene Hausteiner gibt einen Überblick über konkurrierende Analyseansätze imperialer Macht. Gegen rein akteurs- und rein strukturzentrierte Ansätze plädiert sie für eine Theoretisierung imperialer Politik, die die epistemische Rolle von Ideen und Deutungsmustern priorisiert. Eva Marlene Hausteiner hat den Lehrstuhl für politische Theorie und Ideengeschichte inne und ist Sprecherin des Instituts für politische Wissenschaft der FAU. Ihre Forschungsschwerpunkte sind internationale politische Theorie, Förderalismus, Demokratietheorie, Imperialismus und politische Ikonographie. Aktuelle Publikation: Hausteiner Eva M. (2025): Re-Constitutent Power and Varieties of Federalism. In: Niesen P./Patberg M./Rubinelli L. (Hg.), Oxford Handbook of Constituent Power. Oxford University Press (i.E.). Moderation: Joanna Katharina Kiefer, Frauenbeauftragte des Departments Sozialwissenschaften und Philosophie und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie.

    42 min
  6. Episode 6

    „Aber ich habe doch gar nichts gemacht?!“ – Strukturelle Beherrschung in Akademia

    Wenn wir „Machtmissbrauch“ im Kontext der Akademia hören, denken viele an offensichtlich übergriffige Handlungen oder Verhaltensweisen: Der Professor, der sich die Ideen seiner Mitarbeiter*innen aneignet und als seine eigenen ausgibt; die Laborleiterin, die der befristeten wissenschaftlichen Mitarbeiterin mehr Aufgaben aufbürdet, als diese plausiblerweise im Rahmen einer 40-Stunden Woche erledigen kann; die Forschungsgruppe, deren Mitglieder bei der Weihnachtsfeier rassistische Witze machen und dann Druck auf die eine Kollegin ausüben, die sich darüber bei der Personalbeauftragten beschweren wollte. Fälle wie diese gibt es in Akademia nach wie vor, weil Universitäten zwar Demokratie-erhaltende Institutionen, selbst aber wenig demokratisch, sondern vielmehr stark hierarchisch organisiert sind. Der Vortrag eröffnet eine weitere Dimension. Er fokussiert Machtausübung oder sogar Beherrschung, die entsteht, obwohl die Beteiligten keinerlei Normen brechen oder anders moralisch auffällig werden. Genauer geht es um moralisch problematische Beherrschung, die auch dann erfolgt, wenn die beherrschenden Akteur*innen mit Fug und Recht behaupten können, dass sie doch eigentlich nichts gemacht hätten. Es wird dargelegt wie in Institutionen wie Universitäten, in denen viele vom guten Willen weniger abhängig sind, Personen systematisch in Positionen der Verwundbarkeit gedrängt werden und dann rationalerweise ihr Verhalten an diese prekären Verhältnisse und insbesondere an die vermuteten Wünsche ihrer Vorgesetzten oder der fachlichen Community anpassen – egal, ob diese aktiv hierauf hingewirkt haben oder nicht. So kommt es, selbst wenn dies niemand aktiv beabsichtigt hat, zu moralisch problematischer Beherrschung. Diese Einsicht ist insofern zentral, weil sie Aufschlüsse darüber gibt, wie Universitäten durch die Akteur*innen verändert werden müssen, wenn sie wirklich zu dem werden sollen, was sie ihrem Selbstverständnis nach schon immer waren, nämlich herrschaftsfreie Räume, in denen das bessere Argument zählt. Christine Bratu hat die Professur für Philosophie mit dem Schwerpunkt Geschlechterforschung an der Georg-August-Universität Göttingen inne. Ihre Forschungsschwerpunkte sind analytisch feministische Philosophie, politische Philosophie, praktische Philosophie sowie weitere Themen der normativen Ethik und Metaethik. Aktuelle Publikationen: Bratu Christine (2025): Insult and Injury: Toward a Comprehensive Account of Discrimination. Canadian Journal of Philosophy 54(8), 570–586; Bratu Christine (2025): Wettlauf mit Hindernissen: Plädoyer für ein philosophisch informiertes Verständnis von Vereinbarkeit. Zeitschrift für praktische Philosophie. Moderation: Aura Heydenreich, stellvertretende Universitätsfrauenbeauftragte und Frauenbeauftragte des Departments Germanistik und Komparatistik sowie Akademische Oberrätin am Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur mit komparatistischem Schwerpunkt.

    1h 2m
  7. Episode 7

    „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“ – von Machtmissbrauch an Universitätskliniken und funktionalem Scheitern von Gleichstellungsarbeit

    Insbesondere Ärztinnen, aber auch Ärzte, hinterfragen und beenden ihre Karrieren in Kliniken und beklagen mangelnde Leistungsgerechtigkeit, ein unangenehmes Arbeitsumfeld und dysfunktionale Hierarchien. Mittlerweile sind zwei Drittel der Medizinstudierenden und fast die Hälfte der aktiven Ärzt*innenschaft in Deutschland weiblich; gleichzeitig scheiden Ärztinnen häufiger als Ärzte frühzeitig aus dem Beruf aus und sind überdurchschnittlich oft arbeitslos oder -unfähig. Man sollte daher annehmen, dass Entscheidungen gegen eine Karriere in der Klinik die Universitätskliniken zunehmend vor Probleme stellen insbesondere angesichts des steigenden Bedarfs an ärztlichen Leistungen in einer alternden Gesellschaft. Trotzdem werden Mechanismen, die zu einer ungleichen Macht- und Chancenverteilung führen, nicht grundlegend verändert. Gleichstellungsmaßnahmen haben häufig einen individuellen statt strukturellen Fokus und sind zudem organisational so verortet, dass sie kaum Einfluss auf zentrale Prozesse haben. Im Vortrag werden anhand von Auszügen aus 39 Interviews mit Ärzt*innen aller Hierarchiestufen deutscher Universitätskliniken Beispiele für Patronage und Machtmissbrauch im klinischen Alltag aufgezeigt und erläutern, wie intransparente und informelle Strukturen der Macht- und Ressourcenverteilung Arbeitsmotivation und Karrierepläne beeinflussen. Zudem wird gezeigt, wie wirkungslos sich Gleichstellungsmaßnahmen und Gleichstellungsbeauftragte in den geschilderten Fällen erwiesen haben. Der Vortrag bietet Erklärungsansätze für das funktionale Scheitern von Gleichstellungsarbeit in Organisationen und diskutiert kritisch Gleichstellungsmaßnahmen. Weiter werden die Konsequenzen der organisationalen Verortung von Gleichstellungsarbeit für Betroffene von Machtmissbrauch und Diskriminierung vor dem Hintergrund von möglichen Interessenskonflikten der Gleichstellungsakteur*innen dargelegt. Alexandra Pfisterer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Wirtschaftspädagogik und Promotionsstipendiatin der Friedrich-Ebert Stiftung. Ihr Forschungsschwerpunkt ist Gleichstellung in Organisationen. Aktuelle Publikation: Pfisterer Alexandra/Dingemann Jens/Seeland Ute/Widuckel Werner (2025): Zukunftsfähige Berufskultur kann Nachwuchs halten. Deutsches Ärzteblatt 122(5), 248-253. Moderation: Anna Isenmann, Referentin der Frauenbeauftragten der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie und ARIADNEphil Koordination.

    53 min

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Die Podcast-Reihe der Friedrich-Alexander-Universität beleuchtet aus verschiedenen sozial- und geisteswissenschaftlichen Perspektiven die Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen von Machtmissbrauch. Der Podcast ist aus den Live-Aufnahmen der Ringvorlesung Machtmissbrauch entstanden -einer Initiative des Teams der Frauenbeauftragten der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie. Die Veranstaltung hat zum Ziel, das Thema Machtmissbrauch in seiner Vielschichtigkeit sichtbar zu machen, darüber ins Gespräch zu kommen und dafür zu sensibilisieren.Hinweis: Alle Vorträge thematisieren verschiedene Formen und Handlungen von Machtmissbrauch -also auch verschiedene Formen der Gewalt und Diskriminierung. Das kann bei  Zuhörenden sogenannte Flashbacks oder starke emotionale Reaktionen auslösen. Achten Sie auf Ihre persönlichen Grenzen.