Musik-Interviews

radioeins (rbb)

radioeins hat sie alle! Die besten Musikerinnen und Musiker im Studio oder am Telefon gibt es hier als Podcast zum Nachhören.

  1. Grim104

    26 MAR

    Grim104

    Ob nun als Teil von Zugezogen Maskulin oder solo: Moritz Wilken alias Grim104 ist eine der wichtigsten Stimmen im zeitgenössischen deutschen Hip-Hop – ein Genre, in dem er tief verwurzelt ist und das er zugleich auf respektvolle Art transzendiert. So auch auf seinem neuen Album "No Country For Old Grim", das morgen erscheint. Dass er ein genauer Beobachter der Welt im Großen wie Kleinen ist, der den alltäglichen "Hustle" weder glorifiziert noch ignoriert, beweisen nicht nur Songs wie "Ich töte Anders Breivik" (Platz 72 der "100 besten Lieder über das Verbrechen" bei den radioeins-Sommersonntagen 2024) oder "Crystal Meth in Brandenburg" (Platz 78 der "100 besten Drogenlieder", 2021). Auch in seinem Podcast "Zum Dorfkrug" hat der 37-Jährige bereits mit Gästen wie Bill Kaulitz, Jennifer Rostock, Hadnet Tesfai oder Felix Lobrecht ausführlich über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung geredet. Thematisch dementsprechend wenig, in Idee und Darbietung hingegen sehr wohl ein ums andere Mal überraschend behandelt auch sein neues Album mit dem so wortwitzigen wie tieftraurigen Titel "No Country For Old Grim" das Spannungsfeld zwischen dem behüteten Aufwachsen in der norddeutschen Provinz und dem Leben in Berlin. Angesichts des Elends vor der Großstadtwohnungstür träumt er vom "Haus in Lübars" und sinniert über die Kluft zwischen denen, "die den Smoothie bestellen" einerseits, und denen, "die den Smoothie in einem kaputten Mitsubishi Colt liefern" auf der anderen.

    16 min
  2. Fee Aviv

    25 MAR

    Fee Aviv

    Die Berliner Künstlerin Fee Aviv Dubois kann bereits einige erfolgreiche Theatermusikproduktionen vorweisen, und ihr Song "Ladybitch" war 2022 nicht nur Teil des Soundtracks des gleichnamigen Films, sondern gab diesem sogar seinen Titel. Ihre neue EP "Decay" vermag aber auch ganz ohne visuelle Unterstützung zu fesseln, um nicht zu sagen: das vielzitierte Kopfkino in Gang zu setzen. Und so ganz nebenbei beantwortet sie auch noch eine von Trent Reznor (Nine Inch Nails) vor vielen Jahren gestellte Frage. "What have I become?" hieß es 1994 im Song "Hurt", im Original von Nine Inch Nails und 2002 durch die eindringliche Version von Johnny Cash quasi in den Heiligenstand erhoben, also etwa: "Was ist nur aus mir geworden?" Diesen bitteren Moment des Bilanzziehens greift Fee Aviv nun in ihrem Stück "I Don't Feel" auf, indem sie kontert: Wieso geworden? "Ich war schon immer so." ("You’re asking what I’ve become – but I have always been this way."). Interessanterweise ist dieses Lied das vielleicht "heiterste" auf ihrer neuen EP "Decay", oder zumindest das gelassenste. Klar, wenn "Verfall" draufsteht, wäre es etwas naiv, rosarotgefärbte Sorglos-Pop-Songs zu erwarten. Leichte Kost ist dies also wirklich nicht, dafür umso lohnendere. Mal mit an Laurie Andersons Großtat "O Superman" erinnernden Stimmverfremdungen und Elektroklängen, mal mit fragilen Gitarren unterlegt; hier in Düsternis schwelgend, dort sich zornig aufbäumend, gelingt der Mittzwanzigerin ihr Vorhaben, "nicht nur ein Soundbild innerer Zerrissenheit, sondern auch eine Auseinandersetzung mit weiblichen Selbstbewusstsein" zu schaffen: "ein Stück zwischen Verletzlichkeit und Widerstand, das bleibt, wenn es verhallt."

    27 min

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