3 episodes

Zweispuriges ist ein Projekt, welches sich damit beschäftigt die Klänge, Texturen und Töne unserer Umgebung einzufangen. Aufnahmen für das Entspannen, virtuelle Reisen und zum Träumen.

zweispuriges | field recording Ulrich Habel

    • Society & Culture

Zweispuriges ist ein Projekt, welches sich damit beschäftigt die Klänge, Texturen und Töne unserer Umgebung einzufangen. Aufnahmen für das Entspannen, virtuelle Reisen und zum Träumen.

    Ein Mittagsschlaf im Auto bei Regen

    Ein Mittagsschlaf im Auto bei Regen

    Regen? Regen! Viel Regen, massiv Regen und irgendwie zog es mich nach draußen; zumindest vor ein paar Stunden noch. Ob ich nun auch noch rausgehen wollen würde? Da bin ich mir mittlerweile nicht mehr sicher. Ich rettete mich nach dem Ausflug ins Naturschutzgebiet gerade noch rechtzeitig zum Auto bevor mich der nächste Regenschauer erwischen würde. Mittlerweile war es richtig frisch geworden, der Wind war noch nicht da, ebenso wie der Regen noch nicht, kündigte sich aber schon dann und wann durch eine Böe an.
    Ich hatte die Jacke mittlerweile irgendwie ausgezogen, fluchte ob der Enge des Fahrzeugs und begann das große Puzzle von Ausrüstung, Klamotten und anderen Dingen im Auto zu sortieren. Wohin nur damit? Irgendwann fand dann alles seinen Platz und der Regen hatte mittlerweile eingesetzt. Tropfen für Tropfen fiel über mir auf das Autodach oder die Windschutzscheibe. Das sah nicht wirklich nach einem kurzen Schauer mehr aus. Ich würde hier einige Zeit verbringen und dann entscheiden ob ich noch mal rausgehen würde oder den Weg nach Hause antrete.
    Ein Buch war an Bord, ein Thermosbecher mit heißem Tee ebenfalls und eilig hatte ich es auch nicht, es durfte also regnen. Ich kletterte nach hinten, legte die Rücksitzbank um und kuschelte mich in Ecke; deckte mich mit der obligatorischen Wolldecke aus dem Kofferraum zu, schlürfte den Tee und träumte vor mich hin. Langsam wurde es kühler und ich deckte mich komplett zu und …wie war es anders zu erwarten - schlief so langsam aber sicher ein. Der Wind wog den Wagen und mich darin sanft in den Schlaf, der Regen gab auf Windschutzscheibe und Autodach sein Konzert.
    Als ich nach einiger Zeit aufwachte war mir wieder warm, der Wind hatte fast aufgehört. Warm in der Decke eingedeckt, setze ich mich auf, schaute nach draußen. Keine Menschen Seele auf dem Parkplatz zu sehen, ich stand dort ganz allein. Es war ganz still, kein Krach von Menschen Mengen erzeugt wie sonst an diesem Ort. Das Regen trommelte sanft auf das Auto Dach und die Scheiben. Man kann auch mal Glück empfinden wenn es regnet.

    • 12 min
    Sturm im Hafen von Norddeich im Januar

    Sturm im Hafen von Norddeich im Januar

    Januar 2022 – einer dieser Tage, die eigentlich regen verhangen beginnen und wo sich kein Mensch leicht aufrafft, um nach draußen zu gehen. Die Regenwahrscheinlichkeit ist mit satten 90% angegeben, vielleicht sollte ich doch noch einen Tee trinken und aus dem Fenster schauen?
    Es ist aber eben dennoch manchmal so, dass man allen Vorhersagen zum Trotz sich doch auf den Weg macht, hungrig etwas zu sehen – in meinem Fall vielleicht eine neue Tonspur einzufangen, mal sehen was mir so vor die Mikrofone laufen wird. Auf dem Weg nach Norddeich präsentiert sich das Wetter von seiner charmanten Seite: Regen, Sturm – die Wischerstufen kann ich mitunter fröhlich durchschalten. Und auch da stellt sich wieder die Frage: Will ich denn wirklich raus? Also ich meine ernsthaft?
    Schnell ist Norddeich erreicht – den Sturm nehme ich hier noch viel intensiver wahr aber man mag es kaum glauben oder nicht: die Sonne scheint aus allen Knopflöchern. Nordsee Lust – der Sturm peitscht das Meer auf, die Wellen branden auf die Außenseite des Deichs, der Geruch nach Meer und Salz liegt in der Luft.
    Das Auto steht auf einem wunderbaren Parkplatz und wird durch die Sturmböen hin- und hergeschunkelt. Daunenweste an, Fleece an, winddichte Jacke an und raus. Der Wind zerrt an der Jacke, ich habe zwei Mützen und einen Schlauchschal an, letzterer wird mein Gesicht vor dem eisigen Wind schützen. Verpackt wie das Männchen aus der Reifenwerbung gehe ich oben auf dem Deich in Richtung Leitdamm. Das ist der Damm, der in den Hafen hineinführt. An einem halbwegs windgeschützten Platz baue ich mich auf, drücke auf die Aufnahmetaste und beginne den Sonnenschein als wärmend zu empfinden. Mit dieser Illusion im Kopf beginne ich die erste Aufnahme. Schiffe kommen und fahren aus dem Hafen und ich habe ein paar Minuten für mich zum Träumen.
    Da ist es wieder dieses Gefühl: Nordsee Liebe. Und damit verbunden kommt auch wieder der Gedanke des Fischerbootes im Hafen als Wohnobjekt. Statt dem Hashtag #vanlife zu folgen eben #fischkutter. Kein Hausboot sondern ein alter Kutter, aus Stahl oder aus Holz, gemütlich ausgebaut zu einem kleinen Heim.
    Das Wasser gluckert zwischen den Steinen und kleinere Wellen klatschen dann und wann gegen den Schiffsrumpf.
    Ein schöner Gedanke.

    • 10 min
    Naturschutzgebiet Leyhörn bei Ebbe im Dezember

    Naturschutzgebiet Leyhörn bei Ebbe im Dezember

    Es war ein grauer Dezember Nachmittag als ich beschloss ein paar Aufnahmen in der Nähe des Pilsumer Leuchtturms anzufertigen. Das Wetter schien beständig zu bleiben, ich rechnete nicht mit Regen. Nach der kurzen Autofahrt stellte ich das Auto auf dem Parkplatz des Pilsumer Leuchtturms ab, trank einen letzten Schluck heißen Tee und suchte meine Ausrüstung zusammen.
    Unglücklicherweise fanden an diesem Tag gerade Deichbauarbeiten statt – mit schwerem Gerät wie mehreren LKWs und einem Radlader, der Teile des Deichs abtrug und anschließend die Lücken mit neuem Schotter (Grant?) auffüllte. Das machte einen entsprechenden Lärm und an eine Aufnahme war nicht zu denken. Natürlich nicht – ein freier Tag muss ja nicht für alle gleichermaßen gelten.
    Irgendwann brach die Dämmerung heran und damit wurden die Arbeiten am Deich eingestellt. Ich hatte die Gelegenheit genutzt und war nun mittlerweile einige Kilometer in Richtung Schleuse Leysiel gegangen. Der letzte LKW fuhr an mir vorbei und fortan war ich bei nun einbrechender Dunkelheit alleine. Es sollten noch vier Stunden bis Hochwasser dauern und die verschiedenen Vögel sorgten für eine entsprechende Geräuschkulisse. Immer. wieder durchbrachen Flugzeuge die Stille, von See her war das Motorengeräusch der Fähren und einiger Küstenmotorschiffe zu hören.
    Endlich – nach rund 30 Minuten Aufnahme hatte ich genügend Material zusammen und trat langsam den Rückzug an. Der Nebel hatte ich in eine Form des stehenden Wassers verwandelt, meine Kleidung war innerhalb kürzester Zeit von außen komplett naß, so als hätte man sie ins Wasser getaucht. Die Navigation zurück war einfach obwohl ich keine fünf Meter weit schauen konnte. Rechts ist das Wasser links der Deich und dann einfach nur geradeaus. Die Stirnlampe hatte ich auf der kleinsten Stufe leuchten, jede höhere Stufe hätte lediglich den Nebel heller gemacht aber nicht zu meiner Sicht beigetragen.
    Nach rund 1.5 Stunden war ich dann endlich wieder im Auto. Einsam stand es auf dem Parkplatz, so geht Einsamkeit. Kaum, dass die Sachen irgendwie hinten im Kofferraum verstaut waren, erfreute ich mich an dem heißen Tee. Wie wenig man manchmal zum Glücklichsein braucht. In dicker Suppe ging es auf den Heimweg – schade, ich hätte durchaus Lust gehabt Teile der Nacht vor Ort zu verbringen, dann aber vielleicht mit Luftheizung und ein wenig Ausbau im Fahrzeug.
    Das Editing zu Hause sollte es dann zu Tage fördern: Hubschrauber, Schiffe, Flugzeuge und anderer entfernter Lärm. Prima, so konnte ich den einprägsamen Nachmittag noch mit einigen Stunden in der DAW abrunden.

    • 8 min

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