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Unser Weg durch das Recht der Gesellschaft von Niklas Luhmann zum mithören, mitlesen und mitdenken.

Luhmaniac J. Feltkamp, U.Sumfleth

    • Bildung

Unser Weg durch das Recht der Gesellschaft von Niklas Luhmann zum mithören, mitlesen und mitdenken.

    15. Luhmann Systemtheorie: Recht der Gesellschaft, S. 062, K. 02

    15. Luhmann Systemtheorie: Recht der Gesellschaft, S. 062, K. 02

    Nach der Erläuterung, was Autonomie in sozialen Systemen bedeutet, zeigt Luhmann auf, wie das Rechtssystem durch code-orientierte Kommunikation seine eigenen Grenzen zieht.

    Autonomie ist eine Konsequenz von operativer Geschlossenheit und nicht etwa gleichbedeutend damit. Der Begriff bezieht sich auf die Kommunikation des Systems und nicht, wie im Rechtsalltag üblich, auf Personen oder Institutionen, deren Unabhängigkeit (z.B. von der Politik) damit betont werden soll.

    Der in der Soziologie übliche Begriff von „relativer Autonomie“ ist hier eher verwirrend, weil er von Kausalbeziehungen, also von bestimmten externen Ursachen mit bestimmten internen Wirkungen ausgeht, ohne den Begriff selbst zu klären. Für eine Theorie sozialer Systeme ist das zu ungenau. Diese besagt, dass Systeme die Elemente (Kommunikationen), aus denen sie bestehen, aus sich selbst heraus reproduzieren.

    Luhmann will den Begriff der Autonomie darum ausschließlich am Begriff der Autopoiesis erhärten.

    Zu Abschnitt V (ab S. 66):

    Luhmann setzt nun voraus, dass wir bei sozialen Systemen von Autopoiesis, von operativer Geschlossenheit und von Autonomie ausgehen können (immer in Bezug auf Kommunikation). Auf dieser Basis fragt er nun: Wo zieht das System – in der Kommunikation erkennbar – seine eigenen Grenzen?

    Alltagsbeispiele zeigen, wo die Grenze verläuft: entlang des Codes Recht/Unrecht. Jede code-orientierte Kommunikation, die sich auf die Unterscheidung der Werte Recht/Unrecht bezieht, gehört demnach ins Rechtssystem. Dagegen gehören Kommunikationen ohne Referenz auf diese Unterscheidung nicht dazu.

    Nach dieser Definition von rechtsspezifischer Kommunikation gehört ein sehr viel breiteres Spektrum an Kommunikation ins System als man gemeinhin annehmen könnte. Nämlich nicht nur die professionelle Kommunikation von Richtern, Anwälten usw., sondern auch die Kommunikation von politischen Initiativen oder Verbänden, die Gesetzesänderungen fordern, sich also auf den Code beziehen.

    Der Alltag des Rechtssystems ist durch den Code geprägt: Bis zum Urteil besteht stets Unsicherheit, ob etwas als Recht oder als Unrecht beurteilt wird.

    Zugleich wird klar, dass rechtsspezifische Kommunikation nicht aus der Umwelt ins System „importiert“ werden könnte. Dies entspräche einer „Input-type description“ in der Kybernetik, d.h. einer Beschreibung, wie eine Maschine Inputs erhält, aus denen sie Outputs erzeugt. Eine solche Transaktion gibt es nicht.

    Stattdessen ist das Rechtssystem ein operativ geschlossenes Kommunikationssystem. Die Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht kann nur im Rechtssystem und von keiner anderen Instanz in der Gesellschaft vorgenommen werden. Das Recht realisiert sich über diese Code-Referenz.

    Luhmann führt nun den Begriff der Beobachtung ein. Ein System beobachtet sowohl sich selbst als auch seine Umwelt. Der Beobachter ist eine Funktion im System. Als Form der Anschauung benutzt der Beobachter den Code und transferiert Ereignisse in der „Außenwelt“ in codierte Ereignisse in der Umwelt.

    • 1 Std. 5 Min.
    14. Luhmann Systemtheorie: Recht der Gesellschaft, S. 058, K. 02

    14. Luhmann Systemtheorie: Recht der Gesellschaft, S. 058, K. 02

    Wie war es möglich, dass sich in der Gesellschaft einige wenige Funktionssysteme ausdifferenzierten? Welche Hindernisse musste dabei das Rechtssystem überwinden?

    Dieser Abschnitt führt zu den zwei wichtigsten Voraussetzungen für die Bildung von Funktionssystemen: funktionale Spezifikation und binäre Codierung.

    Soziale Systeme sind operativ geschlossen: Sie entscheiden autonom, welche Operation (Kommunikation) zum System gehört und welche nicht. Dabei sind sie in der Lage, ihren eigenen Output wieder als Input in das System einzuführen. Durch jede Operation verändern sie ihren Zustand.

    Gleichzeitig sind sie in gesellschaftliche Strukturen eingebettet und werden durch diese mitbestimmt. Das wirft die Frage auf, wie überhaupt ein autonomes Funktionssystem wie das Recht entstehen konnte. Welche Voraussetzungen braucht es für diese Autonomie?

    In der historischen Entwicklung war vor allem die Stratifikation ein Emanzipationshindernis. Solange die Gesellschaft geschichtet war, mussten Richter die Ungleichheit durch Schichtung in ihren Urteilen reproduzieren. Zudem war man nicht allein zuständig für Rechtsprechung, sondern z.B. auch Könige und Oligarchen.

    Weitere Hindernisse waren persönliche Beziehungen von Richtern. „Klüngel“ verhinderte ein Vertrauen in unabhängige Urteile. Daran konnte auch die Trennung von Gesetzgebung und Rechtsprechung nichts ändern, die bereits auf Aristoteles zurückgeht. Gelöst wurde dieses Problem erst durch Rechtspflege: Auch der Richter wurde ans Gesetz gebunden.

    Dieser Schritt war nur mithilfe rechtserheblicher, also interner Unterscheidungen möglich. D.h. das Rechtssystem desolidarisierte sich von seinen Abhängigkeitsverhältnissen, und es löste seine Bindung von der Gesellschaft auch sprachlich, um dies zu tun. Damit nimmt die Autopoiesis des Rechtssystems Fahrt auf.

    Doch erst mit dem Ende der Stratifikation verlor die Herkunft qua Geburt endlich an Bedeutung. Das Recht konnte sich nun für alleinzuständig erklären und über alle Schichten hinweg Recht sprechen. Von nun an trifft es von sich aus Fürsorge, um seine einzigartige Funktion autonom zu erfüllen.

    Neben der funktionalen Spezifikation gibt es jedoch noch eine zweite, gleichermaßen wichtige Voraussetzung für die Bildung eines Funktionssystems: Es braucht eine binäre Codierung.

    Luhmann weist darauf hin, dass alle Funktionssysteme eine Leitdifferenz haben, d.h. eine leitende Unterscheidung, an der jede (!) Operation ausgerichtet ist:

    Wirtschaft: zahlen/nicht zahlen
    Politik: Macht/keine Macht
    Wissenschaft: wahr/unwahr
    Massenmedien: informieren/nicht informieren
    Recht: Recht/Unrecht

    Die Leitdifferenz von sozialen Systemen besteht aus einem negativen und einem positiven Wert. Beide Werte sind immer zugleich relevant. Nur ihre Unterscheidung gibt ihnen Sinn.

    Die Leitdifferenz bildet die oberste Steuerungsfunktion im System. Sie hilft, Komplexität zu reduzieren. Denn alle Operationen werden darauf gefiltert, ob sie den Code berühren und damit relevant sind. Sind sie es nicht, kann das System sie außer Acht lassen und sich insofern entlasten.

    Ist eine Kommunikation rechtlich relevant, wird sie in rechtsspezifischer Form rekonstruiert. Das Rechtserhebliche daran wird mit eigener Semantik, mit eigenen Begrifflichkeiten herausgearbeitet.

    • 1 Std. 9 Min.
    13. Luhmann Systemtheorie: Recht der Gesellschaft, S. 054, K. 02

    13. Luhmann Systemtheorie: Recht der Gesellschaft, S. 054, K. 02

    Der Theorieansatz, dass soziale Systeme durch Kommunikation operieren, hat weittragende Konsequenzen. Gesellschaft ist demzufolge das umfassende System aller Kommunikationen. Was nicht Kommunikation ist, gehört nicht zur Gesellschaft, sondern zur Umwelt (z.B. physikalische und psychische Sachverhalte). Zudem verändert die Theorie das Verständnis vom Verhältnis zwischen Gesellschaft und Rechtssystem.

    Als Subsystem operiert das Rechtssystem innerhalb der Gesellschaft. Gleichzeitig stellt die Gesellschaft eine Umwelt dar, denn außerhalb des Rechtssystems findet keine rechtsspezifische Kommunikation statt. D.h. das Verhältnis Recht/Gesellschaft ist nicht länger einstellig zu begreifen. Die Gesellschaft ist nicht einfach nur „die Umwelt“. Sie ist einerseits mehr, weil sie die eigene Kommunikation einschließt, und andererseits weniger, weil es auch noch eine (gemeinsame) Umwelt aus nicht-kommunikativen Sachverhalten gibt.

    In den Vordergrund der Untersuchung, was Recht ist, tritt darum die Frage, welche spezifisch rechtlichen Merkmale die Kommunikation im Rechtssystem hat. Denn diese sind es, mit denen es sich von der Gesellschaft abgrenzt. Im Folgenden soll also rechtliche Kommunikation beobachtet werden. Der einzige Ausgangspunkt dafür ist die Tautologie „Recht ist Recht“. Was Recht ist, darf nicht durch Definition oder Grundsätze vorangestellt werden, denn es soll ja erst herausgefunden werden.

    Anstatt also von einer irgendwie vorhandenen Identität des Rechts auszugehen, aus der man eine Differenz zur Gesellschaft ableiten könnte, dreht Luhmann das Verhältnis um: Die Differenz zwischen rechtlicher und gesellschaftlicher Kommunikation bildet logisch das Erste. Aus dieser Differenz leitet sich die Identität des Rechts ab.

    Für die Rechtspraxis spielt die Tautologie keine Rolle. Im Alltag kann man sich jederzeit auf historisch gewachsenes Recht beziehen, ohne das Recht an sich legitimieren zu müssen.

    • 56 Min.
    12. Luhmann Systemtheorie: Recht der Gesellschaft, S. 050, K. 02

    12. Luhmann Systemtheorie: Recht der Gesellschaft, S. 050, K. 02

    Durch Kommunikation vollzieht ein soziales System seine Autopoiesis (Selbstreproduktion) und differenziert sich gegenüber der Umwelt aus. Verschiedene Operationstypen bilden dabei emergente Einheiten: Beobachtung und Selbstbeobachtung, Fremdreferenz und Selbstreferenz. Als Einheiten reduzieren diese Operationen Komplexität, indem sie aus den diversen Anschlussmöglichkeiten an Kommunikation jeweils eine selektieren.

    Der Reihe nach: Systeme vollziehen ihre Autopoiesis durch Operationen. In sozialen Systemen ist der Operationstypus Kommunikation. Durch Kommunikation wird Sinn situationsbezogen aktualisiert. Er wird verdichtet, bestätigt oder „vergessen“.

    Operationen setzen Strukturen voraus und erzeugen laufend neue. Ein System bestimmt seine Strukturen selbst – es gibt keine externe Strukturdetermination.

    Operationen können beobachtet werden. Die Beobachtung ist selbst eine Operation, sie muss aber logisch von der Operation unterschieden werden, die sie beobachtet.

    Ebenso beobachtet ein System sich selbst. Es setzt sich selbst voraus. Durch Selbstbeobachtung und Selbstbezeichnung unterscheidet es sich von der Umwelt. Bei Selbstbeobachtung macht sich der Beobachter selbst zum Beobachteten, zu einem Objekt.

    Dies führt zu den typischen Anschlussmöglichkeiten, die Kommunikation bietet:
    1. Mitteilung (Was wird gesagt bzw. nicht gesagt?)
    2. Information (Welche neue Information gewinne bzw. gewinne ich nicht daraus?)
    3. Verstehen (Kommunikation über Kommunikation: Habe ich es richtig oder falsch verstanden, dass…?)

    Bei Mitteilung und Information handelt es sich um Fremdreferenz: Die Kommunikation nimmt Bezug auf die fremde Umwelt. Referieren bedeutet hier bezeichnen. Beim Verstehen erfolgt ein Umschalten auf Selbstreferenz, man macht die Kommunikation selbst zum Thema. Selbst- und Fremdreferenz bedingen sich gegenseitig, das eine setzt das andere voraus.

    Auf diese Weise wird Sinn in Form gebracht und erzeugt Strukturen. Streng genommen handelt es sich um sechs Wahlmöglichkeiten, da jede eine positive und eine negative Seite hat, an die die Kommunikation anschließen kann.

    Jede Operation erzeugt eine Differenz, etwas ist anders als vorher. Dieser diskriminierende (einen Unterschied machende) Effekt führt zur Ausdifferenzierung eines Systems gegenüber seiner Umwelt.

    Konzeptionell betrachtet, sind Selbstreferenz und die Idee des Unterscheidens identisch. Denn ein Unterscheiden setzt ein Selbst voraus, das unterscheiden kann.

    Nicht möglich ist es, gleichzeitig die Umwelt und sich selbst zu beobachten. Bei jeder Beobachtung gibt es darum auch etwas Unbeobachtetes. In dieser Hinsicht sind alle Operationen blind.

    Ein soziales System wie das Rechtssystem ist in der Lage, seine mithilfe von Beobachtungen produzierte Differenz von System und Umwelt wieder in das System einzuführen – und diese Differenz zu benutzen, um sich selbst und seine Umwelt zu beobachten, zu unterscheiden und zu bezeichnen.

    Dabei handelt sich um ein Re-entry (George Spencer Brown, „Laws of Form“): Durch Kreuzen der Grenze der Form findet ein Wiedereintritt der Form in die Form statt.

    Wäre ein soziales System sich nicht der Differenz seiner selbst und der gleichzeitig existierenden Umwelt bewusst, könnte es seine Autopoiesis gar nicht vollziehen. Ein Erkennungsverfahren regelt in der Kommunikation von Fall zu Fall, welche vergangenen und zukünftigen Ereignisse als Kommunikation im eigenen System zählen und welche nicht.

    Selbstbeschreibungen sind im Unterschied zu Selbstreferenz vor allem Texte, mit denen sich ein System zu bestimmten Zwecken selbst beschreibt. Für das Vorhaben, eine Theorie des Rechts zu erstellen, spielen Selbstbeschreibungen keine Rolle.

    Indem ein System bestimmte Kommunikation selektiert (aus den sechs verschiedenen Anschlussmöglichkeiten wird immer nur jeweils eine ausgewählt), reduziert es seine ei

    • 1 Std. 24 Min.
    11. Luhmann Systemtheorie: Recht der Gesellschaft, S046 KO2

    11. Luhmann Systemtheorie: Recht der Gesellschaft, S046 KO2

    Im Mittelpunkt des Abschnitts steht das Verhältnis zwischen Operation und Struktur in einem System. Dies leitet über zum Begriff der Beobachtung.

    Rechtsspezifische Kommunikation hat eine Doppelfunktion: Sie reproduziert das System und erhält seine Struktur. Dieser dynamische Prozess sichert die Stabilität des Systems. Es schwingt sich von Operation zu Operation, nutzt vorhandene Strukturen und modifiziert sie. Strukturveränderungen werden wiederum für die Autopoiesis (Selbstreproduktion) genutzt.

    Der Faktor Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle: Sinn kann nur in der Gegenwart konstituiert werden. Normen und Erwartungen müssen in der aktuellen Kommunikation zum Ausdruck gebracht werden, andernfalls droht Vergessen. Auf die Erfindung der Schrift (noch nicht einmal: des Buchdrucks) reagierte das Rechtssystem, indem es sich für den Umgang mit Texten professionalisierte und Verfahren entwickelte, mit deren Hilfe eine Akzeptanz von Normänderungen herbeigeführt werden kann.

    Jegliche Autopoiesis wird über Operationen realisiert. In einem sozialen System ist der Operationstypus Kommunikation. Wie in der Biologie die Enzyme einer Zelle zugleich Daten, Produktionsfaktoren und Programme sind, hat Kommunikation mehrere Funktionen in einem. Sie setzt Anschlussbedingungen für weitere Kommunikation. Sie verstärkt, modifiziert oder „vergisst“ einen spezifischen Sinn jeweils in der Gegenwart. Und sie modifiziert bei all dem laufend die Strukturen des Systems.

    Ein Beobachter kann diese Funktionen voneinander unterscheiden, sie sind aber operativ nicht zu trennen. Im nächsten Abschnitt soll darum näher auf den Begriff der Beobachtung eingegangen werden.

    • 1 Std. 19 Min.
    10. Luhmann Systemtheorie: Recht der Gesellschaft, S. 042, K. 02

    10. Luhmann Systemtheorie: Recht der Gesellschaft, S. 042, K. 02

    Soziale Systeme sind operativ geschlossen, aber keineswegs isoliert: Sie stehen in kausalen Beziehungen zur Umwelt. Um zu verstehen, wie sie Strukturen bilden, muss der Prozess ihrer Autopoiesis beobachtet werden, denn alle Operationen sind darauf ausgerichtet.

    Zunächst: Wie unterscheiden sich Systemtheorien aus Physik und Informatik von der Theorie sozialer Systeme?

    Laut Entropiegesetz verlieren geschlossene Systeme ständig Energie und sterben den Wärmetod, d.h. sie lösen sich auf. Dieses physikalische Gesetz ist jedoch nicht auf soziale Systeme übertragbar, die durch Kommunikation operieren.

    In der Informatik beweisen Systemtheorien, dass ein operativ geschlossenes System seinen eigenen Output als Input verwenden kann. Typisches Beispiel ist die Hirnforschung. Das erklärt jedoch noch nicht die Verschiedenartigkeit von Elementen eines Systems. Es muss eine interne Konditionierung dafür geben, wie selektiert wird. Die Elemente werden verknüpft, und dies geschieht durch Selektion.

    Operative Geschlossenheit bedeutet außerdem nicht Isolation. In einem sozialen System bestehen Kausalbeziehungen zwischen System und Umwelt. Diese müssen im Unterschied zu informationeller und zu semantischer Geschlossenheit betrachtet werden.

    Autopoiesis, die Selbstreproduktion aus eigenen Elementen, verlangt zudem Zeit: Soziale Systeme erzeugen ihre Operationen im zeitlichen Rückgriff und Vorgriff auf andere eigene Operationen. Sie setzen sich selbst voraus.

    Über die Selbstreproduktion und Autonomie hinaus ist Autopoiesis zugleich auch immer eine Reproduktion der Grenzen des Systems. Dies erläutert eine Fußnote: Bei einem Foto des Eiffelturms ist das Foto das Produkt. Die wichtigste Ursache dafür ist der Eiffelturm. Dieser liegt außerhalb des Systems. D.h. ein System kontrolliert nur die internen Ursachen für eine Produktion, nicht die äußeren.

    Autopoiesis verläuft bei allen Arten von Leben und von Kommunikation gleich. Das erklärt aber noch nicht, welche normativen Programme ein System ausbildet. In der Biologie wäre dies z.B. die Frage: Wie wird entschieden, ob eine Leber- oder Hirnzelle entsteht? Es muss eine interne Konditionierung dafür geben, wie selektiert wird.

    Um zu verstehen, wie ein System Strukturen bildet, muss Autopoiesis darum als Prozess verstanden und beobachtet werden. Der Grund ist, dass alle Operationen des Systems auf diesen Prozess ausgerichtet sind.

    • 1 Std. 7 Min.

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