Immobiléros - Der Podcast für die Immobilienszene

Michael Rücker

Alle 7 Tage Geschichten, Helden und Brains aus der Immobilienwirtschaft. Immobiléros stellt Menschen aus allen Bereichen der Immobilienwirtschaft vor. Entwickler, Bestandshalter, Investoren Wissenschaftler... Und es geht um alle Segmente der Immobilienbranche: Wohnen, Büro, Handel, Logistik und so weiter und sofort. Wir wollen wissen - was wird da gerade gemacht, warum, was treibt die Menschen an, was ist neu, was ist spannend. Und wie gesagt: das alles rund um die Immobilie.

  1. Jul 6

    Björn Fries, Drees & Sommer NRW: „Halte nichts vom Bashing der öffentlichen Hand, Probleme sind systemischer Natur"

    „Wir werden in fünf Jahren nicht fertig sein. Wir werden in fünf Jahren auch nicht bei der Hälfte sein.“ Das sagt Björn Fries, Senior Teamleiter bei Drees & Sommer, studierter Architekt und Experte für Schulbau. Ist also das Sondervermögen für Infrastruktur doch nur Augenwischerei und eben nicht der ‚süße Brei‘ für die Immobilienbranche? Björn arbeitet seit Jahren direkt mit Kommunen und sieht, wie das Sondervermögen nun in der Praxis ankommt: Leider viel zu langsam, als langwieriger Prozess, der durch Verfahren, Vorgaben und fehlende Grundlagen geprägt ist. Die Mittel stehen bereit, treffen jedoch auf ein System, in dem beispielsweise die losweise Vergabe weiterhin der Regelfall ist. Gleichzeitig wächst der Druck, Abläufe anders zu organisieren: gebündelt über Total- und Generalunternehmer, mit weniger Schnittstellen und kürzeren Wegen. Ergänzend kommen Public Private Partnership und Investorenverfahren hinzu, vor allem dort, wo Städte und Gemeinden nicht selbst entwickeln können, weil Flächen fehlen oder sich nicht sichern lassen. In diesen Konstellationen verschiebt sich die wirtschaftliche Logik. Private Partner kalkulieren mit Rendite, während viele Kommunen ihre eigenen Aufwände nur eingeschränkt abbilden können, beispielsweise bei den Betreiberkosten für Immobilien. Entscheidungen entstehen unter Unsicherheit, innerhalb enger rechtlicher Vorgaben und begrenzter Spielräume. Und genau an diesem Punkt wird Veränderung schwierig. „Wenn man den Status quo ändern möchte, dann gibt es halt immer jemanden, der dagegen ist.“

    Björn Fries, Drees & Sommer NRW: „Halte nichts vom Bashing der öffentlichen Hand, Probleme sind systemischer Natur"
  2. Jun 22

    Daniel Schneider, Monoplan: „Wenn du gut bist, kann dich KI noch besser machen"

    „Selbst ungelernte Nicht-Architekten können sehr schnell ganz tolle Bilder generieren“: Daniel Schneider steht KI, im Gegensatz zu vielen anderen, positiv gegenüber. Architektur wird sich wandeln. Während BIM nur wenig disruptiv Prozesse veränderte, tun die neuen Entwurfs- und Gestaltungstools genau das. Daniel beschreibt eine Entwicklung, dass der Architekt nicht mehr zwingend alles selbst entwerfen muss, sondern stärker einordnet, steuert und entscheidet, mehr zu Experte und Berater wird. Wir sprechen über die Unternehmensgründung der Monoplan AG und die WG mit seinem Partner Philip Wohlfarth, wie es zu der Spezialisierung auf Hotels und den Claim 'Leading in Hospitality' kam, über mehr als 25 Hotels, die gerade von dem Team bearbeitet werden. „Du musst deine Gästegruppe versuchen zu Fans zu entwickeln“, sagt Daniel und erklärt, warum all die vielen Brands ihre Berechtigung haben. Weil sich der Markt verschiebt: Luxus läuft, Budget funktioniert, die Mitte gerät unter Druck. „Manchmal ist es wie beim Date, dann matchen Liegenschaft und Produkt“, beschreibt Daniel Umwidmung und Revitalisierung. Er habe beide Gehirnhälften, die des Architekten und die des BWLers, also Emotion und Zahlen, was sehr oft hilfreich sei. Und dann verlassen Daniel und ich Europa, es geht nach New York. Dort arbeitet er mit seinem Team an einem Boutiquehotel, das Ende 2026 Eröffnung feiern wird. Mal schauen, ob es mit einem Podcast dort klappt.

    Daniel Schneider, Monoplan: „Wenn du gut bist, kann dich KI noch besser machen"
  3. Jun 15

    Alexandra Busch, Podcasterin, Journalistin: "Einfach nur schnell und günstig bauen, halte ich für fatal"

    „Ich befürchte, dass es eine ganze Menge Leute gibt, die sagen, wir müssen schnell sein und wir müssen günstig bauen. Das halte ich wirklich für fatal.“ Alexandra Busch ist Architektin, Journalistin und Podcasterin. Mit ihr mache ich den Stresstest für relevante Themen. Zum Beispiel serielles Bauen: Alex warnt, wie im Intro gehört, vor einem Narrativ, dass die Wirklichkeit dann eben in den Quartieren nicht abbildet. Weil man dort, wie sie sagt, nicht leben will. Oder Beton: Dem sagt sie ein langes Baustoffleben voraus, denn: „Ohne ihn werden wir nicht auskommen.“ Sie liebe Holz, Aluminium attestiert sie gute Recycelbarkeit, erzählt, warum Kreislaufwirtschaft im Architektur-Bereich gerade sehr angesagt ist. Wenn beispielsweise aus Abbruch etwas Neues wird, alte Fenster aufgearbeitet werden: „Dann entsteht ein ganz neuer Charme.“ Und ja, wir reden auch über Künstliche Intelligenz. Nicht als Untergang der Architektur, sondern als Werkzeug, das im Ausland viel selbstverständlicher ausprobiert wird. Über Fassaden- und Volumenstudien, Varianten in Minuten, erste Büros, die KI schon über frühe Phasen hinaus einsetzen. Gleichzeitig bleibt der Punkt: Wer ein kleines Büro führt und BIM verdaute, dem macht die nächste Welle natürlich erstmal Angst. Ein düsteres Bild malt sie von den Universitäten und der Ausbildung. Denn hier ist die Jetzt-Zeit, also vor allem KI und deren Möglichkeiten, noch nicht wirklich angekommen. Was nicht gerade optimistisch macht. In der derzeitigen Krise sieht Alex eine Chance, weil „alle sich mal auf den Popo setzen mussten“ und darüber nachdenken, wie sie jetzt arbeiten wollen. Wir sprechen über Begriffe, die sich abgenutzt haben: innovativ, disruptiv, Superlative. Über Architektur als Modewort in Stellenausschreibungen und warum IT-Systemarchitekt so eine Wortverbindung ist, die nervt. Alex verrät auch, warum sie den Begriff Immobilie nicht besonders mag.

    Alexandra Busch, Podcasterin, Journalistin: "Einfach nur schnell und günstig bauen, halte ich für fatal"
  4. Jun 1

    Anett Gregorius, Apartmentservice: "Long Stay ist leider nicht mehr das Herz bei Serviced Apartments"

    „Wir können Shortstay, wir können Midstay und wir können Longstay.“ Mit diesem Satz beschreibt Anett Gregorius, Gründerin von Apartmentservice und prägende Stimme des Segments, die neue Realität der Serviced Apartments. Was nach Stärke klingt, ist in Wahrheit Ausdruck eines tiefgreifenden Umbruchs. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ist von 19 Nächten im Jahr 2022 auf neun Nächte 2024 und zuletzt auf sieben Nächte im Jahr 2025 gefallen. Damit verschiebt sich nicht nur das Geschäft, sondern auch die ursprüngliche Definition des Produkts. Parallel dazu rückt das Segment immer näher an die klassische Hotellerie heran. Shortstay gewinnt an Bedeutung, nicht zuletzt wegen höherer Margen, während Longstay wegen fehlender Corporates und internationaler Gäste an Gewicht verliert. Neue Zielgruppen bringen Chancen, erhöhen aber zugleich den Druck auf Produkt, Betrieb und Positionierung. Dass die Auslastung 2025 am Ende doch wieder knapp über 80 Prozent lag, ist vor allem einem starken vierten Quartal zu verdanken. Auch auf der Angebotsseite zeigen sich Spannungen. Leipzig hat sich nach Anzahl der Apartments in die Top5 geschoben, bei gleichzeitig stagnierender Nachfrage. Für Anett ist das ein klares Warnsignal. Ihr Urteil ist eindeutig: für Investoren derzeit kein Markt für weiteres Wachstum. München und Berlin bleiben die stabilsten Standorte, Hamburg steht weiterhin ganz oben auf den Expansionslisten, Frankfurt am Main leidet weiter an Überangebot. Das Gespräch ist ein kleiner Vorgeschmack auf die SO!APART am 18. und 19. November in Berlin. IMMOBILÈROS ist Medienpartner und ich bin gespannt, wie die Branche diese Verschiebungen selbst einordnet: wie viel Flexibilität das Produkt wirklich verträgt, wo die Grenzen liegen und was vom ursprünglich so geschätzten Gastgebertum am Ende bleibt.

    Anett Gregorius, Apartmentservice: "Long Stay ist leider nicht mehr das Herz bei Serviced Apartments"

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