Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. 22h ago

    Ich bin das Licht der Welt

    Gestern waren wir mit einigen Schwestern in Rahrbach, einem kleinen Dorf hier im Sauerland. Und mitten im Dorf steht eine Kirche, die vor fast 800 Jahren von ihren Einwohnern erbaut worden ist. Und auf einer Tafel außen an der Wand wird an die Bewahrung vor einem großen Brand erinnert. Und es wird beschrieben als das Rahrbacher St. Agatha-Wunder vom Freitag dem 17. Mai 1737. Und in der altehrwürdigen Kirche sind viele verschiedene Heiligenfiguren aus sehr verschiedenen Zeiten, in denen sie gerade "up to date" waren, wie die Frauen berichtet haben, die uns alles gezeigt haben. Sie wollten sagen, der Kirchbau an sich ist schon so geblieben, aber die Innenausstattung hat sich immer gewandelt, je nach Epoche, je nach Geschmack, je nach den Intentionen der Spender.Und jetzt hat eine Gruppe von Frauen, die sich seit vielen Jahren für Ihre Kirche und Gemeinde engagieren, eine wunderbare Idee umgesetzt. Der äußere Kirchbau ist geblieben und die Innenausstattung auch, aber es ist etwas dazugekommen. Es gibt jetzt im Eingangsbereich ein Pult, an dem man per Klick verschiedene Beleuchtungen, Musik, Andachten, Texte und Lieder anschalten kann. Und wir haben uns mit den alten Schwestern eine zehnminütige Ansprache mit einem Lied zum Thema "Es ist genug" angehört. Zwischendurch wechselte ganz langsam die Lichtfarbe der angestrahlten Wände und Pfeiler und somit das Empfinden von Raum und Zeit. Es war danach noch länger still, weil es uns gutgetan hat und wir zum Nachdenken über diese Worte und Gedanken gekommen sind.Und die Frauen haben erzählt, dass ja überall immer weniger Menschen zu den üblichen Gottesdiensten kommen und sie deshalb überlegt haben, was man denn tun könne. Und tatsächlich wollten sie etwas anbieten, was Menschen anspricht und zum Verweilen einlädt, zum Hören, Schauen, Staunen und Nachdenken. Und sie nennen die Kirche jetzt "Lichtkirche" mitsamt ihrer mehrfachen Bedeutung. Zum einen wollen sie mit den vielen Lichtmöglichkeiten eine andere Sichtweise vermitteln. Dann wollen sie auf das Wort Jesu verweisen der, gesagt hat: Ich bin das Licht der Welt. Und dann sagten sie mit einem Schmunzeln, dass sie hoffen, dass dem einen oder anderen Besucher dabei ein Licht aufgeht und er oder sie von diesem Licht mit in seinen Alltag nehmen kann.Das uralte Gebäude der Kirche ist geblieben, aber wie in den Jahrhunderten vorher wird der Innenraum neu gefüllt mit den Dingen, die zurzeit IN sind: Licht, Musik, Texte ohne vorgefertigte Strukturen oder Abläufe. Damit jeder, der die Kirche besucht, etwas finden kann: bei sich selbst, bei Gott und für den Nächsten, die oder der mit ihm zu tun hat.

  2. 1d ago

    Ohne Gedöns

    Im Lukasevangelium gibt es eine Stelle in der heute berichtet wird, dass Jesus eine ganze Nacht im Gebet verbringt, um am nächsten Tag seine Jünger zusammenzurufen. Er bespricht mit seinem Vater im Himmel, wie seine Gefolgschaft aussehen soll und wie es weitergehen soll mit der Ausbreitung seiner Botschaft vom liebenden Gott. Am nächsten Tag wählt er sich aus ihnen seine 12 engsten Freunde, Berater, Begleiter, Verkünder aus. Und diese zwölf könnten unterschiedlicher nicht sein: der impulsive Petrus, der stillere Johannes, die Donnersöhne und so weiter. Allein die beiden, an die heute gedacht wird, Simon und Judas Thaddäus, sind wenig genannt und treten kaum in Erscheinung. Aber sie gehören zu denen, die sich Jesus in seinen engsten Kreis geholt hat. Vielleicht wird an ihnen deutlich, dass es nicht um sie gehen soll, sondern um Jesus. Dass nicht die Boten, die Überbringer der Botschaft im Vordergrund stehen sollen, sondern die Botschaft selbst und der, der sie ausgeschickt hat. Ich kennen so viele Menschen, die unglaublich viel Engagement in ganz vielfältigen Dingen in Kirche und Gesellschaft zeigen und vieles voranbringen, was durch hauptamtliche Kirchenleute immer wieder vertagt und nicht entschieden wird. Und die meisten dieser Engagierten werden von sich echt nicht behaupten, Visionäre zu sein, die an erster Stelle stehen, sondern eher gern an zweiter Stelle, und dann das tun, was andere liegenlassen oder sich nicht anzupacken trauen, weil es heiße Eisen und neue Dinge sind, die sich entwickeln und wo man noch nicht genau weiß, wo es hingehen wird.Aber wahrscheinlich ist das der Punkt: viele Menschen sind wie Simon und Judas Gesandte ihres Herrn und tun das, was ER ihnen aufträgt, was andere liegen lassen, was andere sich nicht trauen. Und dadurch, und genau durch sie, wird das Evangelium verkündet, Jesus und seine Botschaft für die Menschen in den normalen, einfachen Dingen vorangebracht und ohne Gedöns – wie man in Köln sagt – die Kirche aufgebaut.

  3. 2d ago

    Lieb haben

    Mehrmals in der Woche besuche ich unsere alten Schwestern im Altenheim und bin immer wieder begeistert, wie intensiv oft unsere Gespräche sind. Eine unserer dementen Schwestern ist mir dieser Tage fast entgegengerannt und ist mir um den Hals gefallen, als ich gekommen bin. Also habe ich sie auf meinen Besuchstouren durch das Haus mitgenommen. Sie kann kaum noch sprechen, aber ihre emotionalen Bewegungen sind ja ungebrochen da und entsprechen auch dem, wie ich sie kenne.Mit einer unserer hochalten Schwestern kam ich also ins Gespräch über die Schwächen unserer Kirche und die vielen Missstände in den Leitungspositionen, die vielfältigen Missbrauchsvergehen und den schlechten Umgang mit den Opfern. Die Mitschwester hat sich sehr ereifert und erzählt, dass sie schon manchmal gebetet hat, der Herr möge doch endlich mal seine ganze Macht und Herrlichkeit zeigen und damit beweisen, dass er da sei und all das Böse, das geschieht, nicht ungestraft geschehen lässt. Ich würde an Gottes Stelle mal so richtig auf den Tisch hauen, damit es endlich alle begreifen.Ich habe ihr zugehört und zunächst nichts gesagt und dann kam der Satz, den ich von so einer alten Schwester nicht erwartet hätte. Sie sagte: "Aber weißt Du, Gott hat den Menschen bei seiner Erschaffung einen freien Willen gegeben und dieser freie Wille ist diesem Gott so wichtig, dass er niemanden mit Gewalt zwingen wird, anders zu handeln. Seine einzige Möglichkeit der Einflussnahme ist, ihm zu zeigen, dass er ihn liebt."Ich war sehr bewegt und berührt und wir haben sehr lange geschwiegen und nachgedacht und wir hatten die demente Schwester, die gemütlich im Sessel saß, fast vergessen. Als ihr das Schweigen wahrscheinlich zu lange gedauert hat, hat sie den Kopf gehoben uns angestrahlt und gesagt: "Genau, lieb haben!"Wir haben gelacht und dann ist mir erst bewusst geworden, was die Konsequenz dieser zwei Worte war: Wenn schon Gott der Allmächtige seine Macht nur zeigen kann, in dem er die Menschen liebt, mit all ihren guten und bösen Seiten, so können auch wir, die wir uns Christen nennen, gar nicht anders als nur lieb haben. Das ist oft nicht so easy, wie es klingt, und nicht unbedingt leicht, wenn man um die Schwächen und Bösartigkeiten weiß, aber es gibt keine andere Möglichkeit: nur lieb haben.

  4. 3d ago

    Kinder des Lichts

    Mein Smartphone hat viele kluge, aber auch so witzige Apps wie die fürs Wetter. Und gelegentlich ploppen dann neueste Wettermeldungen auf. Da heißt es für Olpe: Regen klingt ab oder es ist zu erwarten, dass der Regen in den nächsten Stunden aufhört. Naja, kann ja sein. Aber wenn ich aus dem Fenster schaue, ist blauer Himmel mit ein paar zarten Wolken und kein einziger Tropfen Regen. Und dann traue ich natürlich meinem Live-Fenster-Blick entschieden mehr als den interessanten Fake-Wetter-News. Aber beim Wetter ist es auch noch relativ leicht. Schwieriger ist es natürlich mit all den vielen anderen Nachrichten, die sich rasant verbreiten und die oft so offensichtlich falsch sind, dass man es mit halbwegs gesundem Menschenverstand schon erkennt. Aber eben oft auch nicht. Und dann heißt es nachschauen, andere Medien nutzen und sich informieren. Und auch heute bin ich wieder erstaunt, wie real die Worte aus der heutigen Lesung im Epheserbrief sind. Da steht unter anderem: "Niemand täusche euch mit leeren Worten: All das nämlich zieht auf die Ungehorsamen den Zorn Gottes herab. Habt darum mit ihnen nichts gemein! Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts!"Dieses täuschen mit leeren Worten fällt mir immer wieder bei politischen Reden und Debatten bestimmter Parteien auf. Da wird laut getönt und es werden Phrasen gedroschen, die alle irgendwie gleich sind. Und wenn dann sachliche Nachfragen kommen, gibt es nur Gestammel und das berühmte: Äh, keine Ahnung. Jeder kennt das. Sich nicht von leeren Worten täuschen lassen heißt aber auch umgekehrt, selbst nicht leere Worte reden und andere zu täuschen versuchen. Habt mit ihnen nichts gemein, heißt es im Epheserbrief, auch wenn ihr einst Finsternis wart, jetzt seid ihr Kinder des Lichtes. Und was zunächst eine wunderschöne Zusage ist, bringt dann sofort auch wieder den Auftrag: Lebt als Kinder des Lichtes, also in Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.

  5. 4d ago

    Vertrautheit macht den Unterschied

    Es gibt einen Unterschied zwischen bloßer Anwesenheit und echter Vertrautheit. Man kann an einem Ort sein, ohne dass er einem wirklich vertraut ist. Das gilt für Häuser, Straßen, Landschaften – aber es gilt auch für unser Leben, für Beziehungen, sogar unseren Glauben. Manchmal sieht man Ruinen alter Herrenhäuser, die einst prächtig waren. Manche stehen noch, andere wurden zerstört. Man erkennt sofort: Wer sich mit einem Ort verbunden fühlte, wer ihm vertraute, der hinterlässt Spuren. Die Anwesenheit allein genügt anscheinend nicht. Auch wir Menschen sind in gewisser Weise Treuhänder, Lehnsleute. Es gibt ein gegenseitiges Versprechen: Schutz gegen Treue, Verantwortung gegen Vertrauen. Jesus von Nazareth wurde von Gott zum Messias, zum Christus gesalbt – um Gottes Königsherrschaft sichtbar unter den Menschen zu begründen. Mein Königtum ist nicht von dieser Welt, sagte er. Und doch zeigt sein Leben, dass seine Herrschaft hier und jetzt wirksam wird durch Liebe, durch Gnade, durch die Einladung an jeden einzelnen von uns, daran teilzuhaben. Früher nannten sich die Könige "von Gottes Gnaden". Das konnte gefährlich werden, wenn menschliches Verhalten einfach auf Gott abgeschoben wurde. Heute gilt: von Gottes Gnade, das betrifft uns alle. Wir alle leben durch Gottes Gnade, durch seine Liebe und sein Vertrauen. Das bedeutet Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen, Gnade vor Recht üben, wirklich verzeihen können wie Jesus am Kreuz und unsere Talente, unsere Fähigkeiten, alles was uns anvertraut ist, zur Blüte bringen. Nicht vor Gott alles verrosten lassen. Das Reich Gottes ist schon angebrochen. Er ist mitten unter uns und er braucht uns, damit seine Königsherrschaft in dieser Welt sichtbar wird. Gott traut uns die Aufgabe zu und er traut uns auch zu, sie zu erfüllen. Die zentrale Frage ist deshalb: Bin ich vertraut mit Jesus und seinem Willen, lebe ich aus dieser Vertrautheit heraus oder bleibe ich nur anwesend? Denn wer vertraut, kann Verantwortung übernehmen, kann Gnade leben, kann sein Talent entfalten. Vertrautheit macht den Unterschied, eben nicht bloß anwesend sein.

  6. 5d ago

    Frieden ist ein Weg im Heiligen Geist

    Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Dieser Satz fällt nicht in einer heilen Situation. Nein, Jesus sagt ihn in seiner Abschiedsrede. Die Jünger sind verunsichert: Jesus geht, aber was bleibt? Jesus spricht von seinem Frieden, nicht von politischer Ruhe oder äußerer Stabilität. Im biblischen Sinn meint Frieden mehr, es meint Shalom, Frieden mit Gott, mit den Menschen, mit der Schöpfung, mit mir Selbst. Ein Frieden, der nicht gemacht werden kann, sondern geschenkt wird durch seine Gegenwart. Friede bleibt aber nicht abstrakt und wenn wir heute den Tag der Vereinten Nationen begehen, ist das eines ihrer ganz großen Ziele: Frieden zu schaffen. Wir Menschen können das nicht aus uns Selbst, auch wenn wir immer daran bleiben müssen. Aber Jesus zeigt uns noch etwas anderes: Er verheißt uns den Heiligen Geist als seinen Beistand. Nicht ein Beruhigungsmittel, sondern als Mutmacher – und das können wir Menschen doch alle ganz gut gebrauchen. Ein Geist, der nicht tröstet indem er Probleme zudeckt, sondern indem er in die Wahrheit führt. Auch in der Wahrheit über Konflikte, über Angst, über das, was seinem und unserem Frieden im Weg steht. Christlicher Friede ist deshalb nicht nur ein bloßes Gefühl. Dieser Friede will Beziehung sein zum Vater durch den Sohn im Heiligen Geist. Und dieser Friede hat auch Konsequenzen. Er beginnt in unserem Inneren, dort, wo ich meine Angst nicht verdränge, sondern Christus hineinlasse. Frieden zeigt sich in unserem Miteinander. Die einfache ehrliche Frage bleibt: Was trage ich zu diesem Unfrieden in der Welt manchmal bei? Oder besser gesagt: Was trage ich zum Frieden bei? Dieser Friede reicht über meine Persönlichkeit hinaus. Er will auch gesellschaftliche Folgen haben: in unserem Konsum, im Einsatz für Gerechtigkeit, in Verantwortung für Umwelt und Mitmenschen. Christlicher Friede ist kein Zustand, den man irgendwie erreicht. Er ist ein Weg im Heiligen Geist –geschenkt, aber nicht immer bequem. Denn er verlangt Entscheidung, Hingabe und oft Mut. Jesus ruft dich und mich dazu auf, ein Friedensstifter zu sein. Schließlich sagt er: Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

  7. 6d ago

    Gute Worte

    In den mehr oder eher weniger sozialen Medien kann man kaum noch unter einem Post, der interessant ist, Kommentare lesen. Die sind oft so voll mit Hass und Hetze und Bösartigkeiten, dass es einfach erschreckend ist. Es galt einmal die Regel, dass man nur das schreibt, was man auch in Gegenwart dieses Menschen persönlich sagen würde. Wenn das alle beachten würden, wäre unglaublich viel gewonnen in Kommunikation und Diskurs.Die heutige Lesung aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus, aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, stehen Anweisungen, die so klingen, als seien sie genau für uns und für dieses Problem heute geschrieben worden. Da heißt es: "Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt und dem, der es hört, Nutzen bringt. Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung. Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte! Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat."Meine Güte, da steht so viel an guter Anleitung und wir brauchen es nur zu nutzen. Nur gute Worte zu verwenden, die den, der es braucht stärken und Nutzen bringen wird, daran denken wir so selten. Oft ist so leicht etwas dahingesagt oder eingetippt, dass nicht gut und auch nicht nützlich ist. Am meisten sprachlos macht mich diese Mahnung, den Heiligen Geist nicht zu beleidigen, da wir dessen Siegel tragen für den Tag der Erlösung. Der Heilige Geist als Erstlingsgabe unseres Gottes in der Taufe und der Firmung, zugesagt für den Tag der Erlösung, den wir alle erwarten. Wenn uns das öfter bewusst wäre, würden wir sehr viel mehr darauf achten, was wir sagen und tun. Aber heute ist dafür ja ein guter Start.

  8. Oct 22

    Zusammen beten

    Wir sind mitten im Oktober und die Älteren unter uns kennen ihn noch als Rosenkranzmonat. Bei einem Kurs im Schwestern-Altenheim in Drolshagen hat mir eine Schwester von Erlebnissen aus den weiterhin schweren Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt. Sie ist kein sehr emotionaler Mensch, aber bei dieser Geschichte haben alle gespürt, was es ihr damals und bis heute ins hohe Alter bedeutet. Sie erzählte Folgendes: Es gab nur selten Strom und neben dem Holz- und Kohle-Herd in der Küche auch keine Heizung in der Wohnung. Abends im Dunkeln haben meine Mutter, meine Schwester und ich dann in der Küche gesessen. Meine Mutter hat die Feuerklappe am Ofen aufgemacht, damit wir ein bisschen Licht hatten, und dann die Backofentür nach unten aufgeklappt. Da haben wir dann unsere immer kalten Füße draufgelegt und zusammen den Rosenkranz gebetet. Das hat also alles warm gemacht: die Füße auf der Backofenklappe, die Küche und unser Herz und Gemüt. Zusammen zu beten, war einfach etwas stark Verbindendes in der Not und hat uns gezeigt, dass meine Mutter in allen schwierigen Situationen immer auf Gott vertraut hat. Das hat uns Kinder sehr geprägt, außerdem war es schön gemütlich und wir konnten dann aufgewärmt und mit Gottes Segen schlafen gehen. Sie hat diese Kleine, aber wohl sehr bedeutende Begebenheit mit solch leuchtenden Augen erzählt, dass wir Zuhörerinnen noch sehr genau spüren konnten, was damals diese kleinen Geschwister beeindruckt hat. Zusammen beten, schafft innere familiäre Beziehungen und manchmal erzählen Leute noch heute von Episoden, die sehr kurz und sehr eindrücklich waren, weil sie Vater oder Mutter beim Beten erlebt haben. Allein beten in der Kapelle oder beim Spazieren gehen ist auch schön, aber zusammen zu beten, hat noch einmal eine ganz andere innere Dimension des Zusammenhalts und der betenden Gemeinschaft füreinander.Vor ein paar Tagen habe ich zufällig beim Scrollen auf Facebook eine Gebetszeit vom Petersplatz in Rom gesehen. Viele Menschen waren zusammengekommen, um für Papst Leo während seines Krankenhausaufenthaltes den Rosenkranz zu beten. Ein so ruhiges, meditatives gemeinsames Gebet hilft sogar über 1.000 km hinweg zur Meditation und Stille. Und dann hat sich der Papst bedankt und gesagt, ich habe eure Gebete und eure Unterstützung gespürt.

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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