Orte und Worte

Der Bücherpodcast vom rbb. Ein Buch, ein Ort, eine Begegnung: Wir sprechen mit Autorinnen und Autoren über ganz persönliche Themen, ihre aktuellen Bücher, das Schreiben und die kreative Arbeit. Unsere Hosts Nadine Kreuzahler, Anne-Dore Krohn und Stephan Ozsváth verabreden sich an Orten, die wichtig sind als Schauplatz oder zur Inspiration, mit dem Schwerpunkt in Berlin und Brandenburg. Alle Tipps, Empfehlungen und Orte findet Ihr in den Beschreibungen und Shownotes der Podcast Folgen.

  1. Mit Helene Bukowski in der ehemaligen DDR-Spezialschule für Musik in Berlin Mitte

    6D AGO

    Mit Helene Bukowski in der ehemaligen DDR-Spezialschule für Musik in Berlin Mitte

    Eine Kiste voll mit Fotos, Briefen, Notizen und Kassetten war der Ausgangspunkt für Helene Bukowski ihren neuen Roman zu schreiben. „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ erzählt die Geschichte der jungen Pianistin Christina, die als Wunderkind erst an der Spezialschule für Musik in Ost-Berlin und dann am Konservatorium in Moskau ausgebildet wird. Aber mit nur 24 Jahren nimmt sie sich das Leben. Wer war die junge Frau? Und wie nähert man sich der Biografie einer Fremden? Wie kann und darf man sie erzählen? Dafür hat Helene Bukowski eine ganz eigene Form gefunden und ist damit für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Nadine trifft sich mit ihr in den Räumen der ehemaligen Spezialschule für Musik in Berlin Mitte, wo heute am "Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach" immer noch Talente gefördert werden. Das Buch Helene Bukowski: "Wer möchte nicht im Leben bleiben", Claassen, 384 Seiten, 24,00 Euro Die Autorin Helene Bukowski, geboren 1993 in Berlin und dort auch aufgewachsen, hat in Hildesheim Kreatives Schreiben studiert und bisher drei Romane veröffentlicht: "Milchzähne" (2019) war für viele Preise nominiert und wurde verfilmt. 2022 folgte "Die Kriegerin". Und nun "Wer möchte nicht im Leben bleiben". Die Bücher über die Nadine und Helene sonst noch sprechen. Helene empfiehlt: Ines Geipel: "Das Heft", Transit Verlag, 1999, nur noch antiquarisch/ gebraucht/ in Bibliotheken. Nadine empfiehlt: Ulli Lust: "Die Frau als Mensch 2: Schamaninnen", Reprodukt, 304 Seiten, 29,00 Euro Der Ort Das Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach, ehemalige Spezialschule für Musik der DDR

    52 min
  2. Mit Vernesa Berbo bei Wein und Gesang in der Galerie Subject-Object

    FEB 26

    Mit Vernesa Berbo bei Wein und Gesang in der Galerie Subject-Object

    Es sind zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Dijana und Dada. Die eine ist burschikos, geht an die Front, der Vater nennt sie “Sohn”. Die andere: Hypersensibel, Tabletten- und Alkoholsüchtig, vergewaltigt von UN-Soldaten. Vernesa Berbo beschreibt die Belagerung von Sarajevo aus der Perspektive der Frauen. Das unterscheidet dieses Debut von vielen anderen Büchern zum Thema. Sie verblendet das Trauma einer jungen Bosnierin mit der Kriegserfahrung einer deutschen Seniorin, die sie in Berlin kennenlernt. Ein Abend mit gemeinsamem Singen und Reden über Kriege, Theaterspielen in einer belagerten Stadt, die Kraft der Kultur, die Musik der Roma, wie Schreiben hilft, nicht verrückt zu werden und den Traum von Jugoslawien. Das Buch Vernesa Berbo: Der Sohn und das Schneeflöckchen, Frankfurter Verlagsanstalt, 26 Euro, 448 Seiten. Stephan Ozsváth empfiehlt Ena Katerina Haler: Die Schuldlosen. Folio Verlag.256 Seiten. 25 Euro. Vernesa Berbo empfiehlt Marica Bodrozic: Das Herzflorett, Luchterhand Verlag, 288 Seiten, 24 Euro Sasa Stanisic: Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird, Luchterhand, 160 Seiten, 22 Euro. Der Ort Galerie Subject Object, Berlin Schöneberg Die Autorin Vernesa Berbo ist in Priboj geboren, in Sarajevo hat sie Schauspiel studiert. Während der Belagerung der bosnischen Hauptstadt hat sie die “Hexe” in einem Unicef-Theater verkörpert, das Kinder mit Entspannung und Lunchpaketen versorgte. Sie ist Schauspielerin, Drehbuchautorin und Musikerin. Mit den “Balkan Boys” tourt sie. Am liebsten ist sie Mutter, sagt sie. 1994 kam sie als Kriegsflüchtling nach Berlin. “Der Sohn und das Schneeflöckchen” ist ihr erster Roman.

    52 min
  3. FEB 19

    Mit Peggy Mädler im Rechenzentrum Potsdam

    "Selbstregulierung des Herzens" heißt der neue Roman von Peggy Mädler. Noch ein letztes Mal, so sagt die Schriftstellerin, wollte sie zurückblicken auf die DDR und die Wendezeit. Sie erzählt vier Jahrzehnte im Leben einiger Freunde und Pärchen. Die einen träumen von Wirtschaftsreformen und intelligenten Rechenmaschinen, die anderen von Kunst ohne staatliche Kontrolle. Es geht um Rückzugsräume und Datschenträume, um Kybernetik, selbst lernende Systeme, die Liebe, Kunst und den Alltag zwischen Selbstregulierung und Staatsüberwachung. Peggy und Nadine reden im ehemaligen Rechenzentrum Potsdam über die Entstehung des Romans, Peggys Datsche, den Zusammenhang von Kybernetik und Politik, und über den Blick auf Ostdeutschland heute. Das Buch Peggy Mädler: "Selbstregulierung des Herzens", Galiani Berlin, 304 Seiten, 23 Euro Nadine empfiehlt Christoph Hein: "Das Narrenschiff", 751 Seiten, Suhrkamp Peggy empfiehlt Jina Khayyer: "Im Herzen der Katze", Suhrkamp, 253 Seiten, 25 Euro Heike Geißler: "Verzweiflungen", Essay, Edition Suhrkamp, 221 Seiten, 18 Euro Der Ort Rechenzentrum Potsdam mit dem Mosaik-Wandbild von Fritz Eisel Die Autorin Peggy Mädler wurde 1976 in Dresden geboren und lebt als Theater-Dramaturgin und freie Autorin in Berlin. Sie arbeitet bundesweit mit verschiedenen Performancegruppen, Theatern und Regisseur*innen zusammen. Für ihren Roman "Wohnin wir gehen" (2019) erhielt sie den Fontane-Literaturpreis der Fontanestadt Neuruppin und des Landes Brandenburg. 2024 erschien "Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat" mit Annett Gröschner und Wenke Seemann.

    50 min
  4. Mit Asal Dardan im Rathaus Schöneberg

    FEB 5

    Mit Asal Dardan im Rathaus Schöneberg

    Die "Frau, Leben, Freiheit"-Proteste sind noch gut im Gedächtnis. 2022 gingen nach dem Tod der Studentin Jina Mahsa Amini Hunderttausende auf die Straße. Die Reaktion des islamischen Mullah-Regimes war brutal und blutig. Nila, eine Autorin aus Teheran, die zu ihrem Schutz anonym bleiben muss, war damals dabei. Ihr Buch "Auf den Straßen Teherans" erzählt davon. Vor dem Hintergrund der neuesten Proteste im Iran, und ihrer grausamen Niederschlagung ist die Lektüre bedrückend aktuell. Nadine hat sich mit Nilas Berliner Übersetzerin Asal Dardan getroffen, die in Teheran geboren wurde und in Deutschland und Schottland aufgewachsen ist. Im Gespräch erzählt sie, wie es ist, hier im sicheren Deutschland für jemanden zu sprechen, der permanent in Lebensgefahr ist, wie die Übersetzung zustande kam und warum Nilas Buch viel mehr ist als ein bloßer Bericht über eine Protestbewegung. Für das Gespräch hat Asal das Rathaus Schöneberg ausgesucht, wo 1967 ein Teil der Studentenproteste gegen den persischen Schah stattfanden. Das Buch Nila: "Auf den Straßen Teherans" Übersetzt aus dem Englischen von Asal Dardan, mit einem Vorwort von Natalie Amiri, Pfaueninsel Verlag, 144 Seiten. Nadine empfiehlt Ece Temelkuran: "Nation of Strangers. Unsere Heimat sind wir" Asal Dardan empfiehlt Naomi Klein: "Doppelgänger. Eine Analyse unserer gestörten Gegenwart" Übersetzt von Peter Robert und Rita Seuß, S. Fischer, 496 Seiten Maryam Aras: "Dinosaurierkind", Claassen, 192 Seiten Der Ort Das Rathaus Schöneberg, Berlin Der Gast Asal Dardan ist Autorin und Übersetzerin. Sie wurde 1978 in Teheran geboren und ist in Köln, Bonn und Aberdeen aufgewachsen. Sie lebt abwechselnd in Berlin und Schweden. Ihr Essayband "Betrachtungen einer Barbarin" (2021) war für den Deutschen Sachbuchpreis den Clemens-Brentano-Preis nominiert. Zuletzt erschien "Traumaland. Eine Spurensuche in Deutscher Vergangenheit und Gegenwart" (2025). Sie übersetzt Literatur aus dem Englischen ins Deutsche, u.a. von Chimamanda Ngozi Adichie.

    47 min
  5. Mit Magdalena Schrefel in der Akademie der Künste

    JAN 22

    Mit Magdalena Schrefel in der Akademie der Künste

    Wie soll man einen Roman über ein so komplexes Thema wie den Klimawandel schreiben? Diese Frage hat sich die Dramatikerin und Hörspielautorin Magdalena Schrefel gestellt. Sie hat sich dazu entschieden, in ihrem Debütroman "Das Blaue vom Himmel" nur einen ganz kleinen Ausschnitt zu beleuchten. Durch eine Geoengineering-Maßnahme soll die Erde heruntergekühlt werden. Der Preis dafür: Der Himmel wird in Zukunft nie wieder blau sein. Was bedeutet das für die Menschen? Magdalena Schrefel verzahnt in ihrer Geschichte die Entstehung einer Kunstausstellung, die Klimakrise und eine Familiengeschichte miteinander. Wie sie auf diese ungewöhnliche Idee kam, ob ihr Roman Climate Fiction ist, und warum sie beim Schreiben eher aufs Finden als aufs Suchen setzt, hat Magdalena Schrefel mit Nadine in der Akademie der Künste besprochen. Die Autorin: Magdalena Schrefel schreibt Theaterstücke, Hörspiele und Erzählungen. Zuletzt den Band "Brauchbare Menschen" (2022). Für ihre Arbeiten wurde sie schon mehrfach ausgezeichnet. Sie wurde 1984 geboren und ist in Wien aufgewachsen. Dort hat sie Europäische Ethnologie studiert und in Leipzig Literarisches Schreiben. "Das Blaue vom Himmel" (2026) ist ihr erster Roman. Das Buch Magdalena Schrefel: "Das Blaue vom Himmel", Suhrkamp, 268 Seiten. Nadine empfiehlt Marion Poschmann: "Die Winterschwimmerin. Verslegende", Suhrkamp, 80 Seiten. Magdalena Schrefel empfiehlt Dorothee Elmiger: "Die Holländerinnen", Hanser Verlag, 160 Seiten. Und für die, die mehr über die Geschichte der Wettervorhersagen und Geoengineering wissen möchten: Holly Jean Buck: "After Geoengineering. Climate Tragedy, Repair, and Restoration", Verso Books. Peter Moore: "Das Wetter-Experiment. Von Himmelsbeobachtern und den Pionieren der Meteorologie", aus dem Englischen von Michael Hein, Mare Verlag, 560 Seiten. Der Ort Die Akademie der Künste im Hanseatenweg in Berlin Tiergarten.

    45 min
  6. Mit Sarah Kuratle im Botanischen Garten Wien

    JAN 15

    Mit Sarah Kuratle im Botanischen Garten Wien

    Im Zentrum des Romans ist eine Insel. Dort gibt es hängende Gärten und botanische Zeichnungen. So versucht eine Gemeinschaft von Lehrern und Schülern die Artenvielfalt zu retten. Um sie herum sind die Elemente außer Rand und Band: Feuer, Überschwemmungen, vom Menschen gemachte Umweltverschmutzung setzen dem Planeten zu. Und auch die Inselbewohner tragen ihr persönliches Päckchen mit sich herum. Sarah Kuratles Roman wurde das Label "Climate Fiction" aufgeklebt. Stephan Ozsváth hat sie inmitten von Pflanzen und Lieblingstieren im Wiener Botanischen Garten getroffen und mit ihr über Literatur, Sprachspiele, Inspiration durch Malerei und ihr Lesepublikum gesprochen. Das Buch von Sarah Kuratle, über das wir im Podcast reden Sarah Kuratle: "Chimäre", Otto-Müller-Verlag, 23 Euro, 160 Seiten. Stephan Ozsváth empfiehlt José Lezama Lima: "Paradiso", Suhrkamp Taschenbuch. 648 Seiten. Antiquarisch. Marie-Luise Kaschnitz: "Der alte Garten", Suhrkamp Taschenbuch, Antiquarisch Maria Bidian: "Das Pfauengemälde", Zsolnay, 320 Seiten, 24 Euro. Sarah Kuratle empfiehlt Andreas Unterweger: "Das gelbe Buch", Literaturverlag Droschl, 240 Seiten. 20 Euro Leta Semadeni: "Amur, großer Fluss", Atlantis Literatur, 192 Seiten, 26 Euro Der Ort Botanischer Garten Wien Die Autorin Sarah Kuratle ist 1989 in Bad Ischl geboren. Sie wuchs diesseits und jenseits der Schweizer Grenze auf. Sie studierte in Graz Germanistik und Philosophie, arbeitet heute in einer Bibliothek in Dornbirn (Vorarlberg), wo sie auch mit ihrer Familie lebt. Ihre Lyrik und Prosa wurden vielfach ausgezeichnet. Mit ihrem Romandebüt "Greta und Jannis. Vor acht oder in einhundert Jahren" stand sie auf der Shortlist für den Literaturpreis Text & Sprache 2022. "Chimäre" ist ihr zweiter Roman. Er stand monatelang auf der ORF-Bestenliste. Sie habe das "Nature Writing" neu erfunden, schrieb die NZZ über "Chimäre".

    52 min

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Der Bücherpodcast vom rbb. Ein Buch, ein Ort, eine Begegnung: Wir sprechen mit Autorinnen und Autoren über ganz persönliche Themen, ihre aktuellen Bücher, das Schreiben und die kreative Arbeit. Unsere Hosts Nadine Kreuzahler, Anne-Dore Krohn und Stephan Ozsváth verabreden sich an Orten, die wichtig sind als Schauplatz oder zur Inspiration, mit dem Schwerpunkt in Berlin und Brandenburg. Alle Tipps, Empfehlungen und Orte findet Ihr in den Beschreibungen und Shownotes der Podcast Folgen.

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