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Ausführliche Gespräche über Soziologie, Philosophie und Politik mit wechselnden Gästen aus der Wissenschaft.

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    • Society & Culture

Ausführliche Gespräche über Soziologie, Philosophie und Politik mit wechselnden Gästen aus der Wissenschaft.

    Stadt gegen Land – mit Lukas Haffert

    Stadt gegen Land – mit Lukas Haffert

    Geht man die Wahlergebnisse der letzten Bundestagswahl in Berlin durch, zeigt sich ein eindrückliches Bild. Die Mitte gehört den Grünen, mit 30 Prozent der Erststimmen in Berlin-Mitte und fast 40 Prozent in Friedrichshain-Kreuzberg. Die AfD kommt dagegen nur auf 5 Prozent. Weit außerhalb des Rings sieht das ganz anders aus. In Spandau oder Marzahn erreichen die Grünen kaum 10 Prozent. Die AfD ist hier gleichauf oder sogar stärker. Vom Ring in die Außenbezirke bildet sich in Berlin ein Konflikt ab zwischen Zentrum und Peripherie.
    Was in Berlin im Kleinen gilt, ist auch in Deutschland insgesamt zu sehen: der Konflikt zwischen Stadt und Land. Das ist die These von Lukas Haffert, der sich in seinem neuen Buch Stadt, Land, Frust mit der Rückkehr dieses Konflikts in Politik und Gesellschaft auseinandergesetzt hat. Mit ihm sprechen wir darüber, wie man die Unterschiede zwischen Stadt und Land vermisst: über die politökonomischen Ursachen, die kulturellen Gegensätze und die identitätspolitische Aufladung des Konflikts.
    Dem Versuch, die Gegensätze einfach politisch aufzulösen, steht er skeptisch gegenüber. Auch die beste Infrastruktur in ländlichen Regionen führt nicht automatisch zu den von Städtern "gewünschten" Wahlergebnissen – wie etwa die Schweiz zeigt. Viel grundlegender ist die Frage: Wie können moderne Gesellschaften solche Grundkonflikte in ihren Institutionen repräsentieren?

    • 1 hr 37 min
    Ungleichheit im deutschen Schulsystem – mit Marcel Helbig

    Ungleichheit im deutschen Schulsystem – mit Marcel Helbig

    Wir sehen uns gern als Leistungsgesellschaft. Mit sozialer Ungleichheit haben wenige Menschen ein Problem, so lange sie durch die "Leistungen und Fähigkeiten" des Einzelnen gerechtfertigt ist. Doch schon beim Blick auf die Bildung stößt diese Vorstellung auf Widersprüche. Denn welche Fähigkeiten Kinder erlernen können und was sie damit später leisten dürfen, hängt an extrem ungleichen Bedingungen.
    Mit Marcel Helbig sprechen wir über Ungleichheit im deutschen Schulsystem. Wir beginnen zunächst historisch. Nach der Weimarer Reichsverfassung, die nun gut 100 Jahre alt ist, wurde erstmals der Gedanke von Gleichheit in der schulischen Bildung verankert. Mit der mindestens vierjährigen Grundschule wurde ein Einrichtung geschaffen, in der Kinder aller Schichten gemeinsam lernen. Auch heute noch besteht ein Sonderungsverbot mit Verfassungsrang, das die Ausgrenzung von Kindern nach Besitzverhältnissen in Schulen untersagt. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
    Wir versuchen, die komplizierte Struktur des deutschen Schulsystems zu verstehen, inklusive der Verwerfungen von Wiedervereinigung und demographischen Umbrüchen. Dann widmen wir uns den Mechanismen, die die Ungleichheit in der Schullaufbahn verfestigen: von den ungleichen Vorbedingungen beim Schuleintritt über die ungleiche Bewertung von Schülern aus verschiedenen Milieus bis hin zur sozial-räumlichen Segregation von Stadtteilen und ihren Schulen. Eine besondere, und immer wichtigere Rolle spielen dabei die Privatschulen. Bürgerliche Familien bleiben dort unter sich und verstärken damit die Bildungsungleichheiten weiter. Ein positiver Ausblick fällt schwer.

    • 1 hr 46 min
    Rights to Natural Resources – with Petra Gümplová

    Rights to Natural Resources – with Petra Gümplová

    From Congo to Afghanistan, natural resources are at the center of many contemporary political conflicts. Yet the mostly arbitrary rights to extract and use these resources are rarely reflected upon in depth. There is a lack of understanding of the historical origins as well as a critical analysis of our current global system of natural resource rights.
    Our guest Petra Gümplová attempts to do both. In her research, she approaches the topic with a historical genealogy of international law and with a normative theory of justice. For her, international law is simultaneously a historical cause of current injustices and the key to their moral critique.
    In her historical genealogy, she identifies three central legal principles that have shaped the modern resource regime. The Right of Conquest, the Right of Discovery and Occupation, and the Right of he Freedom of the Seas: all were invented and justified to secure valuable access to resources in distant parts of the world. Like military force and violence, legal considerations formed the basis of colonial practice.
    Paradoxically, the postwar development of international law then provides the tools for a comprehensive critique of resource injustice. Gümplová advocates a practice-oriented method of normative theory building. Rather than developing principles from an abstract and ideal standpoint, she seeks to draw out the moral implications of current international law standards. For her, a just postcolonial system of control over natural resources must be based on the principle of self-determination and on the comprehensive catalog of human rights.

    • 1 hr 51 min
    Wohnen als soziale Infrastruktur – mit Inga Jensen

    Wohnen als soziale Infrastruktur – mit Inga Jensen

    Mit dem erfolgreichen Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände in Berlin scheint die Wohnungsfrage endgültig im Zentrum aktueller sozialer Kämpfe angekommen. Nach den Privatisierungswellen der 90er- und Nullerjahre stehen vielerorts die Zeichen auf eine neue öffentliche Wohnungspolitik, die mit Neubau, Ankauf und gesetzlicher Preisregulierung auf die dramatischen Mietsteigerungen einwirken will.

    Wir sprechen darüber mit Inga Jensen. Sie arbeitet in ihrer Dissertation zu den Perspektiven der (Re-)kommunalisierung in der Wohnungspolitik am Beispiel Berlin. Ein hoher Bestand an öffentlichen Wohnungen ist für sie unerlässlich, um die Wohnungsfrage sozial zu gestalten. Ein solcher Bestand bietet Möglichkeiten der demokratischen Kontrolle und der sozialen Mietpreisgestaltung, die gewinnorientierten Unternehmen fremd sind. Mit Inga besprechen wir die verschiedenen politischen Instrumente, die zur Rekommunalisierung zur Verfügung stehen. Ebenso diskutieren wir das Verhältnis von genossenschaftlicher, kommunaler und bundesweiter Wohnungspolitik.

    Zuletzt denken wir über den Status der Wohnraumversorgung als sozialer Infrastruktur nach. Denn wie die technischen Netze ist auch der Wohnungsbestand von hohen Investitionserfordernissen und Pfadabhängigkeiten geprägt und bedient ein unbestrittenes Grundbedürfnis (mancherorts ein Grundrecht). In dieser Perspektive steht die Berliner Kommunalisierungskampagne in einer Kontinuität mit früheren Initiativen etwa zur Kommunalisierung der Wasserversorgung oder des Stromnetzes. Taugt die Infrastruktur sogar zum politischen Leitbegriff?

    [Hinweis: Die Sendung wurde vor der Veröffentlichung der Koalitionsverträge auf Landes- und Bundesebene aufgenommen.]

    • 1 hr 28 min
    Postkoloniale Soziologie – mit Marius Meinhof

    Postkoloniale Soziologie – mit Marius Meinhof

    Ob in Diskussionen um Museumsstücke aus den ehemaligen Kolonien, um koloniale Genozide oder um Alltagsrassismus: Die westlichen Gesellschaften lernen erst langsam, den Kolonialismus nicht nur als eine bedauerliche Episode der Vergangenheit zu begreifen, sondern als ein wesentliches Strukturmerkmal der eigenen Geschichte. Was daraus für die Politik heute konkret folgt, ist ebenso umstritten wie die Folgen für Geistes- und Sozialwissenschaften.
    Dies gilt insbesondere für die Soziologie. Ihr Anspruch, zu beschreiben, was gerade »die« moderne Gesellschaft ausmacht, wird durch den Postkolonialismus herausgefordert. Lässt sich das bereits entwickelte, differenzierte Vokabular von Modernisierung, Herrschaft und Diskriminierung nicht auch für eine Soziologie des Kolonialismus nutzen? Liegt die Aufgabe der Soziologie darin, »den« Kolonialismus empirisch genau in seine Bestandteile zu zerlegen und historische Fälle zu vergleichen? Oder geht es an die Überprüfung der oft unausgesprochenen Grundlagen des Faches insgesamt?
    In der Sendung sprechen wir mit Marius Meinhof, der im Rahmen einer Auseinandersetzung in der Zeitschrift SOZIOLOGIE für eine postkoloniale Soziologie wirbt. Nur wer kolonialistische Denkfiguren kennt, kann ein genaues Verständnis davon entwickeln, welche Bestandteile soziologischer Theorie darauf beruhen und in dieser Hinsicht zu überprüfen sind. Ebenso müsse der Kanon soziologischer Klassiker um die Klassiker des Postkolonialismus erweitert werden. Man müsse den Postkolonialismus als eigenständiges soziologisches Paradigma begreifen.

    • 1 hr 29 min
    Grenzen als Sortiermaschinen – mit Steffen Mau

    Grenzen als Sortiermaschinen – mit Steffen Mau

    Der Fall der Berliner Mauer steht nicht allein für die Wiedervereinigung Deutschlands. Er ist auch Symbol für die Überwindung von Grenzen überhaupt. Die letzten Jahrzehnte schienen immer mehr Freiheit in diesem Sinne zu bedeuten. In der Globalisierung, dem Freihandel oder dem Abbau der innereuropäischen Grenzen meinten die einen schon das Ende der ungeliebten Nation zu erkennen, während die anderen den drohenden Kontrollverlust beklagten.
    In seinem neuen Buch nimmt Steffen Mau eine Korrektur an diesem Blick auf die Globalisierung vor. Empirisch sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr und immer stärker gesicherte Grenzen entstanden. Sie sind zu "Sortiermaschinen" geworden, mit denen Staaten die Risiken der Mobilität kontrollieren. Globalisierung bedeutet ebenso sehr Öffnung für die einen wie Schließung für die anderen.
    Im Gespräch versuchen wir, eine Vorstellung der Grenze im 21. Jahrhundert zu gewinnen. Wie sind nationale Grenzen entstanden? Wie hat sich die Rolle des Staates geändert? Was heißt es, wenn die Grenze mit digitalen Erkennungstechniken aufgerüstet und in Drittstaaten vorverlegt wird? Ist territoriales Denken für uns derart selbstverständlich, dass sie unsere politische Vorstellungskraft behindert?

    • 1 hr 14 min

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