Supply Chain College

Martin Hendel

Praxiswissen, Karrieretipps und Ideen für ein besseres Supply Chain Management. Werde #supplychainfit

  1. Jun 15

    Warum Vorstände Logistik lieben, aber Supply Chain Management übersehen!

    Sparring / Mentoring mit mir: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-coaching/Buch: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/Wie differenziere ich Logistik und Supply Chain Management (SCM) und warum diese Unterscheidung so bedeutsam für jede Organisation ist.Die greifbare Kraft der LogistikHand auf’s Herz: Wer in Fertigungsunternehmen, Handel oder Distribution tätig ist, weiß, dass Logistik einfach überall präsent ist. Sie ist sichtbar, sie ist fühlbar und meistens spürt man sie in Form riesiger Budgets – gern mal in mehrstelliger Millionenhöhe. Ob Lager, Transport, Fuhrpark, Dienstleister oder Retourenabwicklung – in der Logistik bewegt ihr tagtäglich Unmengen an Ware und Geld.Hinzu kommt: Die Logistik steht an der Kundenfront. Der LKW-Fahrer oder der Logistikleiter sind die ersten, die Lob oder Ärger abbekommen, wenn Liefertermine eingehalten oder gerissen werden. Gerade das macht Logistik für viele Vorstände und Entscheider so attraktiv: Sie ist wie ein massiver Hebel, leicht zu messen und sofort zu beeinflussen. Ein gut verhandelter Frachtvertrag? Die Kosten sinken sichtbar. Ein Lieferproblem? Das Feuer brennt sofort und muss gelöscht werden. Diese Direktheit macht Logistik scheinbar so „einfach zu fassen“ – aber genau darin steckt die Krux.Supply Chain Management – das orchestrierende GehirnWie sieht es aber mit dem Wesen des Supply Chain Management aus?Hier wird’s spannend: SCM ist, salopp gesagt, das Gehirn der End-to-End-Lieferkette. Es bleibt jedoch meist im Hintergrund, orchestriert Prozesse, steuert Netzwerke zwischen Lieferanten, Produktionen, Lägern, Vertrieb und Kunden.Typische Aufgaben: Absatzprognosen, Bestandsmanagement, Prozessmoderation (S&OP) – und dabei immer der Blick in Richtung Gesamtstrategie und Langfristoptimierung.Das Tückische dabei: SCM bleibt unsichtbar, solange es funktioniert. Keine Brände, keine Störungen – einfach ruhiger Fluss. Die Bestände sinken leise, die Lieferfähigkeit bleibt hoch, Kapital wird effizient eingesetzt. Von außen ist der Einfluss aber kaum „fühlbar“. Ein pünktlicher LKW steht auf dem Hof – klar und sichtbar. Ein optimierter S&OP-Prozess? Das merken vor allem Analysten in der Bilanz oder GuV, nicht der Mitarbeiter auf dem Shopfloor.Warum trennen? Die Kurzfrist-Falle im TagesgeschäftJetzt zur zentralen Frage in vielen Unternehmen:Braucht man wirklich eine strikte Trennung? Gerade in KMU oder kleineren Betrieben findet die SCM-Funktion oft nicht als eigene Rolle statt, sondern landet als Zusatzpaket beim Logistikleiter.Das Problem: Wer das Tagesgeschäft dominiert, kommt selten zur strukturierten Planung. Zwischen Frachtverhandlungen, Schadensabwicklungen und Kapazitätssorgen bleibt keine Luft für übergeordnete Optimierungen. Strategische Fragen wie Lagerbestandsprojektion, Forecast-Optimierung oder das Thema Sales & Operations Planning (S&OP) landen schnell auf der To-Do-Liste für „irgendwann später“. Wenn’s brennt, zählt immer das Tagesgeschäft – und das ist meistens Logistik.Meine Erfahrung: Wer SCM und Logistik dauerhaft auf eine Person bündelt, handelt sich eine „eierlegende Wollmilchsau-Position“ ein. Sie existiert nur auf dem Papier, nie in der Realität. Am Ende leidet entweder die Operative (Logistik) oder die Strategie (SCM) deutlich.Organisatorische EinordnungEure Organisationsstruktur entscheidet, wie erfolgreich euer Team agieren kann. Wird SCM dem Logistik- oder gar Produktionsleiter untergeordnet, bleibt am Ende alles im Alltagsgeschäft hängen. Eine saubere Trennung – wo SCM eigenständig agieren kann – verschafft Freiraum für strategische Impulse, Prozessentwicklung und nachhaltige Verbesserungen.Mein Fazit für dichLogistik ist und bleibt das sichtbare und greifbare Rückgrat eures Wertschöpfungsnetzwerks – ohne sie kein Fluss, keine Lieferung, kein Geschäft. Supply Chain Management dagegen ist das strategische Gehirn: leise, planerisch, prozessorientiert und auf Langfristwirkung ausgerichtet.

    10 min
  2. Jun 1

    Das Millionengrab: Warum neue Systeme nur selten die Rettung bringen

    Kennst du das? Du stehst vor einer Investitionsentscheidung, ein glänzendes neues Advanced Planning System soll eingeführt werden. Damit – so die Hoffnung – werden die Forecasts endlich treffsicher, die Produktion effizient, der Warenfluss optimal gesteuert und der OEE schießt nur noch nach oben. Ganz ehrlich: Wer so denkt, verschwendet oft Millionen. Denn die eigentlichen Probleme liegen in der Regel ganz woanders. Und zwar hier:Es ist übrigens total egal für welchen Softwareanbieter (SAP, BlueYoneder, o9, Kinaxis etc.) ihr euch entscheidet, wenn ihr die nachfolgenden Dinge nicht beherrscht! 1. Das Fundament aus Sand: Schlechte StammdatenLangweilig? Vielleicht. Aber in der Realität der entscheidende Punkt.Bevor du auch nur einen Euro in teure Software steckst, frag dich:- Sind eure Materialstammdaten korrekt und aktuell?- Stimmen die Schnittstellen, Kapazitäten, Arbeitspläne und Stücklisten?- Sind die relevanten Verlustraten hinterlegt? uvm.In der operativen Planung brauchst du planungsrelevante, ehrliche Daten. Fehler bei den Stammdaten führen dazu, dass – egal wie smart das System ist – nur Unsinn rauskommt. Mein Tipp: Mach zuerst ein ehrliches Assessment und räum die Datenbaustellen auf. Es lohnt sich!2. Prozess schlägt System: S&OP & Co. als ErfolgsfaktorDas beste System ist sinnlos, wenn der zugrunde liegende Prozess lückenhaft ist.Egal ob Sales & Operations Planning (S&OP) oder Sales & Operations Execution:- Wie stimmen sich Vertrieb, Controlling und Planung ab?- Gibt es Klarheit über Verantwortlichkeiten? Wer trifft welche Entscheidung und mit welchem Vorlauf?- Wo liegt die Hoheit über Kapazitäten und Stammdaten – Produktion oder Supply Planning?Mir ist häufig begegnet, dass Rollen nicht klar definiert sind. Das führt zu Chaos und Misstrauen gegenüber den im System generierten Vorschlägen. Klärt die Prozesse, schafft ein sauberes Rollenkonzept (Stichwort: RASCI-Matrix), bevor ihr mit Systemeinführungen beginnt. Das betrifft auch Change Management – Organisationsstrukturen sollten angepasst, Zuständigkeiten sauber geregelt werden.3. Blackbox entzaubern: Verstehen, was das System tutEin modernes APS kann viel – doch am Ende braucht es Nutzer, die den Logiken trauen.- Wie funktionieren die Heuristiken im Hintergrund?- Welche Optimierungsprofile sind hinterlegt?- Wie können Planer diese anpassen?Was ich gelernt habe: Planer sollen nicht blind alles abnicken, was das System vorschlägt – aber sie müssen verstehen, was passiert. Denn: Viele manuelle Eingriffe machen die Ergebnisse nicht besser, sondern schlechter. Schulungen, Transparenz und Verständnis sind hier Gold wert.Fazit: Die Hausaufgaben vor der Investition machenMein Appell aus den französischen Alpen an dich:Die Einführung eines Systems ist kein IT-Projekt, sondern ein gigantisches Organisations- und Change-Projekt. Wer das unterschätzt, verbrennt nicht nur Geld – sondern verpasst auch die eigentliche Chance, die eigene Supply Chain nachhaltig zu verbessern.Setze erst auf Datenqualität, Prozessklarheit und Kompetenzaufbau. Dann ist jede Systemeinführung wirklich ein Booster für deine Supply Chain.Kartendecks & more: https://store.deine-lieferkette.deDie Bücher zum Kanal gibt es hier:Supply Chain AD ABSURDUM (September 2025): https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/Business-Roman (April 2022): https://deine-lieferkette.de/unplanbar_buchseite/Sachbuch (2021): https://deine-lieferkette.de/deine-lieferkette/Kanalhomepage: https://deine-lieferkette.de#supplychainmanagement #logistik #supplychainfit

    6 min
  3. May 18

    Von Produktionseffizienz als Kostenfalle zu Produktionskennzahlen clever steuern

    Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/Die heilige Kennzahl OEE – Segen und Fluch zugleichJede*r, der mal durch eine moderne Produktionshalle gelaufen ist, kennt das Bild: Leuchtende Monitore zeigen stolz die OEE (Overall Equipment Effectiveness) – und ab 80% fangen viele Werksleiter an zu träumen. Rüstzeiten werden minimiert, Losgrößen maximiert, und am liebsten laufen die Maschinen durch mit immer denselben Highrunnern. Im ersten Moment sieht das nach purem Gold aus: Effizienz, Produktivität, keine Stillstände (00:16).Was aber passiert mit all den Produkten? Richtig – sie wandern direkt ins Lager und stapeln sich. Nicht selten haben alle Regale »Land unter«, das dispo Team sucht hektisch nach einem Overflow Warehouse (02:13). Ihr ahnt es: Das Ganze ist eine OEE-Falle der besonderen Art.Praxisbeispiel: Wenn das Lager aus den Nähten platztStellt euch vor, ihr lauft durch’s Lager. Paletten stehen bereits in den Gängen, die Plätze sind mehr als voll und ihr habt von eurem Lieblingsartikel (natürlich ein Highrunner und Low-Pain-SKU, unkompliziert zu produzieren) gleich doppelt so viel da wie eigentlich nötig (03:18). Klingt nah am Tagesgeschäft? Willkommen im echten Leben der Logistik.Und jetzt kommt die Krux: Das blockierte Kapital liegt im Lager, das Team wird durch ewiges Umlagern beschäftigt, externe Lagerplätze werden plötzlich zur Kostenfalle. Das alles, weil die Produktion »effizient« weiterläuft, selbst wenn das Lager schon platzt (03:39).Und dann ruft der Vertrieb – euer profitabelster Kunde wartet auf einen anderen Artikel, aber ihr seid nicht lieferfähig, weil die Produktionsplanung blockiert ist. Umsatzchance futsch, trotz traumhafter OEE-Werte (04:04).Dashboard-Philosophie: Worauf ihr wirklich achten solltetAlso, wie entkommt ihr der OEE-Falle? Mein Tipp: Bleibt nicht bei dieser einen Kennzahl stehen! Ein ausbalanciertes Dashboard rettet euch vor Frust – integriert folgende KPIs:Production Plan ConformancePlantreue schlägt Effizienz! Ist nicht nur wichtig, was ihr produziert, sondern vor allem ob die richtigen Artikel und Mengen zum richtigen Zeitpunkt entstehen. Ein 95%iger Planerfüllungsgrad bei »nur« 70% OEE ist meistens besser als andersrum – weniger Firefighting, weniger Sonderkosten (05:34).Days of Supply / ReichweiteSchaut immer nach vorn: Welche Reichweite habt ihr bei euren Hauptartikeln? Legt klare Obergrenzen fest und lasst nicht zu, dass Maschinen nur zum Selbstzweck weiterlaufen. Ab einer gewissen Reichweite muss auf einen anderen Artikel umgerüstet oder gestoppt werden! (06:13)Total CostsBetrachtet die Gesamtkosten: nicht nur Herstellung, sondern Lager, Umlagerungen, Kapitalbindung, Vernichtungen. Manchmal müsst ihr bewusst (!) höhere Produktionskosten akzeptieren, wenn dadurch Gesamtaufwand und Risiken sinken.ROCE (Kapitalrendite)Euer ultimatives Steuerungsinstrument: Return on Capital Employed. Wie viel verdient ihr wirklich auf das gebundene Kapital? Bestände hochtreiben = Rendite runter, Kosten nach oben = noch mehr Druck auf die Marge. Hier liegt der wahre Schlüssel zur Supply Chain Selbststeuerung (08:12).Mein Fazit für dichEine hochgezüchtete OEE ist kein Selbstzweck und schon gar kein Garant für Supply-Chain-Exzellenz. Wer seine Dashboards clever gestaltet und die richtigen Kennzahlen fokussiert, hat die Chance, wirklich ganzheitlich zu steuern – statt immer nur die Bilanz der Produktionsstraßen zu feiern und dabei im Lager die Kontrolle zu verlieren.Kartendecks & more: https://store.deine-lieferkette.deKanalhomepage: https://deine-lieferkette.de#supplychainmanagement #logistik #supplychainfit

    10 min
  4. Apr 26

    Forecast Accuracy, Value Add und Enablement Value – Die drei Säulen erfolgreicher Absatzplanung

    Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/Forecast Enablement: Forecast Quality im Dreieck gedachtWenn du regelmäßig im Sales & Operations Planning (S&OP) sitzt, kennst du das: Die Monatsrunde startet, die Zahlen liegen auf dem Tisch, der Frust ist spürbar. Der Vertrieb schimpft über Out-of-Stocks, die Logistik ächzt unter vollen Lägern, und du als Planer hast am Wochenende hunderte Forecast-Zellen in Excel überschrieben – und bist trotzdem der Schuldige.Kommt dir bekannt vor? Dann wird es Zeit, Forecast-Qualität nicht länger als isolierte Kennzahl zu betrachten, sondern als System.Die Klassiker: Accuracy und BiasDie meisten Reviews beginnen gleich: Die Forecast Accuracy (MAPE, WAPE) steht im Fokus. Nur: Diese Kennzahlen sagen uns lediglich, dass wir danebenlagen. Erst der Forecast Bias verrät, warum wir systematisch gegen die Wand fahren. Ein positiver Bias warnt vor Überbeständen, ein negativer vor drohenden Lieferengpässen.Beides sind absolute Basics. Sie zeigen Symptome, heilen aber nicht die Krankheit.Das Forecast Quality DreieckStatt sinnlos Zahlen zu schubsen, brauchen wir einen strukturellen Blick. Drei Perspektiven, die echte Exzellenz in der Planung definieren:1. Bias & Accuracy: Das FundamentHier bist du zu Hause. Du musst diese Zahlen verstehen und interpretieren. Aber mach dir nichts vor: Sie sind der Blick in den Rückspiegel, keine Steuerungsgröße für bessere Prozesse.2. Forecast Value Add (FVA): Die ErfolgskontrolleDer FVA zeigt schonungslos, ob dein manueller Eingriff das statistische Systemmodell wirklich schlägt. Bringt deine Anpassung einen Mehrwert? Super. Aber die Realität ist: Jede zweite manuelle Änderung verschlechtert das Ergebnis. Zu viele "Tweaks" erzeugen Planungsrauschen, keinen Wert. Je weniger du eingreifen musst, desto besser läuft die Maschine.3. Enablement Value: Die unsichtbare SuperkraftDas ist der entscheidende Hebel. Enablement misst den strukturellen Wertbeitrag. Es geht darum, wie viele manuelle Eingriffe du nicht mehr machen musst. Statt ständig Zahlen zu überschreiben, investierst du in die Datenbasis: History Cleaning, Lifecycle-Management, saubere Stammdaten. Dein System lernt, Marktzyklen und Promotions selbstständig zu verarbeiten.Ein echtes Krisen-BeispielGeopolitischer Konflikt, drohende Preisschocks. Deine Kunden verfallen in Panik und bestellen auf Vorrat. Das System sieht den Absatz-Peak und rechnet ihn eiskalt als neuen Trend in die Zukunft.Der Feuerwehr-Planer korrigiert den Forecast nun monatelang manuell nach unten. Sein FVA ist positiv, er feiert sich – dreht sich aber im Hamsterrad der reaktiven Arbeit.Der Architekt-Planer nutzt Enablement. Er geht an die Wurzel, klassifiziert den Peak in der Historie als „vorgezogenen Bedarf“ (Forward Buy) und heilt das System für alle zukünftigen Berechnungen.Fazit: Mehr Architekt, weniger FeuerwehrWer heute noch isoliert auf Accuracy schielt, bekämpft nur Symptome. Wahre Exzellenz bedeutet: Hoher Enablement Value, minimaler FVA-Eingriff, maximale Genauigkeit. Setz deine Energie dort ein, wo du das System befähigst.Hör auf zu fummeln, fang an zu enablen!

    11 min
  5. Apr 15

    Praxiswissen für den globalen Einkauf mit Dr. Mario Büsch

    Der Einkauf ist mehr als reine Bestellabwicklung oder Verhandlungsdisziplin. Wer heute in Lieferketten echten Mehrwert stiften will, muss den Einkauf als Treiber für Innovation, Partnerschaft, Resilienz und nachhaltiges Wirtschaften verstehen. In dieser Episode bin ich genau mit dieser Brille ans Thema herangegangen – und habe mit meinem Gast richtig tief in die Toolbox geschaut.Schlüsselthemen aus der Episode1. Das Kompetenzmodell: Der Einkauf kann mehr, als du denkstEs gibt nicht „den einen“ Einkäufer. Erfolgreicher Einkauf bedeutet, Kompetenzen über viele Felder zu entwickeln – vom operativen Bestellwesen, über Projekteinkauf, Warengruppenmanagement bis hin zur strategischen Führung. Jeder Bereich hat eigene Werkzeuge, Haltung und Herausforderungen. Besonders gefallen hat mir die Herangehensweise, Kompetenzen sauber zu strukturieren und entlang eines roten Fadens vom Beginner bis zum Experten zu entwickeln.Frage an dich: Wo stehst du mit deinen Skills – und was fehlt dir noch für den nächsten Schritt?2. Verhandlungskompetenz – Praxis schlägt ParagrafenVerhandlungen sind nach wie vor das Herzstück vieler Einkaufsjobs. Doch anstatt uns nur auf schlaue Sprüche oder starre Taktiken zu verlassen, haben wir den Prozess einmal ganz strukturiert durchleuchtet:Vorbereitung zählt! Was will ich erreichen – und was will eigentlich mein Verhandlungspartner?Prozessdenken: Gute Verhandlungen sind planbar, Nachbereitung gehört fest dazu!Self Assessment: Nutze Tools, um dich und deinen Stil einzuordnen – bin ich eher auf Beziehung, Ergebnis oder Kompromiss aus?KI im Einkauf: Wer Large Language Modelle intelligent einsetzt, kann Verhandlungssituationen simulieren, Szenarien durchspielen oder Prompts für die Praxis nutzen.Meine Empfehlung: Mache dir bewusst, wie bewusst (oder unbewusst!) du dich in Verhandlungen verhältst. Reflektiere regelmäßig.3. Lieferantenmanagement: Segmentierung ist wichtiger als KürzelwissenKreuzchen machen in der Kraljic-Matrix? Das reicht heute nicht mehr. Es geht darum, Lieferanten nach echtem Verhalten und Unternehmensbedarf zu kategorisieren und daraus die passenden Managementmaßnahmen abzuleiten.Behavioral Based Segmentation statt Lehrbuch-MatrixCross-funktionale Abstimmung: Das Unternehmen muss eine gemeinsame Sicht auf die Lieferanten habenWissensaustausch: Tools und Methoden (wie z.B. ein „Scope Audit“ inkl. Nachhaltigkeit!) helfen, fundierte Entscheidungen zu treffenAus meiner Erfahrung heraus: Die Qualität deines Lieferantenmanagements zeigt sich, wenn es brennt – und nicht in ruhigen Zeiten!4. Netzwerk, Kooperation, laterale Führung – die wahren DifferenzierungsfaktorenEinkauf ist keine One-Man-Show. Wer im Silo lebt, wird dauerhaft keinen Impact entfalten können. Wir haben uns in der Episode intensiv mit dem Aufbau von Netzwerken beschäftigt – und wie wichtig laterale Führung (also: führen ohne Weisungsbefugnis) ist.Wer seine Stakeholder versteht, gewinntVertrauen und Klarheit sind der KittOrganisationsübergreifende Gremien („Procurement Boards“) werden zu zentralen Steuerungshebeln – ganz besonders in Krisenzeiten!5. Vision, Strategie und Erfolgsmessung gehören auf die TagesordnungEinkaufsorganisationen, die nur im „Sparen“-Dogma verharren, verbauen sich oft die Chance auf echten Wertbeitrag fürs Geschäft. Eine gemeinschaftliche Vision, klare Ziele und passgenaue Strategien machen aus dir und deinem Team echte Business-Treiber. Setze dich periodisch mit der Frage auseinander:Was braucht das Geschäft wirklich – und an welcher Stelle kann der Einkauf aktiv Wert stiften?Marios: LinkedIn Profil: https://www.linkedin.com/in/mariobuesch/Der Link zum Buch: https://amzn.to/4tKj3zJ (affiliate link)

    1h 9m
  6. Mar 24

    Die wahren Herausforderungen von Supply Chain Transformationen (Christian Kroschl)

    Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/In der aktuellen Episode hatte ich das Vergnügen, mich mit Christian Kroschl über zentrale Fragen der Supply-Chain-Transformation auszutauschen: Warum scheitern so viele Initiativen, obwohl Technik und Tools scheinbar alles können? Weshalb sind die Basics entscheidend? Und wie wird Planung zur echten Orchestrierung?Pflicht und Kür der Supply ChainLogistik, Einkauf und Produktion bilden das Pflichtprogramm jeder Lieferkette – sie stehen für operative Exzellenz. Die Kür jedoch liegt in der Steuerung: Planung, Vernetzung, klare Regelwerke und belastbare Entscheidungsstrukturen. Genau hier geraten viele Organisationen an ihre Grenzen. Sobald Planung mehr sein soll als Reporting, werden organisatorische und kommunikative Defizite sichtbar.Christian brachte es treffend auf den Punkt: Nach der kurzen Hochphase während Corona, in der Supply Chain plötzlich Board-Level-Relevanz hatte, rutscht sie vielerorts wieder ins Backoffice. Ein zentraler Grund dafür ist die fehlende Übersetzung zwischen Fachsprache (Kapazitäten, Volumen, Lead Times) und Managementlogik (Wachstum, Cash, Return on Capital).Supply Chain als NervenzentrumIn vielen Unternehmen ist Supply Chain noch immer als „Logistik-Plus“ verankert. Dabei zeigen erfolgreiche Beispiele ein anderes Bild: Planung als Nervenzentrum der Organisation, nicht als Sandwichfunktion zwischen Vertrieb und Produktion. Entscheidungen werden dort in Minuten getroffen – nicht in endlosen Abstimmungsrunden.Der Schlüssel liegt in einer echten End-to-End-Verantwortung. Statt vieler Teilpläne aus einzelnen Funktionen braucht es einen Gesamtplan – und den Mut, Verantwortung zu bündeln und Vertrauen in die Planerrolle zu investieren.Regelwerke statt ProzessromantikEin zentrales Thema im Gespräch waren Regelwerke. Sie gelten oft als bürokratisch, sind aber die Grundlage jeder wirksamen Steuerung. Ob Min-Max-Grenzen, Replenishment-Logiken, Engpasssteuerung oder klar definierte Entscheidungsspielräume: Ohne einfache, verständliche Regelwerke gibt es keine Automatisierung, keine Transparenz und keine Skalierung.Viele Transformationen scheitern nicht an fehlender Technik, sondern an fehlenden oder schlecht kommunizierten Regeln. Wer nur Prozesse beschreibt, ohne Bandbreiten und Verantwortlichkeiten festzulegen, bleibt im Silo – und landet trotz hoher Investitionen wieder bei Excel.Systeme sind Rückgrat, kein SelbstzweckAuch Planungssysteme kamen zur Sprache. Ein solides APS ist notwendig, um Daten zu bündeln, Versorgung abzusichern und KI überhaupt zu ermöglichen. Doch Systeme ersetzen keine organisatorische Reife. Planung wird nicht durch Software transformiert, sondern durch ein klares Operating Model, saubere Rollen und akzeptierte Regelwerke. Erst darauf baut die Tool-Unterstützung sinnvoll auf.Die neue Rolle der PlanerDie Rolle der Planer verändert sich fundamental. Gefragt sind heute Datenaffinität, Analysekompetenz, Prozessverständnis und Kommunikationsstärke – kombiniert mit der Bereitschaft, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen. Planung darf keine Sackgasse sein, sondern muss ein attraktiver Entwicklungspfad werden.Fazit: Nicht neue Tools entscheiden über den Erfolg von Supply-Chain-Transformationen, sondern starke Basics: klare Verantwortung, einfache Regelwerke, ein belastbares Steuerungsmodell – und Menschen, die Planung als Orchestrierung verstehen.Hier findet ihr Christian: https://www.linkedin.com/in/kroschl/Schau auch mal hier vorbei: https://deine-lieferkette.de/

    1h 1m
  7. Mar 15

    Darum wirst Du nicht befördert!

    Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/Was ist wirklich nötig, um den Sprung ins höhere Management, wie die Director- oder VP-Ebene, zu schaffen.Du kannst das Schweizer Taschenmesser deines Teams sein – also jeder weiß, du findest alle Fehler, kennst alle Details, bist im operativen Geschäft unersetzlich. Aber genau das steht einem oft im Weg, wenn du dich nach oben entwickeln willst. Warum das so ist? Lass uns gemeinsam drauf schauen.Praxiswissen als Fundament – aber nicht als EndpunktIch habe wie viele von euch ganz unten angefangen. Nicht am Schreibtisch, sondern wirklich an der Rampe, im Lager, beim Veterinäramt für die nächste Ausfuhr – ich selbst habe gespürt, was „Dreck unter den Fingernägeln“ bedeutet. Dieses Fundament ist wichtig. Aber es reicht eben nicht, um ganz nach oben zu kommen. Der reine Experte, der im eigenen System glänzt, wird im höheren Management nicht gesucht. Dort herrschen andere Spielregeln – dort zählt der Überblick, der „Leuchtturm“-Blick auf das große Ganze und nicht mehr allein das Erkennen aller Details auf Shopfloor-Ebene.Planung ist Steuerung in UnsicherheitEiner der wichtigsten Aha-Momente meiner Karriere: Planung ist nicht das Erstellen eines Plans, sondern die Kunst, in Unsicherheit zu steuern. Wer immer nur den administrativen Fokus auf Effizienz im Klein-Klein hat – sei es im Lager, in der Produktion oder in Zahlenlisten –, droht, von Technologie und Automatisierung eingeholt zu werden. KI, Robotik und Co. lassen grüßen.Wirkliche Karrieren werden gemacht, indem du Unsicherheit annimmst, über Abteilungsgrenzen hinwegdenkst und steuerst, statt dich im Micromanagement zu verlieren.Was ist der Preis für den nächsten Karriereschritt?Ich will ehrlich zu dir sein: Jeder Karrieresprung bringt einen Preis mit sich – und zwar nicht nur für dich, sondern auch für deine Familie und dein Umfeld. Ob es häufige Umzüge sind, verpasste Freundschaften oder eingeschränkte Freizeit: Wenn du den Sprung ins Top-Level machen willst, brauchst du Kompromissbereitschaft. Und das nicht nur im beruflichen, sondern auch im privaten Umfeld.Doch gerade diese „Feuertaufen“, ob Wechsel ins Ausland, die Abteilung oder gar die Branche, sind für mich die ultimativen Prüfsteine, ob du wirklich bereit bist für mehr. Wer immer nur im vertrauten Biotop brilliert, ist ein Spezialist, aber kein Leader.Unternehmenspolitik und der Einfluss jenseits der ZahlenEin bitteres, aber essentielles Learning: Im Zentrum der Macht, also auf C-Level, reicht es nicht, immer nur Recht zu haben. Oft gewinnt nicht das beste Argument – sondern der überzeugendste Netzwerker, der bessere Allianzen und Standing aufgebaut hat. Du musst lernen, Menschen mitzureißen, zu „fangen“ – ohne dich zu verbiegen oder unehrlich zu werden.Erst wer auf dem politischen Parkett überzeugt, entwickelt Einfluss und kann echt gestalten.Die drei Sprachen des Supply Chain LeadersWillst du eine große Rolle spielen? Dann reicht es nicht, „nur“ Supply Chain zu können – du musst drei Sprachen sprechen:Menschen führen: Inspirieren, Vertrauen schaffen, auch unter Druck ein Team hinter dir wissen.Systeme und Technologie beherrschen: Vom ERP über Advanced Planning bis zu KI und Agentensystemen.Prozesse funktionsübergreifend gestalten: Silos aufbrechen, Veränderung treiben, auch ohne formale Macht anstoßen.Zusätzlich braucht es ein solides Verständnis von Finance: Lerne, wie Bestände, Servicegrade und Prozesse in Geld übersetzt werden – nur so bist du ein Gesprächspartner auf Augenhöhe für CFO und Geschäftsführung.Fazit & EinladungKurz und klar: Gut zu sein reicht nicht mehr. Die heutige und kommende Zeit verlangt nach Supply Chain Experten, die Systemdenken, strategisches Steuern und echte Führungsqualitäten verbinden – und auch bereit sind, die private Komfortzone zu verlassen und Verantwortung auf neuer Ebene zu übernehmen.

    23 min
  8. Feb 28

    Wie du durch Flexibilität und Szenarien deine Supply Chain Investitionen zukunftssicher machst (Real Options Theory)

    Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/Die Real Options Theory - in Deutsch "Realoptionsdenken".Warum solltest du dir die Zeit nehmen, dich mit solch einem theoretisch anmutenden Konzept auseinanderzusetzen? Ganz einfach: Weil klassische Tools wie der Kapitalwert beziehungsweise Net Present Value (NPV) zwar ihren festen Platz haben, mittlerweile aber oft an den dynamischen Realitäten moderner Lieferketten und Geschäftsmodelle vorbeigehen. Schauen wir uns an, warum das so ist und wie du als Praktiker davon profitieren kannst!Der Kapitalwert und seine GrenzenViele deiner Investitionsentscheidungen baust du auf Basis des NPV: Du rechnest sauber durch, was unter’m Strich hängenbleibt. Doch was dabei häufig untergeht, ist die Flexibilität. Der NPV rechnet statisch, nach dem Motto: jetzt oder nie, schwarz oder weiß. Kommt ein unerwartetes Ereignis – und davon gibt es in der Supply Chain Welt mehr als genug – fehlt dir oft die Flexibilität und damit auch die Resilienz, um darauf zu reagieren. In der Praxis weiß jeder: Die Annahmen, auf denen du deinen NPV aufbaust, sind spätestens morgen veraltet!Das Realoptionsdenken als MehrwertHier setzt die Real Options Theory an: Sie setzt dir die Brille auf, mit der du Investitionsentscheidungen nicht als Einbahnstraße, sondern als Netzwerk von Möglichkeiten siehst. Eine Option ist das Recht, aber nicht die Pflicht, in der Zukunft eine bestimmte Entscheidung zu treffen – quasi dein Joker im Entscheidungsspiel.Ein Beispiel aus meiner Supply Chain Welt: Du investierst in ein Grundstück, planst den Bau einer Lagerhalle. Klassisch rechnest du aus: Lohnt sich das? Ja oder Nein? Nach Realoptionsdenken geht es aber viel mehr darum: Was ist, wenn du erst einmal abwartest? Oder modular und wachstumsorientiert baust? Generierst du möglicherweise mehr Wert durch die dadurch gewonnene Flexibilität, als es die reine NPV-Rechnung ausspuckt?Zwei zentrale Optionen in der Supply ChainOption to delay – Die Option zu wartenManchmal ist Nicht-Handeln die klügste Entscheidung. Du gönnst dir – und deinem Unternehmen – Zeit, gewinnst neue Informationen und verringerst das Risiko, einen teuren Fehler zu machen. Aber: Abwarten darf keine Ausrede sein! Du brauchst klar definierte Triggerpunkte – also Bedingungen, bei deren Eintreten du weißt, dass (und wie) du weitergehst. Das ist aktives, kein passives Warten.Option to expand – Die Option zu wachsenViel spannender für viele ist die Wachstumsoption. Du wagst einen Pilot, investierst vielleicht in eine neue Software oder einen kleinen Standort, und erst wenn sich der Erfolg abzeichnet, rollst du aus. Der eigentliche Wert der ersten Investition liegt darin, überhaupt erst Zugang zu weiteren, größeren Möglichkeiten zu bekommen. Ein klassischer Multiplikator – und leider oft in klassischen Business Cases unterbewertet!Persönlicher Tipp aus der Praxis:Werde konkret und rechne den Optionswert mit Szenarien UND Wahrscheinlichkeiten aus. Rede nicht nur von „Bauchgefühl“ oder Hoffnung – rechne, was jede Option bei Eintritt verschiedener Szenarien (mit ihren jeweiligen Wahrscheinlichkeiten) wirklich in Euro wert ist. Nur so wirst du deinen Case auch vor Controllern und Vorständen durchbringen.AbschlussgedankeLass dich nicht von Zahlen, Formeln und Modellen einschränken. Sie sind immer nur ein Hilfsmittel. Was zählt, ist, dass du mitdenkst und die Flexibilität deiner Supply Chain nicht nur technisch, sondern auch finanziell bewertest und argumentierst. Und beim nächsten Pitch vor deinem CFO: Rede über die „Optionsprämie“ und mache transparent, wie große Werte allein durch die Möglichkeit zur Anpassung entstehen – selbst wenn das in der „starren“ Exceltabelle noch nicht direkt sichtbar ist.Kartendecks & more: https://store.deine-lieferkette.deKanalhomepage: https://deine-lieferkette.de#supplychainmanagement #logistik #supplychainfit

    16 min

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