Supply Chain College

Martin Hendel

Praxiswissen, Karrieretipps und Ideen für ein besseres Supply Chain Management. Werde #supplychainfit

  1. 3D AGO

    Praxiswissen für den globalen Einkauf mit Dr. Mario Büsch

    Der Einkauf ist mehr als reine Bestellabwicklung oder Verhandlungsdisziplin. Wer heute in Lieferketten echten Mehrwert stiften will, muss den Einkauf als Treiber für Innovation, Partnerschaft, Resilienz und nachhaltiges Wirtschaften verstehen. In dieser Episode bin ich genau mit dieser Brille ans Thema herangegangen – und habe mit meinem Gast richtig tief in die Toolbox geschaut.Schlüsselthemen aus der Episode1. Das Kompetenzmodell: Der Einkauf kann mehr, als du denkstEs gibt nicht „den einen“ Einkäufer. Erfolgreicher Einkauf bedeutet, Kompetenzen über viele Felder zu entwickeln – vom operativen Bestellwesen, über Projekteinkauf, Warengruppenmanagement bis hin zur strategischen Führung. Jeder Bereich hat eigene Werkzeuge, Haltung und Herausforderungen. Besonders gefallen hat mir die Herangehensweise, Kompetenzen sauber zu strukturieren und entlang eines roten Fadens vom Beginner bis zum Experten zu entwickeln.Frage an dich: Wo stehst du mit deinen Skills – und was fehlt dir noch für den nächsten Schritt?2. Verhandlungskompetenz – Praxis schlägt ParagrafenVerhandlungen sind nach wie vor das Herzstück vieler Einkaufsjobs. Doch anstatt uns nur auf schlaue Sprüche oder starre Taktiken zu verlassen, haben wir den Prozess einmal ganz strukturiert durchleuchtet:Vorbereitung zählt! Was will ich erreichen – und was will eigentlich mein Verhandlungspartner?Prozessdenken: Gute Verhandlungen sind planbar, Nachbereitung gehört fest dazu!Self Assessment: Nutze Tools, um dich und deinen Stil einzuordnen – bin ich eher auf Beziehung, Ergebnis oder Kompromiss aus?KI im Einkauf: Wer Large Language Modelle intelligent einsetzt, kann Verhandlungssituationen simulieren, Szenarien durchspielen oder Prompts für die Praxis nutzen.Meine Empfehlung: Mache dir bewusst, wie bewusst (oder unbewusst!) du dich in Verhandlungen verhältst. Reflektiere regelmäßig.3. Lieferantenmanagement: Segmentierung ist wichtiger als KürzelwissenKreuzchen machen in der Kraljic-Matrix? Das reicht heute nicht mehr. Es geht darum, Lieferanten nach echtem Verhalten und Unternehmensbedarf zu kategorisieren und daraus die passenden Managementmaßnahmen abzuleiten.Behavioral Based Segmentation statt Lehrbuch-MatrixCross-funktionale Abstimmung: Das Unternehmen muss eine gemeinsame Sicht auf die Lieferanten habenWissensaustausch: Tools und Methoden (wie z.B. ein „Scope Audit“ inkl. Nachhaltigkeit!) helfen, fundierte Entscheidungen zu treffenAus meiner Erfahrung heraus: Die Qualität deines Lieferantenmanagements zeigt sich, wenn es brennt – und nicht in ruhigen Zeiten!4. Netzwerk, Kooperation, laterale Führung – die wahren DifferenzierungsfaktorenEinkauf ist keine One-Man-Show. Wer im Silo lebt, wird dauerhaft keinen Impact entfalten können. Wir haben uns in der Episode intensiv mit dem Aufbau von Netzwerken beschäftigt – und wie wichtig laterale Führung (also: führen ohne Weisungsbefugnis) ist.Wer seine Stakeholder versteht, gewinntVertrauen und Klarheit sind der KittOrganisationsübergreifende Gremien („Procurement Boards“) werden zu zentralen Steuerungshebeln – ganz besonders in Krisenzeiten!5. Vision, Strategie und Erfolgsmessung gehören auf die TagesordnungEinkaufsorganisationen, die nur im „Sparen“-Dogma verharren, verbauen sich oft die Chance auf echten Wertbeitrag fürs Geschäft. Eine gemeinschaftliche Vision, klare Ziele und passgenaue Strategien machen aus dir und deinem Team echte Business-Treiber. Setze dich periodisch mit der Frage auseinander:Was braucht das Geschäft wirklich – und an welcher Stelle kann der Einkauf aktiv Wert stiften?Marios: LinkedIn Profil: https://www.linkedin.com/in/mariobuesch/Der Link zum Buch: https://amzn.to/4tKj3zJ (affiliate link)

    1h 9m
  2. MAR 24

    Die wahren Herausforderungen von Supply Chain Transformationen (Christian Kroschl)

    Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/In der aktuellen Episode hatte ich das Vergnügen, mich mit Christian Kroschl über zentrale Fragen der Supply-Chain-Transformation auszutauschen: Warum scheitern so viele Initiativen, obwohl Technik und Tools scheinbar alles können? Weshalb sind die Basics entscheidend? Und wie wird Planung zur echten Orchestrierung?Pflicht und Kür der Supply ChainLogistik, Einkauf und Produktion bilden das Pflichtprogramm jeder Lieferkette – sie stehen für operative Exzellenz. Die Kür jedoch liegt in der Steuerung: Planung, Vernetzung, klare Regelwerke und belastbare Entscheidungsstrukturen. Genau hier geraten viele Organisationen an ihre Grenzen. Sobald Planung mehr sein soll als Reporting, werden organisatorische und kommunikative Defizite sichtbar.Christian brachte es treffend auf den Punkt: Nach der kurzen Hochphase während Corona, in der Supply Chain plötzlich Board-Level-Relevanz hatte, rutscht sie vielerorts wieder ins Backoffice. Ein zentraler Grund dafür ist die fehlende Übersetzung zwischen Fachsprache (Kapazitäten, Volumen, Lead Times) und Managementlogik (Wachstum, Cash, Return on Capital).Supply Chain als NervenzentrumIn vielen Unternehmen ist Supply Chain noch immer als „Logistik-Plus“ verankert. Dabei zeigen erfolgreiche Beispiele ein anderes Bild: Planung als Nervenzentrum der Organisation, nicht als Sandwichfunktion zwischen Vertrieb und Produktion. Entscheidungen werden dort in Minuten getroffen – nicht in endlosen Abstimmungsrunden.Der Schlüssel liegt in einer echten End-to-End-Verantwortung. Statt vieler Teilpläne aus einzelnen Funktionen braucht es einen Gesamtplan – und den Mut, Verantwortung zu bündeln und Vertrauen in die Planerrolle zu investieren.Regelwerke statt ProzessromantikEin zentrales Thema im Gespräch waren Regelwerke. Sie gelten oft als bürokratisch, sind aber die Grundlage jeder wirksamen Steuerung. Ob Min-Max-Grenzen, Replenishment-Logiken, Engpasssteuerung oder klar definierte Entscheidungsspielräume: Ohne einfache, verständliche Regelwerke gibt es keine Automatisierung, keine Transparenz und keine Skalierung.Viele Transformationen scheitern nicht an fehlender Technik, sondern an fehlenden oder schlecht kommunizierten Regeln. Wer nur Prozesse beschreibt, ohne Bandbreiten und Verantwortlichkeiten festzulegen, bleibt im Silo – und landet trotz hoher Investitionen wieder bei Excel.Systeme sind Rückgrat, kein SelbstzweckAuch Planungssysteme kamen zur Sprache. Ein solides APS ist notwendig, um Daten zu bündeln, Versorgung abzusichern und KI überhaupt zu ermöglichen. Doch Systeme ersetzen keine organisatorische Reife. Planung wird nicht durch Software transformiert, sondern durch ein klares Operating Model, saubere Rollen und akzeptierte Regelwerke. Erst darauf baut die Tool-Unterstützung sinnvoll auf.Die neue Rolle der PlanerDie Rolle der Planer verändert sich fundamental. Gefragt sind heute Datenaffinität, Analysekompetenz, Prozessverständnis und Kommunikationsstärke – kombiniert mit der Bereitschaft, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen. Planung darf keine Sackgasse sein, sondern muss ein attraktiver Entwicklungspfad werden.Fazit: Nicht neue Tools entscheiden über den Erfolg von Supply-Chain-Transformationen, sondern starke Basics: klare Verantwortung, einfache Regelwerke, ein belastbares Steuerungsmodell – und Menschen, die Planung als Orchestrierung verstehen.Hier findet ihr Christian: https://www.linkedin.com/in/kroschl/Schau auch mal hier vorbei: https://deine-lieferkette.de/

    1h 1m
  3. MAR 15

    Darum wirst Du nicht befördert!

    Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/Was ist wirklich nötig, um den Sprung ins höhere Management, wie die Director- oder VP-Ebene, zu schaffen.Du kannst das Schweizer Taschenmesser deines Teams sein – also jeder weiß, du findest alle Fehler, kennst alle Details, bist im operativen Geschäft unersetzlich. Aber genau das steht einem oft im Weg, wenn du dich nach oben entwickeln willst. Warum das so ist? Lass uns gemeinsam drauf schauen.Praxiswissen als Fundament – aber nicht als EndpunktIch habe wie viele von euch ganz unten angefangen. Nicht am Schreibtisch, sondern wirklich an der Rampe, im Lager, beim Veterinäramt für die nächste Ausfuhr – ich selbst habe gespürt, was „Dreck unter den Fingernägeln“ bedeutet. Dieses Fundament ist wichtig. Aber es reicht eben nicht, um ganz nach oben zu kommen. Der reine Experte, der im eigenen System glänzt, wird im höheren Management nicht gesucht. Dort herrschen andere Spielregeln – dort zählt der Überblick, der „Leuchtturm“-Blick auf das große Ganze und nicht mehr allein das Erkennen aller Details auf Shopfloor-Ebene.Planung ist Steuerung in UnsicherheitEiner der wichtigsten Aha-Momente meiner Karriere: Planung ist nicht das Erstellen eines Plans, sondern die Kunst, in Unsicherheit zu steuern. Wer immer nur den administrativen Fokus auf Effizienz im Klein-Klein hat – sei es im Lager, in der Produktion oder in Zahlenlisten –, droht, von Technologie und Automatisierung eingeholt zu werden. KI, Robotik und Co. lassen grüßen.Wirkliche Karrieren werden gemacht, indem du Unsicherheit annimmst, über Abteilungsgrenzen hinwegdenkst und steuerst, statt dich im Micromanagement zu verlieren.Was ist der Preis für den nächsten Karriereschritt?Ich will ehrlich zu dir sein: Jeder Karrieresprung bringt einen Preis mit sich – und zwar nicht nur für dich, sondern auch für deine Familie und dein Umfeld. Ob es häufige Umzüge sind, verpasste Freundschaften oder eingeschränkte Freizeit: Wenn du den Sprung ins Top-Level machen willst, brauchst du Kompromissbereitschaft. Und das nicht nur im beruflichen, sondern auch im privaten Umfeld.Doch gerade diese „Feuertaufen“, ob Wechsel ins Ausland, die Abteilung oder gar die Branche, sind für mich die ultimativen Prüfsteine, ob du wirklich bereit bist für mehr. Wer immer nur im vertrauten Biotop brilliert, ist ein Spezialist, aber kein Leader.Unternehmenspolitik und der Einfluss jenseits der ZahlenEin bitteres, aber essentielles Learning: Im Zentrum der Macht, also auf C-Level, reicht es nicht, immer nur Recht zu haben. Oft gewinnt nicht das beste Argument – sondern der überzeugendste Netzwerker, der bessere Allianzen und Standing aufgebaut hat. Du musst lernen, Menschen mitzureißen, zu „fangen“ – ohne dich zu verbiegen oder unehrlich zu werden.Erst wer auf dem politischen Parkett überzeugt, entwickelt Einfluss und kann echt gestalten.Die drei Sprachen des Supply Chain LeadersWillst du eine große Rolle spielen? Dann reicht es nicht, „nur“ Supply Chain zu können – du musst drei Sprachen sprechen:Menschen führen: Inspirieren, Vertrauen schaffen, auch unter Druck ein Team hinter dir wissen.Systeme und Technologie beherrschen: Vom ERP über Advanced Planning bis zu KI und Agentensystemen.Prozesse funktionsübergreifend gestalten: Silos aufbrechen, Veränderung treiben, auch ohne formale Macht anstoßen.Zusätzlich braucht es ein solides Verständnis von Finance: Lerne, wie Bestände, Servicegrade und Prozesse in Geld übersetzt werden – nur so bist du ein Gesprächspartner auf Augenhöhe für CFO und Geschäftsführung.Fazit & EinladungKurz und klar: Gut zu sein reicht nicht mehr. Die heutige und kommende Zeit verlangt nach Supply Chain Experten, die Systemdenken, strategisches Steuern und echte Führungsqualitäten verbinden – und auch bereit sind, die private Komfortzone zu verlassen und Verantwortung auf neuer Ebene zu übernehmen.

    23 min
  4. FEB 28

    Wie du durch Flexibilität und Szenarien deine Supply Chain Investitionen zukunftssicher machst (Real Options Theory)

    Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/Die Real Options Theory - in Deutsch "Realoptionsdenken".Warum solltest du dir die Zeit nehmen, dich mit solch einem theoretisch anmutenden Konzept auseinanderzusetzen? Ganz einfach: Weil klassische Tools wie der Kapitalwert beziehungsweise Net Present Value (NPV) zwar ihren festen Platz haben, mittlerweile aber oft an den dynamischen Realitäten moderner Lieferketten und Geschäftsmodelle vorbeigehen. Schauen wir uns an, warum das so ist und wie du als Praktiker davon profitieren kannst!Der Kapitalwert und seine GrenzenViele deiner Investitionsentscheidungen baust du auf Basis des NPV: Du rechnest sauber durch, was unter’m Strich hängenbleibt. Doch was dabei häufig untergeht, ist die Flexibilität. Der NPV rechnet statisch, nach dem Motto: jetzt oder nie, schwarz oder weiß. Kommt ein unerwartetes Ereignis – und davon gibt es in der Supply Chain Welt mehr als genug – fehlt dir oft die Flexibilität und damit auch die Resilienz, um darauf zu reagieren. In der Praxis weiß jeder: Die Annahmen, auf denen du deinen NPV aufbaust, sind spätestens morgen veraltet!Das Realoptionsdenken als MehrwertHier setzt die Real Options Theory an: Sie setzt dir die Brille auf, mit der du Investitionsentscheidungen nicht als Einbahnstraße, sondern als Netzwerk von Möglichkeiten siehst. Eine Option ist das Recht, aber nicht die Pflicht, in der Zukunft eine bestimmte Entscheidung zu treffen – quasi dein Joker im Entscheidungsspiel.Ein Beispiel aus meiner Supply Chain Welt: Du investierst in ein Grundstück, planst den Bau einer Lagerhalle. Klassisch rechnest du aus: Lohnt sich das? Ja oder Nein? Nach Realoptionsdenken geht es aber viel mehr darum: Was ist, wenn du erst einmal abwartest? Oder modular und wachstumsorientiert baust? Generierst du möglicherweise mehr Wert durch die dadurch gewonnene Flexibilität, als es die reine NPV-Rechnung ausspuckt?Zwei zentrale Optionen in der Supply ChainOption to delay – Die Option zu wartenManchmal ist Nicht-Handeln die klügste Entscheidung. Du gönnst dir – und deinem Unternehmen – Zeit, gewinnst neue Informationen und verringerst das Risiko, einen teuren Fehler zu machen. Aber: Abwarten darf keine Ausrede sein! Du brauchst klar definierte Triggerpunkte – also Bedingungen, bei deren Eintreten du weißt, dass (und wie) du weitergehst. Das ist aktives, kein passives Warten.Option to expand – Die Option zu wachsenViel spannender für viele ist die Wachstumsoption. Du wagst einen Pilot, investierst vielleicht in eine neue Software oder einen kleinen Standort, und erst wenn sich der Erfolg abzeichnet, rollst du aus. Der eigentliche Wert der ersten Investition liegt darin, überhaupt erst Zugang zu weiteren, größeren Möglichkeiten zu bekommen. Ein klassischer Multiplikator – und leider oft in klassischen Business Cases unterbewertet!Persönlicher Tipp aus der Praxis:Werde konkret und rechne den Optionswert mit Szenarien UND Wahrscheinlichkeiten aus. Rede nicht nur von „Bauchgefühl“ oder Hoffnung – rechne, was jede Option bei Eintritt verschiedener Szenarien (mit ihren jeweiligen Wahrscheinlichkeiten) wirklich in Euro wert ist. Nur so wirst du deinen Case auch vor Controllern und Vorständen durchbringen.AbschlussgedankeLass dich nicht von Zahlen, Formeln und Modellen einschränken. Sie sind immer nur ein Hilfsmittel. Was zählt, ist, dass du mitdenkst und die Flexibilität deiner Supply Chain nicht nur technisch, sondern auch finanziell bewertest und argumentierst. Und beim nächsten Pitch vor deinem CFO: Rede über die „Optionsprämie“ und mache transparent, wie große Werte allein durch die Möglichkeit zur Anpassung entstehen – selbst wenn das in der „starren“ Exceltabelle noch nicht direkt sichtbar ist.Kartendecks & more: https://store.deine-lieferkette.deKanalhomepage: https://deine-lieferkette.de#supplychainmanagement #logistik #supplychainfit

    16 min
  5. FEB 15

    Warum will der Vorstand immer mehr Details? Die Agency Theory macht’s verständlich

    Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/Du kennst das sicher: Du hast einen soliden Business Case ausgearbeitet, das Team ist begeistert – und trotzdem gehst du mit gekürztem Budget und viel Skepsis aus dem Vorstandsgespräch heraus. Mehr Details, bessere Sicherheiten, ein höherer Return on Investment – diese Forderungen fühlen sich wie Misstrauen an. Doch ich behaupte: Es ist ein rationales Misstrauen, und die Agency Theory liefert das theoretische Fundament dafür.Agency Theory: Trennung zwischen Eigentum und KontrolleStell dir vor, du betreibst einen eigenen kleinen Laden. Am Anfang bist du Eigentümer und Manager zugleich, die Interessen sind deckungsgleich. Doch sobald das Geschäft wächst und du Verantwortung abgibst – zum Management, zu Führungskräften – entsteht der Bruch:Eigentümer (oder Aktionäre) tragen das volle Risiko, geben aber Kontrolle ab. Das Management übernimmt die Kontrolle, trägt aber nicht das volle Verlustrisiko. Daraus entstehen Interessenunterschiede und – besonders spannend – Informationsasymmetrien: Der Manager kennt den Markt, die Details, die Risiken besser als der Eigentümer. Diese Asymmetrie wird mit wachsender Größe noch komplexer: Jede Managementebene ist ein Agent für darüber liegende Ebenen – eine verkettete Agency Chain.Was heißt das für uns in der Supply Chain?Diese strukturellen Unterschiede erklären, warum der Vorstand nicht aus Bosheit oder Unwissen Budgets streicht, sondern weil er selbst Druck von oben bekommt, Ziele erfüllen muss und deshalb wissen will: Wird das Kapital effizient eingesetzt? Die Kritik und Challenges sind also Teil der strukturellen Notwendigkeit, kein persönlicher Angriff. Das hilft enorm, wenn du Investitionsvorlagen vorbereitest.Overengineering und Empire BuildingEin Beispiel: Du willst die modernste Planungsoftware oder das vollautomatisierte Lager. Als Profi strebst du nach Perfektion – doch Perfektion ist teuer. Der Eigentümer zahlt nicht für Perfektion, sondern für ökonomische Effizienz! Systeme, die robuster und komplexer sind als der Markt verlangt, kosten “operative Ruhe” mit dem Geld der Eigentümer – das ist im Endeffekt ineffizient. Deshalb hinterfragt der Vorstand “Future-Proof”-Lösungen kritisch.Moral Hazard: Bestände als AngstprämieViele von euch kennen das: Um ruhig schlafen zu können, werden extra Bestände angelegt – die Konsequenzen trägt am Ende aber jemand anderes. Der Produktionsleiter will keine Minute Stillstand, der Einkaufsleiter wird nicht verantwortlich gemacht für Überbestände, aber der Eigentümer muss die Kosten tragen. Das Working Capital explodiert, der Cashflow sinkt. Und wieder: Informationsasymmetrie. Der Vorstand hat oft das operative Detailwissen nicht, muss sich auf Business Cases verlassen. Spätestens der CFO prüft kritisch jedes Szenario. Das ist gut, denn es validiert, ob im Sinne des Unternehmens gehandelt wird.Sandbagging: Zielpuffer als AbsicherungDie meisten von uns kennen das Prinzip, Zielpuffer ins Budget einzubauen – für ein “easygoing” Geschäftsjahr. Unerwünschte Nebeneffekte: Der Vorstand geht mit der Rasenmäher-Methode durch und kürzt pauschal. Umso wichtiger wird Transparenz: Offen, ehrlich erklären, wo die Annahmen herkommen – und gemeinsam als Team die Budgets vertreten.Lösung: Informationsasymmetrie abbauen!Die Agency Theory kann man für sich nutzen, indem man Informationsasymmetrien abbaut – durch Signaling und Bonding:Signaling: Proaktiv alle Infos offenlegen, die Kosten und Risiken transparent machen, Szenarien erklären, statistische Evidenz liefern.Bonding: Sich an ehrgeizige, realistische Ziele binden – Erfolg messbar machen, kontinuierlich nachsteuern und offenlegen.Das Ziel: Als Partner auftreten, nicht als Agent – und so das Misstrauen senken, Genehmigungen beschleunigen und als wertvolle Führungskraft wahrgenommen werden.Meine Homepage: https://deine-lieferkette.de

    18 min
  6. JAN 23

    Die wichtigsten Supply Chain Hebel für Kapitalrendite (ROCE) und Liquidität (Cashflow)

    Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/Cashflow, Kapitalrendite (ROCE), Working Capital und die kleinen Fallen, die sich aus allzu eifriger Kennzahlen-Optimierung ergeben.Ich bin fest davon überzeugt: Jeder Unternehmer ist ein Stück weit immer auch Supply Chain Manager. Ob du nun Waren einkaufst, produzierst oder verkaufst – der Strom von Geld, Material und Informationen durch dein Unternehmen muss permanent gesteuert werden, andernfalls verlierst du schnell den Überblick und rutschst in die Liquiditätsfalle.Turnover is Vanity, Profit is Sanity, but Cash is KingEin Spruch aus der englischsprachigen Managementwelt, den ich liebe! Umsatz klingt toll in der Außendarstellung, doch was bringt’s, wenn davon nichts hängen bleibt? Viel wichtiger ist am Ende nicht der provisionsgetriebene Hochglanzumsatz, sondern was wirklich auf deinem Konto landet – sprich der Cashflow.Viele verwechseln leider Gewinn mit real verfügbarem Cash. Um es vereinfacht zu sagen: Erst wenn du deinen Lieferanten bezahlt hast, Gehälter und Energiekosten beglichen wurden, bleibt abzuwarten, ob dein siebenstelliger „Gewinn“ aus der Bilanz tatsächlich noch liquide Mittel bedeutet. Besonders im Mittelstand und bei kleinen Unternehmen wird dieses Thema gern unterschätzt – und kann zum Knockout führen.Das Supply Chain Dreieck und ROCEIm Podcast habe ich das sogenannte Supply-Chain-Dreieck erneut rausgeholt: Service, Kosten, Kapital.Hier begegnet uns immer wieder die Kennzahl Return on Capital Employed – auf Deutsch Kapitalrendite. Die Formel: Betriebsergebnis geteilt durch eingesetztes Kapital. Da stecken drei wesentliche Hebel drin, die du kennen solltest:Bestände senken! Jede Palette, jeder Karton zu viel bindet Kapital und erzeugt zusätzliche Lagerkosten. Weniger Bestand = weniger gebundenes Umlaufvermögen = höhere Kapitalrendite!Forderungen optimieren! Zahlungsziele mit Kunden aktiv managen, Retouren und Reklamationen minimieren. Je schneller das Geld reinkommt, umso besser für dein Working Capital.Verbindlichkeiten steuern! Zahlungsziele gegenüber Lieferanten clever nutzen – aber bitte ohne die Partnerschaft zu ruinieren. Finanzdienstleistungen wie Factoring können helfen, sollten aber nicht zum reinen Selbstzweck verkommen.Cash Conversion Cycle – das Zusammenspiel von Bestand, Forderung und VerbindlichkeitWer den Cash Conversion Cycle optimiert, macht nicht nur den Finanzvorstand happy, sondern sorgt auch ganz praktisch für mehr Liquidität und unternehmerische Handlungsfreiheit.Mein Tipp: Sprich die Sprache der Finanzer! Begriffe wie Working Capital, Cash Conversion Cycle oder ROCE öffnen dir im Unternehmen Türen, wenn es um die Genehmigung von Projekten oder Prozessänderungen geht.Große Fallstricke – Überoptimierung und „Old Plant Trap“Wie so oft gilt: Jede Kennzahl kann zum Problem werden, wenn man ihr blind hinterher läuft.Beispiel aus der Praxis: Wenn du deine Produktion auf veralteten Anlagen fährst, nur damit das eingesetzte Kapital niedrig bleibt, ruinierst du auf lange Sicht Servicequalität und gefährdest die Unternehmenszukunft. Die Umstellung auf neue, leistungsfähige Anlagen senkt zwar vorübergehend die Kapitalrendite – doch das Wachstumspotenzial und die Zukunftssicherheit sind langfristig wichtiger!Auch Investitionen nicht zu tätigen, nur weil damit die ROCE kurzfristig sinkt, ist eine gefährliche Sackgasse.Mein Insider-Tipp zum Abschluss:Schau dir deine Bestände regelmäßig an – nicht nur die Gesamtsumme, sondern auch die Reichweiten und den Bodensatz. Manchmal hilft schon eine kleine Analyse, um unbemerkte Liquiditätsfresser freizulegen.Ebenso sollten Zahlungsziele nicht nur ausgehandelt, sondern auch in der Realität eingehalten werden. Es passiert öfter als gedacht, dass Rechnungen viel zu früh bezahlt werden und so der Cashflow unnötig belastet wird.https://deine-lieferkette.de

    13 min
  7. JAN 17

    4 Fragen zur Investitionsbewertung, die jede Führungskraft kennen muss!

    Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/In dieser Episode geht es um vier entscheidenden Fragen, die ich mir selbst immer stelle, wenn ich Projektbewertungen oder Investitionsrechnungen vornehme. Kapitel 1: Warum überhaupt abzinsen?Wenn wir über Projekte sprechen, taucht immer wieder die berühmte Frage auf: Warum zinsen wir Cashflows ab? Dahinter steckt mehr als reine Mathematik. Es geht um den sogenannten Zeitwert des Geldes – eine Million Euro heute ist eben mehr wert als in fünf Jahren. Aber warum?Erstens: Opportunitätskosten. Das Geld, das du heute einsetzt, könntest du auch anders investieren und Rendite erwirtschaften. Zweitens: Inflation und Kaufkraftverlust. Mit der Zeit verliert dein Geld an Wert, jeder Jahresbetrag zählt weniger, je weiter er in der Zukunft liegt. Drittens: Unsicherheit und Risiko. Niemand von uns weiß genau, wie sich ein Projekt tatsächlich entwickelt – je weiter die Prognose, desto unsicherer sind die Zahlen.Diese drei Faktoren zwingen uns, die zukünftigen Zahlungsflüsse auf ihren heutigen Wert umzurechnen, damit sie vergleichbar und auch fair bewertet werden können.Kapitel 2: Der WACC – Warum gerade die gewogenen Kapitalkosten?Das nächste große Thema ist der „Weighted Average Cost of Capital“, kurz WACC oder zu Deutsch: die gewogenen Kapitalkosten. Sie sind mehr als eine mathematische Konstruktion – sie repräsentieren die durchschnittlichen Finanzierungskosten aus Fremd- und Eigenkapital.Für Investoren ist der WACC die erwartete Rendite – niemand gibt dir Geld, ohne Gegenleistung. Für das Unternehmen sind es die Kosten, die man „verdienen muss“, damit das Eigenkapital sich lohnt und das Fremdkapital bedient werden kann.Letztlich spiegeln die gewogenen Kapitalkosten die Opportunitätskosten aller Beteiligten wider. Jeder Projektentscheid sollte diese Hürde mindestens überspringen, sonst wäre das Kapital anderswo besser angelegt.Merke: WACC ist der „Preis“ für die Teilnahme am Spiel. Wer weniger erzielt, verliert an Wert.Kapitel 3: Schulden versus Eigenkapital – günstiger, aber riskant!Ein Punkt, über den viele stolpern: Warum sind Schulden eigentlich billiger als Eigenkapital? Das liegt daran, dass Fremdkapitalgeber – meistens Banken – zuerst bedient werden, das Risiko ist für sie also geringer. Aktionäre (Eigenkapitalgeber) sind die Letzten in der Reihe und tragen das volle Risiko – dafür verlangen sie eine höhere Rendite.Und dann gibt es noch den „Tax Shield“: In vielen Ländern sind Schuldzinsen steuerlich absetzbar, was die Kosten effektiv reduziert. Aber Achtung, zu hohe Verschuldung kann gefährlich werden! Die festen Verpflichtungen bleiben, egal, ob das Geschäft brummt oder kriselt.Kapitel 4: Net Present Value – Vor oder nach Steuern rechnen?Abschließend die vielleicht praktischste Frage, die sich jeder stellen sollte: Berechne ich den Kapitalwert (Net Present Value) vor oder nach Steuern?Ganz klar, Steuern sind ein großer, oft unterschätzter Cash Outflow. Sie müssen in der Investitionsrechnung berücksichtigt werden. Der Vorteil: Zinsaufwendungen senken die Steuerlast, somit wird Fremdkapital noch attraktiver.In der Praxis empfehle ich: Rechne deine Projekte nach Steuern – so siehst du den echten Mehrwert fürs Unternehmen. Trotzdem lohnt sich ab und zu der Blick „ohne Steuern“, vor allem im internationalen Kontext, wo Subventionen, Steuersätze und Regularien sich schnell ändern können und einen Business Case verzerren.Praxis-Tipp: Nicht nur die Finanzsicht zählt!Gerade bei Standortentscheidungen habe ich es selbst erlebt: Die steuerliche und finanzielle Bewertung ist wichtig, aber nicht alles. Schau auch auf Effizienz, Know-how, Team-Zusammenarbeit und logistische Vorteile – bevor du der Steuertabelle blind folgst. Manchmal entscheidet der gesunde Menschenverstand, welcher Standort langfristig besser für die Lieferkette und das Unternehmen ist.Kanalhomepage: https://deine-lieferkette.de

    14 min
  8. JAN 8

    Finanzwissen für Führungskräfte: Wie man Projekte richtig bewertet

    Supply Chain AD ABSURDUM: https://deine-lieferkette.de/supply-chain-ad-absurdum/Die Ausgangslage:In jedem Unternehmen ist das Budget begrenzt, während die Anzahl der Investitionsideen gefühlt grenzenlos ist. Du willst eine Lagerhalle anbauen, ein neues Planungstool implementieren oder vielleicht sogar in eine moderne Fahrzeugflotte investieren? Jede deiner Anfragen konkurriert direkt mit Projekten aus anderen Abteilungen – Marketing, Vertrieb, Produktion, Entwicklung. Der wahre Kampf spielt sich also nicht in der Idee, sondern in der Zuteilung der knappen Ressourcen ab.Hier kommen die berühmten Fragen ins Spiel: »Wie hoch ist der NPV? Was ist die Internal Rate of Return?« Wenn du darauf keine Antwort hast, bist du schneller raus als du denkst.Die Basics – worauf kommt es wirklich an?Bevor du ins operative Detail gehst und einfach nur das kaputte Fließband ersetzen willst, musst du dich fragen: Ist diese Investition wirklich strategisch sinnvoll? Passt sie zur generellen Ausrichtung des Unternehmens? Vielleicht steht ohnehin eine Portfolio-Rationalisierung an, oder die Anlage ist längst abgeschrieben. In solchen Situationen reicht ein »Das war schon immer so« eben nicht aus.Projektbewertung heißt strategisch denken:Die Investitionsentscheidung muss sich nicht nur rechnen, sondern sich auch in die Gesamtstrategie einfügen. Frag dich immer:Welche Alternativen könnten dieselbe Wirkung erzielen?Gibt es versteckte Risiken ?Cashflow schlägt GewinnWarum? Weil Gewinn zwar schön aussieht, aber leicht zu manipulieren ist – Buchhaltungs-Tricks wie Abschreibungen oder Rückstellungen können das Bild verzerren. Cashflow ist klar, hart und messbar. Zwei absolute Fallstricke: Sunk Cost und OpportunitätskostenDu hast in den letzten Jahren Millionen investiert? Das ist jetzt Geschichte. Sunk Costs – also bereits getätigte Ausgaben – dürfen nicht deine heutige Entscheidung beeinflussen. Emotional fühlt sich das manchmal falsch an, rational ist es aber der einzig richtige Weg.Opportunitätskosten denken viele nicht komplett mit: Hast du eine freie Lagerhalle, könntest du diese auch vermieten? Wenn du stattdessen dort eine Produktion aufbaust, musst du die entgangenen Mieteinnahmen als echten Kostenfaktor einpreisen.Die Klassiker der Investitionsrechnung – von Payback bis KapitalwertPayback (Amortisationsdauer) wird leider oft überschätzt. Es ist okay für den schnellen Überblick, taugt aber nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage, da der Zeitwert des Geldes völlig ignoriert wird.Goldstandard: Kapitalwert (NPV, Net Present Value). Alle zukünftigen Cashflows werden diskontiert – sprich: auf den heutigen Wert zurückgerechnet.Zusätzlich der Internal Rate of Return (IRR) – die interne Verzinsung, also die Prozentzahl, die du auf dein Investment bekommst. Diese Zahl zu überschreiten ist der Mindesthürde, die du nehmen musst, damit das Projekt tatsächlich Wert schafft.Wettbewerb um RessourcenMan muss die Projektanträge vergleichbar machen. Daher werden oft unternehmensweit die gleichen Regeln und Kalkulationsansätze verwendet. Der sogenannte Weighted Average Cost of Capital (WACC) ist dabei die Messlatte: Sie zeigt, wie viel Rendite deine Kapitalgeber erwarten. Nur Projekte, die darüber kommen, werden gefördert.Risiko und SensitivitätsanalysenNicht jedes Projekt ist gleich riskant. Innovationsprojekte müssen höhere Hürden nehmen als Routine-Investitionen, wie etwa Solaranlagen. Sensitivitätsanalysen zeigen, wie robust dein Business Case gegenüber Änderungen wichtiger Parameter ist – ein absolutes Muss!Abschließend meine vier wichtigsten Takeaways:1) Verknüpfung mit der Strategie: Jede Investition muss sich ins strategische Gesamtkonzept einpassen.2) Fallstricke vermeiden: Sunk Cost sind Vergangenheit, Opportunitätskosten denk immer mit!3) Goldstandard NPV: Payback und IRR sind nur Zusatzinfos. Der Kapitalwert entscheidet.4) Risikomanagement: Je riskanter das Projekt, desto anspruchsvoller die Mindestanforderungen.

    22 min

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