Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. vor 3 Std.

    Für einen "Lebensstil der Gnade"

    Heute denkt die Kirche an die Enthauptung Johannes des Täufers, etwas platt gesagt könnte man sagen, er ist Opfer einer öffentlichen Bloßstellung geworden, eines Shitstorms, vielleicht nicht mit Social Media, aber dennoch in der Öffentlichkeit bloßgestellt.Manchmal werden Menschen bloßgestellt, öffentlich und vermittelt heute eben in Shitstorms, vor allem in Social Media. Und ich erlebe es als Hochschullehrer auch manchmal an der Uni. Da stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit den scheinbaren Fehlern anderer um? Im Evangelium sehen wir Jesus in genau so einem Moment. Die Pharisäer bringen eine Frau zu ihm. Sie soll bloßgestellt werden. Gesetz oder Gnade, Prinzip oder Mitgefühl, sie wollen ihn in eine Falle locken. Doch Jesus reagiert mal wieder anders. Er schreibt auf den Boden. Er schaut nicht direkt in die Gesichter der Ankläger, sondern er wendet sich dem Boden zu. Manchmal ist es klüger, nicht sofort auf Provokationen zu reagieren. Distanz kann helfen, klar zu bleiben. Wie bei einer beleidigenden Nachricht in einer WhatsApp-Gruppe: sofort antworten oder erst einmal durchatmen? Dann spricht er den berühmten Satz: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Dieser Satz enthüllt die Heuchelei, ruft zur Selbstreflexion auf, nicht zur schnellen Verurteilung. Wer ist schon perfekt? Fehler in Prüfungen, kleine Schwächen, Missverständnisse. Jeder kennt das. Und dann die befreiende Gnade: Die Ankläger gehen, aber Jesus bleibt. Er vergibt. Er gibt eine Chance. Nicht die Sünde zu ignorieren, sondern: Du bist nicht nur definiert durch deine Fehler. „Geh und sündige nicht mehr“, sagt er. Gnade und Verantwortung gehen bei ihm Hand in Hand. Was bedeutet das für uns heute? In Freundschaften, in der Familie, im Studium, auf der Arbeit: Urteilen wir zu schnell oder erlauben wir Neuanfänge für andere und vielleicht sogar für uns selbst? Es ist eine Anleitung zu unserem Lebensstil der Gnade: nicht wegsehen, nicht alles entschuldigen, aber Zeit nehmen, zu verstehen, zu helfen, Mut zu machen – mit Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

  2. vor 1 Tag

    "Alle lieben"

    Herzlich willkommen zum Gebet am Freitag. Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht, wenn Du Lebensbeschreibungen von bedeutenden Menschen liest oder Podcasts darüber hörst. Ich bin oft völlig erschlagen von all dem Vielen, was Menschen in ihrem Leben geleistet, geschrieben, erkannt und gelehrt haben, und frage mich immer, wie das in ein einzelnes Leben passt. So geht mir das auch mit dem Heiligen Augustinus, an den wir heute denken. Überliefert sind von ihm fast 1000 seiner Predigten, 113 Bücher und 218 Briefe. Aber es gibt einen Ausschnitt aus einem Vortrag und eine Geschichte über ihn, die Dir und mir vielleicht helfen, einen guten Start in diesen Tag zu schaffen. Und was bei mir manchmal hängenbleibt von einer Predigt, einem Vortrag, einem Artikel oder einem Buch, sind oftmals eher diese kurzen, bedeutenden Geschichten oder Begebenheiten. Und die vielleicht bekannteste kleine Story über den großen Augustinus geht so: Eine der zahlreichen Legenden erzählt, wie Augustinus am Strand des Meeres spazieren geht und in tiefes Nachdenken versunken einen kleinen Jungen sah, der mit einer Muschel Wasser schöpfte und in eine Sandgrube goss. Auf die Frage, was er denn da tue, antwortete das Kind: "Dasselbe, was du tust! Du willst die Unergründlichkeit Gottes mit deinen Gedanken ausschöpfen – ich versuche, das Meer auszuschöpfen!" Da wurde ihm klar, dass das unmöglich ist. Und dann spricht Augustinus von sich und seinen alltäglichen Aufgaben im Sermon 340, 3: "Unruhestifter zurechtweisen, Kleinmütige trösten, sich der Schwachen annehmen, Gegner widerlegen, sich vor Nachstellungen hüten, Träge wachrütteln, Händesuchende zurückhalten, Eingebildeten den rechten Platz anweisen, Streitende besänftigen, Unwissende belehren, Armen helfen, Unterdrückte befreien, Gute ermutigen, Böse ertragen, und – ach – alle lieben!" Das ist Programm für mehr als einen Tag, eine Woche, ein Jahr, für jeden Christen.

  3. vor 2 Tagen

    Liebe, Gebet, Ausdauer und Geduld statt Zwang und Belehrung

    Hast Du eine Monika in Deinem Bekanntenkreis, oder heißt Du selbst so? Die Frau mit diesem Namen ist eine der außergewöhnlichen Frauen in der Kirchengeschichte. Es kommt nämlich nicht sehr häufig vor, dass im Heiligenkalender an Frauen gedacht, sie geehrt und gefeiert werden. Und wenn, dann sind es meistens Kaiserinnen und Königinnen, Ordensgründerinnen oder ähnliches.Heute aber wird an eine Frau gedacht, die bekannt geworden ist als Mutter des heiligen Augustinus. Und genau durch ihn und sein Buch der "Confessiones", der "Bekenntnisse", wissen wir ziemlich viel von ihr. Sie stammt aus einer christlichen Familie, heiratet und hat drei Kinder. Aber sie leidet sehr an ihrem Mann, der als jähzornig, unbeherrscht und regelmäßig Ehebruch begehend geschildert wird. Aber sie gibt ihn nicht auf und davon ist er so beeindruckt, dass er sich kurz vor seinem Tod bekehrt.Bei ihrem Sohn Augustinus war es so ähnlich. Ihm war in seinen wilden Jahren, als er sich vom katholischen Glauben abgewandt, eine Konkubine und mit ihr ein Kind hatte und nichts mehr von seiner Mutter wissen wollte, schon klar, dass sie ihn nicht verloren geben würde. Er wird später schreiben: "Sie weinte um mich mehr, als andere Mütter um ihre toten Kinder weinen."Er spürt, dass es ihr um seine unsterbliche Seele ging und sie mit Gott um ihn rang mit Glauben, Vertrauen und vielen Gebeten. Er sagt später, dass seine Mutter das geistige Rückgrat seiner Entwicklung war. Sie wusste, dass nicht Zwang und Belehrung, sondern Liebe, Gebet, Ausdauer und Geduld die wirksameren Mittel waren. Inständig und ausdauernd bestürmte Monika Gott in Gebeten, ihr Sohn möge zum Glauben finden. Und sie erlebt es noch. Ein halbes Jahr vor ihrem Tod wird Augustinus in der Osternacht 387 im Dom von Mailand von Bischof Ambrosius getauft, jener Ambrosius, der ihr einmal gesagt hatte: "Ein Kind so vieler Tränen kann nicht verloren gehen." Und so wurde es. Aus diesem Sohn, um dessen Leben und Glauben sie so beharrlich gerungen hatte, wurde einer der größten Theologen der Kirchengeschichte.Ich kenne viele Mütter, die über die Wege ihrer Kinder nicht begeistert sind und auch darunter leiden. Und den meisten geht es wie Monika: Sie werden diese Kinder nicht aus ihrem Herzen reißen, sondern bleiben ihnen immer nahe, oft viele schwierige Jahre lang in Geduld und Ausdauer. Und manche beten genau für diese Kinder mehr als für alles andere. Das beeindruckt mich immer wieder sehr.

  4. vor 3 Tagen

    Gesang ist doppeltes Gebet

    Singst Du eigentlich gern? Viele Leute werden bei dieser Frage eher nachdenklich und wissen es nicht so genau. Bei manchen ist noch eine Aussage des Musiklehrers im Kopf, der behauptet hat, dass Du nicht singen kannst und dann hast Du es gelassen. Andere sagen, ja unter der Dusche geht es ganz automatisch und man trällert vor sich hin. Da hört es ja keiner und es ist nur für mich allein. Außerdem gibt es nicht mehr so viele Gelegenheiten zu singen. Außer man geht sonntags zum Gottesdienst oder ins Stadion oder zum Konzert, wo Mitsingen der Inbegriff des Begeistertseins ist oder man singt tatsächlich in einem Chor oder oder.Am Sonntag waren 90 Sangesfreudige bei uns im Mutterhaus zum Sommersingen. Und es war ein sehr vergnüglicher Nachmittag mit Sommer-, Wander- oder heiteren Liedern zum Zusammenbleiben. Und dann habe ich in den Plauderpausen ein bisschen nachgefragt, warum denn Singen Spaß macht. Und da kamen sehr viele Antworten von denen, die meistens betont haben, dass das gemeinsame Singen durch Mark und Bein geht, Gänsehaut macht und einfach das Beste ist. Aber auch, dass man beim Singen auflebt und dass es mich frei macht, war eine Aussage.Singen macht Spaß, obwohl ich nicht gut singen kann, war eine erwartete Antwort und was mir sehr gefallen hat war: Es erfreut die Ohren. Wir Deutschen sind immer noch ein sangesfreudiges Völkchen und es gibt immer noch unendlich viele Chöre und Chorgemeinschaften. Einige Sprichwörter sagen auch etwas über das Singen. Mir gefällt davon am besten: "Gesang ist doppeltes Gebet". Und ich glaube nicht, dass damit nur fromme Kirchenlieder gemeint sind, sondern dass wir den Schöpfer damit loben, wenn wir unsere Stimme, die er uns ja gegeben hat, einfach zum Singen nutzen. Im Brief an die Kolosser heißt es so schön: "Ermutigt einander, indem ihr miteinander Psalmen und Lieder singt und damit Gott die Ehre gebt."Es ist also ganz einfach. Zusammen singen macht Spaß und bildet Gemeinschaft und entwickelt eine innere Kraft, die einfach umwerfend wohltut und Freude macht und Gott ehrt.

  5. vor 4 Tagen

    Begegnungen geben Anstoß zum eigenen Denken und Tun

    Begegnungen beleben oft sehr und geben Anstöße für eigenes Tun und Denken. In der Mittagspause auf einem Jubiläumsfest vergangene Woche hat mir beim Spaziergang eine Mitschwester Szenen aus ihrer Arbeit erzählt. Sie arbeitet in der Seelsorge für Menschen, die in Köln auf der Straße leben und von deren Problemen in den letzten unglaublichen heißen Wochen in der Stadt. Eines Tages ist sie mit einem Bollerwagen voller Wasserflaschen unterwegs gewesen, um an den ihr bekannten Treffpunkten Wasser anzubieten und zu verteilen. Und dabei hat eine Touristin aus New York sie beobachtet und angesprochen. Und als sie verstanden hatte, worum es hier geht, ist sie mitgegangen, hat geholfen und hat, als der Wagen leer war, im nächsten Geschäft einige Kisten mit Wasser gekauft und mit ihrem Geld bezahlt, damit weiterhin Wasser verteilt werden konnte.Ganz oft ist es genau so. Menschen erleben, dass es Probleme und Schwierigkeiten gibt und beginnen damit, an Lösungen zu arbeiten und etwas zu tun. Und meist ist sehr schnell ein kleinerer oder größerer Kreis von Menschen angesteckt von der guten Idee und macht mit. Vor fast 500 Jahren hat sich ein junger Priester und Jurist aus Spanien auf den Weg nach Rom gemacht. Und dort ist er völlig entsetzt von der Not und Verwahrlosung der Straßenkinder dort. In Trastevere beginnt er sofort mit einer Schule, die für alle Kinder dort kostenlos war. Und auch hier waren viele junge Leute so angetan von der Aufgabe und dem Engagement dieses Josef von Calasanza, dass sie mitmachen wollten und an diesem Werk für Kinder arbeiten. Also wurde eine Ordensgemeinschaft gegründet und über die nächsten Jahrhunderte gab es immer mehr Schulen für arme Kinder und die Lebensverhältnisse haben sich durch die dann gut ausgebildeten Jugendlichen stark verbessert.Begegnungen geben Anstoß zum eigenen Denken und Tun. Jesus sagt: Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Manchmal ist es dann Wasser austeilen an Bedürftige, manchmal ist es eine Schule gründen für mittellose Kinder, manchmal ist es etwas ganz anderes, was Dir heute begegnet und was Dich anregt, aus diesem Wort heraus etwas zu tun.

  6. vor 5 Tagen

    Das eine tun und das andere nicht lassen

    Herzlich willkommen zum Gebet am Montag. Nach drei Wochen Urlaub bin ich nun wieder da, um mit Dir über Gott und die Welt, über das Leben und vieles, was unser Leben ausmacht, zu plaudern, Erfahrungen zu teilen und Ideen weiterzugeben, wie es gehen kann, den Glauben an Gott heute zu leben. In diesen letzten drei Wochen gab es vieles innerhalb und außerhalb meiner Urlaubsgegend. Thüringen ist einfach schön und ich habe mehrere kleine und größere Städte besucht. Einige, wo ich noch nie war, wie Schmalkalden, wo mir ganze Lichter aufgegangen sind über die Zeitläufe vor, während und nach der Reformation. Ich habe selten ein so schönes Städtchen und eine so kluge Ausstellung gesehen. Oder auch einige größere Städte, wo ich einzelne Sachen anschauen wollte, die sonst eher abseits des Weges der normalen Touris liegen. Und natürlich gab es Begegnungen und Erlebnisse, die eine solche Zeit so besonders machen. Mitten auf der Krämerbrücke in Erfurt geht eine Familie an mir vorbei und der jüngere Mann kommt zurück und fragt mich, ob ich eine Klarissin oder so etwas sei. Solch eine Schwester hat er schon mal in einem Film gesehen. Also sind wir mitten auf der belebten und bewohnten Brücke stehen geblieben und haben uns über Orden und Kirche und meine Aufgaben unterhalten und zum Ende hat er mir alles Gute gewünscht und ich ihm und seiner Familie auch. Schön war das, und wunderbar neugierig und herrlich vorurteilsfrei. Und ich habe in den Nachrichten natürlich auch ein wenig von den Zeitläufen außerhalb meiner Urlaubswelt mitbekommen. Es gab Brände wie schon jedes Jahr, und auch sehr große hier in Deutschland und in den Nachbarländern und anschließend Wasserfluten ungeahnten Ausmaßes. Die Waldbrände haben Flächen vernichtet, von denen wir nicht so eine richtige Vorstellung haben. Der Sommer war und ist immer noch heiß und weltweit zu trocken und wir ahnen, dass etwas geschehen muss, wenn unser schöner blauer Planet nicht verbrennen und vertrocknen soll. Als Kind und Jugendliche habe ich noch die Flurprozessionen erlebt, die singend und betend über die Felder gezogen sind und Gott um Bewahrung vor schädlichem Wetter und um eine gute Ernte gebeten haben.  Das ist auch bis heute nicht falsch, aber es reicht nicht, wenn wir gleichzeitig zu viel Wasser verschwenden, Schadstoffe in die Luft jagen und schon im Juni den Anteil der Rohstoffe verbrauchen, den Mutter Erde in einem ganzen Jahr für uns ersetzen kann. Das eine tun, und das andere nicht lassen, ist zu allen Zeiten ein gutes Motto für uns Menschen und Christen. Tun, was in unseren Kräften und Möglichkeiten steht und Gott um seine Hilfe und seinen Segen bitten. Er wird es tun.

  7. vor 6 Tagen

    Teil von etwas Größerem

    Sommerzeit ist Festivalzeit. Dieses Jahr war ich zum ersten Mal bei Rock am Ring. Was für eine Atmosphäre. Musik, die man nicht nur hört, sondern spürt. Die Bässe. Die Beats. Und diese vielen Menschen. Alle schwarz gekleidet, alle irgendwie entspannt. Ich kenne kaum eine Menschengruppe, die so friedlich und freundlich ist wie Rocker und Metaller. Ich gehe generell gern auf Konzerte, obwohl ich einen entscheidenden Nachteil habe: Ich bin ziemlich klein. In Menschenmengen habe ich selten den Überblick. Bei Rock am Ring waren rund 90.000 Menschen. Eine Zahl, die ich kaum greifen kann. Und das Verrückte ist: Man merkt sie gar nicht. Natürlich weiß ich, dass da Zehntausende sind. Aber ich sehe nur die Menschen direkt um mich herum. Ich höre die Stimmen in meiner Nähe. Ich nehme die paar Reihen vor und hinter mir wahr. Mehr nicht. Und trotzdem singen da Tausende denselben Song.Als ich später darüber nachgedacht habe, musste ich an die Kirche denken: Katholisch bedeutet ja "weltumfassend". Und genau das mag ich eigentlich am Katholischsein. Wenn ich im Urlaub irgendwo einen Gottesdienst besuche, dann finde ich mich meistens sofort zurecht. Die Abläufe, die Gebete, die Gesten – vieles ist vertraut. Egal, ob in Deutschland oder anderswo. Manchmal wirkt Kirche auf mich ziemlich klein. Dann sehe ich die Menschen in meiner Gemeinde, die vertrauten Gesichter in den Kirchenbänken, und denke: ganz schön wenige, ganz schön traurig. Aber eigentlich weiß ich, dass das nicht stimmt. So wie ich bei Rock am Ring nicht wirklich erfassen konnte, dass da 90.000 Menschen gemeinsam feiern, kann ich auch nicht erfassen, wie viele Menschen weltweit glauben, hoffen, zweifeln, beten und nach Gott suchen. Ich sehe nur meinen kleinen Ausschnitt. Vielleicht geht es vielen so. Wir nehmen vor allem das wahr, was direkt vor uns ist. Die Menschen in unserem Umfeld. Die, die wir kennen. Und vergessen dabei manchmal, dass wir Teil von etwas viel Größerem sind. Bei Rock am Ring habe ich das für einen Moment gespürt: Ich war eine von 90.000. Und trotzdem nicht verloren.

  8. 22. Aug.

    Im Kleinen zum Segen werden

    Ich versuche regelmäßig Blut spenden zu gehen. Das ist mir irgendwie wichtig. Und ehrlich gesagt fühle ich mich danach immer ziemlich gut. Klar, ich habe ja auch etwas Gutes getan. Bei einer meiner ersten Blutspenden bekam ich eine kleine Blechdose mit Minzbonbons geschenkt. Die Bonbons fand ich toll. Und die Dose auch. Die passte perfekt vorne ins kleine Ablagefach im Auto unter dem Radio. Da lag sie dann erstmal ziemlich lange herum. Irgendwann fiel mir auf, dass auf der Dose ein Bild eingeprägt war. Erst wirkte das einfach nur rot-orange auf mich. Das fand ich logisch. Blutspende, DRK – da passten die Farben für mich erstmal einfach zum Design. Aber als ich genauer hinschaute, erkannte ich die Szene sofort. Religionslehrerin eben. Es war der barmherzige Samariter. Ein fremder Mann hilft einem Verletzten, an dem andere längst vorbeigegangen waren. Er versorgt seine Wunden, bringt ihn in ein Gasthaus und bezahlt dafür, dass man sich weiter um ihn kümmert. Dann zieht er weiter. Und irgendwie fand ich den Vergleich zwischen mir und dem Samariter erstmal fast ein bisschen drüber. Ich habe doch nur Blut dagelassen. Mehr nicht. Ich habe noch nicht mal eine besonders seltene Blutgruppe. Ich habe einfach kurz die Augen zugemacht, als die Nadel kam, und danach eine Cola getrunken. Ich habe doch eigentlich gar nichts Besonderes getan. Und trotzdem blieb mir diese Dose lange im Kopf. Vielleicht, weil sie mich an etwas erinnert hat, das ich selbst oft vergesse. Wie oft denken wir eigentlich, wir hätten gar nichts verändert?Dabei wissen wir manchmal überhaupt nicht, was unser kleines Handeln bei anderen bewirken kann.Dabei reicht manchmal schon erstaunlich wenig: Ein bisschen Zeit. Ein offenes Ohr. Eine kleine Geste. Ein paar Worte. Für mich fühlt sich das oft klein an. Fast unbedeutend. Und vielleicht war es für jemand anderen genau das, was gefehlt hat. Der barmherzige Samariter macht ja eigentlich auch nichts Spektakuläres. Er zaubert nicht. Er nimmt dem Verletzten nicht plötzlich allen Schmerz. Er hilft einfach. So gut er eben kann. Und dann geht er weiter. Vielleicht liegt genau darin etwas Segen.Dass Hilfe nicht immer groß sein muss, um etwas zu verändern. Und dass wir oft gar nicht merken, wo wir anderen längst zum Segen geworden sind.

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Info

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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