5 Minus

Dr. Laura Dalhaus

5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel. Das Gesundheitssystem kollabiert und das hat Konsequenzen. Darüber spreche ich mit Menschen, um Ideen und Lösungswege zu entwickeln. Denn Politik hat leider in den letzten 20 Jahren bewiesen, dass sie es aus unterschiedlichen Gründen nicht kann. Wir starten einen Versuch. https://linktr.ee/LauraDalhaus

  1. Rauchen: Individuelle Sucht, gesellschaftliches Problem | Dr. Hans-Jörg Baumann

    19H AGO

    Rauchen: Individuelle Sucht, gesellschaftliches Problem | Dr. Hans-Jörg Baumann

    Wie bringt man Menschen dazu, wirklich mit dem Rauchen aufzuhören und wie schädlich sind E-Zigaretten wirklich? Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Dr. Hans-Jörg Baumann. Dieser ist Pneumologe, seit 5 Jahren niedergelassen, vorher tätig als Chefarzt. Auch er hält präventive Maßnahmen für wichtig, fragt sich allerdings, ob eine Tabaksteuer alleine hilft. Denn dadurch fühlen sich viele Menschen bestraft. Er hat richtig Spaß daran, mit Menschen über das Rauchen zu sprechen und bietet in seiner Praxis sogar Rauchentwöhnung an. Für ihn ist klar: Rauchen ist sehr individuell, genauso wie die Gründe, weiterzumachen oder aufzuhören. Es gibt kein Schema F. Dass Rauchen schädlich ist, wissen wir ja sowieso alle. Er geht gerne auf die Suche nach dem Ursprung und sucht nach einem Ersatz. Viele haben beim Rauch-Stopp Angst, Gewicht zuzulegen. Hans-Jörg kann Entwarnung geben: Hier handelt es sich im Schnitt um 2-4 Kilo, die nehmen wir im Durchschnitt auch an Weihnachten zu. Laura hat schon Erfahrung mit einem Patienten gemacht, der durch Nikotinkaugummis seinen Konsum stark verringern konnte. Hier ist zu differenzieren, ob es sich um eine starke oder weniger starke Nikotinabhängigkeit handelt. Akupunktur und Hypnose können unterstützen, allerdings fragt sich Hans-Jörg, ob diese Maßnahmen auch das Verhalten in typischen Rauch-Situationen verändert. Bei jungen Menschen rezeptiert Laura gerne DIGAs. Hans-Jörg fand die Preise der DIGAs damals sehr teuer, mittlerweile hat sich das angepasst und er findet das für digital affine Menschen sehr gut. Neu auf den Markt gekommen sind E-Zigaretten. Ein großes Problem ist dabei der Dual-Use, den 70-80% der Raucher praktizieren. Dadurch entstehen zwei Schädigungsmechanismen. Wir wissen nicht, ob E-Zigaretten weniger schädlich sind als klassische. Die Datenlage ist zu gering und es ist schwieriger zu tracken, wie viel konsumiert wird. Die Wiederholung des Reizes ist ein Problem. Von Fachgesellschaften wird nicht empfohlen, dies als Instrument gegen Nikotinabhängigkeit zu nutzen. E-Zigaretten sind allerdings auch ein Problem, weil die Produkte auf Kinder und Jugendliche abzielen durch die verschiedenen, süßen Geschmacksrichtungen. Zudem betteln Entsorgungsbetriebe darum, die Einweg-Geräte zu verbieten – diese entfachen immer wieder Feuer. Zudem landen umgerechnet etwa 80-90 Auto-Akkus wöchentlich auf dem Müll. Frankreich und Belgien führen mit einem Verbot voran. Krankheiten, die oft auf das Rauchen zurückzuführen sind, sind beispielsweise COPD, was als Volkskrankheit bezeichnet werden kann. Mittlerweile gibt es sehr teure Autoimmun-Therapien – aber nur, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Hans-Jörg ist ein Fan vom Primärversorgungssystem. Mit einem Husten muss man erstmal nicht zum Pneumologen. Allerdings betrachtet er den Übergang vom aktuellen zu einem Primärarztsystem als kompliziert. Beide sind sich einig, dass die Preise der Leistungen angepasst werden müssten, um die Versorgung zu verbessern. Laura möchte sich damit beschäftigen, ein Verbot von Einmalzigaretten durch eine Petition anzustoßen. Zum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790 Zur Communtiy für PAs und PCM: https://bryght.social/communities/physician-assistants-by-laura-dalhaus/memberships Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: a href="https://www.instagram.com/lauradalhaus/"...

    1h 21m
  2. Mit einem Sparplan können wir die Versorgung nicht retten | Laura zum aktuellen Stand

    FEB 11

    Mit einem Sparplan können wir die Versorgung nicht retten | Laura zum aktuellen Stand

    Deutschland hat kein besonders leistungsfähiges Gesundheitssystem im internationalen Vergleich. Durch Sparen werden die Ergebnisse nicht besser. Ein Kosten-Outcome-Problem. Doch was tragen die verschiedenen Akteure im Gesundheitssystem zur erfolgreichen Debatte bei? Dr. Laura Dalhaus zitiert aus einem Interview mit Professor Jürgen Windeler. Als Prävention werden Vorsorgeuntersuchungen und Checks verkauft, statt an Ernährung und Bildung zu arbeiten. Außerdem bekommen wir Medikamente viel zu früh ins System, in Deutschland brauchen wir nur 50 Tage dafür (in anderen Ländern mehr als 4mal so viel), trotzdem sind wir nicht gesünder. Windeler empfiehlt, dass die Überversorgung qualitätsgesichert zurückgefahren wird. Es wird darüber diskutiert, die Tabaksteuer zu erhöhen. Das ist eine Form der Prävention und würde auch Geld in die Kassen bringen. Allerdings will Gesundheitsministerin Warken auf Aufklärung und Freiwilligkeit setzen. Wir haben in der Vergangenheit aber schon gemerkt, dass Verhaltensprävention nicht funktioniert. Die Lösung am Reformhimmel? Es könnte die HZV sein (Hausarztzentrierte Versorgung). Dafür brauchen wir aber nicht nur Hausärzt:innen, sondern Teamarbeit in Form von nicht-ärztlichen Berufsgruppen wie Primary Care Managern und Physician Assistants. Wichtig ist dabei aber auch, Zeit für das Wesentliche zu schaffen. Da hilft vor allem Bürokratieabbau. Laura macht sich in dieser Folge vielleicht unbeliebt bei den fachärztlichen Kolleg:innen, doch sie erzählt von Bereichen, die unfassbar ausgenutzt werden. Manche Patient:innen beschweren sich darüber, dass sie ohne Hausarztvermittlungsfall keine Termine mehr bekommen. Der Bundesrechnugnshof hat festgestellt, dass die 2,9 Milliarden für Terminvermittlung nichts bringen. Die Wartezeiten sind sogar gestiegen. Und wenn man den Bundesrechnungshof angreift, befinden man sich auf dünnem Eis! Die Kliniken sind der größte Kostenfaktor im Gesundheitssystem. Warken’s Klinikpläne könnte die Kosten noch steigern, sie möchte nämlich die Kriterien von Lauterbach lockern. Wir müssen dann aber auch über ärztliche Weiterbildung reden. Politik hat nicht verstanden, dass ein fertiger Medizinstudent noch kein fertiger Arzt ist. Fachärzt:innen wachsen nicht auf Bäumen. Spezialfächer drohen, bei dieser Reform die Verlierer der Krankenhausreform zu werden. Wie soll medizinische Qualität aufrechterhalten werden, wenn bestimmte Leistungsgruppen komplett verschwinden? Die Umstellung auf Hybrid-DRGs ist dafür verantwortlich, dass einige Kliniken bereits in die Insolvenz gezwungen werden. Darunter leidet wieder die Weiterbildung – wie soll man lernen, wenn man nicht die Möglichkeit dazu hat? Ein weiterer Aufreger: Bei höherwertigen Eingriffen werden die Sachkosten nicht bewertet - die Platte muss der Chirurg also selbst bezahlen. Und dann kommt Friedrich Merz um die Ecke und erzählt was von Teilzeit-Lifestyle – ein Brandbeschleuniger für das ärztliche Personal und die Pflege im Krankenhaus! Zu dieser Debatte kommt dann noch das Thema Behandlungsfehler. Aus dem GKV-Spitzenverband kam dann auch noch eine hirnrisse Idee: Die psychotherapeutischen Honorare sollen um 10% abgesenkt werden. Das kann man nicht einfach machen. Bei der Psychotherapie geht es sofort um die gesamte Existenz! Zudem arbeiten diese Menschen wirklich sehr viel unter sowieso schon schlechten Bedingungen. Wie kann man diesen einfach 10% Vergütung streichen wollen? Der Wirtschaftsrat der CDU sagt außerdem, dass wir jetzt unsere zahnärztlichen Behandlungen bezahlen sollen. Sollen wir uns dahin bewegen, dass wir die soziale Klasse der Menschen an den Zähnen ablesen können? Zum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790 Zur Communtiy für PAs und PCM: a...

    58 min
  3. Die Debatte um den Rettungsdienst | Lucas Glaser

    FEB 4

    Die Debatte um den Rettungsdienst | Lucas Glaser

    Wie steht es um den Rettungsdienst im Gesundheitssystem? Und warum diskutieren gerade so viele darüber, dass Patient:innen den RTW selbst zahlen sollen? Darüber diskutiert Laura Dalhaus in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Lucas Glaser, der nicht nur privat Medizin studiert, sondern auch schon lange im Rettungsdienst tätig ist. Er blickt sehr positiv darauf, wie sich die Qualität der Versorgung und der Ausbildung in der präklinischen Versorgung verbessert hat in den letzten Jahren. Auf der anderen Seite sieht er aber auch die Möglichkeit eines Bore-Outs. Das Personal ist hochkompetent und stark ausgebildet, aber ist oft mit Situationen konfrontiert, die nicht in das Anforderungsprofil passen. Es gibt viele Lapalien-Einsätze, bei denen man sich wie ein begleitetes Taxi fühlt. Als low-hanging-fruit sieht er, die Parallelstruktur zwischen Kassenärztlichem Notdienst und Leitstelle des Rettungsdienstes aufzulösen. Laura sieht als großes Problem, dass Rettungsdienst Ländersache ist. Dadurch gibt es teilweise in nebeneinanderliegenden Dörfern keine einheitlichen Strukturen. Niemand will seine Kompetenzen abgeben, was Reformen unmöglich macht. Beim Rettungsdienst gibt es zwei Konzepte: Scoop and Run, das heißt, die Patient:innen werden eingesammelt und zum Krankenhaus gebracht. Stay and Play, das bedeutet, dass Ärzt:innen direkt mit zum Notfall und Patienten kommen. Laura betont, dass wir die Notärzt:innen auch in Kliniken und Schockräumen brauchen und nicht unbedingt im Auto. Hier bewegen wir uns in Deutschland gerade dahin, dass Notfallmedizin ein eigenständiges Fach wird – das ist allerdings alles hochpolitisch. Lucas hat sich mit den Budgets beschäftigt: Als Rettungsdienst kann man kein Minus machen. Es gibt feste Summen, die der Rettungsdienst kostet (was u.a. daran liegt, dass der größte Kostentreiber die Fixkosten sind). Wieviel die einzelnen Krankenkassen zahlen müssen, ist abhängig von der Menge der Transportscheine. Er erklärt, dass die RTW-Einsätze nur etwa 1,5% der GKV-Ausgaben ausmachen und hier ein Rechenfehler vorliegt, wenn darüber gesprochen wird, dass Einsparungen am Rettungsdienst das Gesundheitssystem retten könnten: Das ist nicht so! Er erklärt, dass wir uns dafür entscheiden müssen, wie gut wir versorgen wollen. Denn RTWs sind oft unterwegs für Dinge, für die sie nicht gemacht sind. Viele Patient:innen rufen einen Rettungswagen, weil sie so hoffen, im Krankenhaus „schneller dran“ zu sein. Das Problem liegt in der Patientengruppe, die genau in der Mitte ist: Sie sind kein Notfall, den man direkt sieht und auch nicht gesund, sondern sie KÖNNTEN etwas haben, es ist aber nicht klar. Lucas fragt sich, ob vielleicht mehr Menschen dadurch sterben, weil wir überversorgen bzw. die Masse der Patient:innen zu viel ist. Laura erklärt, dass dies auch ihr Alltag ist. Hier ist es wichtig, ein Bauchgefühl zu entwickeln, dass etwas nicht stimmt. Je mehr SOPs es gibt und je weniger Platz es nach rechts und links gibt, desto weniger wird dieses Bauchgefühl ausgebildet. Zum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790 Zur Communtiy für PAs und PCM: https://bryght.social/communities/physician-assistants-by-laura-dalhaus/memberships Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: a href="https://www.instagram.com/lauradalhaus/" rel="noopener noreferrer"...

    1h 13m
  4. Gute Versorgung ist kein Geheimnis - es fehlt an Umsetzung! | Laura zum aktuellen Stand

    JAN 28

    Gute Versorgung ist kein Geheimnis - es fehlt an Umsetzung! | Laura zum aktuellen Stand

    Laura trägt heute ein HZV-Shirt (HZV = Hausarztzentrierte Versorgung, ein freiwilliges Primärarztsystem). Denn die Unis Heidelberg und Frankfurt haben Ergebnisse von Forschungen veröffentlicht: 1,36 Mio unkoordinierte Facharztkontakte weniger, 24.650 verhinderte Krankenhausaufnahmen, 24.400 zusätzliche Influenza-Impfungen bei älteren Versicherten, 4,3% geringere Gesamtkosten pro Versicherten, 10% geringere Krankenhauskosten, 90.000 Krankenhaustage weniger, 5.700 verhinderte Herzinfarkte, 736 Amputationen weniger, 9.200 verhinderte diabetesbedingte Komplikationen. Unser Gesundheitssystem profitiert davon nachhaltig und unsere Gesundheit auch! Ein heiß diskutiertes Thema in den Medien: Die Tele-AU. Die will der Kanzler gerne abschaffen. Das würde aber wirklich gar kein Problem lösen. Der Krankenstand und die Telefon-AU kann man nicht vermischen. Der Grund für die erhöhten Zahlen ist auch eine konsequentere Datenerfassung über die elektronische Krankschreibung. Laura würde eine Teil-Krankschreibung begrüßen. Jemand mit einer gerissenen Achillessehne könnte im Home Office 3-4 Stunden arbeiten. Auch bei psychischen Erkrankungen kann Arbeit Stabilität und einen Anker bieten, hier fänd Laura eine Teil-Krankschreibung eine echte Revolution. Gesundheitsversorgung muss sich am Menschen orientieren, nicht an der Zuständigkeit. Die Sektorentrennung wird immer versucht zu überbrücken, eine Strukturreform erfolgt nicht. Der CEO eine PVS-Systems sagt, dass Termine keine Ware sind. Wie viel privatwirtschaftliches Engagement ist hier gewünscht, wenn man auf Doctolib etc schaut? Von Warken wurde eine Notfallreform vorgestellt. Darin ist ein Vorschlag zu einem 24-7-Angebot, sowohl für Telemedizin als auch Hausbesuche. Wer soll das machen? Laura kann sich nicht klonen! Unter Jens Spahn wurde das Pflegebudget eingeführt. Damit sind die Pflegepersonalkosten kein Teil der diagnosebezogenen Fallpauschalen mehr, sondern werden vollständig von den Krankenkassen übernommen. Viele Kliniken haben Unterstützungskräfte entlassen und Pflegekräfte machen Dinge, die nicht zu pflegerischen Aufgaben gehören. Sogar Warken bestätigt, dass es Hinweise auf Missbrauch gibt – macht aber nix! Die TK hat festgestellt, dass Arzneimittelpreise in Deutschland zu hoch sind. Alleine bei den 30 umsatzstärksten Medikamenten ließe sich durch Angleichungen an das internationale Preisniveau 4,37 Milliarden Euro sparen. Baas, mit dem Laura sonst selten einer Meinung ist (hier aber schon), schlägt folgendes vor: Absenken der Umsatzsteuer auf 7% Hersteller-Rabatt auf Patent-Arzneimittel auf 17% erhöhen Einführung von Arzneimittel-Fokuslisten Ferdinand Gerlach stellt die These, dass die verschlafene digitale Transformation in Deutschland ein Segen für Tech-Giganten ist. Zum Beispiel für Amazon, die sind in den USA schon health care anbieten. Ein Beispiel für fehlende Digitalisierung: Bei der elektronischen Patientenakte haben Heilmittelerbringer wie Physio- und Ergotherapeuten keine Schreibrechte, nur Leserechte. Jede dritte Praxis denkt über einen PVS-Wechsel nach. Wenn wir über Zukunft sprechen, dann auch über Kinder und Jugendliche. Eine Gesundheitskrise, vor allem in Bezug auf psychische Erkrankungen, steht uns bevor. Martin Holtmann warnt vor einer Resilienzromantik: Man kann trotz aller Bemühungen erkranken. Vermitteln wir Kindern das Gegenteil von Selbstwirksamkeit? Wir erwarten viel von Jugendlichen, aber geben wir ihnen auch die nötigen Bedingungen? Das Nadelöhr, (damit wir auch alle mehr arbeiten können, wie Merz das gerne hätte,) ist u.a. die Kinderbetreuung. Die Leopoldina-Gesellschaft fordert die Politik zu einer nationalen Adipositas-Strategie auf. Wir haben Folgekosten von über 100 Milliarden Euro pro Jahr bei Menschen mit...

    43 min
  5. Gesundheitssystem vor der Insolvenz? | Laura Dalhaus zum aktuellen Stand

    JAN 21

    Gesundheitssystem vor der Insolvenz? | Laura Dalhaus zum aktuellen Stand

    Die erste Solofolge in 2026! Auch Laura hat einige Vorsätze, die sind ihre persönliche Verantwortung. In der Politik gibt es allerdings Menschen mit mehr Verantwortung – schauen wir uns an, ob sie diese auch annehmen! Immer mehr Arbeitskreise und Kommissionen gegründet, wir haben aber kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Ein Lösungsansatz wäre eine Ausrichtung an Bedarf, nicht an Bedürfnissen. Wir hängen aber weiterhin im Silo-Denken fest, sonst würden sich einige Facharztverbände nicht gegen das Primärarztsystem wehren. Union und SPD fordern jetzt mutige Strukturreformen. Die CSU allerdings möchte die telefonische Krankschreibung abschaffen – damit die Leute mit Norovirus wieder in den Praxen sitzen? Frau Machalet will auf Prävention zur Kostensenkung setzen. Das ist ne super Idee, bis das aber greift, sind wir eine Generation weiter. Eine Praxisgebühr ist auch keine Strukturreform. Es gibt viel wichtigere Fragen. Die Krankenkassen wollen jetzt selbst steuern. Laura betont noch einmal: Der Arztberuf ist ein selbstständiger Beruf. Wenn die Krankenkassen in die Terminsteuerung eingreifen, sind die Kriterien der Selbstständigkeit nicht mehr gewährleistet. Und dann sind Sozialversicherungsbeiträge für Ärzte fällig. Dahinter steckt die anmaßende Unterstellung von Krankenkassen, dass Haus- und Fachärzte die falschen Patient:innen versorgen. Besonders teuer sind auch die Kliniken. Die machen nämlich super viel stationär statt ambulant. Die ambulante Medizin ist unterfinanziert, so z.B. Mandeloperationen. Die könnte man einfach ambulant machen, in den Niederlanden passiert das zu 87%, in Deutschland nur zu 19%. Morbi-RSA ist ein morbiditätsbedingter Risikostrukturausgleich. Das heißt: Krankenkassen, die viele Kranke und Alte versorgen, sollen mehr Geld bekommen als diejenigen, die hauptsächlich Gesunde und Fitte versorgen. Dieses Geld kommt aus dem Morbi-RSA. Laura findet es sinnvoll, diesen abzuschaffen, er sorgt für noch mehr Bürokratie. Uns droht eine Systeminsolvenz. Trotzdem haben die Krankenkassen irgendwie noch viel Geld, die Energie-BKK zahlt ihren Versicherten beispielsweise Geld für die Messung der Intima-Media-Dicke – für Laura eine völlig sinnlose Untersuchung ohne eine Verdachtsdiagnose. Die Kassen haben eine Dreifachverwaltung: Landesverband, Bundesverband und den GKV-Spitzenverband. Das könnte man vereinfachen und dadurch Geld sparen. Auch die Werbekosten zu streichen hat ein Einsparpotential von 100 Millionen Euro jährlich. Die Wartezeiten sind auch immer wieder ein Thema. Minister Philippi möchte einfach mehr KI einsetzen – nur wer zahlt das denn? Die Gebühren für Rettungsfahrten werden nun zurückgezogen. Vorerst. Bis Ostern soll es eine feste Regelung geben. Der MD fordert die Offenlegung von Behandlungsfehlern. Natürlich sind diese ein riesiges Problem. Doch wir müssen uns ehrlich machen, warum diese Behandlungsfehler passieren! Laura regt sich tierisch darüber auf. Die Arbeitsbedingungen mit 2-Minuten-Medizin und 24h-Diensten sind unmenschlich, gleichzeitig wird mit dem Finger auf Ärzte gezeigt. Abwarten ist keine Option. Eine mögliche Lösung wären Primärversorgungszentren, in denen Medizin, Pflege, Sozialarbeit und Psychotherapie vereint sind. Laura würde so etwas wirklich gerne leiten! Eine weitere Diskussion, die wir führen müssen ist, was eine solidarische Versorgung dauerhaft leisten kann. Zum Abschluss möchte Laura nochmal über Jens Spahn sprechen. Seine Verfehlungen müssen in den Vordergrund gerückt werden. Er hängt außerdem bei Nius und Peter Thiel drin. Kein Politiker hat so einen volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet wie er. Zum Kurs für PAs und PCM: a href="https://bryght.social/shop/790" rel="noopener noreferrer"...

    48 min
  6. Zwischen Haftung und Heilkunde – wie blickt ein Jurist auf das Gesundheitssystem? | Hendrik Hörnlein

    JAN 14

    Zwischen Haftung und Heilkunde – wie blickt ein Jurist auf das Gesundheitssystem? | Hendrik Hörnlein

    Regresse, Schmerzensgeld und die neue GoÄ – das sind Themen, die in der Medizin mal von einem Juristen beurteilt werden sollten! Deswegen hat Dr. Laura Dalhaus für die neue Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ Hendrik Hörnlein eingeladen, einen Medizinjuristen, der neben der Arbeit in seiner Kanzlei auch Healthcare Compliance Officer ist. Eigentlich sind Ärzte und Anwälte sich oft gar nicht so grün. Doch Hendrik findet auch, dass das Gesundheitswesen stark überreguliert ist. Wenn er von einem Arzt eine Frage bekommt, muss er sich zunächst durch zig gestufte Gesetze und Verträge wühlen. Er erklärt, dass im Vergleich zu früher mehr geklagt wird, diese Tendenz ist allgemein in der Gesellschaft aber gestiegen. Die Schadenssummen sind aber im Verhältnis zu denen in anderen Ländern eher gering. Es gibt in Deutschland den Schadensersatz, bei dem bekommt das ersetzt, was man verloren hat, auf der anderen Seite gibt es noch das Schmerzensgeld, was sich viele Leute ganz hoch vorstellen – ist es aber gar nicht. Laura greift das Urteil gegen Professor Volz auf, der einen geplanten und medizinisch notwendigen Schwangerschaftsabbruch nicht durchführen durfte, weil der kirchliche Träger ihm das untersagt hatte. Vor dem Arbeitsgericht verlor er, weil der Arbeitgeber die Behandlung bestimmen darf. In Laura’s Augen spricht das gegen die Therapiefreiheit. Hendrik erklärt das Urteil und dass sich das Gericht sich mit der Komplexität der Sondersituation und der Religionsfreiheit nicht genug auseinandergesetzt habe. Dazu kommt, dass sich der kirchliche Träger in die Nebentätigkeit von Herrn Volz eingemischt hat. Ein weiteres Urteil, das Laura und Hendrik besprechen, sind die Regresse gegen einen Kardiologen, der Rezepte nicht mit einem Kugelschreiber, sondern einem Stempel unterschrieben hat. Hendrik erklärt, wie komplex die Gesetzesgrundlage hierfür ist. Weiter geht es mit dem Thema MVZs und der Haftung. Denn wenn Regresse entstehen, dann haftet Laura in ihrer Praxis selbst. Doch wer ist bei den MVZs, vor allem den kommunalen, die Person, welche die Haftung übernimmt? Laut Hendrik kommt es auf die zivilrechtliche Gestaltung an. Laura erzählt von der neuen GoÄ (Gebührenordnung für Ärzte), über die unfassbar viel diskutiert wurde, u.a. beim Deutschen Ärztetag. Für Hendrik ist es ein Armutszeugnis, wie das gelaufen ist, denn das letzte Mal wurde die GoÄ 1982/83 vollständig reformiert. Die Absurdität war, dass die Bundesregierung nichts gemacht hat, bis die Ärzteschaft sich mit den Kostenträgern für einen Entwurf geeinigt hat. Gesundheitsministerin Nina Warken hat eine neue Finanzkommission gegründet, die bis 2027 Vorschläge erarbeiten will. Laura hat langsam die Hoffnung auf eine Revolution des Systems verloren. Für Hendrik stellt sich die Frage, ob wir das Monstrum an Bürokratie irgendwie abbauen können. Brauchen wir mehr Steuerung? Wir haben immer mehr Spezialisten, gleichzeitig in der Stadt eine hohe Dichte an Ärzten – auf dem Dorf viel zu wenig. Brauchen wir hier mehr Steuerung oder würde sich das dann zu einem staatlichen Gesundheitssystem entwickeln analog Englands? Laura ist zwiegespalten. Hendrik erklärt, dass die Bedarfsplanung eigentlich diese Steuerung darstellt. Menschen werden aber immer älter und komplex kränker, deswegen sehen immer mehr Player die Möglichkeit, Geld im System zu verdienen – beispielsweise Kaufland und dm. Die enge Betreuung sieht Laura allerdings nur in der Betreuung vor Ort. Das, was Kaufland macht, ist eine Form von Telemedizin, das findet Hendrik eigentlich eine positive Sache. Doch ist es Heilkunde und somit erlaubt? Dazu läuft gerade ein Prozess. Laura regt sich besonders darüber auf, dass die Patient:innen mit den Ergebnissen alleine gelassen werden. Zum LinkedIn-Profil von Hendrik: a...

    1h 1m
  7. Fachkräftemangel und Weiterbildung im Krankenhaus | Dr. Susanne Johna

    JAN 7

    Fachkräftemangel und Weiterbildung im Krankenhaus | Dr. Susanne Johna

    Wie steht es um die Aus- und Weiterbildung in Krankenhäusern? Was können wir gegen den Fachkräftemangel machen und lohnt sich Berufspolitik überhaupt? Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Dr. Susanne Johna, der Vorsitzenden des Marburger Bunds. Dieser vertritt vorwiegend die Belange von angestellten Ärzt:innen und somit auch einem Großteil der Krankenhausärzt:innen. Susanne Johna hat gerade bei einer Anhörung im Bundestag darüber gesprochen, dass in manchen Fächern die Weiterbildungsstellen verloren gehen. Ein weiteres Problem ist die Bürokratie: Angestellte Ärzt:innen müssen sich immer wieder neu von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, wenn sie den Job wechseln – ein unnötiger Akt. Als Hausärzt:in ist man immer sehr pragmatisch, sonst würde man den Alltag nicht schaffen, fehlenden Pragmatismus kann Laura deswegen gar nicht nachvollziehen. Auch Bereitschaftsdienste und Arbeitszeiterfassung sind ein großes Thema. Mit den Unikliniken gibt es jetzt einen Tarifvertrag, dass Arbeitszeiterfassung elektronisch sein muss, aber ein Teil der Kliniken macht das nicht. Auch die Bundesregierung will flexiblere Arbeitszeiten, da stellt sich aber die Frage: Was bedeutet überhaupt flexibel? Laura wird richtig wütend, wenn über steigende Behandlungsfehler gesprochen wird, gleichzeitig werden auch die Arbeitsbedingungen immer schlechter. Susanne Johna sagt dazu einen starken Satz: Nicht die Menschen sind das Risiko im System, sondern die Menschen sind der Sicherheitsfaktor im System. In der Folge mit Eli Inhester hat Laura herausgefunden, dass viele Bereitschaftsdienste nur zu 60% bezahlt werden, wie selbstverständlich wird aber durchgearbeitet. Susanne erklärt, dass man das nicht akzeptieren muss. Allerdings sind dann die Grenzen zum Schichtdienst fließend. Die beiden diskutieren auch über die Krankenhaus-Reform, durch die beispielsweise die spezialisierte Kinderheilkunde verschwindet. Dies ist ein systematisches Problem.   Bei der Definition von Leistungsgruppen entsteht auch die Frage, wie viel Personal man benötigt. Dieses Personal muss allerdings auch ausgebildet werden. In anderen Ländern gibt es explizite Weiterbildungsstellen. Denn man kann Menschen in Ausbildung nicht als Vollzeitstellen rechnen – schließlich müssen sie noch lernen. Medizin ist unfassbar hierarchisch. Es kommen immer wieder Fälle ans Licht zum Thema Machtmissbrauch und schlechte Führungskultur. Auch Sexismus und Rassismus, sowie Homophobie sind hier Themen. Schockierend ist, dass Dinge gesagt werden, von denen man gehofft hat, dass sie nicht mal mehr gedacht werden. Junge Kolleg:innen kehren so dem System den Rücken. Beide sind aber überzeugt: Wir brauchen multikulturelle und junge Teams! Ein weiteres Thema ist eine fehlende Gleichbehandlung bei den Geschlechtern. Das Medizinstudium ist sehr weiblich, trotzdem sind die meisten Chefärzte männlich. Die beiden diskutieren auch über fehlende Kinderbetreuung. Das Thema ist einfach nicht gut gelöst in Deutschland. Selbst wenn wir jetzt mehr Studienplätze für Medizin haben, die Menschen aber dann nicht im System halten können, hilft das auch nicht. Susanne ist als Berufspolitikerin sehr engagiert, sie erklärt, dass man sich oft mit den kleinen Schritten anfreunden und manchmal auch verstehen muss, dass man Schlimmeres verhindert hätte.   Laura ist teilweise resigniert, denn die Vorschläge aus der Ärzteschaft sind wissenschaftlich begründet – trotzdem passiert nichts. Ein Beispiel ist der Paragraph 218. Dr. Johna wünscht sich von der Bundesgesundheitsministerin Frau Warken besonders eine Stärkung des Bereichs Prävention. Das wird sich rechnen – nicht in einer Legislaturperiode – aber langfristig. Sparen...

    1h 7m
  8. Wie finanzieren wir Gesundheit? Sparen an den falschen Ecken | Laura zum aktuellen Stand

    12/31/2025

    Wie finanzieren wir Gesundheit? Sparen an den falschen Ecken | Laura zum aktuellen Stand

    Eigentlich wollte Laura eine Rückblickfolge machen. Doch der GKV-Spitzenverband hat ein 77-Seiten-Pamphlet aufgelegt und deswegen spricht Laura über die Aufgaben, welche die Bundesgesundheitsministerin und ihre Finanzkommission Gesundheit in 2026 mitnimmt. Zuerst gibt’s aber noch ein paar Neuigkeiten aus dem System: Wenn Patient:innen den Rettungsdienst alarmieren, müssen sie einen Eigenanteil zahlen, wenn sie einen Krankenwagen brauchen. Findet keiner cool, aber keiner will’s sonst zahlen. Jeder vierte junge Mensch fühlt sich psychisch belastet, das hat Quentin Gärtner auch schonmal betont. Die Pandemie hat bei vielen Kindern und Jugendlichen psychische Beeinträchtigungen hinterlassen, gleichzeitig finden sie jetzt keinen Therapieplatz. Therapeutische Wundprodukte fallen jetzt auch wieder aus der Erstattung. Auch beim Thema Impfempfehlungen herrscht die Bürokratie vor. Jede Schutzimpfungsrichtlinie muss erst durch den Gemeinsamen Bundesausschuss freigegeben werden und dann gibt es noch Verhandlungen auf Bundesebene. Die Impfung gegen Meningokokken B wird auch noch nicht von der GKV übernommen. Die Kassen haben derweil eine Digitalisierungsstrategie vorgelegt, diese wollen jetzt die Patient:innen steuern. Damit ist auch die Sicherstellung verbunden – dann gibt Laura ihre Kassenzulassung zurück. Es ist grotesk, dass der GKV-Spitzenverband sich als freundliche Versorgungshilfe inszeniert. Wenn wir langfristig die Kosten senken wollen im Gesundheitssystem, dann müssen wir auf Prävention setzen, doch die Politik unternimmt zu wenig. Ohne Mut zur Strukturreform wird’s nicht gehen. Sonst könnten Beiträge zur Krankenversicherung bald die Rente übersteigen. Kommen wir zurück zu den vorgestellten Maßnahmen des GKV-Spitzenverbands. Ein Irrsinn ist ein Fahr- und Notdienst gleichzeitig zu den Öffnungszeiten der Praxen. Auch Telemedizin soll 24h pro Tag erreichbar sein. Zunächst gab es eine Kommission Pflege, die Politik scheint zu hoffen, dass diese Kommissionen ihre Arbeit machen. Sogar die Kassen sind davon überzeugt. Die SPD will den Eigenanteil deckeln, die Union hält das nicht für finanzierbar, die CDU will eine private Zusatzversicherung, das hält die SPD für unsolidarisch. Warken hofft auf mehr Facharzttermine durch Ergebnisse der Expertenkommission, in der übrigens niemand aus der ambulanten Medizin drinsitzt. Jetzt ist auch mal aufgefallen, dass 13% der Termine im fachärztlichen Versorgungsbereich ohne Bezahlung stattfinden. Die Schuld wird sich mal wieder hin- und hergeschoben von den Parteien. Stabile Beitragssätze sind 2026 kaum zu halten laut GKV Spitzenverband. Der Vermittlungsausschuss hat aber keine Einigung erzielt. Auch der Pharmasektor bleibt ein Problem, wir geben mehr für Medikamente aus als für die gesamte ambulante, ärztliche Versorgung. Die Pharma-Industrie soll ihren Beitrag leisten, das will aber die SPD nicht – in Rheinland-Pfalz sind halt nächstes Jahr Wahlen. Es wird also heiß diskutiert, ob die Pharma-Branche mitwirken soll oder nicht. Die Krankenkassen wollen, dass Heil- und Hilfsmittel nur noch per Festbetrag erstattet werden sollen und die Verpflichtung zur hausarztzentrierten Versorgung beenden. Doch die sorgt für viel bessere Versorgung. Laura ist davon überzeugt, dass die Zukunft der Versorgung in einem Primärarztsystem liegt, dafür brauchen wir Physician Assistants und Primary Care Manager. Zum Schluss gibt es noch ein wichtiges Thema: Herr Streeck, eigentlich Drogenbeauftragter der Bundesregierung, hat sich zur Medizin am Lebensende geäußert. Das war das falsche Medium, ABER: Wir müssen uns darum kümmern. Es gibt keine Regelung über Medizin am Lebensende, gleichzeitig gibt es Menschen, die möchten ihr Leben vorzeitig beenden. Und wir werden als Solidargemeinschaft nicht mehr in der Lage sein, alle Behandlungen zu...

    49 min

About

5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel. Das Gesundheitssystem kollabiert und das hat Konsequenzen. Darüber spreche ich mit Menschen, um Ideen und Lösungswege zu entwickeln. Denn Politik hat leider in den letzten 20 Jahren bewiesen, dass sie es aus unterschiedlichen Gründen nicht kann. Wir starten einen Versuch. https://linktr.ee/LauraDalhaus

You Might Also Like