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Deutschlands Familienunternehmen: Sie sind unser Mittelstand. Erfahre, was die neue Generation an der Spitze von Familienunternehmen antreibt. Ist ihr Erbe mehr Last oder eher Chance? Wie erleben sie Disruption und Wandel? Was ist ihr Verständnis von Führung und ihre Vorstellung von gesellschaftlicher Verantwortung? In diesem Podcast entdeckst und erlebst du gemeinsam mit Fabian Kienbaum Deutschlands Familienunternehmen.

Pioniere wie wir - Der Kienbaum Podcast Kienbaum Consultants International

    • Wirtschaft
    • 4,7 • 22 Bewertungen

Deutschlands Familienunternehmen: Sie sind unser Mittelstand. Erfahre, was die neue Generation an der Spitze von Familienunternehmen antreibt. Ist ihr Erbe mehr Last oder eher Chance? Wie erleben sie Disruption und Wandel? Was ist ihr Verständnis von Führung und ihre Vorstellung von gesellschaftlicher Verantwortung? In diesem Podcast entdeckst und erlebst du gemeinsam mit Fabian Kienbaum Deutschlands Familienunternehmen.

    Thomas Fischer – Leadership in Filtration: Für eine lebenswerte Zukunft

    Thomas Fischer – Leadership in Filtration: Für eine lebenswerte Zukunft

    Thomas Fischer ist auf der ganzen Welt zuhause: Über 23-mal ist der Enkel des Mitgründers Adolf Mann des Filtrationsspezialisten MANN+HUMMEL schon in seinem Leben umgezogen. Seit 2002 bekleidet er als Vertreter der dritten Generation und Gesellschafterbevollmächtigter der Familie Mann das Amt des Aufsichtsratschef im weltweit agierenden Unternehmen mit über 22.000 Mitarbeitenden. Selbst operativ im Unternehmen mitgearbeitet hat er nie. Der Gesellschaftervertrag schließt dies aus. Thomas Fischer war es wichtig, vor seiner Tätigkeit als Aufsichtsrat auf eigenen Beinen zu stehen. „Es hat mich zufriedengestellt, aufgrund meiner gezeigten Leistung nach oben gekommen zu sein“, so Thomas Fischer. Das Unternehmen MANN+HUMMEL und die Trends der Filtrationsbranche kennt er dennoch in und auswendig. Im Gespräch mit Fabian Kienbaum erläutert er, was die Transformation von Verbrennungsmotoren zu alternativen Antrieben für Filtration bedeutet, wie Digitalisierung in Bezug auf Filtration aussieht und wie wichtig Unternehmenswerte für die Stimmung im Unternehmen sind. Außerdem erzählt er, wie der Gesellschaftervertrag zwischen den Familien Mann und Hummel aussieht und warum es ihn nicht lange in die Politik gezogen hat.

    MANN+HUMMEL ist insofern besonders, als dass das Unternehmen schon immer im Besitz zweier Gesellschafterfamilien ist. „50:50 kann schwierig sein, wenn die Familien nicht gut miteinander auskommen“, merkt Fischer an. Klare Kommunikation sei dabei das A und O. Und wenn es mal zu keinem Konsens kommen sollte, dann haben die Familien ein Ass im Ärmel: Im Notfall wird eine eigens dafür angefertigte Münze geworfen. Zu diesem Mittel greifen mussten die Familien noch nie. Operativ in der Organisation tätig ist keins der Familienmitglieder. Warum dies so ist, erklärt Fischer anhand des Beispiels seines Vaters, der als letztes Familienmitglied operativ agierte und an Multiple Sklerose erkrankt war. „Einer, der schwer krank ist, ist nicht so mutig und nicht so veränderungsbereit wie ein vollkommen gesunder Mensch.“ Heute als Gesellschaftsvertreter kann Thomas Fischer weiterhin nah genug sein und Einfluss nehmen. Auch wenn das für eine bestellte Geschäftsführung an der Spitze des Unternehmens herausfordernd sein kann. „Für eine Fremdgeschäftsführung kann es schwierig sein, Gesellschafter dabei zu haben.“ Auch hier sei klare Kommunikation wichtig. Vor allem zwischen unterschiedlichen Kulturen. Denn der MANN+HUMMEL CEO Kurk Wilks stammt aus den USA, Thomas Fischer kommuniziere jedoch schwäbisch: „‘Man könnte‘ oder ‚man sollte‘ heißt im Schwäbischen: ‚man muss - und das vorgestern‘“, scherzt er. „Ich habe gelernt, klarer zu kommunizieren“, erläutert der Aufsichtsratsvorsitzende die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung.

    Zur Person:
    Thomas Fischer arbeitete nach einer Banklehre und einem BWL-Studium in der Automobilindustrie im In- und Ausland. Seit 2002 ist er nicht mehr in Konzernen tätig, sondern bekleidet den Aufsichtsratsposten des Familienunternehmens und lebt mit seiner Familie im südwestfälischen Lüdenscheid. Als Enkel des Mitgründers Adolf Mann und Gesellschafterbevollmächtigter der Familie Mann und Vorsitzender im Aufsichtsrat kennt er das Unternehmen gut. Gemeinsam mit dem Gesellschafterbevollmächtigten der Familie Hummel bestimmt er die strategische Linie des Technologiekonzerns.

    • 45 Min.
    Thomas Schmidt – Enkelfähige Unternehmensführung: Umweltneutral statt Klimaneutral

    Thomas Schmidt – Enkelfähige Unternehmensführung: Umweltneutral statt Klimaneutral

    Die „Enkelfähig-Reise“ begann für Haniel 2019 mit Thomas Schmidt als CEO. Dabei geht es um nachhaltiges Wirtschaften, also erfolgreich zu sein durch Nachhaltigkeit für nachfolgende Generationen. Im Fokus steht nicht wie bei so manch einem Konzern der kurzfristige Profit, sondern eine langfristige und damit nachhaltige Aufstellung des Unternehmens. Wo ginge das besser als in einem Familienunternehmen: Für Thomas Schmidt muss das Thema Nachhaltigkeit vor allem aus dem Mittelstand kommen. Dafür haben wir in Deutschland einen Standortvorteil, denn der deutsche Mittelstand besteht zum Großteil aus Familienunternehmen. Allerdings beobachtet er oft fehlenden unternehmerischen Mut: „Ich sage, lieber schnell eine schlechte Entscheidung getroffen als langsam gar keine, denn wenn ich in der Lage bin, schnell Entscheidungen zu treffen, dann kann ich auch eine schlechte schnell korrigieren.“ Mit Fabian Kienbaum und Dr. Bibi Hahn spricht Thomas Schmidt über Vertrauen und Authentizität als Basis guter Führung, die Initiative „Urban Zero - Ruhrort wird enkelfähig“ und warum Vielfalt und Fairness für ihn wichtige Begleiter sind. Außerdem erklärt er, warum ihn sein Schulabbruch mit 16 Jahren in seinem Leben am meisten geprägt hat.

    Das Familienunternehmen Haniel entwickelte sich in seinen 267 Jahren über Generationen hinweg stetig weiter. Jetzt, als Vorreiter der Enkelfähigkeit, fördert es nachhaltiges Wirtschaften. Thomas Schmidt ist der Meinung, Nachhaltigkeit ist der Megatrend, der jungen Unternehmen eine Chance bietet, sich auf dem Markt zu beweisen und in die Zukunft zu blicken. „Wir wollen, dass das enkelfähige Unternehmertum im 21. Jahrhundert zum Neuen Normal wird“, so der CEO. Dabei hilft nicht zuletzt der Begriff „Enkelfähig“ als solches: „Während der Begriff der Nachhaltigkeit häufig mit Verzicht verbunden und damit auch negativ konnotiert ist, steht das Wort Enkelfähig für etwas, das wir dürfen“, sagt Thomas Schmidt. Und das steckt an: So ist Enkelfähig bei Haniel in jedem Bereich zu spüren, von der IT bis zur Kantine.

    Zur Person
    Thomas Schmidt ist seit 2017 Teil der Geschäftsführung und seit 2019 CEO bei Haniel. Nach einem Studium der Kunststofftechnik an der FH Würzburg-Schweinfurt arbeitete der gebürtige Franke 10 Jahre lang bei General Electric und rund 8 Jahre bei TE Connectivity. Später entschied er sich dann für das Familienunternehmen aus Duisburg, bei dem Nachhaltigkeit und die Transformation hin zu enkelfähigem Wirtschaften für ihn im Vordergrund stehen.

    • 36 Min.
    Martin-Devid Herrenknecht – Weltmarktführer auf und unter der Erde

    Martin-Devid Herrenknecht – Weltmarktführer auf und unter der Erde

    Technisch versiert und ein wahrer Connaisseur seiner Tunnelvortriebsmaschinen: Beim Werksrundgang in Schwanau-Allmannsweier in der Nähe von Lahr, unweit der französischen Grenze, merkt man Martin-Devid Herrenknecht die Begeisterung und Hingabe für das eigene Produkt an. Seit 2014 arbeitet der Sohn des Unternehmensgründers Martin Herrenknecht im Unternehmen, leitet seit 2019 das Geschäftsfeld Mining als General Manager und ist seit August 2022 Mitglied des Vorstands. Seinen Werdegang im Unternehmen beschreibt er als evolutionären Pfad. Schon in jungen Jahren ist er in der Produktionsstätte oder mit an Einsatzorten wie China gewesen und hat so früh die Nähe zu den Mitarbeitenden aufbauen und sich im Unternehmen als Troubleshooter positionieren können. Im Gespräch mit Fabian Kienbaum spricht er darüber, wie die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Ländern und der Öffentlichkeit oder mit seinem Vater verläuft, wie sich die Konkurrenz in der Branche schlägt und welches Potenzial die Geothermie birgt.

    Das wohl bekannteste Beispiel Herrenknechts in Europa ist das Jahrhundert-Bauwerk Gotthard-Basistunnel, dem längsten Eisenbahntunnel der Welt. 2011 war der Hauptdurchschlag, 2016 wurde er dann in Betrieb genommen. Einer von vielen Meilensteinen in der Champions League des Tunnelbaus für das Familienunternehmen aus Baden. Gegen weltweite Krisentrends und Pandemien behauptet sich Herrenknecht mit sehr guten Verkaufszahlen. Nicht nur in Deutschland, sondern international. 97% der Maschinen werden für den Export produziert, vor allem um Infrastrukturprojekte wie Abwasserkanäle, Eisenbahnlinien, Wasserkraftprojekte oder Metrolinien umzusetzen. So setzte der Weltmarktführer immer wieder neue Durchmesser-Weltrekord mit 15,43 Metern in Shanghai und 17,63 Metern in Hongkong. Riesige und tonnenschwere Systeme sind dafür nötig, bei denen Faktoren wie die geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse sowie Topografie und Wasserdruck beachtet werden müssen. Dies benötigt Spezialisten. Um weiterhin an der Spitze der Branche zu bleiben, brauche es vor allem gute Mitarbeitende, so Martin-Devid: „Im Tunnelbau sind Leute mit Erfahrung und gut ausgebildete Menschen sehr, sehr wichtig, da sich schon immer viel dynamisch verändert.“ Von Elon Musk bekämen sie wohl keine Konkurrenz, aber chinesische Firmen seien heute gut im Geschäft. In der eigenen Akademie und mit Herrenknecht-Stipendien an Universitäten bilden sie Talente aus und gewinnen so kompetente Menschen für ihre Vorhaben. Eines dieser Vorhaben ist - für Martin-Devid Herrenknecht etwas, das mehr Anerkennung bekommen sollte - die innovative Technologie zur Erschließung der Tiefengeothermie. Denn die Geothermie biete unheimliches Potenzial als zukünftige Energiequelle.

    Zur Person:
    Martin-Devid Herrenknecht studierte Maschinenbau in München und sammelte danach Erfahrung in unterschiedlichen Unternehmen – Hydraulik-Unternehmen wie Bosch-Rexroth oder BMW mit dem Bau von Prototypen im Werk Null. Seit 2014 arbeitet der Sohn des Unternehmensgründers Martin Herrenknecht im Unternehmen, leitet seit 2019 das Geschäftsfeld Mining als General Manager und ist seit August 2022 Mitglied des Vorstands. Der Sohn einer Kolumbianerin leitete Projekte in China, Mexiko und Katar und führt die Digitalisierung im Bauwesen, im Speziellen im Tunnelbau, im Unternehmen mit voran.

    • 32 Min.
    Michael Mack – Von Achterbahn bis Animation: Digitalisierung als Treiber einer Branche

    Michael Mack – Von Achterbahn bis Animation: Digitalisierung als Treiber einer Branche

    Eine Mischung aus laissez-fair Mentalität der Franzosen gepaart mit deutschem Engineering: So beschreibt Michael Mack den Europa-Park in Rust, 3km von der französischen Grenze entfernt. Der geschäftsführende Gesellschafter ist mit seinem Vater, seinem Onkel und seinem Bruder Verantwortlicher für die Mack Unternehmensgruppe und dies schon in der 8. Generation. Er lebt die Nähe zu Frankreich. So hat er nicht nur trinational studiert und seine Begeisterung für Frankreich im Europa-Park verewigt, sondern wurde von Emmanuel Macron auch als Honorarkonsul auserwählt und baut auf diese Weise Brücken – etwas, das sonst für das Karriereende vorgesehen ist. „Demokratie lebt davon, dass sich junge Menschen für Verhältnisse einsetzen“, so Mack. Aber nicht nur in Frankreich erfreut sich der Europa-Park vieler Fans, er ist auch der beliebteste Freizeitpark der Schweizer. Nicht zuletzt wegen diverser neuer Attraktionen aus Michael Macks Feder, die Achterbahnen in das 21. Jahrhundert heben und mit neuer Technologie verknüpfen. In dieser Folge „Pioniere wie wir“ spricht er mit Fabian Kienbaum über die Digitalisierung der Branche inklusive Animationen und VR-Brillen, die Resilienz von Familien geführten Unternehmen, den Fachkräftemangel und die Innovationskraft im Generationenwechsel. Außerdem erklärt er, warum Nachhaltigkeit schon immer Teil der DNA Macks war.
    Zuerst bestaunt, jetzt ein Segen: Der Standort Rust, „in the middle of nowhere“, hat sich laut Michael Mack als wahres Glück gezeigt. Allein wegen der Urlaubsstruktur der Schweiz, Frankreichs und Deutschlands. Aber Corona zeigte auf, dass auch das Freizeitparkmodell standortunabhängiger werden muss. So investierte die Familie in die Digitalisierung und entwickelte eine eigene Streaming-Plattform oder das Studio 78, wo auch wir diese Folge aufnahmen, um das Unternehmen breiter aufzustellen. Von hier aus werden Radioshows und Podcasts aufgenommen, die das Freizeitparkerlebnis digital zuvor und im Nachgang erweitern. Nichtsdestotrotz ist die Nähe zu Rust Michael Mack sehr wichtig und so lebt er mit seiner Familie direkt vor Ort. „Wenn man erfolgreicher Unternehmer ist, dann muss man auch bei dem Kunden sein.“ So bekomme man mit, was die Wünsche sind und wohin der Trend geht. Ein Erfolgskonzept: In diesem Jahr wurde der Europa-Park zum 8. Mal zum besten Freizeitpark der Welt gekürt. Etwas, das zwar anspornt, aber auf dem sich Michael Mack nicht ausruht. Die Familie Mack bemühe sich Tag für Tag, die Qualität aufs Neue aufzurufen und immer wieder zu hinterfragen, ob das für die Zukunft so richtig ist. „Unsere Motivationsquelle ist nicht, der beste Park der Welt zu sein. Unsere Motivationsquelle ist es, nachhaltig mit dieser Umwelt zusammen zu leben. Das ist wie ein zweites Wohnzimmer für uns und wir wollen uns auch so verhalten.“

    Zur Person:
    Michael Mack wächst als Sohn des Europa-Park Gründers Roland Mack und seiner Frau Marianne in Rust auf. Er absolviert den trinationalen Studiengang International Business Management in Basel, Lörrach und Colmar, den er als Diplom-Betriebswirt abschließt. Während des Studiums sammelt er Erfahrung bei Hubert Burda Media und im Ausland in internationalen Freizeitparks. 2002 gründet Michael Mack das Unternehmen MackMedia und ist seit Mai 2016 geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Park. Heute verantwortet er hauptsächlich die Bereiche Research & Development, Marketing, Sales & Digital und IT sowie die Tochterfirmen MackNeXT, Mack Animation, VR Coaster und MACK Rides. Aufgrund seiner zahlreichen Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft wird Michael Mack 2018 zum französischen Honorarkonsul ernannt. Im Februar 2016 zeichnet das Wirtschaftsmagazin „Capital“ Michael Mack im Rahmen des Rankings „Junge Elite – die Top 40 Unternehmer unter 40 Jahren“ aus.

    • 37 Min.
    Christian Berner – Führung ist „dort hinzugehen, wo keiner hin geht“

    Christian Berner – Führung ist „dort hinzugehen, wo keiner hin geht“

    28 Jahre. So alt war Christian Berner, als er 2012 die Führung des Unternehmens übernahm, das sein Vater Albert 1957 gegründet hatte. Und er stellte die Berner Group in den folgenden Jahren einmal komplett auf den Kopf: vom Definieren von Unternehmenswerten, dem Mammutprojekt der Einführung von SAP, welches er als „Darmspiegelung mit Sprudelwasser“ bezeichnet, dem Neuaufsetzen des Warenwirtschaftssystems und der Standardisierung von Prozessen. Das hat sich bewährt und für Krisen wie Corona gestärkt. „Corona war für Berner der härteste Proof of Concepts“, so Berner. Die Unternehmensgruppe, die im Direktvertrieb mit Verbrauchsmaterialien, Werkzeugen und Werkstattausstattung handelt, hatte vieles richtig gemacht, konnte so die Kurzarbeit frühzeitig beenden und ist nun das zweitschnellst wachsende Unternehmen der Branche. „Corona hätte uns umbringen können, hat uns aber härter gemacht. Auch persönlich.“ Im Podcast mit Fabian Kienbaum spricht er über die Wichtigkeit von einer starken Unternehmenskultur, der Digitalisierung des eigenen Unternehmens, der dreischichtigen Entscheidungsmatrix der Unternehmensgruppe und warum der neue Standort Köln für das Unternehmen so wichtig war. Außerdem findet er klare Worte für die deutsche Politik und mögliche Folgen einer Deindustrialisierung des Landes.
    Das Ziel bei Christian Berners Einstieg ins Unternehmen: „Jeder Prozess muss digitalisiert werden“. So startete er mit einem ehrgeizigen Team die Digitalisierung der Gruppe. Keine leichte Aufgabe bei der heterogenen Welt mit 25 Ländern und 25 Systemen. Sein Fazit: Das war „ein mehrfaches Lernen“. Aber es machte das Familienunternehmen performant. Für Berner ist das Familienunternehmen ein Organisationsmodell, das für die deutsche Wirtschaft extrem wichtig ist. „Es ist das Beste, was wir haben. Wenn du kompetente Leute darin hast, dann funktioniert es“, so der CEO. „Die Menschen sind das, was das Unternehmen antreibt.“ Dabei sei der Leadership-Anteil eines Familienunternehmers immer sehr hoch, „Dort hingehen, wo keiner hingeht.“ Das bedeutet bei Berner vor allem das Vorleben von Unternehmenswerten, die heute immer wichtiger werden. Als Zwischenfazit sagt er: „Wenn ich morgen umkippe und nicht mehr da bin, hast du noch diesen Teamgeist. Unsere Werte „be hungry“ und „be brave“ werden von allen gelebt. Dass eine Organisation das lebt, was du anvisierst und was du denkst, das notwendig sei, das ist das Geilste überhaupt.“ Er bezieht aber auch klare Stellung zu den politischen Rahmenbedingungen: Die Politik treibe die Deindustrialisierung Deutschlands voran. Er bedauere vor allem den fehlenden Dialog über Handlungsmöglichkeiten in der Klimakrise wie beispielsweise die weitere Ausarbeitung von Wasserstoff als Treibstoff oder Energieträger als Alternative zu fossilen Energien und die fehlende Innovationsförderung. Dies führe vor allem zum Exodus von immer mehr Familienunternehmen und sei kritisch für den deutschen Mittelstand.

    Zur Person:
    Christian Berner studierte BWL in Würzburg, bekam ein Jobangebot aus Asien und arbeitete an seiner Promotion. Diese brach er ab, um 2012 nach dem Rückzug seines Vaters als einer der jüngsten CEOs die Geschäftsführung der gleichnamigen Familienunternehmensgruppe in Künzelsau zu übernehmen. Nach der Umstrukturierung des Unternehmens verlegte er den neuen Unternehmenssitz nach Köln. Christian versteht seine Position als Manager als die eines Umsetzers.

    • 46 Min.
    Christoph Werner – Kundenorientierung als treibendes Unternehmensziel

    Christoph Werner – Kundenorientierung als treibendes Unternehmensziel

    In dieser Folge „Pioniere wie wir“ spricht Christoph Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Drogeriemarktkette dm, mit Fabian Kienbaum über ein auf Dialog basierendes Führungsverständnis, den Wirtschaftsstandort Deutschland und was es mit dem Organisationsmodell der Kugel auf sich hat. Außerdem thematisiert er die Wichtigkeit von Kundenorientierung und wie die Ausrichtung auf den Kunden dm während der Coronapandemie einen Erfolgscase verschaffte.
    „Letzten Endes macht die Konsequenz der Kundenorientierung ein Unternehmen langfristig erfolgreich“, so Christoph Werner. „Wir als Team hier im Dialogicum wollen unser Team in den Märkten dazu befähigen, sich maximal auf den Kunden zu konzentrieren - daher versuchen wir bestmögliche Hilfeleistungen zu stellen“, sagt der älteste Sohn des Unternehmensgründers Götz Werner über die Unternehmenskultur und Führung aus dem Headquarter heraus, das den Namen Dialogicum trägt. Die Gebäudehülle, die sich netzwerkartig über eine weite Fläche erstreckt, reflektiert die dialogische Unternehmenskultur, die auf sinnbasierter Zusammenarbeit und Kommunikation fußt. Dabei wird jede:r Mitarbeitende von den Fragen „was erwartet mein Kunde?“, „welchen Beitrag möchte ich leisten?“ und „welche Voraussetzung brauche ich, damit ich meinen Beitrag leisten kann?“ geleitet.
    Das 1973 gegründete Unternehmen, das 42.663 Menschen beschäftigt, versteht die eigene Struktur nicht wie andere Unternehmen als pyramidales Organigramm. „So kann der Eindruck entstehen, oben wird gedacht und unten wird gemacht. Das hat eine Konsequenz darauf, wie Zusammenarbeit dann auch geschieht und wie der oder die Einzelne sich in einer Arbeitsgemeinschaft auch ermächtigt oder auch machtlos fühlt“, so Christoph Werner. So ist dm vielmehr als Kugel aufgebaut, in der alle gemeinsam daran arbeiten, Kundenbedürfnissen bestmöglich gerecht zu werden. Dabei ist eine gesunde Fehlerkultur wichtig: „Wenn einem ein Fehler unterläuft, muss man direkt Transparenz herstellen. Gemeinsam bekommt man das dann geregelt. Manchmal unterlaufen einem Fehler und es gilt darum, aus diesen Fehlern zu lernen.“

    Zur Person:
    Christoph Werner ist seit 2019 CEO der Drogeriemarktkette dm. 2011 übernahm er als Geschäftsführer die Verantwortung für das Ressort Marketing und Beschaffung. Zuvor hatte er 15 Jahre lang Erfahrung in der Markenartikelindustrie in den USA und in Frankreich als Produktmanager bei L’Oréal und als Geschäftsführer bei GlaxoSmithKline erworben. Er ist ältester Sohn des Unternehmensgründers Götz Werner, verheiratet und Vater eines Sohnes und einer Tochter. Die kundenorientierte Ausrichtung des Unternehmens sieht er als größten Erfolgsfaktor und lebt dialogische Führung.

    • 41 Min.

Kundenrezensionen

4,7 von 5
22 Bewertungen

22 Bewertungen

Werner v Siemens ,

FamBiz Guru

Wird von Folge zu Folge besser. Danke für die intimen Einblicke in unsere wirtschaftlichen Kraftzentren

fjcggjhgx ,

Hmm

Leider Folge für Folge abgebaut

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