Vieles an der Folge ist interessant und wichtig – besonders der Blick darauf, wie Autisten die Welt erleben. Aber eine Perspektive fehlt: die der Menschen, die mit Autisten zusammenleben.
Ich bin mit einem Autisten verheiratet. Wir verstehen uns gut, und ich habe keinen Zweifel daran, dass er der richtige Partner für mich ist. Aber im Alltag fühle ich mich oft allein mit der Verantwortung. Ich nehme ständig Rücksicht: auf Reizüberflutung, auf Routinen, auf Kommunikationsschwierigkeiten. Wenn Fürsorglichkeit fehlt – „er kann nichts dafür“. Wenn Manieren fehlen – „er kann nichts dafür“. Wenn im Haushalt nichts passiert, der Müll stehen bleibt oder beim Essen immer eine Extrawurst nötig ist – „er kann nichts dafür“.
Ich arbeite viel, verdiene mehr als er, während er ausschlafen kann und sich im Homeoffice seine Zeit frei einteilen kann. Trotzdem übernehme ich fast immer Organisation, Kommunikation und alle praktischen Dinge. Und irgendwann fragt man sich: Wo bleibe eigentlich ich?
Ich weiß, dass Autismus kein „böses Verhalten“ ist und dass viele Dinge wirklich schwerfallen. Aber mich macht diese ständige Rücksichtnahme traurig und wütend, manchmal fühle ich mich ausgenutzt.
Eine Selbsthilfegruppe kann ich mir schlecht vorstellen, Autisten mögen keine Austausch über Probleme. Sie sehen sich selbst. Redet doch mal darüber, wie Beziehungen für beide Seiten funktionieren können!
Verständnis sollte in beide Richtungen gehen.