10 Folgen

Ein Podcast von Frauen über Frauen, die für das Land leben und lustvoll ihre Perspektiven erweitern. Übers Land, Thesen, Krisen, Lebensmodelle bis hin zu Zukunftsvisionen und Strategien.

Mutige Frauen braucht das Land Elisabeth Leitner & Raffaela Lackner

    • Gesellschaft und Kultur
    • 5,0 • 6 Bewertungen

Ein Podcast von Frauen über Frauen, die für das Land leben und lustvoll ihre Perspektiven erweitern. Übers Land, Thesen, Krisen, Lebensmodelle bis hin zu Zukunftsvisionen und Strategien.

    010 – Isabel Stumfol: Über das Gehen und Bleiben am Land

    010 – Isabel Stumfol: Über das Gehen und Bleiben am Land

    Isabel Stumfol unterscheidet nicht zwischen Beruf und Privatleben. Sie ist mit Leib und Seele Raumplanerin. Ein Beruf der nichts mit dem Einrichten von Räumen sondern mit der Gestaltung unserer Lebensumwelt zu tun hat. In einem ersten Schritt verglich sie alle Curricula von möglichen Studienrichtungen in Wien. Dabei wurde ihr schnell klar, dass sie einerseits das Stadtleben als auch das Landleben vereinen möchte. Heute pendelt sie zwischen den Welten und genießt die Vor- und Nachteile beider Seiten und denen dazwischen.

    Ihren Heimatort Liezen benennt Tarek Leitner in seinem Buch, als den hässlichsten Ort Österreichs, da er durch Fachmarktzentren entlang der Bundesstraße verunstaltet ist. Dem pflichtet Isabel bei und ergänzt auch, dass sie mit den aktuellen Entwicklungen keineswegs zufrieden ist. Trotzdem ist Liezen – neben Bad Mitterndorf – ihre Heimat und sie befasst sich immer wieder damit. So auch in ihrer Diplomarbeit „Land ohne Töchter“, die sich mit weiblicher Landflucht befasst. Im Gespräch darüber erfahren wir was Ruhestandmigration ist und was sie unter dem Außenbeziehungsmanagement von Gemeinden versteht. Mit kleinen Gesten oder Netzwerken könnten Gemeinden den Kontakt zu ihren jungen Mitbürger*innen halten. Eine Rückkehr nach dem Studium in die alte Heimat könnte erleichtert werden. Isabel vertritt die These, dass junge Menschen nur durch persönliche Beziehungen am Land bleiben. Das Fortgehen erweitert den Horizont und diese Erfahrungen würden vielen Gemeinden helfen neue Ideen und positive Entwicklungen voranzutreiben.

    Einer der Hauptaspekte unseres Gesprächs war das Interesse am neu gegründeten Center Ländlicher Raum der Technischen Universität Wien. Isabel leitet dieses Center und will neben der Vernetzung bestehender Aktivitäten an der Fakultät für Architektur und Raumplanung du TU Wien, dass die Universität auch im ländlichen Raum präsenter und aktiver wird. Noch besser wäre die Vernetzung über den deutschsprachigen Raum hinaus!

    „Es hat noch nicht gefunkt“, antwortet Isabel auf die Frage an welchem Ort sie ihre Zelte aufschlagen würde. Sie ist noch auf der Suche und beschreibt ihren Wunschort als offenen Raum für Neues, er/sie muss nicht herausgeputzt sein, sondern authentisch sein. Wenn dann noch die Lebensqualität stimmt, dann würden auch sicher mehr Frauen am Land bleiben. Isabel arbeitet in vielen unterschiedlichen Projekten im ländlichen Raum und dieser ist nirgends gleich. Die Themen im Süden Münchens sind mit dem Lesachtal nicht vergleichbar, aber sie ist der Meinung, dass Mobilität überall eine Herausforderung ist.

    Bei der Arbeit mit Studierenden wendet sie gerne die Methode des Geschichten Erzählens an.
    Denn damit werden Problemfelder oder auch Chancen um den ländlichen Raum besser verstanden und erfasst. Die Uni selbst hat sie nie ganz losgelassen und so arbeitet sie gerade mit anderen Universitäten an einer Summerschool für den Lungau, hat sich mit den räumlichen Herausforderungen der Digitalisierung beschäftigt und erforscht wie man mit Leerstand umgehen kann. Sie ist eine Tausendsasserin und hat ein Jahr vor Corona dem Verein „Korona Mai“ gegründet um sich interdisziplinär mit der gebauten Umwelt zu befassen.
    Ihr Lachen ist ansteckend und sie geht gerne auf Menschen zu – deshalb ist sie sich noch nicht sicher ob ein Klappelektrorad das richtige für sie wäre. Sie ist sich aber sicher, dass Freundlichkeit der Schlüssel zum Erfolg ist, und den wünschen wir dir mit deinem neuen Center Ländlicher Raum!

    • 49 Min.
    009 – Marion Rothschopf-Herzog: Zwei Herzen die im Einklang schlagen

    009 – Marion Rothschopf-Herzog: Zwei Herzen die im Einklang schlagen

    Marion Rothschopf-Herzogs Biografie beginnt im Mölltal wo sie auch heute wieder lebt. In ihrer Freizeit liebt sie es zu jäten und ihren Garten zu gestalten, dafür lässt sie auch tonnenschwere Steine wandern. Ihr Lebenslauf ist mit zwei Hauptmotiven – der Musik und dem Tourismus – komponiert. Sie besuchte das Musikgymnasium in Lienz und hatte einen besonderen Musiklehrer, der sie stark geprägt hat. Die Klarinette begleitet sie bis heute, obwohl das Instrument nicht ihre Liebe auf den ersten Blick war, sondern aus der Notwendigkeit heraus entsprang welches Instrument in der örtlichen Blasmusikkapelle benötigt wurde.
    Nach der Matura zog es sie als Au-pair nach Oxford und London. Dort musste sie erstmals auf eigenen Beinen stehen und entdeckte die Leidenschaft zu Reisen. Ursprünglich wollte Marion in London bleiben, doch ihr Weg führte zurück nach Österreich in die Tourismusschule Klessheim bei Salzburg. Während der Studienzeit führte sie ein Praktikum nach Italien an den Gardasee. Als Fremdenführerin hatte sie die wundervolle Aufgabe, Gäste in die Oper nach Verona zu begleiten.
    Es folgten Jahre der Wanderschaft in denen Marion viele Erfahrungen sammelte, bis die Geburt ihrer Tochter dazu führte, dass sie sesshaft wurde. Bei Rogner International fand sie einen familienfreundlichen Job mit spannenden und abwechslungsreichen Aufgaben, der ihr Spaß machte. Eigentlich gab es keinen Grund nach etwas Neuem Ausschau zu halten, bis sie 2007 auf die Ausschreibung für die Geschäftsführung der CMA – Carinthische Musik Akademie - aufmerksam wurde und diese ihr Interesse weckte. Mehrere Hearingrunden später begann Marion ihre Arbeit in einer Baustelle. Über 10 Jahre später empfang sie uns zum Interview. Mit ihrer Vision entwickelte sie das Stift Ossiach und die CMA zu einem Vorzeigebetrieb weit über die Grenzen Kärntens hinaus. Der Ort ist Treffpunkt und Plattform zugleich und verbindet alle möglichen Musiksparten miteinander.
    Als Frau in der ersten Reihe, darf Marion Gestalten und ermutigt im Gespräch, seinem Bauchgefühl zu folgen, sich ständig Weiterzubilden und ins Tun zu kommen und nicht nur davon zu träumen. Besonders Frauen brauchen Durchhaltevermögen, Mut und Klarheit um zum Erfolg zu kommen. Passend auch nach ihrem Lebensmotto: Immer vorwärts, nie zurück!

    • 57 Min.
    008 – Michele Nunn: Kooperation statt Konkurrenz

    008 – Michele Nunn: Kooperation statt Konkurrenz

    Michele Nunn ist schon mehrmals einen anderen Weg gegangen. Sichtbar wird das in ihrem Lebenslauf und spätestens beim Blick auf ihr „individuelles Studium“ der Umweltsystemwissenschaften mit Schwerpunkt Geografie und Raumforschung. Sie stammt aus Leoben, wuchs in Graz auf und hat dort auch studiert. Im Studentenviertel lernte sie ihren heutigen Ehemann Jason kennen. Der Australier ist gelernter Flugzeugtechniker und war eigentlich nur auf der Durchreise im schönen Alpenland. Seine Weltreise finanzierte er sich mit Gelegenheitsjobs und um sein Reisebudget aufzuladen, jobbte er in einer Bar in Graz. Am letzten Tag vor seiner Abreise traf er Michele und ist sofort dageblieben. „Das ist die unromantische Wahrheit“ lacht Michele mit uns im Gespräch.

    Der eigentliche Plan der beiden war, gemeinsam nach Australien zu gehen. Das Studium dauerte länger als gedacht, die Deutschkenntnisse von Jason wurden besser, das Leben nahm seinen Lauf und so blieben sie erst mal in Graz. Es folgten einige Jahre als eingefleischte mit viel Arbeit, Ausgehen mit Freunden, Essen gehen und Geld verdienen. Bis der Wunsch nach Veränderung und die Sehnsucht ins Grüne zu ziehen immer größer wurde. Die Familiengründung beschleunigte diesen Schritt und führte die beiden zuerst nach Weinitzen und dann weiter nach St. Radegund am Fuße des Schöckels. Nachdem fast alle Australier bei der Feuerwehr sind, hatten die beiden keine Anschluss-Schwierigkeiten in Dorfleben. Selbst ihre drei Kinder und Micheles Eltern haben sich wunderbar integriert und gemeinsam beleben sie eine alte Buschenschank mit großem Gemüsegarten.

    Der Umzug aufs Land, die Kinder und auch die konträre Arbeit mit wachsenden Lebensmitteln stellte sie vor die Entscheidung:“ Ganz oder gar nicht, was halbes wollten wir nicht“ begründet Michele ihre Entscheidung, ihre beiden „sicheren“ Jobs zu kündigen und komplett neu zu starten. Doch zu Beginn, stellte sich die Frage nach dem „womit neu starten“. Gemeinsam wurde recherchiert, überlegt und viel besichtigt. Besonders im Weinviertel wurden die beiden fündig und kamen mit vielen neuen Ideen und Inspirationen zurück. Michele und Jason hatte immer schon Freude mit ihrem Gemüsegarten und als ihr Nachbar ihnen ein Feld zur Pacht anbot, fiel die Entscheidung wie von alleine. Ein paar Monate später standen sie mit ein paar Karotten, einem Krautkopf und einigen Kartoffeln in der Nachbargemeinde am Bauernmarkt. Heute betreiben sie „Gundis Dorfladen“ und kooperieren mit vielen Kleinstbauern und regionalen Betrieben aus der Region.

    Die beiden Anpacker bezeichnen sich nicht als Bauern sondern als Gemüsegärtner. Sie haben sich alles selbst beigebracht und Michele denkt, dass es manchmal das Beste ist, nicht zuviel zu wissen und quer einzusteigen. Sie produzieren ihre Lebensmittel biologisch – zwar ohne Bio-Zertifikat, aber jeder der sich von der Qualität überzeugen möchte ist auf ihrer „Farm“ herzlich willkommen. Dort steht die Türe gerne für jedermann*frau offen, dass dafür nicht immer alles in Reih und Glied stehen muss, hat sich Michele von Jasons australischer Lebensart abgeschaut.

    Wie das Zusammenleben mit den eigenen Eltern klappen kann, wovon die beiden noch Träumen und was wir alles gelernt haben in der Vielfaltsgärtnerei „Colourful Greens“ könnt ihr euch in dieser Folge anhören.

    • 57 Min.
    007 - Veronika Mitteregger: Kompromisslos ohne Prozente

    007 - Veronika Mitteregger: Kompromisslos ohne Prozente

    Veronika Mitteregger ist eine jener Frauen die es vom Land in die Stadt gezogen hat. Das Moped war ihr erster Weg raus aus Ratsch in der Südsteiermark, dem Ort in dem sie aufgewachsen ist. Ihre Familie hat ein Weingut, in dem sie schon als Jugendliche mitgeholfen hat und das von ihren Brüdern weitergeführt wird.

    Über einen kurzen Abstecher in Salzburg ist Veronika nach Wien wo sie Publizistik und Kommunikationswissenschaften (Mag. phil.), Kunstgeschichte sowie BWL studiert hat. Sie ist außerdem Absolventin des Zertifikatskurses „Kunst- und Kulturvermittlung“ und seit 1999 in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Nach mehreren Stationen im Journalismus sowie in PR- bzw. Werbeagenturen, ist sie 2007 in der Wiener Agentur die jungs kommunikation angekommen.
    Hier kommuniziert sie Ideen, Positionen, Projekte und Dienstleistungen aus der Wirtschaft, den Creative Industries, der Wissenschaft und insbesondere aus der Kunst und Kultur.

    Ein Zufall hat sie früher als gedacht wieder zurück in ihre alte Heimat gebracht. Sie hat mit ihrem Mann letztes Jahr ein Haus gekauft und hatte vor dieses langsam als Ferienwohnsitz herzurichten. Zehn Tage später kam der erste Lockdown den sie dann mit ihrer Familie in dem ehemaligen Haus ihres Großvaters verbracht hat. Ebenso wie alle weiteren Lockdowns, manche Wochenenden und die Sommermonate. Sie genießen den Freiraum, erleben den Jahreszyklus der Natur und lernen den Obstgarten zu pflegen und Rosenstöcke zu schneiden. Veronika berichtet über die Vorteile des Landlebens, aber auch was sie an der Stadt schätzt und weshalb sie sich langfristig auch in ihrem ländlichen Lebensumfeld einen Coworking Space wünscht.

    Seit 2019 engagiert sich Veronika ehrenamtlich im Vorstand von LandLuft, einem Verein zur Förderung von Baukultur in ländlichen Räumen, für den sie schon seit zehn Jahren beruflich arbeitet. Zeitgleich hat sie – gemeinsam mit ihren Brüdern – einen sortenreinen Traubensaft namens „Flein“ auf den Markt gebracht. Entstanden ist die Idee dazu in ihrer zweiten Schwangerschaft. Die Trauben werden sanft wie Champagner gepresst und der Saft dank neuester Technologie schonend pasteurisiert. Dadurch entfaltet Flein ein besonders sortentypisches Geschmackserlebnis, das sonst nur Weinbauern vorbehalten ist. Flein entspricht dem Zeitgeist, dass qualitätsvolle, alkoholfreie Getränke an Bedeutung gewinnen und wird nicht nur von der Spitzengastronomie gelobt. Auch Veronikas Vater, der mit seiner langjährigen Wein-Expertise skeptisch war, ist mittlerweile ein Fan. Will man beste Qualität erreichen, muss man kompromisslos sein, meint Veronika, weshalb sie mit ihren Brüdern und ihren Kooperationspartnern die Qualitätskriterien in der Flein Charta festgehalten hat.

    • 1 Std.
    006 – Manuela Reichert: Frauen müssen gar nichts.

    006 – Manuela Reichert: Frauen müssen gar nichts.

    Die gebürtige Salzburgerin Manuela Reichert ist schon als Kind zwischen Stadt und Land gependelt und kennt beide Welten. Sie war schon immer musik- bzw. kulturinteressiert und wusste bereits sehr früh, dass sie im Kulturbereich arbeiten möchte. Nach einem Aufenthalt in Neapel ging sie nach Linz um Betriebswirtschaft und Kulturmanagement zu studieren.

    Manuela Reichert singt seit ihrer Schulzeit und ist heute mit ihrer Band “Frau Dr. Manuela Bluesberatung” auf der Bühne zu erleben. Der Name der Band hat mit ihrem nicht abgeschlossenen Doktoratsstudium zu tun, welches sich neben Vollzeit-Job, Familie, Kind und anderen Verpflichtungen nicht mehr ausgegangen ist. Ihre Bandkollegen haben ihr den Doktortitel trotzdem verliehen. Sie meint, dass es um Musikerin zu sein, etwas Kompromissloses braucht und weiß sich deshalb im Kulturmanagement richtig aufgehoben. Ihre regelmäßige Bühnenerfahrung erachtet sie als wertvoll und wichtig für ihr Aufgabenfeld als kaufmännische Geschäftsführerin, da sie dadurch weiß, wie es „auf der anderen Seite” ist und ihr einen Wissensvorsprung verschafft.

    Direkt nach dem Studium begann Reichert als Geschäftsführerin der Kulturpark Traun GmbH und leitete diese 18 Jahre lang. Mit einem 3-jährigem Kind direkt nach dem Studium in die Geschäftsführung einzusteigen hat sie geprägt. Es galt schnell zu lernen und mutig zu Entscheidungen zu stehen. Anders wäre der Weg vom kleinen regionalen Kulturbetrieb zu einer österreichweiten Größe vor den Toren der Landeshauptstadt Linz nicht möglich gewesen.

    Als Geschäftsführerin entwickelte sie die Spinnerei in der alten Weberei zu einer beliebten Location für Rock, Blues, Kabarett und Weltmusik. Das historische Schloss Traun wurde unter ihrer Leitung zu einem Kultur-, Feste- und Seminarzentrum und einer Begegnungsstätte für Klassikkonzerte, Theater und Kinderkultur. Im Mai 2017 eröffnete die neue Spinnerei, welche unter ihrer Federführung geplant und gebaut wurde. Von 2018 bis 2020 war sie kaufmännische Geschäftsführerin der Philharmonie Salzburg und der Kinderfestspiele an der Seite von Chefdirigentin und künstlerischen Leiterin Elisabeth Fuchs. Anfang November 2020 übernahm Manuela Reichert die kaufmännische Geschäftsführung für die Kulturhauptstadt Bad Ischl - Salzkammergut 2024 GmbH. Damit verantwortet sie gemeinsam mit dem künstlerischen Leiter Stephan Rabl die europäische Kulturhauptstadt 2024 Bad Ischl – Salzkammergut. Während der Woche lebt sie in Bad Ischl und am Wochenende in der Nähe von Linz.

    Im Gespräch verrät uns Manuela Reichert, dass sie sich wünschen würde, dass berufstätige Frauen mit Familienwunsch nicht mehr in die Teilzeitfalle tappen, sondern verstärkt Führungspositionen einnehmen. Wie so ein Modell funktionieren könnte, beschreibt sie anhand eines spannenden Kinderbetreuungskonzepts aus Schweden. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen ist sie überzeugt, dass Netzwerke in allen Lebensphasen – privat wie beruflich – essentiell und Grundvorraussetzung für eine ausgewogene Balance sind. Jede/r kann sich entscheiden entweder dem Fluss des Lebens zuzuschauen oder aber reinzuspringen und selbst zu schwimmen!

    • 59 Min.
    005 – Ulrike Böker: vom Krapfen hochhalten und Themen an der Wurzel anpacken

    005 – Ulrike Böker: vom Krapfen hochhalten und Themen an der Wurzel anpacken

    Der Ortskern der ältesten Marktgemeinde des Mühlviertels / OÖ spielt in dieser Folge eine zentrale Rolle. Ulrike Böker ist mitten am Marktplatz von Ottensheim aufgewachsen und hat immer schon gerne und neugierig dem Treiben dort zugeschaut. Sie ist Tochter eines Schneiders und hätte den elterlichen Betrieb übernehmen sollen. Aus Elternliebe hat sie zwar die Fachschule für Damen- und Herrenkleider gemacht, ist aber schon kurz danach ihrem eigentlichen Berufswunsch nachgegangen und Kindergartenpädagogin geworden.

    Sie gründete schon sehr früh eine Familie und war neben ihrer Rolle als Mutter von insgesamt vier Kindern immer gesellschaftspolitisch in Vereinen aktiv und berufstätig. Sie arbeitete im Architekturbüro „Projektgruppe 4100“ und war freie Mitarbeiterin im Offenen Kulturhaus in Linz. 1995 übernahm sie die Büroleitung für das „Festival der Regionen“ und wurde 2000 als Geschäftsführerin bestellt. Von 1997 bis 2002 war sie zeitgleich an der Kunstuniversität in Linz als Organisationsassistentin tätig.

    Schon immer stand Kultur im Mittelpunkt ihrer Interessen. Seit 1987 engagiert sie sich ehrenamtlich in der Kulturgruppe „arge granit ottensheim“. Von 1996 bis 2001 war sie Vorstandsmitglied der Kulturplattform OÖ, KUPF in Linz und ein Jahr Obfrau dieser wichtigen Plattform für die Freie Szene. In dieser Zeit ist sie auch politisch sozialisiert worden.

    1997 startete sie als Gründungsmitglied der Liste „pro O.“ ihre politische Karriere. Von 1998 bis 2003 war sie Gemeinderätin und von 2003 bis 2015 Bürgermeisterin der Marktgemeinde Ottensheim. In diesem Zeitraum konnte sie viele Projekte umsetzen. Ihr Herzensprojekt ist die Verwandlung von einem hässlichen Entlein in einen weißen Schwan: das Gemeindeamt der Marktgemeinde. Ihr baukulturelles Engagement hat dazu geführt, dass Ottensheim 2012 den Baukulturgemeindepreis des Vereins LandLuft erhalten hat, in dessen Vorstand sie sich heute engagiert.

    Seit Oktober 2015 ist sie Abgeordnete zum OÖ. Landtag, setzt sich dort für eine zukunftsfähige Bodenpolitik ein und wünscht sich, dass wir dieses Thema endlich bei der Wurzel anpacken.

    Sie erzählt in unserem Gespräch aber auch ganz viel Privates: vom schlechten Gewissen einer arbeitenden Mutter und Oma; von einer Flüchtlingsfamilie die sie aufgenommen hat und sich dadurch gegenseitig eine große Hilfe waren; von einem tränenreichen Umzug in ein Mehrgenerationenhaus, welches sie heute über alles liebt; vom Singen auf der Straße, dem Schwimmen in die Arbeit und wie sehr ihr Menschen und ein geselliger Abend im Wirtshaus fehlen; Freut euch auf eine faszinierende Frau mit starker Haltung und mitreißenden Geschichten.

    • 1 Std. 5 Min.

Kundenrezensionen

5,0 von 5
6 Bewertungen

6 Bewertungen

Top‑Podcasts in Gesellschaft und Kultur