43 Folgen

Ein Podcast von Frauen über Frauen, die für das Land leben und lustvoll ihre Perspektiven erweitern. Übers Land, Thesen, Krisen, Lebensmodelle bis hin zu Zukunftsvisionen und Strategien.

Mutige Frauen braucht das Land Elisabeth Leitner & Raffaela Lackner

    • Gesellschaft und Kultur
    • 5,0 • 9 Bewertungen

Ein Podcast von Frauen über Frauen, die für das Land leben und lustvoll ihre Perspektiven erweitern. Übers Land, Thesen, Krisen, Lebensmodelle bis hin zu Zukunftsvisionen und Strategien.

    043 – Sandra Sabitzer: Gleichberechtigt auf Augenhöhe

    043 – Sandra Sabitzer: Gleichberechtigt auf Augenhöhe

    Sandra ist in Frantschach im Lavanttal in einer bodenständigen Familie als Einzelkind aufgewachsen und wollte aber immer schon weg und die Welt kennenlernen. Deshalb machte sie während ihrer Schulzeit ein Praktikum in Tirol und danach ging sie als Au pair nach Holland. Nach ihrer Rückkehr begann sie ihr Studium für Gesundheits- und Pflegemanagement an der FH Kärnten in Feldkirchen und nützte auch hier die Chance ein Auslandssemster zu absolvieren. Ihre Diplomarbeit befasste sich mit Risikomanagement für Krankenhäuser, heute lacht sie über diesen Fokus, weil sie in einem anderen Bereich gelandet ist. Im Gespräch stellen wir gemeinsam fest, dass es eigentlich gar nicht so wichtig ist, was man studiert, das Leben, unsere Interessen und Stärken bringen uns schon auf den richtigen Weg.
    Sandra hat auf ihrem Weg sehr viel mit Frauen zusammengearbeitet und dies sehr geschätzt. Sie wurde immer unterstützt und diese Frauen haben auch sehr ehrlich darauf hingewiesen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Praxis ganz anders ausschaut als wir uns das wünschen.
    Nach einigen Praktika hat es sie der Liebe wegen zurück nach Kärnten verschlagen. Sie fand einen Job im Bereich Marketing an der FH Kärnten, obwohl sie keine Ausbildung in diesem Bereich hatte. Durch ihre offene Art konnte sie sich rasch einfinden und hat die Zeit dort sehr geschätzt. Wissbegierig hat sie in dieser Zeit ein berufsbegleitendes Studium begonnen und meint heute, dass es wohl die härtesten zwei Jahre ihres Lebens waren, denn einen Vollzeitjob auszuüben und zu studieren lässt sich nicht vereinbaren. So ist sie danach auch in ein schwarzes Loch gefallen, dass schließlich zu einer Veränderung ihres beruflichen Fokus geführt hat. Aus all ihren Studien und Ausbildungen nimmt sie viele wertvolle Erfahrungen und menschlichen Beziehungen mit.
    Wendepunkt in Sandras Leben war ihr Aufenthalt in einem indischen Aschram. Davor musste sie sich einer Operation unterziehen, die bereits viele lebensentscheidende Fragen aufwarf. Zurück aus dieser ganz anderen Welt wurde Sandra sehr bald schwanger was sie und ihren Mann vor neue Herausforderungen stellte.
    Sie haben beide erfahren, dass Gleichberechtigung in der Elternschaft schwieriger zu leben ist als gedacht. „Wir sind beide als gleichberechtigtes Paar ins Krankenhaus gegangen und als Paar mit einem Rollenverständnis der 1950er wieder rausgeschickt worden.“ berichtet sie und ergänzt, dass es diesbezüglich in unserer Gesellschaft noch vieles zu verbessern gilt. Wir sprechen über die Nachteile des Konstruktes Kleinfamilie, die gelebten Rollenbilder und den Mental Load, Überforderungen und Streitereien. All diese Erfahrungen bringt sie heute in ihre Arbeit ein.
    Während der Corona-Zeit begann sie eine Ausbildung im Lifecoaching, zunächst mit dem Fokus auf Frauen, doch bald erweiterte sie ihren Schwerpunkt auf gleichberechtigte Partnerschaften und Familienleben. Sandra ist überzeugt, dass echte Gleichberechtigung und Zufriedenheit nur durch ehrliche Kommunikation, gegenseitige Unterstützung und die Bereitschaft, herkömmliche Rollenbilder zu hinterfragen, erreicht werden kann.
    Vor Corona begann für sie und ihren Mann auch die Auseinandersetzung ob sie noch ein drittes Kind haben wollen. Ihre Tochter hat sie vor kurzem gefunden. Vor drei Monate haben sie ein Pflegekind in die Familie aufgenommen und von der ersten Sekunde an in ihre Herzen geschlossen.
    Das Gespräch mit Sandra hat gezeigt, wie wichtig es ist, auf sein inneres Gefühl zu hören, im "Flow" zu bleiben und mutig genug zu sein, auch unkonventionelle Pfade zu beschreiten.

    • 1 Std.
    042 – Sabrina Krobath: Glaub an dich

    042 – Sabrina Krobath: Glaub an dich

    Sabrina Krobath beschreibt sich selbst als eine getriebene, offene und mutige Person, und wir müssen bestätigen, dass uns beim Interview ein absolutes Energiebündel gegenübersaß.
    Aufgewachsen ist Sabrina in einer großen Familie mit sechs Geschwistern. Nach der Scheidung ihrer Eltern kamen sogar noch sechs Halbgeschwister hinzu. Ihr Vater war selbst Unternehmer und vermittelte ihr sehr früh, dass einem im Leben nichts geschenkt wird. „Geht nicht, gibt’s nicht“ war sein Leitsatz und so musste sie schon in jungen Jahren lernen, Verantwortung zu übernehmen und sich selbst um ihre Wünsche und Ziele kümmern. Ihr erstes Geld verdiente sie in Begleitung ihrer Mutter, welche in Büros und Cafés geputzt hat. Danach folgten viele unterschiedliche Tätigkeiten in vielen Branchen, die ihr sehr viel Erfahrung brachten.
    So war es auch nur logisch, dass sie sich ihr Studium selbst finanzierte. Dabei wurde ihr bald klar, dass sie sich selbständig machen musste, da sie als Angestellte „nicht genießbar“ wäre. Ihr Wunsch autonom agieren zu können und ihre Eigenschaft Herausforderungen anzunehmen und sich nicht vorm Scheitern zu fürchten, waren dabei prägend und hilfreich. Scheitern bedeutet für sie, dass der Plan noch nicht gut genug war, aus diesen Erfahrungen hat sie die größten Lernerfolge mitgenommen.
    Startpunkt war damals die Fußball Europameisterschaft 2008 in Kärnten, für die sie 400.000 Regenponchos importierte um sie zu verkaufen. Sie blieb zwar auf 380.000 Stück sitzen, fand aber zeitgleich ihren Weg für ihre Selbständigkeit. Die Regenponchos wurden später an unterschiedliche Festivals und Veranstalter verkauft und dabei entstanden auch neue Aufträge. Nicht immer hatte sie das notwendige Knowhow, aber Sabrina nutzte jede Chance, die sich ihr geboten hat. Zuerst sagte sie immer „Klar, mach ich das“. Die notwendigen Skills hat sie sich Stück für Stück selbst angeeignet.
    Ein wichtiger Schritt war für sie ihr Unternehmen auf nachhaltige Beine zu stellen. Heute ist sie Weltmarktführerin für Regenponchos aus Maisstärke. Dafür hat sie viel gearbeitet und deshalb bezeichnet sie ihre Firma auch als ihr erstes Baby. Eine Belohnung ist es, dass sie heute ein freundschaftliches Verhältnis zu ihren Kund:innen pflegt, die für ihre aktuelle Situation viel Verständnis aufbringen und sie auch bestmöglich unterstützen.
    Sabrina ist seit kurzem Mutter. Etwas vor ihrem 40er hat ihre biologische Uhr sehr laut zu ticken begonnen und sie war auf dem Dating Markt für Männer eher uninteressant. So kam es, dass sie einen sehr unkonventionellen Weg mit einem Freund gegangen ist, der vor einer ähnlichen Situation stand. Sabrina hat fünf Kinderwunschbehandlungen hinter sich, sie wäre auch für eine sechste Behandlung oder den Kauf einer Eizelle im Ausland bereit gewesen. Sie ist der Überzeugung, dass nicht der Staat darüber bestimmen darf, ob eine alleinstehende Frau ihrem Kinderwunsch nachgehen kann oder nicht. Frauen werden durch dieses Verbot zu One-Night-Stands, ins Ausland oder zu dem Verzicht auf Kinder getrieben. Deshalb hat Sabrina eine Bürgerinitiative gegründet, die wir hier wärmstens weiterempfehlen wollen.
    Ihr Sohn war beim Interview mit dabei, wie er auch bei beruflichen Terminen dabei ist. Aktuell ist er der Chef und Sabrina arbeitet nachts, wenn er schläft. Sie hat sich das Ganze zwar etwas einfacher vorgestellt, strahlt aber übers ganze Gesicht, wenn sie uns davon erzählt, dass sie sein Fels in der Brandung sein möchte und ihm die Stärke wünscht seinen eigenen Weg zu gehen. Ganz nach ihrem Lebensmotto: The sky is the limit.

    • 1 Std.
    041 – Marlene Lindtner: Mit dem Körper lernen

    041 – Marlene Lindtner: Mit dem Körper lernen

    Marlene kommt vom Land und lebt nach einigen Stationen in Städten heute wieder auf dem Land. Sie ist wohlbehütet mit ihren beiden Geschwistern in Salzburg in einem kleinen Ort aufgewachsen. Ihren Eltern war Bildung immer wichtig und sie haben ihren Kindern alle Wege ermöglicht. Wichtig war ihnen stets, dass sie an den Dingen dranbleiben und diese auch fertig machen. Marlene hat leicht gelernt und ist gerne zur Schule gegangen. Vorrangig waren ihr die sozialen Kontakte wichtiger als die Lerninhalte, wie wahrscheinlich bei vielen von uns auch.
    Ihre Mutter war schon damals leidenschaftliche Pädagogin und wirkte als Vorbild, ebenso wie ihre ältere Schwester, die ebenfalls in diesem Bereich tätig ist. Marlene begann ebenso an der pädagogischen Hochschule zu studieren und hat schon sehr früh Praxiserfahrungen gesammelt. Durch diese Erfahrungen und Weiterbildungen, die sie bereits während des Studiums absolviert hat, hat sie viele der Methoden und Lerninhalte im Studium hinterfragt und wollte die Zusammenhänge genauer verstehen. Ihre Bachelorarbeit hat sie deshalb genutzt, um dem Thema des körperbasierten Lernens genauer nachzugehen. Sie hatte eine Einzelfallstudie durchgeführt und es ließen sich beachtliche Erfolge nachweisen. Das motivierte Marlene weiter zu forschen.
    Beim körperbasierten Lernen geht es darum, dass Inhalte, die durch Bewegung gelernt werden, besonders nachhaltig gespeichert werden. Buchstaben und Zahlen sind bereits ein hoher Abstraktionsgrad, der nicht von allen Kindern einfach begriffen werden kann, obwohl das Gehirn sehr viel selbst kompensieren kann.
    Marlene hat viele Erfahrungen in Kindergärten, Schulen oder im Hort gemacht und irgendwann entschieden, dass sie sich in die Materie noch mehr vertiefen möchte. Sie ging nach Wien, um Bildungswissenschaften zu studieren. Zu dieser Zeit ist sie auch bei KUL – Körperbasiertes Unterrichten und Lernen – eingestiegen, welches ihre Mutter und Schwester gestartet hatten. So hat sie u.a. Workshops gegeben für Pädagoginnen, hatte aber auch hier bald das Gefühl noch mehr zu wollen. Heute gibt sie ihr Wissen an Studierende weiter, denn Marlene hat schließlich auch noch promoviert und ist heute Professorin für Deutschdidaktik an der Pädagogischen Hochschule in Klagenfurt. Ihr Wissen und ihre Erfahrung haben die drei gemeinsam in einer Lehrbuchserie festgehalten, die laufend erweitert wird.
    Marlene lebt heute mit ihrer Frau und ihrem Sohn am Faakersee. Sie lieben es draußen und in der Natur zu sein. Durch ihre Stadt-Wohnung in Wien können sie die Vorteile beider Welten genießen. Sie haben beide für sich das gefunden, was sie sich immer gewünscht haben. Dazu gehören neben ihren erfüllenden Jobs, die sie beide sehr schätzen, auch gemeinsame Werte, Familie und ein Kind. Bei der Karenzzeit für ihren Sohn Theo kann Marlene erstmals einen Vorteil eines gleichgeschlechtlichen weiblichen Elternpaares ausmachen, da bei zwei Frauen eine geteilte Karenz nicht hinterfragt wird. Sie lieben beide ihren Sohn über alles, schätzen aber auch ihre Jobs. In diesem Zusammenhang geht Marlene auch auf jene Sichtweisen ein, die uns aufgrund unserer Sozialisation mitgegeben wurden. Dies führt sie auch zum Thema Altersarmut von Frauen und sie ist überzeugt, dass Frauen mehr über ihre Finanzen nachdenken sollten.
    Abschließend verrät sie uns noch, dass sie dankbar ist für alles, was sie hat, frei nach einem Zitat von Erich Fromm, welches bei ihr im Büro hängt: „Glück ist kein Geschenk der Götter, sondern die Frucht innerer Einstellung.“

    • 1 Std.
    040 – Ursula Spannberger: Morgen ist heute schon gestern

    040 – Ursula Spannberger: Morgen ist heute schon gestern

    Wir sind in Salzburg und zu Gast bei Ursula Spannberger, die in dieser Stadt aufgewachsen ist und sich hier verwurzelt fühlt, obwohl sie in Dänemark geboren wurde. Bei ihrem Gegenüber fällt ihr zuerst die Aura auf und diese verändert sich abhängig von der Lebenssituation. Generell hat das Leben viel damit zu tun, was einem wie mitgegeben wird. Ihre eigenen ersten Jahre beschreibt sie als mühsam, es gab viele Veränderungen. Ursula war ein uneheliches Kind und ihre Mutter beschloss die erste Zeit in Dänemark zu verbringen. Dort haben die beiden bei unterschiedlichen Familien gewohnt, bevor sie wieder zurück nach Salzburg kam. Ihre Mutter hat geheiratet und die Familie wuchs mit zwei Halbbrüdern für Ursula. Diese Zeit war sehr herausfordernd und beängstigend für Ursula, da es oft Streit gab. Mit zehn Jahren erfuhr sie, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist. Darüber gesprochen hat sie mit ihm nie. Es gab viele Themen und Probleme über die nie gesprochen wurde in der Familie. Deshalb nahm sicher auch das Singen für Ursula eine zentrale Rolle ein. Je mehr in der Familie geschwiegen wurde, desto kräftiger wurde ihre Stimme. Ursprünglich wollte sie sogar Opernsängerin werden.

    Da sie einerseits ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen hatte und es für sie wichtig war die Familie und somit Salzburg für die Ausbildung zu verlassen, entschied sie sich für ein Architekturstudium in Innsbruck. Diesen Schritt beschreibt sie sowohl als Glücksfall als auch emanzipatorischen Akt. Während des Studiums schloss sie sich der Frauenbewegung an und das veränderte neben ihrem Selbstbewusstsein auch ihren Kleidungsstil.

    Während ihres Studiums hat sie gearbeitet, unter anderem in einem Nachtclub. Diese Zeit hat ihr großen Spaß gemacht, sie hat gut verdient und hätte sicherlich noch lange so weitermachen können, dann wurde sie aber mit 23 Jahren Mutter. In dieser Lebensphase hat sie intensiv weiterstudiert und sich den Alltag sowie die Kindesbetreuung gleichberechtigt geteilt und sogar eine selbstorganisierte Krabbelstube mit Mitstudierenden gegründet.
    Noch während des Studiums kehrte Ursula mit ihrer Familie zurück nach Salzburg und hat sich nach unterschiedlichen Tätigkeiten als Architektin selbständig gemacht. Sie hat mit Mitstreitern die Initiative Salzburg gegründet und war erste Präsidentin der Architekturstiftung Österreich. In dieser Rolle musste sie eine Rede im Parlament halten, wofür sie sich das erste Mal ein Redecoaching genommen hat. Von den Ratschlägen damals profitiert sie bis heute und hat selbst gleich einen wichtigen Tipp für alle Frauen da draußen: „Wir alle stehen dauernd vor neuen und unbekannten Herausforderungen: „Fake it till you make it“.“

    Im Laufe der Zeit, durch Zusatzausbildungen und Kooperationen mit Kolleg:innen, wurde das Thema Beteiligung für ihre Planungsprozesse immer wichtiger. „Leute, die bauen wissen meist nicht, was sie wirklich wollen“, meint Ursula. Das hat sie dazu veranlasst die „RAUM.WERT.methodik“ zu entwickeln, ein Buch zu schreiben und aktuell gründet sie das RAUM.WERT.institut.

    Thematische Schwerpunkte von ihr sind darüber hinaus das Thema Schulbau sowie Wohnen im Alter. Seit Kurzen ist sie sogar selbst Teil der Baugruppe „Silberstreif - Gemeinsam Wohnen 50+“ in Salzburg. Bei diesem Projekt geht es um gemeinschaftliches und auch selbstbestimmtes Wohnen im Alter. Auch wenn Ursula ihre geliebte Altbauwohnung im Zentrum von Salzburg aufgeben wird, so freut sie sich riesig auf die kommende Veränderung in ihrem Leben.
    Sie lebt ganz nach ihrem Lebensmotto: Morgen ist heute schon gestern!

    • 58 Min.
    039 – Hermine Rainer: Erfolgreich ganzheitlich wirtschaften

    039 – Hermine Rainer: Erfolgreich ganzheitlich wirtschaften

    Wir treffen Hermine Rainer an einem Sonntag auf dem Pogerhof am Fuße der Gleinalm in der Weststeiermark. Ein Familienbetrieb, der im 15. Jahrhundert das erste Mal urkundlich erwähnt wurde und in den letzten Generationen stark von Frauen geprägt wurde. Hermines Mutter hat als die Erstgeborene von sechs Frauen den Hof übernommen und Hermine durch ihre ruhige ausgeglichene Art geprägt, ihr Vater hat ihr den Ordnungssinn mitgegeben. Fleißig waren sie beide und auch das hat Hermine geformt. Da ihr Vater früh verstorben ist, musste sie schon bald in eine verantwortungsvolle Rolle hineinwachsen und hat im Alter von 19 Jahren den Hof übernommen. Sie kannte die notwendigen Abläufe und war „geschickt und willig“ wie sie erzählt. Ihr Mann wollte schon immer Bauer werden und gemeinsam entschieden sie, dass sie den Hofbetrieb von Kühen auf Schafe umstellen. Sie haben als milchproduzierender Betrieb mit 20 Schafen begonnen, heute haben sie 120 Schafe, produzieren und verkaufen selbst.
    Hermine berichtet, dass sie als junge Frau zwar Interesse gehabt hätte sich künstlerisch zu bilden, es aber nicht gewagt hätte darüber laut nachzudenken. Ihre Leidenschaft hat sie trotzdem immer gepflegt und vor kurzem dazu sogar ein Fernstudium absolviert. Ihre Bilder schmücken den Verkaufs- und Seminarraum, in dem wir das Gespräch führen. Darüber hinaus hat sie einige weitere Aus- und Weiterbildungen absolviert, die den Pogerhof nachhaltig und erfolgreich verändert haben.
    Begonnen hat alles mit einer Krise, in der sie sich mit ihrem Mann gefragt hat, ob sie den Hof tatsächlich in der damaligen Form weiterführen wollen und können. Hermine ist auf die Ausbildung zur Unternehmensführung nach der Philosophie der Ganzheit bei Dietmar Born gestoßen. Diese hat ihr gezeigt, wie man von der Landwirtschaft gut leben kann, wenn man diese nicht nur auf der materiellen Ebene betrachtet. Es geht dabei auch um die Menschen, die im Betrieb arbeiten und ihre individuellen sowie gemeinsame Werte. Welche Grundaufgabe man verfolgt und der Frage, warum der Betrieb für andere Menschen wichtig ist und welche Ziele man gemeinsam erreichen möchte.
    Voraussetzung der Ausbildung war, dass man das Erlernte auch umsetzt und so ist Hermine mit ihrer Familie in Klausur gegangen und sie haben all diese Fragen gemeinsam beantwortet – von den Kindern bis zur Oma haben alle mitgemacht und tun das immer noch in regelmäßigen Abständen, denn man muss an den Themen dranbleiben. Die Vision, die dabei entstanden ist, hat sie geformt und die Ziele, die sie sich gesteckt haben, sind größtenteils umgesetzt. Für die nächsten fünf Jahre wünscht sich Hermine unter anderem Freiraum, um sich ihren weiteren Interessen widmen zu können.
    Dazu gehört der Verein „Pantherinnen – weiblich wirtschaften mit Zukunft“, dessen Ziel es ist, Frauen zusammenzubringen und ihnen einen Rahmen zu bieten, in dem sie sich fachlich austauschen, vernetzen und gegenseitig unterstützen. Auch hier wurden Werte für das gemeinsamen Wirken definiert, auch wenn jede der Frauen an ihrem eigenen Unternehmen arbeitet. Die Bandbreite reicht dabei von der Landwirtschaft zur Unternehmensberatung, Grafikerin oder Energetikerin. Im Frühjahr 2024 ist die erste große gemeinsame Präsentation der Pantherinnen geplant.

    Hermine ist die Verbindung zur Natur sehr wichtig, sie ist rundum zufrieden mit den Menschen, denen sie begegnet und lebt ihr Motto: lieben, lachen, lernen.

    • 59 Min.
    038 – Caroline Edlinger: Das Salz im Brot

    038 – Caroline Edlinger: Das Salz im Brot

    Caroline ist in Hinterstoder aufgewachsen. Sie hatte schon früh das Gefühl „raus“ zu müssen um Erfahrungen zu sammeln. Einen Urlaub in ihrer Heimat legt sie uns und allen Hörer:innen dennoch wärmstens ans Herz. Nach der Hauptschule ging es also nach Linz, dort hat sie die HAK besucht und im Internat gewohnt. Das war für sie eine tolle Erfahrung zum selbständig werden und um neue Freundschaften schließen.
    Entgegen der Mehrheit hat sie in der Schule als Fremdsprache „russisch“ ausgewählt – eine Entscheidung, die sie bis heute prägt. Caroline beweist immer wieder Mut und springt ins kalte Wasser. So auch nach der HAK, als sie zur Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse nach Cambridge ging und anschließend als Quereinsteigerin in der Hotellerie Erfahrungen sammelte. Als sie das Gefühl hatte nun ausreichend Erfahrungen und Englischkenntnisse gesammelt zu haben, kam sie zurück nach Österreich und probierte sich für ein Jahr als Flugbegleiterin aus um anschließend wieder zurück Richtung Heimat zu kommen und in Linz in einer Wirtschaftsprüfungskanzlei zu arbeiten. Ihr Chef motivierte sie zu einem Wirtschaftsstudium, das sie auch abgeschlossen hat, obwohl sie schon davor durch ein Schlüsselerlebnis wusste, dass sie diesen Beruf nicht ausüben wollte.
    Ihr Mann Engelbert hat sich damals mit einer russischsprachigen Visitenkarte bei ihr vorgestellt und nicht damit gerechnet, dass sie diese lesen kann. Er ist Bäckermeister und war beruflich schon sehr lange mit Russland verbunden und die beiden lebten deshalb eine Zeit lang eine Fernbeziehung. Er eröffnete in Moskau eine österreichische Bäckerei in der es neben Roggenbrot, Topfentascherl und Apfelstrudel auch Ciabatta und Muffins gab. Als sich die Möglichkeit ergab nebenbei noch für eine österreichische Firma eine Produktion in Russland aufzubauen ist Caroline mitgegangen.
    Die Möglichkeit etwas von Null auf zu entwickeln beschreibt sie als große Chance. Sie erzählt wie sie sich gemeinsam mit ihrem Mann jeden Tag Schritt für Schritt überlegt haben was als nächstes zu tun ist. So haben die beiden in eineinhalb Jahren eine Firma mit 50 Mitarbeiter:innen aufgebaut. Eindrücklich in Erinnerung geblieben ist ihr die Solidarität mit der sich Frauen in Führungspositionen unterstützt haben und auch, dass gerne Komplimente ausgetauscht wurden. Caroline berichtet uns, dass es die russische Seele wirklich gibt und wie sehr sie die aktuelle Kriegssituation schmerzt.
    Nach zwei Jahren wollte sie dann wieder zurück in die Heimat. Der kulturelle Unterschied machte sich für sie besonders bemerkbar, wenn sie griesgrämige unzufriedene Mitmenschen in ihrem Arbeitsumfeld wahrnahm. So wurde ihr rasch klar, dass sie etwas machen wollte, was ihr persönlich Spaß macht und Kraft gibt.
    „Wenn mein Mann den Mitarbeitern in Russland das Backen beibringen kann, dann werde ich das wohl auch schaffen.“ lacht sie heute, obwohl sie uns berichtet, dass dabei auch die eine oder andere Träne geflossen ist.
    Mit ihrem Ersparten richtete sie sich eine kleine Backstube ein. Die Engelbäckerei befindet sich inmitten einer Einfamilienhaussiedlung im Erdgeschoss und Keller ihres Hauses in dem sie beide mit ihren Eltern gemeinsam leben. Sie hat freitags und samstags geöffnet und ist aktuell der Meinung, dass sie das so belassen möchte, um den Spaß an der Sache nicht zu verlieren.
    Sie erzählt, dass ihre Handsemmeln das beliebteste Gebäck sind und, dass sie sich mit Youtube Videos fortgebildet hat. Sie lässt sich gerne durch andere inspirieren und macht dann aber doch ihre eigenen Kreationen daraus. Mittlerweils hat Caroline ihr eigenes Gewerbe angemeldet, liebt es, dass sie ihre Engelbäckerei so gestalten kann, wie es für sie passt und deshalb werden dort neben rosinenlosen Mehlspeisen auch immer wieder Komplimente ausgegeben.

    • 54 Min.

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