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Bei Dear Reader unterhält sich Mascha Jacobs einmal im Monat mit Autor*innen über die Bücher ihres Lebens. Über die Wege, auf denen sie zu ihnen finden, wie das Gelesene sie verändert und wie oder ob für sie Lesen und Schreiben zusammengehören.

DEAR READER Mascha Jacobs, Center for Literature

    • Society & Culture
    • 5.0 • 2 Bewertungen

Bei Dear Reader unterhält sich Mascha Jacobs einmal im Monat mit Autor*innen über die Bücher ihres Lebens. Über die Wege, auf denen sie zu ihnen finden, wie das Gelesene sie verändert und wie oder ob für sie Lesen und Schreiben zusammengehören.

    Insa Wilke über Texte „die unter die Haut und ins Hirn gehen.“

    Insa Wilke über Texte „die unter die Haut und ins Hirn gehen.“

    Insa Wilke ist dieses Mal mein Gast, ihr wisst ja, ich lade oft Menschen ein, die ich einfach gerne kennenlernen würde. Und über ein Gespräch über Lieblingslektüren passiert das aufs allerschönste, meistens. Insa Wilke, Kritikerin, Autorin, Moderatorin, Nachlassverwalterin und Juryvorsitzende zwei wichtiger Preise, dem Bachmannpreis und dem Preis der Leipziger Buchmesse. Ich wusste nicht viel über ihre Biografie, nichts über ihre Lesebiografie. Wir haben ein paar Parallelen entdeckt und überhaupt hören wir von Insa Dinge, die ich noch nie von ihr gehört hatte, obwohl sie oft im Radio und TV über Bücher spricht. Und das aufs Schönste. Immer bemüht. Ihre Bewertungskriterien und Entscheidungen zu begründen oder offenzulegen. Sie ist seit 2017 Teil des oft tollen „lesenswert quartett“ im SWR Fernsehen. Zudem - das wusste ich gar nicht - hat sie seit 2016 die Programmleitung des Mannheimer Literaturfestes „lesen.hören“ von Roger Willemsen übernommen, dessen Nachlass sie zudem verwaltet.

    Unser Gespräch dreht sich neben den drei aktuellen Lieblingstexten von Insa Wilke, deren Auswahl für eine professionelle Vielleserin wie sie, natürlich eigentlich unmöglich zu entscheiden war, um ihren beruflichen Lebens- und Leseweg. Wir sprechen über Texte als Begegnungen, Resonanz von Texten, Kostümierungen, komische Figuren, Vokalstrukturen, Plastik-Vaginas, Schäferhundsprache, antisemitisches Klischees, Farce, Leserinnen, Räume und Wiederholungen, Erinnerungspolitiken, Geschichten. Und wie man sich schick gemacht übt und in Gefahr begibt. Das haben wir auch für euch versucht, indem ihr uns beim Denken, Suchen und Fragesteller zuhören könnt. Schick gemacht, klar. Mitgebracht hat Insa Wilke den von ihr eingeladenen Bachmanntext von Mara Genschel, „Das Fenster zum Hof“. Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bauer und Edith Nerke, beides durchgestrichen zu lesen. Den Roman „Eine Runde Sache“ von Tomer Gardi bei Droschl erschienen. Und über Emine Sevgi Özdamar „Ein von Schatten begrenzter Raum“ auch dieses Jahr, also 2022 bei Suhrkamp erschienen.

    • 59 Min.
    Yael Inokai über queere Literatur und ihre Lieblingsbücher

    Yael Inokai über queere Literatur und ihre Lieblingsbücher

    Die 1989 in Basel geborene Schriftstellerin Yael Inokai, ist eine außergewöhnlich gute Schriftstellerin. Mit einem Talent für Sprache, das trotz all der Neuerscheinungen und ungelesenen und den unzähligen existierenden alten Büchern immer noch ein Ereignis ist. Ihr dritter Roman „Ein simpler Eingriff“ ist eine wunderschöne und sehr geformte sprachlich Probe dieser Aussage. Er ist 2022 bei Hanser Berlin erschienen und stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2022. Für mich gehörte der Roman ganz eindeutig zu den Favoriten, aber leider schaffte er es nicht auf die Shortlist.

    Ein hartes und zartes und zartes und hartes Buch, das Schwere erscheint leicht und umgekehrt und das Weggelassene ist erstaunlich präzise und sichtbar. Yael Inokai ist außerdem Teil des Kollektivs, PS. Politisch Schreiben, einer Gruppe von tollen Menschen, die gemeinsam ein queeres Magazin herausgeben, eine Website und Lesungen und Gespräche organisieren. Mitgebracht hat Yael Inokai die Lyrische Novelle von Annemarie Schwarzenbach (Lenos Verlag) Pocket , (1933) 1999 und Housekeeping von Marilynne Robinson, (1980) bei Farrar, Straus and Giroux und 1984 Kiepenheuer&Witsch. Wir sprechen neben Büchern von Marieluise Fleißer, Monika und Bell Hooks, Leonard Cohen, über Filme, queere Literatur, das Flirren, die kurzen Formen, Liebe, Zuhause, Sexualität im Roman, Jugend und Schwärmereien.

    • 49 Min.
    Lilian Peter über Essays, Erinnerung und Schreibweisen des anderen

    Lilian Peter über Essays, Erinnerung und Schreibweisen des anderen

    Lilian Peter, dieses Mal Gesprächspartnerin von Mascha Jacobs, studierte einige Semester Klavier, danach Philosophie und Musikwissenschaften u.a. in Wien und Heidelberg. In ihrem poetischen Essay "Mutter geht aus" 2022 bei Diaphanes erschienen, ist ihr Studium und die immer noch bestehenden Schwierigkeiten in derart männerdominierten Fächern immer wieder mal Thema. Sie kulminieren in einem Brief an Hegel, in dem Lilian Peter einen Heiratsantrag seinerseits ablehnt. An ihr geisteswissenschaftliches Studium hing Peter dann eine Ausbildung zum Literarischen Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig an.

    2017 erhielt sie den Edit Essaypreis. Es folgten zahlreiche Arbeits- und Aufenthaltsstipendien, u.a. in Kyoto. Im März 2022 erschien ihr Debütband mit poetischen Essays "Mutter geht aus". Vor vier Wochen ist ihr erstes Kind geboren und Lilian Peter war das erste Mal für diesen Podcast aus.

    Mascha Jacobs und Lilian Peter reden über ihre Texte, aber auch allgemeiner über Essays, Lektüren anderer Bücher, die in die Texte reinsprechen, Mischformen, patriarchale Erzählhaltungen, Romane, Geschichten, subtilen Humor und Kalauer. Wir umkreisen Begriffe und Themengebiete wie Buße, Feminismus, Herkünfte, „andere“ Schreibweisen, das Unbewusste und nicht-immer-schon-vorher-Gewusste, Sprachlosigkeit, Erinnerung, Vertrauen, Sprech- und Schreibfähigkeiten, Geburten, Altphilologie und chinesische Weisheiten.

    Sie rasen in diesem Gespräch fast atemlos durch sehr unterschiedliche Themen und kommen immer wieder auf Lieblingsthemen und Schriftstellerinnen, die sie zum Schreiben ermutigen, zurück.

    Auch die mitgebrachten Lieblingstexte von Lilian Peter haben es Mascha Jacobs angetan. Sie hat sich, seitdem ALLES (was sie noch nicht kannte) von diesen Autorinnen bestellt. Aber im Gespräch geht es ausführlich um einzelne Bücher: Yoko Tawada „Wo Europa anfängt“. Gedichte und Prosa im Konkursbuch Verlag 1991 erschienen. Und „Anthropology of Water“ von Anne Carson. In: Plainwater. Essays and Poetry 1995 im Original erschienen. Ins Deutsche von Marie Luise Knott als „Anthropologie des Wassers“ übersetzt und von Matthes & Seitz 2014 veröffentlicht.

    • 59 Min.
    Behzad Karim Khani über Würde, Rap und persische Poesie

    Behzad Karim Khani über Würde, Rap und persische Poesie

    Dieses Mal ist Behzad Karim Khani bei DEAR READER zu Gast. Er wurde 1977 in Teheran geboren, seine Familie ging 1986 nach Deutschland. Er studierte Medienwissenschaften in Bochum und lebt heute in Berlin-Kreuzberg, wo er schreibt und die Lugosi-Bar betreibt. Mit seinem Debütroman „Hund, Wolf, Schakal“ bei Hanser Berlin erschienen, erzählt er eine „laute Geschichte leise“. Die Geschichte zweier ungleicher Brüder, die nach der Flucht aus dem Iran mit ihrem Vater im „doppelt fremdem“ arabisch dominierten Neukölln aufwachsen. Wir sprechen über sein Buch, das nicht nur von der Straße und Gewalt handelt, davon wie einer der Söhne nach den Kriegserfahrungen „selbst immer mehr zu einem Minenfeld “ wird, sondern auch von Freundschaft, Zärtlichkeit und vor allem „Fifty Shades of Würde“ erzählt. Unser Gespräch dreht sich auch um Stil, Sprache, die Kraft der persischen Poesie, das Schāhnāme, den Koran, Rap, die Ice-Cube-Bibliothek und Attitude. Doch im Zentrum stehen die großartigen mitgebrachten Lieblingstexte des Autors: Peter Weiss „Abschied von den Eltern“ (Edition Suhrkamp) und Feridun Zaimoglu: „Kanak Sprak /// Koppstoff. Die gesammelten Mißtöne vom Rande der Gesellschaft“ (Kiepenheuer und Witsch).

    • 49 Min.
    Katja Petrowskaja über Bilder, Kriege und die Freiheit der Sprache

    Katja Petrowskaja über Bilder, Kriege und die Freiheit der Sprache

    Dieses Mal ist die Schriftstellerin Katja Petrowskaja bei DEAR READER zu Gast. Die auf Deutsch schreibende russischsprachige Ukrainerin hat 2014 einen der besten Texte der letzten Jahrzehnte veröffentlicht. „Vielleicht Esther“ bei Suhrkamp erschienen. Für einen Auszug aus dem Erzählband hatte sie im Jahr davor den Bachmannpreis gewonnen. „Vielleicht Esther“ wurde in dreißig Sprachen übersetzt. Das fragmentarische Erzählen beherrscht Katja Petrowskaja so gut, dass hier Komik und die Beschreibung unermesslicher Brutalitäten nebeneinanderstehen können. Die Veröffentlichung fiel in eins mit dem Euromaidan und der Annexion der Krim. Und auch ihr aktuelles Buch „Das Foto schaute mich an“ ist vom Krieg umklammert. Die in der Bibliothek Suhrkamp erschienene Textsammlung ist eine Auswahl ihrer Fotokolumnen aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Seit Jahren verliebt sich Katja Petrowskaja alle drei Wochen öffentlich in ein Bild. Es sind ganz unterschiedliche Bilder, bekannte Kunstfotografien von Francesca Woodman, Schnappschüsse, Archivbilder, Plattencover, Pressebilder oder Rayogramme radiokativer Pflanzen. Und so divers wie das Material sind auch die kleinen Geschichten, die Petrowskaja aus diesen Bildern heraus entwickelt.

    Was ihre Art zu schreiben und ihre Methoden des Sehens mit ihrer Lesebiografie, ihrem Studium der Literaturwissenschaft in Estland bei Jurij Lotman, einem der Mitbegründer der Moskau-Tartu Schule für Kultursemiotik zu tun hat und ob Bücher und Kunst auch eine Art Widerstand gegen den Krieg sein können, darüber unterhalten sich Mascha Jacobs und Katja Petrowskaja. Sie sprechen über den aktuellen Krieg in der Ukraine, über den Zweiten Weltkrieg, Gleichzeitigkeiten, Freiheit, Sprache, Berlin, Kyiv, Totalitarismus, Fotografien,Erfahrungen, Frauen in der Mitte des Lebens, Widerstand, Wolken, Alice im Wunderland, Tschernobyl, Gewalt, Haltung, Ohnmacht, Widerstand und über die Liebe. Hinter all dem steht die Frage, wie man mit den Katastrophen dieser Welt leben kann, ohne zu resignieren oder verrückt zu werden.

    Katja Petrowskaja hat ein vor Kurzem gelesenes Buch „Abhängigkeit“ von Tove Ditlevsen (Aufbau Verlag/No Kidding Press) und einen weiteren für sie sehr wichtigen Text das Hohelied – Shir ha-schirim – aus dem Alten Testament (Deutsche Bibelgesellschaft), übersetzt von Martin Buber, mitgebracht.

    • 1 Std. 33 Min.
    Sven Pfizenmaier über Superkräfte und das Sammeln

    Sven Pfizenmaier über Superkräfte und das Sammeln

    „Draußen feiern die Leute“ heißt der bei Kein und Aber erschienene Debütroman von Sven Pfizenmaier, der dieses Mal bei DEAR READER zu Gast ist. Der 1991 in Celle geborene Schriftsteller verbindet darin magische Elemente mit sozialem Realismus. Und schreibt wahnsinnig lustig und sehr berührend von jugendlichen Außenseitern irgendwo in einem Dorf zwischen Hannover und Braunschweig. Wir sprechen über die verschiedenen Formen der Entfremdung, die sich bei einigen Jugendlichen auch in nicht immer nützlichen Fähigkeiten oder besser Antisuperkräften zeigen. Über Gefühle, Videospiele, das Lügen erfinden, Geschichten schreiben und sammeln.

    Ausgehend von Ursula K. Le Guins Essay „The Carrier Bag Theory of Fiction” sprechen wir über Narrative, die Konstellationen favorisieren, Dinge aufsammeln, nebeneinanderstellen und nicht linear erzählt werden. Mitgebracht hat Sven Pfizenmaier auch Le Guins feministischen Science-Fiction-Klassiker „The Left Hand of Darkness“ (Heyne) und den rätselhaften Schauerroman „Der Vogelgott“ von Susanne Röckel bei Jung und Jung erschienen.

    • 38 Min.

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