In der öffentlichen Diskusion wird oft über Migration gestritten, gemeint ist aber teilweise Integration. Weil Integration vor allem Aufgabe der Länder und Kommunen ist, sprechen wir in der aktuellen Folge mit dem Berliner SPD-Politiker Orkan Özdemir und der CDU-Innenpolitischen Sprecherin und Polizistin Anne-Christin von Allwörden explizit über Zuständigkeiten, Ressourcen und die Frage, warum Integrationspolitik in der Praxis so oft an Geld, Personal und politischen Prioritäten scheitert. Wo sollte Integration beginnen? Unser Gast Ann Christin von Allwörden hat da eine eindeutige Haltung zu. “Da geht es nämlich erst mal die Frage, bekommt der Mensch überhaupt einen Schutzstatus bei uns oder muss er das Land wieder verlassen? Wenn diese Frage geklärt ist, dann sind wir auf einer ganz anderen Ebene. Dann fängt für mich auch erst Integration an. Ich integriere ja nicht Menschen, von denen ich noch nicht mal weiß, ob sie überhaupt in Deutschland bleiben dürfen.” Zitat Allwörden Die alltägliche Umsetzung von Integration muss gut organisiert werden. Sprachkurse, Erstaufnahme, dezentrale Unterbringung, Arbeitsmarktzugang… setzt die verarmten Kommunen unseres Landes unter Druck. Özdemir betont, dass Integration ohne ausreichende Investitionen nicht gelingen könne. Von Allwörden verweist dagegen auf die strukturellen Grenzen der Länder, vor allem in Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern, wo Mittel, Personal und Infrastruktur knapper seien als in Großstädten wie Berlin. Ein zweiter Schwerpunkt der Folge sind die unterschiedlichen Ost-West-Erfahrungen mit Migration/Integration und Rassismus. Chiponda, Özdemir und von Allwörden sprechen über Vertragsarbeiter- und Gastarbeiterbiografien, über die Gewalt der sogenannten Baseballschlägerjahre und darüber, wie stark Herkunft, Sozialisation und regionales Umfeld politische Wahrnehmungen prägen. Dabei wird deutlich, dass Rassismus im Osten nicht isoliert betrachtet werden kann, aber auch im Westen keineswegs verschwindet. Kontrovers wird es bei der Frage, wie der Staat die Integration umsetzen soll. Die Bezahlkarte, längere Aufenthalte in Gemeinschaftsunterkünften und die Rolle von Sanktionen werden unterschiedlich bewertet. Während von Allwörden auf Ordnung und Steuerung verweist, aber auch darauf drängt, dass die Verfahren beschleunigt werden müssen warnt Özdemir vor Symbolpolitik, die Teilhabe erschwert und Menschen eher ausgrenzt als integriert. “... das dauert aber im Durchschnitt 4 bis zu fünf Jahre wegen dem Erwerb der Sprache Erkenntnis und so weiter und so fort, bis man überhaupt in eine Arbeit einmündet. Das würde also bedeuten, dass man diesen Menschen fünf Jahre lang keine Teilhabe im Durchschnitt, an der Gesellschaft, in der sie leben, gewähren würde. Und wir wissen, dass 50 Prozent dieser Menschen, zu uns gekommen sind, auch hier bleiben werden. Das wissen wir heute schon, weil sie arbeiten.” Zitat Özdemir Die Folge weitet den Blick schließlich auf gesellschaftliche Folgen von Unsicherheit, Abwanderung und rechter Mobilisierung. Wenn sich junge Menschen, Familien und Fachkräfte in Regionen nicht mehr sicher oder willkommen fühlen und wegziehen, hat das nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Konsequenzen. In der nächsten Folge sprechen wir wieder mit Bürger*innen über die Themen Migration und Integration. Die Folge erscheint am 09.07.2026. Habt ihr eigene Fragen oder Feedback? Schickt uns eine Sprachmemo oder Nachricht an 0157 55875373 oder schreibt uns an mauerecho@taz.de. „Mauerecho“. „Mauerecho – Ost trifft West“ ist ein Podcast der taz panterstiftung. Er erscheint alle zwei Wochen donnerstags auf taz.de/mauerecho sowie überall, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank gilt unserer neuen Redakteurin Jacqueline Kamp und unserem Sounddesigner Sebastian Jautschus.