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«International» befasst sich wöchentlich mit internationaler Politik und Gesellschaft. Seit 1978 am Radio und von Anbeginn auch online.


Reportagen, Analysen und Geschichten zur internationalen Aktualität, meist erzählt von Auslandskorrespondenten und -korrespondentinnen von Radio SRF.

International Schweizer Radio und Fernsehen

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Reportagen, Analysen und Geschichten zur internationalen Aktualität, meist erzählt von Auslandskorrespondenten und -korrespondentinnen von Radio SRF.

    Grossungarische Ambitionen 100 Jahre nach «Trianon»

    Grossungarische Ambitionen 100 Jahre nach «Trianon»

    Als Verlierer im 1. Weltkrieg verlor Ungarn zwei Drittel seines Territoriums und die Hälfte seiner Bevölkerung an Nachbarländer. Das Diktat von «Trianon» ist eine ungarische Tragödie, die bis heute nachhallt. Regierungschef Orban schlägt geschickt Kapital aus ihr für seine nationalistische Politik. Ungarn sei das einzige Land in Europa, das nur an sich selbst grenze: Ein «Bonmot» versucht das nationale Trauma zu überspielen, das für die meisten Ungarinnen und Ungarn mit dem Begriff «Trianon» bis heute verbunden ist.

    Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie, vom ungarischen Teil wurden zwei Drittel der Fläche den Nachbarn zugeschlagen. Im Lustschloss Trianon in Versailles zwangen die Siegermächte am 4. Juni 1920 den Gesandten aus Budapest dieses Friedensdiktat auf. Noch heute leben ausserhalb Ungarns, etwa in Rumänien, in Serbien, der Slowakei, der Ukraine mehrere Millionen ethnische Ungarn. In manchen Landesteilen sind sie sogar in der Mehrheit. Auch 100 Jahre nach «Trianon» ist die Wunde nicht verheilt. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban und seine Bewegung «Fidesz» bewirtschaften die historische «Schmach» sogar gezielt und nutzen die Erinnerung daran für ihre nationalistische Politik. Jedes Jahr fliessen mehrstellige Millionenbeträge zur Förderung der ungarischen Kultur über die Grenze. Orbans Regierung unterstützt Schulen, Sportvereine, «Fidesz»-Leute finanzieren in den Nachbarländern auch Medien, die Orbans Vorstellung von einem zusammenhängenden grossungarischen Kulturraum verbreiten. Das provoziert die Nachbarn, freut aber die allermeisten Ungarischsprachigen ausserhalb Ungarns. Und auch in Ungarn selbst vermag Orban aus der historischen Tragödie Kapital zu schlagen, die Losung «Nie wieder Trianon!» ist ein Leitmotiv im rechten Protest gegen «fremde Einflüsse», aus Brüssel zum Beispiel.

    «Trianon» - ein ungarisches Trauma. Die Sendung «International» begegnet ihm auf einem rumänischen Heldenfriedhof und in einer slowakischen Fussballakademie. Aber auch auf der Opernbühne und in Ungarns Schulstuben.

    • 28 min
    Malta – zu klein für die Wende?

    Malta – zu klein für die Wende?

    Der Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia im Herbst 2017 und der Vorwurf verbrecherischer Machenschaften bis in höchste Regierungskreise warfen Schockwellen durch Malta. Was hat sich seither verändert im kleinsten EU-Land mit seiner schmalen Machtelite, wo jeder jeden kennt? Die Journalistin Daphne Caruana Galizia schrieb Enthüllungsberichte über Korruption und Geldwäsche. Im Oktober 2017 zerfetzte eine Bombe ihr Auto.
    Zwei Jahre später wurde der Geschäftsmann Yorgen Fenech verhaftet.
    Er soll den Mord an der Journalistin in Auftrag gegeben und über Konten in Panama jahrelang hohe Regierungsvertreter bestochen haben.
    Selbst der Premierminister trat zurück: Joseph Muscat, dessen Name verbunden ist mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Maltas.
    Geschäftsleute waren mit attraktiven Angeboten auf die Mittelmeerinsel gelockt worden, Malta entwickelte sich zur Drehscheibe für Finanzdienstleistungen und Onlinewetten.
    Das Geschäftsmodell hatte seine dunklen Seiten.
    In einem so kleinen Land könnten persönliche Beziehungen und Abhängigkeiten stärker sein als die Institutionen, warnt der neue Aussenminister Evarist Bartolo. Doch wenn Malta als Hochrisikoland wahrgenommen werde, verliere es an Attraktivität.
    Bartolo verspricht nun eine «steile Lernkurve».
    Auch in der maltesischen Gesellschaft lösen sich Zungen. Der Künstler Toni Attard glaubt eine kollektive Stimme zu hören, die sagt: «Es reicht!».
    Der Rücktritt der Regierung und das Entsetzen nach dem Mord wurden zur Zäsur für Malta, aber aus einem Staat der Freunde und Vettern einen Rechtstaat mit integren Akteuren zu machen, ist ein ungleich grösserer Kraftakt.
    Ist die maltesische Gesellschaft bereit dazu? Eindrücke aus der Hauptstadt Valletta, wo manche an Aufbruch glauben, viele andere skeptisch bleiben.

    • 25 min
    Burundi – erschütternde Hinterlassenschaft eines Machtgetriebenen

    Burundi – erschütternde Hinterlassenschaft eines Machtgetriebenen

    Zwei Wochen waren Schulmädchen ins Gefängnis gesperrt, weil sie das Foto des Präsidenten im Schulbuch angemalt haben sollen. Dem Repressionsapparat von Pierre Nkurunziza entgeht nichts – er setzt auf Einschüchterung und Gewalt. Der Besuch in Burundi zeigt, was er aus dem armen Land gemacht hat. Es galt als Erfolgsgeschichte, dass Burundi nach dem verheerenden Bürgerkrieg politische Stabilität erlangte. Doch Präsident Pierre Nkurunziza gab sich nicht mit zwei Amtszeiten zufrieden, er setzte 2015 eine dritte, verfassungswidrige durch und schlug die folgenden Proteste und Unruhen mit nackter Gewalt nieder. Über 1'000 Tote gab es, über 400'000 Menschen flohen über die Grenzen. Jene, die in Burundi blieben, wurden strengster Kontrollen unterzogen. Politische Oppositionelle verschwanden einfach so, kritische Medien wurden aus dem Land gewiesen. Die gefürchtete Imbonerakure-Miliz sorgt für einen Überwachungsstaat, der dem Land auch schon den Titel «DDR Afrikas» einbrachte.

    Den meisten Menschen fehlt ohnehin jegliche Perspektive: Burundi ist eines der ärmsten Länder der Welt. Jedes zweite Kind kann sich wegen chronischer Mangelernährung nicht richtig entwickeln. Die Herrschaft Nkurunzizas hat den Staat zusätzlich in eine Rezession gestürzt, internationale Gelder wurden gestrichen.

    Nun stehen am 20. Mai Wahlen an. Der aktuelle Präsident verzichtet auf eine weitere Amtszeit, doch ein Nachfolger aus der gleichen Machtelite steht schon bereit. «International» reist zu den Menschen in Burundi, besucht das Sportteam des fussballverrückten Herrschers, spricht mit verfolgten Kindern und der gefürchteten Imbonerakure-Miliz. Die Sendung zeigt auf, wo das Land steht nach 15 Jahren Regime von Pierre Nkurunziza.

    • 24 min
    Argentinien – Schluss mit den Frauenmorden

    Argentinien – Schluss mit den Frauenmorden

    Die Gefahr, dass eine Frau ermordet wird, ist in Argentinien mehr als doppelt so gross wie in der Schweiz. Täter ist zumeist der Partner oder der Ex. Aus Protest gehen Argentiniens Frauen regelmässig in Massen auf die Strasse. Aber die Zahl der Morde nimmt nicht ab, gerade jetzt nicht im Lockdown. «Ni una menos – nicht eine weniger», unter diesem Motto gehen seit ein paar Jahren die Frauen in Argentinien auf die Strasse und verlangen ein Ende der frauenfeindlichen Gewalt. An den Grossdemonstrationen in Buenos Aires nahmen immer wieder Hunderttausende teil.

    Besonders abscheuliche Morde haben die Öffentlichkeit wachgerüttelt – Frauen, die von ihrem Partner mit zahllosen Messerstichen getötet oder mit Alkohol übergossen und dann angezündet wurden. Noch immer gibt es Täter, die straffrei ausgehen, aber die Justiz ist aktiv geworden. Inzwischen wird der Femizid, der Frauenmord, immer öfter als verschärfender Tatbestand gewertet. Immer mehr Frauen wagen es, gegen ihre Peiniger Klage einzureichen.

    Auch wurden Kampagnen gegen das frauenverachtende Denken der Macho-Kultur gestartet. Frauenfeindliche Sprüche in Politik und Sport lösen inzwischen im Internet einen Shitstorm aus.

    Aber Argentinien steckt in einer Finanzkrise. Der Staat ist praktisch bankrott. Es fehlt an Geld, um genügend Plätze in Frauenhäusern zu schaffen und um die Pläne des neu gegründeten Frauenministeriums umzusetzen. Und jetzt kommt noch die Corona-Krise dazu. Frauen, die mit gefährlichen Partnern zuhause blieben müssen, sind erst recht bedroht und haben es noch schwerer, Hilfe zu finden.

    • 28 min
    USA: «Morgendämmerung» im Klimakampf?

    USA: «Morgendämmerung» im Klimakampf?

    In der Klimabewegung der USA sticht eine neue Gruppierung heraus - «Sunrise», lautstark, gut vernetzt, mit potenten Geldgebern und einem grossen Ziel: eine «grüne Revolution» durchbringen, ungeachtet aller Bremsmanöver von Trump. Nach der Corona-Krise soll der Kampf mit doppelter Kraft weitergehen. Mit spektakulären Protestaktionen haben die jugendlichen Aktivistinnen und Aktivisten von «Sunrise» zum Auftakt des Präsidentschaftswahlkampfs viel Lärm gemacht. In ihrem Visier ist weniger Präsident Donald Trump. Vom Amtsinhaber, der aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen ist, und seinem konservativen Lager, erhoffen sich die Aktivisten nichts. Umso mehr Druck machen sie auf Herausforderer Joe Biden. Dessen Demokratische Partei soll im Parlament einen «Green New Deal» durchbringen, mit dem die Klimapolitik der USA zu internationalen Standards zurückgebracht würde.

    In Trainingscamps wird unterdessen die klimabewegte Jugend auf eine neue Phase im Kampf gegen die Erderwärmung eingeschworen, bis hinab in die konservativen Südstaaten, wo die Kluft zwischen Klimarisiken und Klimabewusstsein besonders gross ist.
    Besuch im Camp von «Sunrise» in Tennessee. Und Schadensaufnahme im Garten der Familie Prager in Florida, wo der Rasen verdorrt, der Pfad einbricht, und das Wasser aus der Lagune bedrohlich nahe ans Bungalow rückt.

    • 28 min
    Russland – die Tristesse der Generation Putin

    Russland – die Tristesse der Generation Putin

    Seit 20 Jahren ist Wladimir Putin an der Macht. Eine ganze Generation ist unter ihm herangewachsen. Er war da, als sie im Kindergarten waren. Er war da, als sie zur Schule gingen, und jetzt herrscht er immer noch. Wie hat dieser Zustand Russlands Jugend geprägt? Was erwartet sie von der Zukunft? Putin hat Russland Stabilität gebracht und er hat das Land wieder zu einem mächtigen Akteur auf der internationalen Bühne gemacht. Dieses Bild wird von offizieller Seite propagiert. Viele jungen Leuten macht das aber wenig Eindruck.

    Es gibt zwar jene jungen Leute, die sich in Putins patriotischen Jugendorganisationen engagieren, den heldenhaften Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg feiern, inbrünstig die Nationalhymne singen, sich um Denkmäler und Veteranen kümmern. Dieses Engagement zahlt sich auch aus. Es verhilft den Jungen zu Karrierechancen und Putins Machtapparat zu Nachwuchskadern.

    Es gibt aber auch die Jungen, die Putin ablehnen, die sich nach Demokratie und freien Wahlen sehnen, die sich im Internet frei bewegen wollen und keine Angst haben vor Polizei und Geheimdienst. Letzten Sommer strömten viele von ihnen in Moskau auf die Strassen, bevor Putin die Proteste ersticken liess.

    Beide Gruppen aber, die jungen Anhänger und die jungen Gegner Putins, sind kleine Minderheiten. Die grosse Mehrheit der Generation, die unter Putin gross geworden ist, will von ihrem Präsidenten und von Politik nichts wissen. Die Welt dieser Jugend erschliesst der Besuch auf einem Konzert des Rappers Husky. Und die Soziologin Anna Sorokina erklärt, was sie mit ihren Studien über die Werte der Generation Putin herausgefunden hat.

    • 28 min

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