Wenn der Mensch sich selbst verkauft, wird er schneller aufgebraucht. Selbst verkauft — aufgebraucht. Selbst verkauft — aufgebraucht. Selbst verkauft — aufgebraucht. Wo einst Streiche, laut und krumm, steht heut’ Reichweite stumm herum: Inhalt dünn, die Pose fett – und der Lohn: warmes Fett, bei Mc Dagobert, dem Herrn der Kasse, der aus jedem Witz noch Münzen presse. „Krach verkauft sich!“, ruft er heiter, „und wer schweigt, der kommt nicht weiter!“ Max trägt Cap und Ringlicht-Schimmer, Moritz filmt im Selfie-Zimmer; beide reden ohne Ruh, doch die Welt hört trotzdem zu. Denn es gilt in diesen Tagen: Nicht erst denken – sondern sagen! Und wer’s sagt mit frecher Schnute, gilt als „mutig“, gilt als „Gute“. So ziehn sie aus, geschniegelt smart, machen „Content“, kalt und hart: „Heute testen wir im Lichte, was die Küche so verrichte!“ Dort, wo Pommes heißer dampfen, wo sich Menschen kurz entschlumpfen, wo das Herz in Pappe schlägt und der Bauch sich billig pflegt, steht im Hinterraum – man ahnt’s kaum – ein Palettenlager-Raum. Frostig ruht, geschniegelt still, was man später essen will. Und die zwei, in alter Weise, wollen Streich auf neue Reise: „Seht“, spricht Max, „wie’s wirklich läuft!“ „Seht“, spricht Moritz, „oh...und das schmeckt so toll?“ Mit dem Messer – nicht zu tief – schlitzen sie, geschniegelt schief, so ein Pack, geschniegelt kalt, das der Frost zusammenhält. Nicht um Blut, nicht um Gedärme, nein – um Lärm und um Hack in der Wärme. im Kopf des Publikums daheim, das sich gruselt – und sagt: „Fein!“ Denn die Wahrheit – merkt euch’s gut – ist für Klicks oft nicht genug. Also muss man würzen, drehen, bis die Leute Köpfe drehen. Da erscheint Mc Dagobert im Gang, Blick wie Kasse, Hals wie Zwang. Er sieht’s, zählt’s, und ohne Schrei ruft er leis: „Ihr zwei – vorbei.“ „Freunde“, sagt er, „solch Theater kostet Zeit und kostet Vater… äh – Verzeihung – kostet Geld! Und Geld ist Ordnung dieser Welt.“ [BUILD 2 – call & response] Wer schweigt? (kommt nicht weiter!) Wer schreit? (verkauft sich leichter!) Wer denkt? (hat’s schwerer!) Man nimmt die Stars, die Lärm verschulden, packt sie ein, ganz ohne Dulden. Sack und Schnur – man fragt nicht viel – Ordnung muss sein, das ist Ziel. Max noch frech: „Das geht viral!“ Moritz grinst: „Total genial!“ Doch Mc Dagobert nur trocken: „Viral? – Ja. Das wird den Leuten schmecken!" Denn wer hier stört, der wird verwogen. Wer hier prahlt, der wird gezogen durch den Gang, der hinten liegt, wo kein Publikum mehr siegt.“ Fort nun mit den zwei Gestalten hinter Türen, kalt und alten… Und was dort geschieht im Dunkeln, soll dem Gast die Stirn nicht runzeln. Vorn jedoch, am Grill, geschniegelt glatt, liegt schon neue Ware satt: Zwei Paletten, fein etikettiert, „Trend der Woche“ – hoch poliert. „Oh!“, ruft einer, „ist das neu?“ „Mega!“, sagt die nächste treu. Und sie beißen froh und munter, schlucken’s runter, immer runter. Kurz ein Kauen, kurz ein Nicken, weiter scrollen, weiter klicken. Und da sitzt – man sieht ihn kaum – hinten, weich im Lederschaum, in der Ecke, fein geschniegelt: Graf Eppstein, still versiegelt. Was nach Akten riecht und Nächten, die man lieber nicht betrachten. Und genau das ist der Witz: Alle reden gern vom Spritz, vom Gerücht, vom schnellen Graus, doch beim Wirklichen wird’s aus. Da wird weggeschaut, gelacht, oder schnell das Licht ausgemacht. Max und Moritz – wo sind sie? Nun, die Welt ist Industrie. Wer sich selbst zum Spielzeug macht, wird auch so zurückgebracht. Und Mc Dagobert zählt im Takte seine Münzen, seine Akte (keine Akten wie der Graf – sondern große Zahlen, scharf und brav): „Seht“, so spricht er, „wie es geht: Was sich gut verkauft, besteht. Und wer stört mit frechem Sein, wird am Ende – klein, oh nein!“ Da tritt, wie’s sich ziemt, zum Schluss noch der alte Oberdruss in Gestalt von strenger Lehre: Du, der du so gern empört, hast du wirklich hingehört? Oder frisst du nur Geschichten, weil sie leichter sind als Pflichten? ...