Im Podcast spricht der Medienwissenschaftler über die Freiheitsrhetorik des Autoritarismus, Angriffe auf freie Medien unter Trump und warum die Medienkompetenz gestärkt werden muss. In dieser Folge von „In aller Ruhe“ geht es um den besorgniserregenden Abbau der Meinungs- und Pressefreiheit in den USA. Aber auch um Angriffe auf Diskurse hier in Deutschland. Um darüber zu sprechen, hat Moderatorin Carolin Emcke den Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen zum Gespräch eingeladen. Er erzählt im Podcast über seinen jüngsten Besuch in den Vereinigten Staaten und von den Gesprächen, die er dort mit Menschen geführt hat. Pörksen skizziert die Grundpfeiler einer optimistischen Vision für eine bessere Diskurskultur: die redaktionelle Gesellschaft, wo jede und jeder in der Lage ist, Informationen zu hinterfragen und einzuordnen. Pörksen, geboren 1969 in Freiburg im Breisgau, ist einer der bekanntesten deutschen Medienwissenschaftler. Während seines Studiums der Germanistik, Journalistik und Biologie arbeitete er freiberuflich als Journalist. Nach der Promotion lehrte er zunächst Kommunikations- und Sprachwissenschaft an der Universität Greifswald. Nach Stationen in Hamburg und Münster übernahm er 2008 als Professor den Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, wo er auch heute noch arbeitet. Zu den zentralen Themen seiner Forschung gehört die Dynamik öffentlicher Empörung. Im Podcast analysiert der Medienwissenschaftler, wie Donald Trump und seine Verbündeten systematisch unabhängige Medien einschüchtern und diskreditieren, etwa durch Klagen, Drohungen und den Versuch, Journalisten zu entlassen. Öffentlich werden diese Angriffe dabei mit der vermeintlichen Verteidigung der Meinungsfreiheit und der freien Presse begründet, sagt Pörksen. Eine paradoxe Strategie: „Dieser neue Autoritarismus, den wir da erleben, spricht die Sprache der Anti-Autoritären. Diese neue Unfreiheit kommt im Gewand der Freiheitsrhetorik daher.“ Doch nicht nur in den USA sind Medien- und Meinungsfreiheit bedroht. Carolin Emcke und Bernhard Pörksen sprechen im Podcast auch über die verpatze Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf und die massiven Anfeindungen, die die Richterin im Zuge der Debatte erleben musste. Für Pörksen ist die Causa Brosius-Gersdorf „ein Symptom einer neuen Wucht der neuen Öffentlichkeiten“. Das Internet und die sozialen Medien seien zu einem „Trainingslager der mentalen Verwahrlosung“ geworden und verursachten gleichzeitig eine generelle „informationelle Verunsicherung“. Um dem beizukommen, fordert Bernhard Pörksen im Podcast einen besseren institutionalisierten Schutz für Menschen, die Hasskommentaren im Internet ausgesetzt sind. Und er spricht sich dafür aus, die Medienkompetenz der Menschen allgemein zu stärken. „Ich sehe das als eine Gesamtanstrengung, weil ja tatsächlich jeder zum Sender geworden ist.“ Ziel müsse es sein, zu einer „redaktionellen Gesellschaft“ zu werden. Empfehlung von Bernhard Pörksen: Als Lesetipp empfiehlt Bernhard Pörksen die in diesem Jahr erschienene Thomas-Mann-Biografie von Tilmann Lahme. Es sei ein „ungeheuer wuchtiges Buch“, das die Leser Neues entdecken lasse und einen Thomas Mann zeige, der sich seine Homosexualität nicht zugesteht und deshalb „erotische Energie in Kulturenergie“ verwandelt. „Diese innere Biografie, halte ich für eine literarische Sensation“, sagt der Medienwissenschaftler im Podcast. Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt Produktion: Imanuel Pedersen Bildrechte Cover: Peter-Andreas Hassiepen/Bearbeitung SZ Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.