Die Neuen Zwanziger

Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest. Mails an mail@neuezwanziger.de erreichen Wolfgang und Stefan.

DER SALON

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  1. 1 day ago • Der Salon Only

    Sommersalon: Uli Siegmund, Dobrindts Geheimdienstreform, die Maschinen und der Fernsehgarten

    Vollständige Shownotes mit allen Quellen: https://smalltalk.neuezwanziger.de/t/715 Der Sommersalon 2026, aufgezeichnet am 22. August im Saalbau Bornheim in Frankfurt vor über 600 Zuschauern. Wolfgang hat ein vierstündiges Podcast-Interview des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund durchgearbeitet, Stefan nimmt die beschlossene Nachrichtendienstreform auseinander, und zum Schluss geht es in den ZDF-Fernsehgarten. 00:00:00 Begrüßung Stefan und Wolfgang eröffnen den Abend aus dem Saalbau Bornheim und gehen die Themen durch. Als nächste Salon-Lektüre kündigen sie Tom Krebs' „Kapital und Krise" für Mitte September an. 00:09:48 Ulrich Siegmund Wolfgang spielt Ausschnitte aus dem vierstündigen Gespräch, das der AfD-Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt dem Podcast „ungeskriptet" von Ben Berndt gegeben hat — Ausschnitte, in denen kaum eine radikale Position vorkommt: Auf einen Stinkefinger kämen 500 bis 800 erhobene Daumen, alle machten Fehler, mit einzelnen Grünen und Linken könne man ein Bier trinken. Wolfgangs Lesart: Die AfD fährt zweigleisig, Hetze auf der einen und Wohlfühlton auf der anderen Seite, und beide Seiten stecken in derselben Wählerperson. Stefan hält Siegmund für AfD-untypisch — halb so alt wie das übliche Personal, mit einem Lob auf Markt und Freiheit. Zum Programm nennt Siegmund Einsparungen von 300 bis 600 Millionen Euro, um beitragsfreie Kindergärten und kostenloses Schulessen zu finanzieren; Wolfgang bezeichnet das als klassisch sozialdemokratische Politik. 01:03:21 Die Geheimdienstreform Stefan spielt Christian Sievers' Anmoderation im „heute journal" zum Kabinettsbeschluss über die Nachrichtendienste ein, in der die Trennung von Polizei und Geheimdienst als Konsequenz aus Gestapo und Nazizeit erklärt wird. Das von Innenminister Alexander Dobrindt vorgelegte Paket begründet Kanzleramtsministerin Nina Warken mit hybriden Angriffen; künftig darf der BND Systeme hacken und der Verfassungsschutz im Einzelfall Wohnungen durchsuchen. Stefans Linie: Es entstehen keine neuen Befugnisse, bestehende wandern von der Polizei zu den Diensten — und für die Polizei in Sachsen-Anhalt könnte künftig Siegmund zuständig sein. Aus einem Deutschlandfunk-Podcast folgen Passagen mit Falk Steiner und Marcus Pindur; Wolfgang hält dagegen, dass ihm das gegenwärtige Personal an diesen Hebeln bereits reicht. 01:36:33 Die Maschinen kommen Autonome Lieferfahrzeuge von DoorDash, 2,82 Millionen fahrerlose Lieferungen in Shenzhen binnen eines Monats, Drohnenshows mit 11.000 Fluggeräten und ein US-General, der einräumt, gegen Schwärme billiger Drohnen weder Sensorik noch Mittel zu haben. Wolfgang schließt daraus, nicht die Befürworter von Abrüstung seien die Phantasten. Dazu Roboter-Halbmarathon in Peking, Ernst Jüngers „Gläserne Bienen", eine Drohnenfabrik im Schiffscontainer und der Milliardenauftrag an Helsing und Stark, den ein ukrainischer Vizekommandeur als wenig hilfreich bezeichnet. 02:01:56 Fernsehgarten Wolfgang hat mehrere Ausgaben gesichtet, weil sich daran ablesen lasse, was in Deutschland als Normalität gelte. Mallorca-Ausgabe mit Elton, 50 Jahre Biene Maja, eine Publikumsgruppe, in der alle Frauen „Gabi" heißen, der 90-jährige Engelbert Humperdinck als Ausnahme und Ralf Möller mit Gottschalk-Vibes. Zum Schluss eine „Reise nach Jerusalem" um 500 Euro Reisegutschein — für Wolfgang der Verteilungskampf in Miniatur, für Stefan an Squid Game erinnernd. 02:29:27 Verabschiedung Wolfgang kündigt an, man sehe sich Ende des Monats wieder, Stefan verabschiedet sich mit „Haut rein".

    Sommersalon: Uli Siegmund, Dobrindts Geheimdienstreform, die Maschinen und der Fernsehgarten
  2. 9 Aug • Der Salon Only

    How to Rule the World, Die zweitgrößte Liebe, Romantik-Flaute, Narzissmus, Nolans Odyssee, Habermas-Kritik aus Kiew, Schuberts Hoffnung

    Theo Bakers Stanford-Buch „How to Rule the World" als Hauptbuch. Dazu: zwei Romane, eine Phänomenologie des Narzissmus, drei Lesarten von Nolans „Odyssee", die Romantik-Flaute, ukrainisches Kriegsmarketing, KI-Firmen als Buchkäufer — und Schubert. 00:00:00 Vor dem Salon Wegen der Hitze wird remote aufgenommen; beide erinnern an ihr Plädoyer für Klimaanlagen. Wolfgang beschreibt die Drohne am Leipziger Flughafen als Hybridisierung des Krieges und geht die Parteien durch, von denen keine die Eskalation aufhalten wolle. Stefan nennt den Flughafen eine Killing Zone. 00:24:11 Sommersalon Hinweis auf den Live-Salon am 22. August in Frankfurt im Saal Bornheim; es gibt noch Karten. 00:25:21 Salon-Lektüre Wolfgang kündigt Baker als Hauptbuch an, mit dem Vorbehalt, der Autor sei Teil des Problems. Danach stellen beide ihre Kurzlektüren vor. 00:33:25 Salon für Juli 2026 Anmoderation zum Salon, der von Stanford über Romane und Krieg bis zu Schubert führt. 00:34:19 Theo Baker: How to Rule the World Baker kommt mit 17 nach Stanford und bringt mit seiner Recherche über manipulierte Abbildungen den Universitätspräsidenten Marc Tessier-Lavigne zu Fall. Stefan liest das Buch als Milieustudie: Auswahl durch Milliardäre statt durch Leistung. Wolfgang kritisiert, dass Baker das Herrschen nicht in Frage stelle, sondern nur beanstande, dass die Falschen es tun. 02:15:26 Theo Baker in einer Minute Stärken und Schwächen, weil der Autor Teil des Problems ist — empfohlen als Milieustudie zwischen Corona und ChatGPT. 02:17:11 Ruth-Maria Thomas: Die zweitgrößte Liebe Michelle arbeitet nach der Pleite ihres Schmuckladens als Rezeptionistin, Henry verwaltet Vermögen anderer. Die Autorin rechnet die ökonomische Lage durch, bis zu den 280 Euro am Monatsende — und fragt, ob Geld die Klassenschranke aufheben oder nur verschieben würde. 02:31:56 Faith Hill: Die große Romantik-Flaute Hills Text steigt bei einer bezahlten Kennenlern-Veranstaltung ein: 100 Dollar für eine Umarmung, 4.750 fürs Matching. Stefan sieht eine Umkehrung — früher war die Ehe der Startpunkt der Lebensgestaltung, heute der Gipfel einer gelungenen Erwerbsbiografie. 02:46:17 Fuchs / Arnold: Das unersättliche Selbst Die Phänomenologie unterscheidet Körper und Leib: Narzissten sähen ihren Körper, spürten aber ihren Leib nicht. Zugrunde liege keine übermäßige Selbstliebe, sondern ein Seinsmangel. Dazu Passagen zu Trump und zur Nähe von Narzissmus und radikal rechter Präferenz. 03:02:48 Nolans Odyssee: Merchant, Wilson, Parrales Merchant liest den Film als Technikkritik und vermisst die Phäakenschiffe. Wilson hält entgegen, dass darin weder gebaut noch überlistet werde. Parrales liest ihn als Erzählung über Rache und Reue. 03:29:09 Nguyễn Egger: Vielleicht im Sommer Sommer 2007: Der 15-jährige Kian flieht aus einem Heim, trifft Marco, beide schlagen sich von Bielefeld ans Meer durch. Kurze Sätze, wenig Dialog. 03:34:53 Jermolenko: Habermas und der Krieg Agora und Agon müssten in Balance stehen — eine reine Agon-Gesellschaft ende im Faschismus, eine reine Agora-Gesellschaft sei wehrlos. Stefans Kritik gilt der Redaktion, die dem Gespräch eine Habermas-Abrechnung auflädt. 03:52:53 Sonja Zekri: Concept-Stores der Militärverbände Ukrainische Verbände wie das Asow-Korps treten als Marken auf: Stores mit Espresso und Kleidung mit Drohnenaufdruck, eigene Marketingstäbe. Dazu Brave1 Market, wo Einheiten verifizierte Treffer in Punkte umrechnen. 04:01:49 Alex Reisner: Are AI Companies Destroying Books? Belegt ist der Buchkauf samt Vernichtung für Anthropic, weitere Verdachtsfälle führen ins Leere. Gekauft werden Handbücher von 1970 bis 1990 — gefragt, weil nachweislich vor 2022 entstanden. Gemessen am Entkleiden der Autorschaft wirke die Zerstörung beinahe putzig. 04:12:46 Hasselhorn / Bushakevitz: Schubert-Lieder Das dritte Schubert-Album des Baritons Samuel Hasselhorn, mit „An Silvia". Mitunter sehr opernhaft — Wolfgang rät zum Vergleich mit Prey oder Fischer-Dieskau.

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  3. 10 Jul • Der Salon Only

    Dieser Drang nach Härte, Kybernetik und Kritik, Bismarck, AfD in Sachsen-Anhalt, Im ersten Licht, Trillionär als Killer, Links & wehrhaft, Hitzetote

    00:00:00 Vor dem Salon Chatkontrolle, Informationsfreiheit und die Frage, ob Konzerne oder Politik regieren; Stefan fordert materielle Kritik statt Empörung in Feedback-Schleifen, Wolfgang hält Konsumboykotte für Pseudoaktivismus. Dazu OpenAI, die Rentendebatte und Stefans These zu Trumps „Grab them by the p***y"-Video. 00:46:02 Salon für Juni 2026 Eröffnung mit den Büchern von Redecker und Nosthoff sowie Kurzlektüren von Bismarck bis zum Klaviertrio. 00:46:56 Eva von Redecker: Dieser Drang nach Härte Faschismus als „liquidierende Phantombesitzverteidigung": überlebte Verfügungsansprüche über Frauen, Nation und völkisches Blut, analog zum Phantomschmerz verteidigt. Stefan findet das Buch heuristisch wertvoll und empfiehlt es; Wolfgang kritisiert den Ballast der Sekundärliteratur und das Schweigen zur Wehrpflicht. 02:31:30 Drang nach Härte in 1 Minute Wolfgangs Zusammenfassung plus Stefans Fazit: den Faschismus verstehen — und im Alltag nicht mehr von ihm reden. 02:33:24 Anna-Verena Nosthoff: Kybernetik und Kritik Regieren über Feedback-Schleifen statt über Befehl — allgegenwärtig und gerade deshalb unsichtbar. Von der Nudging-Theorie über die Rechtswende der Tech-Elite bis zur Frage, ob Kritik möglich ist, ohne selbst Signal im System zu sein; Stefan kritisiert den Dissertationsstil, Wolfgang verteidigt ihn. 03:51:40 Christoph Nonn: Bismarck Wolfgang stellt die Biographie vor, die das Bild vom „großen Mann" negiert: Bismarck als Taktierer im Netz zahlreicher Akteure — mit Parallelen zu Trumps Zöllen. 04:05:49 Valerie Schönian: AfD in Sachsen-Anhalt Stefans ZEIT-Lektüre: Schönian besucht vor der Landtagswahl ihre Familie im 40-Prozent-AfD-Umfeld und findet Fatalismus mit Urvertrauen in den Staat. 04:19:04 Norbert Gstrein: Im ersten Licht Wolfgang empfiehlt den Antikriegsroman über Adrian, den sein Vater kriegsuntauglich schlägt — und der zeitlebens die Nähe derer sucht, die im Krieg waren. 04:28:29 TC Sottek: The world's first trillionaire is a killer Stefan referiert den Verge-Text: Musks USAID-Zerschlagung kostete Hunderttausende Leben, gespart hat Doge kaum. Wolfgang meint, Musk müsse nach Den Haag. 04:36:13 Jan Schlemermeyer: Links, demokratisch, wehrhaft Der Blätter-Text fordert eine antifaschistische Sicherheitspolitik der Linken; Wolfgang fragt, welcher Faschismus gemeint ist, und hält die liberale Demokratie für enteignungsfest gebaut. 04:49:45 Jan Schwenkenbecher: Hitzetote 5.200 Übersterbliche in der Juni-Hitzewelle, rund 4.000 an einem einzigen Wochenende — und kaum politischer Widerhall. 04:56:01 Trio E.T.A.: un///known Unbekannte Werke: ein Andante von Grieg, ein lange Brahms zugeschriebenes A-Dur-Trio und Wolfgangs Entdeckung — César Francks frühes fis-Moll-Trio. 04:59:56 Sommersalon Live-Salon am 22. August in Frankfurt, Tickets bei neuezwanziger.de.

    Dieser Drang nach Härte, Kybernetik und Kritik, Bismarck, AfD in Sachsen-Anhalt, Im ersten Licht, Trillionär als Killer, Links & wehrhaft, Hitzetote

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