Das Monokel

Marko Kovic

Ein Podcast über Medien, Macht und Ideologie.

  1. 23.03.2021

    Folge 17: Sexismus in der Medienbranche

    Anfang März 2021 haben 78 Tamedia-Redaktorinnen einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie Sexismus und Diskriminierung von Frauen auf den Redaktionen beklagen. Frauen erhielten bei gleicher Arbeit weniger Lohn, hätten Schwierigkeiten, ihre Themen durchzusetzen und hätten schlechtere Karrierechancen. Diese Protestaktion hat für Aufsehen gesorgt. In der heutigen Folge diskutieren wir mit drei Journalistinnen über ihre Einschätzung des Problems von Sexismus in der Medienbranche. Aleksandra Hiltmann ist Redaktorin im Ressort Kultur und Gesellschaft beim Tages-Anzeiger und Mitunterzeichnerin des offenen Briefs. Nicole Döbeli ist Ressortleiterin Region beim Landboten, Co-Präsidentin des Vereins Medienfrauen Schweiz und ebenfalls Mitunterzeichnerin des offenen Briefes. Nadine Brügger ist Chefin vom Dienst im Nachrichtenressort der Neuen Zürcher Zeitung. Im Gespräch argumentieren Aleksandra, Nicole und Nadine, dass und wie Sexismus ein oft subtiles strukturelles Problem ist, welches mit anderen Probleme wie Machtgefällen, Mobbing und ökonomischen Zwängen zusammenhängt. Sexismus auf journalistischen Redaktionen bleibt nicht ohne Konsequenzen. Studien zeigen beispielsweise, dass Frauen systematisch weniger oft Gegenstand von oder Stimmen in der journalistischen Berichterstattung sind. Wie kann die Situation verbessert werden? Nebst strukturellen Reformen in Medienorganisationen wie transparenteren Kriterien für die Karriereentwicklung können auch wir als Publikum einen kleinen Beitrag leisten. Indem wir journalistische Beiträge von Frauen und über Frauen häufiger lesen, hören, sehen und teilen, helfen wir mit, den Kreislauf der sich reproduzierenden Ungleichbehandlung von Frauen in den Medien, aber auch allgemein in der Gesellschaft zu durchbrechen.

    36 Min.
  2. 26.02.2021

    Folge 16: Die Schlammschlacht zur Burkaverbots-Initiative

    Am 7. März 2021 stimmt die Schweiz über die Volksinitiative "Ja zum Verhüllungsverbot" ab, die ein landesweites Verbot der muslimischen Gesichtsverschleierungen Niqab und Burka vorsieht. Über diese Burkaverbots-Initiative wird hitzig debattiert. Das ist für sich genommen auch gut, aber die Befürworter*innen und Gegner*innen der Initiative versteifen sich auf Schwarz-Weiss-Sichtweisen in einer Frage mit vielen Grautönen. Das Ja-Lager rund um das islamophobe Egerkinger Komitee verkauft das Burkaverbot als Massnahme zur Gleichstellung von Frau und Mann und der Stärkung der Rechte der Frau. Das mutet reichlich heuchlerisch an, wenn man die ansonsten sehr wertekonservativen Haltungen der Initianten in Betracht zieht. Auch ist die Rede von "politischem Islam" und Terrorismus, die mit einem Burkaverbot bekämpft würden. Dass Burkaverbote in Ländern wie Frankreich oder Österreich nichts dazu beigetragen haben, das Problem des Islamismus zu reduzieren, wird aber verschwiegen. Das Nein-Lager verkauft Vollverschleierung als weitgehend autonomen, selbstbestimmten Entscheid unabhängiger Frauen – werde eine Frau aber doch zur Verschleierung "gezwungen", gebe es schon heute juristische Wege, dagegen anzukämpfen. Das ist ein doppelter Hohn und eine Verniedlichung des Sachverhaltes. Sozialisierung, Tradition, latenter Druck sind allesamt keine explizite Nötigung, können die individuelle Lebensgestaltung aber "unfrei" machen. Und zu meinen, dass eine betroffene Frau ohne Weiteres Anlaufstellen kontaktieren kann, wenn sie leidet, ist geradezu lächerlich. Insgesamt kommt die "Islamdebatte", die seit 20 Jahren auf der politischen Agenda steht, auch mit dieser Initiative kein Stück weiter. Solange die Komplexität der Thematik nicht berücksichtigt wird, drehen wir uns nur im Kreis.

    40 Min.
  3. 12.02.2021

    Folge 15: Wie 4chan die Welt erobert hat

    Hass, Desinformation, Verschwörungstheorien, Rassismus, Antisemitismus, Faschismus: Auf Social Media-Plattformen kursieren zahlreiche hässliche Ideen. Doch viele von ihnen entstehen nicht auf Facebook und Co., sondern werden dort nur gross. Der Ursprung extremistischer Ideen sind oft kleine, unbekannte Ecken im Internet. Wie zum Beispiel 4chan. 4chan ist ein unscheinbares Online-Diskussionsforum, das in technischer Hinsicht ziemlich veraltet wirkt. Doch 4chan hat eine riesige kulturelle Kraft: Auf 4chan entstehen viele reaktionär-faschistoide Memes, Aktionen und Bewegungen, die auf andere Social Media-Plattformen und damit in den politischen Alltag überschwappen. Einige Beispiele dafür sind der Gamergate-Hassmob von 2014 oder die QAnon-Verschwörungstheorie, die 2017 auf 4chan ihren Anfang nahm. Darüber hinaus, und vielleicht noch wichtiger, wird auf 4chan mit Sarkasmus und Tabubrüchen reaktionär-faschistoider Hass normalisiert und für ein breites Publikum aufbereitet. Die meisten Leute wollen nichts mit Neonazis zu tun haben – aber die Hemmschwelle, über ein Meme mit der Comicfigur Pepe in SS-Uniform zu lachen, ist viel tiefer. Dieser 4chan-Habitus, reaktionär-faschistoide Ideen in Sarkasmus zu verpacken und damit subtil Hass gegen "kulturellen Marxismus", gegen "Social Justice Warriors", gegen braune und schwarze Menschen, gegen Transgender-Menschen usf. zu normalisieren, ist längst nicht mehr auf 4chan beschränkt. Der 4chan-Habitus hat den breiteren politischen Diskurs infiziert – und die meisten Leute, die heute die diskursive 4chan-Brille tragen, haben nie von 4chan gehört.

    31 Min.
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