Der Schmerzcode

Marco Wintruff

Habt Ihr Euch schon einmal gefragt, wie Schmerzen entstehen und wie sie verarbeitet werden? Oder welche neuen Entwicklungen es im Bereich der Schmerzmedikamente gibt? Vielleicht interessiert Euch auch, wie Schmerztherapie in der täglichen Praxis funktioniert und welche Tipps Experten aus anderen Fachbereichen für uns haben. Dann haben wir großartige Neuigkeiten für Euch! Ab dem 1. August 2024 startet unser brandneuer Podcast “Der Schmerzcode”. Jeden ersten Donnerstag im Monat um 6 Uhr werden wir eine neue Podcast-Folge veröffentlichen. In “Der Schmerzcode” tauchen wir tief in die Welt der Schmerzmedizin ein. Wir präsentieren Euch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, Ansätze und spannende Gäste, die dazu beitragen können, die Versorgung unserer Patienten zu verbessern. Seid Ihr bereit für diese aufregende Reise durch die moderne Schmerzmedizin? Dann abonniert “Der Schmerzcode” und begleitet uns dabei, wenn wir die Geheimnisse des Schmerzes lüften! Euer “Der Schmerzcode” Team Marco Wintruff und Jan-Peer Rogmann

  1. vor 3 Tagen

    Sonderreihe Schmerz (3/4): Bewegung als Therapie mit Peter O’Sullivan

    In dieser dritten Episode unserer vierteiligen Serie über chronische Schmerzen sprechen wir mit Peter O’Sullivan, dem Begründer der Cognitive Functional Therapy (CFT). Wir stellen die CFT als einen Ansatz vor, der das Verständnis von Schmerz, den Wiederaufbau von Vertrauen in die Bewegung und Veränderungen, die ein gesundes Alltagsleben unterstützen, miteinander vereint. Peter erklärt, wie seine klinische Arbeit und Forschung ihn dazu brachten, strukturelle Erklärungen und Behandlungen infrage zu stellen, die oft nur kurzfristige Linderung verschafften. Die CFT nutzt einen breiten klinischen Rahmen, um physische Faktoren neben den Überzeugungen, Emotionen, dem Lebensstil, der Gesundheit und den sozialen Umständen einer Person zu betrachten. Anstatt generische Erklärungen zu liefern, arbeiten Kliniker gemeinsam mit den Patienten daran, zu verstehen, wie der Schmerz mit deren individueller Erfahrung zusammenhängt. Wir diskutieren, wie Angst, Schutzbewegungen, Vermeidung und der Glaube, dass Schmerz eine Gewebeschädigung bedeutet, die Belastung verstärken und wertvolle Aktivitäten einschränken können. Peter beschreibt, dass die Beurteilung mit der Geschichte, den Sorgen und den Zielen des Patienten beginnt und anschließend Bewegungen sowie praktische Explorationen nutzt, um Vertrauen aufzubauen. Die Aktivitäten werden auf das zugeschnitten, was die Patienten wieder erreichen wollen – etwa das Heben eines Kindes, die Arbeit oder das Tanzen – und werden schrittweise gesteigert. Im Laufe der Zeit wandelt sich die Rolle des Klinikers von einer engen Unterstützung hin zum Coaching der Patienten, damit diese ihre eigene Genesung steuern können. Peter spricht zudem darüber, wie die CFT auf Menschen mit unterschiedlichen und überlappenden Schmerzmechanismen angewendet wird, sowie über die Bedeutung des Screenings auf ernsthafte Pathologien und die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsfachkräften. Er beschreibt die Herausforderungen für Kliniker, darunter das aufmerksame Zuhören, die Anpassung der Kommunikation und die Sicherheit im Umgang mit psychischer Belastung oder Angst. Wir vergleichen die CFT mit Ansätzen, die zuvor in der Serie besprochen wurden, und betrachten die Notwendigkeit einer koordinierteren, evidenzbasierten Versorgung. Peters abschließende Botschaft richtet sich an Kliniker, genau darauf zu hören, was Patienten benötigen, und an die Patienten, die Hoffnung nicht zu verlieren: Genesung kann bedeuten, ein bedeutungsvolles Leben wieder aufzubauen, selbst wenn der Schmerz nicht vollständig verschwunden ist.

    Sonderreihe Schmerz (3/4): Bewegung als Therapie mit Peter O’Sullivan
  2. 1. Okt.

    Sonderreihe Schmerz (2/4): Warum Schmerz bleiben kann mit Samira Peseschkian

    In der Folge sprechen Jan-Peer und Marco mit der Ärztin und Autorin Samira Peseschkian über chronische Schmerzen und ihre Begleiterscheinungen. Ausgangspunkt ist ihre eigene Erkrankung mit starken Bauchschmerzen, Übelkeit, Gewichtsverlust und Schwindel, die schließlich als Dunbar-Syndrom diagnostiziert wurde. Samira verbindet medizinisches Wissen mit persönlichen Erfahrungen. Im Mittelpunkt steht ihr Buch „Der Schmerz und seine Komplizen: Resilienz bei chronischen Krankheiten“. Damit meint sie Begleitfaktoren des Schmerzes wie Angst, Ungewissheit, soziale Isolation, Stress, Schlafprobleme und das Schmerzgedächtnis. Sie beschreibt, dass diese Faktoren oft stärker belasten als der Schmerz selbst. Ein zentrales Thema ist die Ungewissheit bei chronischen Erkrankungen. Samira erklärt, dass Betroffene häufig nicht wissen, wie stark die Schmerzen am nächsten Tag oder in den nächsten Stunden sein werden. Dadurch werde Planung schwierig und ein Gefühl von Kontrolle gehe verloren. Sie erläutert auch das Schmerzgedächtnis anhand von Amygdala und präfrontalem Kortex. Wenn Schmerz wiederholt mit bestimmten Reizen verknüpft wird, können schon ähnliche Situationen Angst oder Schmerzen auslösen. Mit der Zeit könne diese Alarmreaktion anhalten und schwerer abschaltbar werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die positive Psychotherapie ihres Großvaters. Samira beschreibt sie als ressourcenorientierten Ansatz mit den Säulen Hoffnung, Balance und Beratung. Wichtige Lebensbereiche seien Körper und Sinne, Leistung, Familie und Kontakte sowie Zukunft und Sinn. Zum Schluss geht es um Selbstmitgefühl, Schuldgefühle und den Umgang von Ärztinnen und Ärzten mit chronisch Kranken. Samira wünscht sich mehr Verständnis dafür, dass Körper und Psyche zusammenhängen, sowie eine Sprache, die Schmerzen legitimiert und Betroffene entlastet.

    Sonderreihe Schmerz (2/4): Warum Schmerz bleiben kann mit Samira Peseschkian
  3. 3. Sept.

    Sonderreihe Schmerz (1/4): Schmerz als Schutzsystem mit Lorimer Moseley

    In dieser Jubiläumsfolge sprechen wir mit Lorimer Moseley über das Verständnis von Schmerz und das Fit-for-Purpose-Modell. Wir ordnen seine Arbeit historisch ein und greifen die Entwicklung von einem eher mechanistischen Schmerzmodell hin zu einem komplexeren, integrativen Verständnis auf. Wir besprechen, dass Schmerz nicht einfach ein direkter Detektor von Gewebeschaden ist, sondern ein Schutzsystem. Dabei fließen viele Faktoren zusammen, darunter sensorische Informationen, Erwartungen, Aufmerksamkeit, Emotionen, Erfahrungen und Kontext. Schmerz entsteht demnach als Ergebnis einer Bewertung von Gefahr im Nervensystem. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Plastizität des Schmerzsystems. Wir sprechen darüber, dass sich das System durch Erfahrungen verändern kann, sowohl in Richtung erhöhter Empfindlichkeit als auch in Richtung Desensibilisierung. Dazu nutzen wir die Bilder des Orchesters und der Zwiebel, um die Mehrschichtigkeit von Schmerzerfahrung zu erklären. Im therapeutischen Teil geht es um zwei zentrale Bausteine: Wissen über Schmerz und körperbezogenes Training. Wir erklären, warum Schmerzwissen Selbstwirksamkeit fördern kann und wie schrittweise angepasste Bewegung helfen soll, das System neu zu beeinflussen. Dabei betonen wir, dass nicht jede Maßnahme für jede Person gleich passt. Im Interview geht Moseley auch auf seine persönliche Entwicklung ein und beschreibt Erfahrungen, die sein Verständnis von Schmerz geprägt haben. Er spricht über die Rolle von Angst, Stress, Vermeidung, chronischem Schmerz, Metaphern in der Patientenkommunikation und die Bedeutung aktueller Evidenz in der klinischen Praxis.

    Sonderreihe Schmerz (1/4): Schmerz als Schutzsystem mit Lorimer Moseley
  4. 2. Apr.

    Ehlers-Danlos-Syndrom - Multisystemerkrankung verstehen

    In dieser Episode des Podcasts "Der Schmerzcode" besprechen Jan-Peer und Marco ein faszinierendes, jedoch oft missverstandenes Thema: das Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) und die damit verbundenen Herausforderungen. In einem persönlichen Gespräch kommen sie auf eigene Erlebnisse und die Schwierigkeiten zu sprechen, die Patienten mit dieser seltenen genetischen Erkrankung durchleben müssen. Anhand einer Patientin, die ihr Leben mit EDS schildert, wird deutlich, wie vielschichtig und facettenreich die Symptome dieser Erkrankung sind. Zu Beginn wird die Seltenheit des EDS hervorgehoben, das eine Prävalenz von etwa 1 zu 5000 hat. Jan-Peer und Marco liefern eine umfassende Erklärung, was genau das Syndrom ist und wie sehr es den Körper betrifft: Es handelt sich um eine genetische Bindegewebserkrankung, die nicht nur Gelenke betrifft, sondern auch das gesamte Bindegewebe im Körper. Dabei wird darauf hingewiesen, dass es 13 anerkannte Subtypen gibt, die sehr unterschiedliche Symptome zeigen können, von Gelenkhypermobilität bis hin zu schwerwiegenden internistischen Problemen. Ein zentraler Aspekt der Diskussion ist die damit verbundene Schmerzproblematik. Die beiden Moderatoren stellen fest, dass Schmerz kein diagnostisches Hauptmerkmal dieser Erkrankung ist, jedoch fast alle Betroffenen unter chronischen Schmerzen leiden. Sie erkunden, wie sich die verschiedenen Schmerzarten – nozizeptive, neuropathische und zentrale Sensibilisierung – im Laufe der Erkrankung entwickeln können. Hierbei wird auch angesprochen, dass die Diagnosestellung häufig Jahre dauern kann und Patienten oft als "Hypochonder" abgestempelt werden, da ihre Symptome nicht immer sofort ernst genommen werden. Im Verlauf des Gesprächs wird Anna, die betroffenen Patientin, eingeladen, um Einblicke in ihre persönliche Geschichte und den Umgang mit EDS zu geben. Sie schildert eine lange Odyssee von Fehl- und Falscheinschätzungen über ihre Erkrankung und beleuchtet, wie sie schließlich bei fachkundigen Ärzten landete, die ihre Symptome ernst nahmen. Anna beschreibt eindringlich, wie die Symptome ihr alltägliches Leben beeinflussen - von chronischen Gelenkschmerzen über gastrointestinale Probleme bis hin zu Fatigue und Konzentrationsstörungen. Die Zuhörer erhalten ein greifbares Bild von den Herausforderungen, mit denen Menschen mit EDS konfrontiert sind, und von der Notwendigkeit, die Erkrankung als multi-systemisches Problem zu betrachten. Abschließend wird das Ziel der Episode klargestellt: Die Schaffung von Bewusstsein für das Ehlers-Danlos-Syndrom und die Herausforderungen, die damit einhergehen. Jan-Peer und Marco ermutigen zur offenen Diskussion über seltene Erkrankungen und betonen, dass jeder Fall einzigartig ist und ein besseres Verständnis schafft, um betroffenen Menschen die notwendige Unterstützung zu geben. Sie bedanken sich bei Anna für ihren offenen und lehrreichen Beitrag und schliessen mit einem Appell an die Zuhörer, sich bei Fragen oder Themen, die sie im Podcast besprochen sehen möchten, zu melden.

    Ehlers-Danlos-Syndrom - Multisystemerkrankung verstehen

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