netkiosk.digital

Hans-Christian Spengler und Thorsten A. Siefert

Wo Meinungen aufeinander treffen.

  1. 18. JAN.

    Bildungsbürgertum - ach ne du, eher nicht so.

    In dieser Episode reflektiert Yael eine biografisch geprägte Auseinandersetzung mit sozialer Ungleichheit und Gruppenzugehörigkeit. Yael beschreibt, wie er sein Studium eher pflichtgetrieben und ohne echte Leidenschaft absolvierte und heute rückblickend meint, in den Sozialwissenschaften besser aufgehoben gewesen zu sein. Aus diesem späten, aber zunehmenden Interesse heraus stellt er sich die Frage, wie sich unsere Gesellschaft tatsächlich sortiert und warum klassische Schichtenmodelle zur Beschreibung nicht ausreichen – mit dem Hinweis, dass Bourdieu vieles theoretisch erklären würde, was er intuitiv bereits vermutet. Zentral ist die eigene Herkunft „zwischen“ zwei Milieus: dem Bildungsbürgertum einerseits und dem Umfeld der „einfachen Leute“ andererseits, denen er sich emotional und kulturell stärker verbunden fühlt. „Einfach“ versteht er ausdrücklich wertschätzend als klar, robust, unprätentiös und sozial offen. Demgegenüber beschreibt er das Bildungsbürgertum als stark kodiert, normiert und abgrenzend: Verhalten, Sprache und Zugehörigkeit seien an Regeln gebunden; Aufsteiger müssten sich anpassen, kleinste Unsicherheiten würden sanktioniert, soziale Distanzierung sei üblich. Kritisch wird zudem betont, dass Bildungseinrichtungen stark von den Normen des Bildungsbürgertums geprägt seien, was für Menschen aus anderen Lebenswelten systematisch Konflikte und Ausschlüsse produziere. Abschließend fordert Yeal das Bildungsbürgertum auf, angesichts schnellen technischen und sozialen Wandels den eigenen Habitus zu hinterfragen und inklusiver an der Neuzusammensetzung sozialer Ordnung mitzuwirken – während er selbst bewusst auf Distanz bleibt, aber „hörbar“ widerspricht.

    9 Min.
  2. 11. JAN.

    Von der Wehrpflicht

    Yael formuliert einen konsequenten, bewusst undiskutierten Standpunkt: Das eigene Leben gehört ausschließlich einem selbst – weder Staat, politisches System noch Religion dürfen beanspruchen, dass jemand töten oder sterben soll. Vor dem Hintergrund von Krieg, Ausbeutung und der Zerstörung unzähliger Leben wirkt diese Haltung wie ein „Luxus“, wird aber dennoch als moralisch legitim verteidigt. Auslöser ist ein Beschluss des Deutschen Bundestags zur Einführung einer Vorstufe der Wehrpflicht: Junge Männer sollen ihre Bereitschaft zum Waffendienst angeben und werden gemustert; Frauen können freiwillig teilnehmen. Yael stellt die Grundfrage nach der Legitimität staatlicher Kriegsforderungen und verneint sie kategorisch. Yael räumt ein, dafür als egoistisch gelten zu können, betont jedoch seine gelebte Solidarität (Zivildienst, Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen) und unterscheidet klar zwischen gesellschaftlichem Engagement und bewaffnetem Dienst. Gleichzeitig erkennt Yael historische Gegenargumente an (z. B. Befreiung vom Nationalsozialismus), leitet daraus aber gerade das heutige Recht ab, nicht kämpfen zu müssen. Die schrittweise Wiedereinführung der Wehrpflicht wird als Belastung jungen Lebens kritisiert – insbesondere vor dem Hintergrund sozialer Ungleichheit – sowie die Präsenz der Bundeswehr an Schulen, die als mögliche Werbung und Einflussnahme auf Wehrbereitschaft problematisiert wird. Abschließend wird der Standpunkt mit Sandburgs Satz zugespitzt: „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin.“

    7 Min.

Info

Wo Meinungen aufeinander treffen.