Saftig

Susanne Miel

Ich kann nicht anfangen. Und wenn er anfängt, kann ich es nicht annehmen. Dazwischen liege ich wach und frage mich, was eigentlich mit mir passiert. Ich bin nicht kaputt. Ich funktioniere anders als früher. Das hat mir nur nie eine gesagt. Saftig. Endlich sagt es eine. Muttertag, abends. Er fängt an. Mein Körper antwortet nicht. Ich liege da, warte, dass irgendwas kommt, und sortiere im Kopf schon die Sätze, mit denen ich es ihm nachher erkläre. Fünf Sätze hatte ich für ihn. Keinen für mich. Manchmal ist das zum Heulen. Öfter, als ich dachte, ist es zum Lachen. Neulich bin ich nackt durch unseren Flur gelaufen und habe so getan, als wollte ich nur ein Glas Wasser holen. Auch davon erzähle ich. Ich bin Susanne. Ich sage das, was keine sagt. Von Lust, die nicht mehr vorher da ist, sondern erst unterwegs kommt — wenn überhaupt. Von Sex in einer langen Beziehung. Vom Blick in den Spiegel, morgens. Davon, wie ich mich selbst befriedige, und warum ich darüber nie geredet habe. Und von den Abenden, an denen es plötzlich wieder gut ist. Perimenopause, Wechseljahre — die Wörter kamen bei mir später als das Gefühl. Und sie erklären nicht, warum ich mich selbst nicht mehr erkenne. Es ist anders geworden. Nicht schlimmer. Ehrlicher. Für Frauen ab 35, ab 40, ab 45, die nachts googeln und tagsüber nichts sagen. Fang mit Folge 1 an: Ich habe aufgehört anzufangen." Danach weißt du, ob wir uns kennen. Ich bin Susanne.

  1. 17 h fa

    Und dann war da doch was

    Orgasmus im Schlaf — Shownotes Episode 012 Ich bin nachts aufgewacht, mitten in einem Orgasmus. Kein Spielzeug, keine Hand, kein Sex. Er lag neben mir und schlief tief und fest. Mein Körper hat das ganz allein gemacht, und ich lag da und dachte nur: Wo kommt das denn her? In dieser Folge erzähle ich von zwei Abenden, an denen mein Körper etwas gemacht hat, mit dem ich nicht gerechnet habe. Der erste war unspektakulär: Ich lag im Bett, der Tag war anstrengend gewesen, und auf einmal fing es an zu kribbeln. Nicht am Kitzler, sondern ein ganzes Stück weiter innen, und es wanderte weiter und weiter, bis hinten Richtung Muttermund. Der zweite war der mit dem Orgasmus im Schlaf. Und dann geht es um das, was danach kommt und wovon ich viel länger etwas habe, als ich früher gedacht hätte. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Ich bin mitten in der Phase, in der man eigentlich meint, es hört jetzt alles auf. Umso mehr hat mich das kalt erwischt. Beim ersten Mal habe ich einfach ganz still gehalten und beobachtet, wo dieses Kribbeln hinwandert. Beim zweiten Mal bin ich aus einem Traum aufgewacht, und mein ganzer Körper hat vibriert, ohne dass jemand irgendetwas getan hätte. Ich habe kurz überlegt, ihn zu wecken, und mich dagegen entschieden. Am nächsten Tag habe ich es ihm erzählt, und er war ehrlich überrascht und hat gesagt, ich soll ihn das nächste Mal wecken. Ich war zu perplex, um das im Moment schon einzuordnen. Und ich habe gemerkt: Ich zehre tagelang davon. Nicht von der Erinnerung an eine große Nacht, sondern von der Lust selbst, die einfach nicht sofort wieder weggeht. Mein Körper macht das ohne mich — kein Spielzeug, keine Hand, nicht mal wach sein. Ich habe nichts richtig gemacht und nichts falsch, und trotzdem war es das intensivste Gefühl seit langem. Kribbeln ist kein Nebengeräusch — wenn ich still halte statt es wegzuatmen, wandert es weiter. Ich atme heute bewusst, wenn ich das Gefühl behalten will, und nicht, um es loszuwerden. Es gibt nicht nur den einen Peak — die flacheren Momente kann ich über Tage ziehen, und manchmal wächst daraus mehr, als ich am ersten Abend erwartet hätte. Hinhören statt drübergehen — ich frage mich inzwischen mitten im Gefühl, ob das noch intensiver wird und ob ich es greifen kann, oder ob es flüchtig ist. Manchmal ist die Antwort: flüchtig. Auch das ist eine Antwort. Erzählen war schwerer als erleben — ich habe erst auf den richtigen Moment gewartet, bevor ich es ihm gesagt habe. Vor der eigenen Lust steht bei mir oft noch die Frage, wie sie beim anderen ankommt. Und was mich dabei am meisten beschäftigt hat, war nicht der Orgasmus selbst, sondern dass ich in dem Moment gar nichts dafür getan habe. Ich musste nicht in Stimmung kommen, mich nicht überreden, nichts vorbereiten. Es war einfach da. Genau das habe ich in den letzten Monaten für unmöglich gehalten. Ich habe daraus keine Technik gemacht und keinen Vorsatz. Ich habe nur gemerkt, dass mein Körper offenbar noch Dinge kann, die er mir nicht angekündigt hat. Shownotes und Episodendetails Ich liege abends im Bett, und normalerweise passiert da genau nichts. Ich bin müde, ich lese noch was, ich schlafe ein. An diesem Abend war das anders, und ich habe eine Weile gebraucht, um zu begreifen, was mein Körper da gerade veranstaltet. Das Kribbeln, das wandert Es fing im Unterleib an, ganz leicht, überhaupt nicht unangenehm. Vom Bauchnabel abwärts, irgendwo an der Blase entlang. Und dann eben nicht am Kitzler, wo ich es erwartet hätte, sondern ein Stück weiter innen. Wenn ich ganz ruhig halte und einfach zuschaue, wandert es weiter nach innen, bis hinten Richtung Muttermund. Früher hätte ich das weggeatmet. So ein Gefühl kommt zwischen zwei Terminen, es passiert mir auch tagsüber, und dann ist es eher lästig als schön. Inzwischen atme ich in solchen Momenten bewusst, langsam, weil ich das Gefühl behalten will und nicht loswerden. Ich befinde mich in einer Phase, in der man den Eindruck bekommt, demnächst hört alles auf. Dass da noch so ein intensives Gefühl entsteht, aus dem Nichts, an einem völlig unspektakulären Abend, finde ich schwer zu glauben und großartig zugleich. Aufgewacht, mitten drin Die zweite Geschichte ist die, bei der ich immer noch geflasht bin, wenn ich davon erzähle. Es gibt diese Träume, aus denen man aufschreckt, weil man fällt, oder weil man Durst hat. Dieses Aufwachen war anders. Ich bin in einem extrem intensiven Orgasmus aufgewacht. Mein ganzer Körper hat vibriert. Er lag neben mir und hat tief und fest geschlafen. Kein Vibrator, kein Dildo, kein Zubehör. Er hat mich nicht angefasst, wir hatten keinen Sex. Mein Körper hat das im Schlaf allein produziert, und ich lag danach wach und habe gedacht: Das gibt es doch gar nicht, dass man so etwas erleben kann. Kurz habe ich überlegt, ihn zu wecken, und mich dann entschieden, ihn schlafen zu lassen. Am nächsten Morgen stand die nächste Frage im Raum: erzähle ich es ihm überhaupt? Ich habe auf einen guten Moment gewartet, damit er sich nicht übergangen fühlt. Erzählt habe ich es am nächsten Tag, und er war überrascht und hat gesagt, ich soll ihn nächstes Mal wecken, das wolle er mitbekommen. Wie lange man davon zehrt Der Teil, über den kaum jemand spricht, kommt danach. Es gibt bei mir den Peak, bei dem ich sehr laut bin, und es gibt die flacheren Orgasmen. Und gerade von den flacheren kann ich die Lust über Tage hinweg ziehen. Ich spüre etwas, und dann habe ich tagelang was davon, ohne dass ich noch einmal etwas tun müsste. Was ich seitdem versuche, ist hinzuhören. Wird das intensiver? Kann ich das festhalten, kann ich die Lust greifen, die gerade da ist, kann ich sie in mehr Lust verwandeln? Oder ist das flüchtig und gleich wieder weg? Manchmal weiß ich es erst hinterher. Manchmal ist die Antwort: flüchtig, gleich wieder weg. Und trotzdem endet diese Folge da, wo ich in dieser Nacht im Bett gelandet bin: Da war noch was. Da ist immer noch was. Wenn du eine Frau kennst, die im Moment glaubt, bei ihr sei diese Baustelle geschlossen: schick ihr diese Folge. Mehr braucht es nicht.

  2. 1 g fa

    Ich benutze das nicht als Ausrede

    Partner versteht Wechseljahre nicht — Shownotes Episode 011 Er hat es nett gemeint. Genau das war das Problem. In dieser Folge erzähle ich von zwei Sätzen, die mein Freund innerhalb einer Woche gesagt hat, und davon, was passiert, wenn der Partner Wechseljahre nicht versteht und trotzdem eine Erklärung parat hat. Der erste Satz fiel im Bett, direkt nachdem gerade nichts passiert war. Ich hatte zu ihm gesagt: Du hast ja nicht gesagt, stell dich nicht so an. Er guckte mich verdutzt an. Dann kam seine Antwort, und danach haben wir so schallend gelacht, dass ich hinterher Bauchschmerzen hatte. Alles, was zehn Minuten vorher riesig ausgesehen hatte, war auf einmal klitzeklein. Danach sind wir selig eingeschlafen. Der zweite Satz fiel ein paar Tage später in der Küche. Mir ging es miserabel, ich stand am Tresen und versuchte, mir irgendwas zu essen zu machen — einfach, damit es mir körperlich nicht auch noch schlecht ging. Da stand er schräg gegenüber und sagte ganz trocken: Du bist halt in der Phase. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Das Schlimme an diesem Satz ist, dass er stimmt. Trotzdem klingt er wie das, was ich mit Mitte dreißig nicht ertragen konnte: Du hast wohl deine Tage. Vorher hatte ich meine Tage, jetzt bin ich in der Phase. Ständig kriegt man irgendwelche Erklärungen. Als ich ihm sagte, dass ich das doof finde, kam allerdings seine Antwort — und die hat mich wirklich getroffen. Er hat nämlich das Gefühl, die Phase sei inzwischen eine Entschuldigung für das, wie ich bin. Danach war ich sprachlos. Denn eine Ausrede erfindet man für etwas, das man eigentlich nicht wollte. Ich bin aber da drin, weil ich da überhaupt nicht drin sein möchte. Zwei Sätze, zwei Wirkungen — derselbe Mann, dieselbe Woche. Einmal löst sich alles im Lachen auf. Einmal bleibt etwas hängen, das tagelang weiterarbeitet. Gut gemeint ist nicht harmlos — er wollte mich nicht kleinmachen. Er hatte schlicht keinen anderen Satz zur Hand. Gegen etwas Nettes lässt sich außerdem sehr schlecht streiten. Der Unterschied zwischen Ausrede und Zustand — warum das vergessene Geschirr und meine Stimmung am Nachmittag zwei völlig verschiedene Dinge sind. Von Minute zu Minute — vor ein paar Tagen habe ich noch mit ihm im Bett gelacht. Dann stehe ich da und frage mich: Wo ist es hin? Was das mit der Lust macht — mal haben wir Bock, dann wieder gar nicht. Und ich kann niemandem sagen, in welchem Moment ich gerade bin. Warum mich ausgerechnet dieses Wort trifft Ich hasse Ausreden. Deshalb sitzt der Vorwurf so tief. Wenn meine Kinder erklären, sie hätten die Butter im Kühlschrank nicht gefunden, dann sagen sie nicht: weil ich nicht hingeguckt habe. Sondern: weil sie da nicht steht. Das ist eine Ausrede. Für so etwas findet man immer eine. Bei mir ist es andersherum. Ich habe mir das nicht ausgesucht. Ich habe nicht extra irgendwas gegessen oder bestimmte Übungen gemacht, damit mein Körper jetzt genau so reagiert. Das Einzige, was passiert ist: Ich bin in einem weiblichen Körper geboren, mit Gebärmutter und allem drum und dran. Und deshalb bin ich in meinem Alter jetzt halt in einer Phase. Ich wünschte, ich hätte eine Erklärung. Ich wünschte, ich könnte es abstellen. Am Ende dieser Folge habe ich beides immer noch nicht — dafür einen Satz, der stimmt. Shownotes und Episodendetails Diese Folge hat zwei Hälften, und sie klingen unterschiedlich. Die erste ist leicht. Die zweite nicht. Genau so ist die Woche auch gewesen. Wenn Lachen alles kleiner macht Der Abend im Bett war schwer, bevor er lustig wurde. Es war nichts passiert, und ich lag da mit diesem Satz im Kopf, den er eben nicht gesagt hatte. Dann kam seine Antwort, und wir haben gelacht, bis mir der Bauch wehtat. Das ist bei uns immer noch so: Wenn wir einmal richtig anfangen zu lachen, löst sich fast jedes Problem in Luft auf. Puff, weg. Danach lagen wir nebeneinander und sind eingeschlafen. Vorher hatte das nicht so richtig funktioniert. Danach schon. Und dann steht er da und sagt, du benutzt das als Ausrede Ein paar Tage später war ich wieder unten. Das Leben war furchtbar, die Welt brach zusammen, ich hätte heulen oder wütend werden können und wusste einfach nicht, wohin mit mir. Ich habe versucht, mich zu wehren. Ich fand es doof, dass er das gesagt hat, und ich habe es ihm auch gesagt. Seine Antwort war allerdings ehrlicher, als mir lieb war: Er finde es ebenfalls doof, dass es schon wieder eine Phase gibt. Und er habe das Gefühl, diese Phase sei mittlerweile eine Entschuldigung für das, wie ich bin. Danach hatte ich nichts mehr. Keinen Satz, keine Erwiderung, nichts. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen soll, und ich weiß es bis heute nicht richtig. Denn er hat ja nicht ganz unrecht. Von außen sieht es vermutlich wirklich aus wie eine Begründung, die immer passt. Von innen fühlt es sich völlig anders an. Ich stehe morgens auf und weiß nicht, welche Version von mir heute mitgekommen ist. Vor ein paar Tagen war ich noch mega gut drauf, wir haben alles geregelt gekriegt, ich habe mit ihm im Bett gelacht. Und dann stehe ich da und denke nur: Wo ist es hin? Dabei ist es doch so: Ich möchte gar nicht in dieser Phase sein. Wenn es nach mir ginge, könnten wir sie abschaffen und streichen. Ich mag Ausreden nicht, ich hasse sie sogar. Und dann steht jemand vor mir und sagt genau das. Was das mit der Lust zu tun hat Diese Phase betrifft nämlich alles, auch die Lust. Mal sind wir schlecht drauf und haben deshalb keinen Bock. Dann könnten wir heulen. Kurz darauf lachen wir wieder und haben plötzlich richtig Bock. Und danach wieder gar nicht. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte einmal mit unseren testosterongesteuerten Mitmenschen tauschen und einfach sagen: Du magst in einer Phase sein, ich bin es nicht. Andererseits ist bei mir das Lange ja das Schöne. Je länger es dauert, desto intensiver wird diese Lust. Schnell wäre praktisch, aber vermutlich wäre es auch weniger. Zum Mäusemelken ist es trotzdem. Ich kann dir nicht sagen, in welchem Moment ich gerade bin. Genau deshalb rede ich darüber. Wenn dir dieser Satz bekannt vorkommt, dann hör auch in Folge 004 — Stell dich nicht so an rein. Dort geht es um den Moment davor: um das Nicht-ernst-genommen-Werden, aus dem dieser Abend überhaupt erst entstanden ist. Wenn du beim Hören genickt hast, hinterlass mir bitte eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify. Zwei Sätze reichen. Sie sorgen dafür, dass Frauen diese Folgen finden, die nachts danach suchen und tagsüber nichts sagen.

  3. 2 gg fa

    Wer hat sich dieses Wort ausgedacht

    Lustverlust Wechseljahre — Shownotes Episode 010 Es gibt ein Wort dafür, wenn die Blutung aufhört. Es gibt auch eins für die Phase davor. Aber für den Lustverlust in den Wechseljahren hat sich niemand ein Wort ausgedacht. Genau darüber rede ich in dieser Folge. Ich kann „Perimenopause" hier ins Mikrofon sagen, ohne mit der Wimper zu zucken. Sobald das Mikrofon aus ist und ich unter Menschen bin, gebe ich alles, um dieses Wort nicht auszusprechen. Nicht aus Scham. Ich fühle es einfach nicht. Es beschreibt nichts von dem, was gerade tatsächlich mit mir passiert. Also habe ich mir die ganzen Begriffe mal in Ruhe angesehen. Danach war ich noch genervter als vorher. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Menopause ist genau ein Tag, nämlich der Tag der letzten Periode. Und du weißt erst ein Jahr später, dass er stattgefunden hat, weil bis dahin rückwärts gerechnet wird. „Peri" bedeutet drumherum. Perimenopause ist also die Zeit rund um einen Tag, der noch gar nicht war. Bei „Wechseljahre" steckt die Mehrzahl schon im Wort, was ehrlich ist und trotzdem frech. Und „Periode" heißt eigentlich Kreislauf, obwohl da längst nichts mehr im Kreis läuft. Dann erzähle ich von einer Freundin Anfang sechzig. Sie hat mit vierzig die Gebärmutter entfernt bekommen und danach trotzdem fünfzehn Jahre lang die volle Klatsche kassiert. Seit zwei Jahren wird es besser. Zusammen sind das zwanzig Jahre. Hat das eigentlich mal jemand mitgerechnet? Zwanzig Jahre sind kein Übergang mehr, das ist ein Lebensabschnitt. Von ihr kommt außerdem der Gedanke, der mich seitdem nicht loslässt: In „Menopause" steckt das Wort Pause. Eine Pause geht irgendwann zu Ende. Stell dir vor, du sitzt da und wartest, ob das Ganze mit siebzig noch mal von vorn losgeht. Die Wörter beschreiben Termine, keine Frauen — sie halten fest, wann eine Blutung aufhört. Über alles andere sagen sie nichts. Verlust ist das falsche Wort — es fühlt sich nämlich nicht an, als wäre etwas weg. Es kommt ständig etwas dazu, und zwar nichts Gutes. Lustverlust in den Wechseljahren ist kein Zustand, sondern ein Hin und Her — weg, wieder da, wieder weg. Dafür fehlt die Sprache komplett. Früher konnte man sich am Zyklus orientieren — es gab Tage, an denen ziemlich verlässlich Lust da war. Inzwischen ist auch das weg. Zehn Tage können vergehen, bis es dir auffällt — erst dann merkst du, dass du deinen Partner die ganze Zeit nicht mehr angefasst hast. Ohne Bezeichnung gibt es nichts, worum man sich kümmern könnte — was keinen Namen hat, taucht in keinem Gespräch auf. Deshalb bleibt es liegen. Am Ende dieser Folge bin ich nicht schlauer als vorher. Aber deutlich lauter. Denn solange wir für den Lustverlust in den Wechseljahren keine eigene Bezeichnung haben, bleibt uns nur der Satz, den ich seit Jahren höre: Wir haben die Pause und wir haben das davor, und damit müsst ihr leben. Nee. Reicht nicht. Denn eine Sache, die einen Namen hat, kann man ansprechen. Man kann sie einordnen, man kann etwas daran ändern, und man kann sie jemandem erklären, ohne vorher drei Sätze Anlauf zu nehmen. Genau das fehlt hier. Und deshalb rede ich. Shownotes und Episodendetails Du liegst nachts wach und tippst irgendwas ins Handy. Und was dir entgegenkommt, sind Wörter, die sich anfühlen wie ein Stempel. Alt. Fertig. Vorbei. Dabei willst du nur eine einzige Sache wissen: Warum war meine Lust letzte Woche da und heute nicht? Warum ich das Wort nicht in den Mund nehme Wenn ich draußen über das Thema rede, sage ich „die Hormone". Oder „der Verlust der Hormone". Perimenopause kommt mir nicht über die Lippen, und das hat nichts mit Peinlichkeit zu tun. Das Wort passt einfach nicht zu dem, was ich erlebe. Und ehrlich gesagt stört mich auch „Verlust". Denn es geht ja nichts verloren. Es kommt ständig etwas dazu: kalte Füße, Hitzewallungen, Ungeduld, Aggression, Wörter, die mir mitten im Satz wegrutschen. Die Liste wird länger statt kürzer. Nur die Hormone gehen tatsächlich zur Tür raus. Zwanzig Jahre, und keiner hat mitgerechnet Meine Freundin ist Anfang sechzig und damit fast durch. Fast. Bei ihr wurde mit vierzig die Gebärmutter entfernt, und ich dachte beim Erzählen tatsächlich: Na, dann war ja Ruhe. War nicht. Fünfzehn Jahre volle Klatsche, mit oder ohne Organ, das hat ihren Körper überhaupt nicht interessiert. Von ihr stammt auch der Satz, an dem ich mich seitdem festbeiße. In „Menopause" steckt das Wort Pause. Eine Pause ist definitionsgemäß etwas, das endet. Also sitzen wir alle da und warten insgeheim, ob das Ganze irgendwann wieder losgeht. Lustverlust in den Wechseljahren: wofür es kein Wort gibt Früher konnte ich mich am Zyklus orientieren. Es gab Tage, an denen ziemlich zuverlässig Lust da war, und Tage, an denen keine da war. Das lief im Kreis, und darauf war Verlass. Inzwischen ist das weg. Es gibt Phasen, da fasse ich meinen Partner tagelang nicht an und vergesse abends sogar den Gute-Nacht-Kuss. Dann kommt irgendwann die Frage: Hast du mich vergessen? Und erst danach fällt mir auf, dass zehn oder elf Tage vergangen sind. Dann wiederum gibt es Tage, an denen alles da ist, manchmal drei Tage am Stück, manchmal nur einen halben. Für dieses Hin und Her hat sich niemand ein Wort ausgedacht. Und komm mir jetzt bitte nicht mit Libidoverlust. Libido heißt Lust, das ist also kein eigenes Wort, sondern dasselbe Wort auf Latein. Der Lustverlust in den Wechseljahren taucht in keinem Begriff auf, den ich kenne, weder in dieser Phase noch in irgendeiner anderen. Für jeden Mist hat sich irgendwer eine Bezeichnung überlegt. Ausgerechnet dafür nicht. Dabei wäre so eine Bezeichnung praktisch. Sie wäre etwas Konkretes, um das man sich kümmern könnte. Man könnte sagen: Hier fehlt uns was, da ändere ich jetzt etwas. So bleibt nur ein Achselzucken und der Hinweis, dass das eben dazugehört. Damit sollen wir uns dann zufriedengeben. In der letzten Folge ging es darum, dass ich meine eigenen Wörter suche. Diesmal geht es um die Wörter, die es überhaupt nicht gibt. Und darum, dass mich das wütender macht, als ich erwartet hätte. Wenn du das kennst: Abonniere Saftig bei Apple Podcasts oder Spotify. Dann ist die nächste Folge einfach da, ohne dass du dran denken musst. Link in Bio und im ersten Kommentar.

  4. 3 gg fa

    Ich war mal die Lauteste am Tisch

    Offen über Sex reden — Shownotes Episode 009 Ich habe letzte Woche drei Sprachnachrichten an meine beste Freundin aufgenommen und alle drei wieder gelöscht. Zwei Fragen wollte ich ihr stellen: ob ihr Zyklus auch macht, was er will. Und ob sie überhaupt noch Lust hat. Am Ende habe ich ein Herz zurückgeschickt. In dieser Folge geht es darum, warum ich offen über Sex reden konnte, als ich Mitte dreißig war, und warum ich es heute nicht mehr tue. Vor zehn Jahren war ich die, zu der auf jeder Feier die Leute gekommen sind. Einzeln, meistens spät am Abend, immer mit derselben halben Entschuldigung im Gesicht. Der eine am Grill, die andere am Getränketisch, eine auf der Treppe, die eigentlich nur zur Toilette wollte und dann zwanzig Minuten stehen geblieben ist. Ich war keine Fachfrau. Ich war die, die nicht rot geworden ist. Das war der ganze Unterschied. Aufgehört hat sie damit nicht an einem bestimmten Tag. Es gab keinen Knall und keine Szene, die sich zu erzählen lohnt. Es gab Gründe — manche einfach, manche saßen tief, manche waren selbst erfunden. Und dann ist sie der Sache einfach nicht mehr nachgegangen. Irgendwann war sie die, die am Tisch mitlacht und nichts mehr sagt. Genau diese Frau sitzt heute mit einem Mikrofon da und redet über Lust. In Umschreibungen. Mit halb geschlossener Tür. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Diese Folge erzählt von einer Frau, die ihre eigene Offenheit verloren hat, ohne es zu merken. Nicht an einem Tag und nicht wegen eines Dramas, sondern Wort für Wort. Aus Selbstbefriedigung wird „ich habe mich um mich gekümmert". Aus Vulva wird „da unten". Aus dem Vibrator wird „das Ding in der Schublade". Jede dieser Umschreibungen fühlt sich im Moment höflich an und macht die Sache trotzdem größer, nicht kleiner. Dazu kommt die Perimenopause: heftigere Stimmungsschwankungen, ein deutlich kürzerer Geduldsfaden — und die überraschende Nebenwirkung, dass die Kapazität für vorsichtige Rücksicht einfach aufgebraucht ist. In der Folge geht es außerdem um ein Gespräch beim Zähneputzen, das leichter war als drei gelöschte Sprachnachrichten, und um einen Abend im Wohnzimmer ein paar Tage später. Peinlichkeit ist ansteckend — Gelassenheit auch. Wer am Tisch das Wort Klitoris sagt wie das Wort Nudelsalat, verändert damit den ganzen Tisch. Die anderen fangen nicht an zu witzeln. Sie fangen an zu fragen. Reden hat die Lust vergrößert. Nach den Abenden, an denen stundenlang über Sex geredet wurde, kam Susanne mit mehr Lust nach Hause. Nicht wegen einer bestimmten Person, sondern wegen der Offenheit selbst. Umschreiben macht die Scham größer. Jedes umgangene Wort ist die Botschaft an sich selbst: Dieses Wort ist zu groß für dich. Am Ende bleiben nur noch Andeutungen übrig. Die vermutete Ablehnung ist selten belegt. Susanne war jahrelang sicher, dass ihre Freundin über dieses Thema nicht reden will — ohne einen einzigen Beweis dafür. Gefragt hat sie nie. Ein kürzerer Geduldsfaden ist nicht dasselbe wie offen reden. Pampig werden geht von allein. Klar sagen, was man will, muss man üben. Es ist eine Folge über zehn verlorene Jahre und über den Punkt, an dem sie beschlossen hat, sich diese Frau zurückzuholen. Sie fängt damit hier an. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment, in dem eine Nachricht schon fertig aufgesprochen ist und der Daumen trotzdem auf „löschen" geht. Nicht weil die Frage falsch wäre. Sondern weil sie plötzlich zu groß aussieht für eine Freundschaft, die seit über zwanzig Jahren hält. Wie aus einer lauten Frau eine leise wurde Mitte dreißig hat Susanne angefangen, offen über Sex zu reden. Nicht als Projekt und nicht als Haltung, sondern weil sie irgendwann aufgehört hat, um die Wörter herumzulaufen. Die Wirkung kam sofort. Auf Feiern kamen die Leute einzeln zu ihr, oft erst nach dem Nachtisch, oft Menschen, die sie gar nicht kannte. Männer genauso wie Frauen — und die Männer hatten deutlich mehr Fragen, als man ihnen normalerweise zutraut. Und dann verschwand das wieder. Langsam, unspektakulär, ohne dass jemand etwas gesagt hätte. Was die Perimenopause damit zu tun hat Die Stimmungsschwankungen sind heftiger geworden. Öfter, deutlicher, und man sieht sie ihr inzwischen an. Das nervt. Gleichzeitig ist der Geduldsfaden kürzer geworden — und zwar nicht nur an der Supermarktkasse. Er ist auch kürzer geworden für Rücksicht. Für das vorsichtige Formulieren, damit sich außer ihr selbst niemand unwohl fühlt. Das war früher Höflichkeit. Heute ist es einfach zu anstrengend. Diese Nebenwirkung wird selten erwähnt, wenn über Wechseljahre gesprochen wird. Sie ist unbequem und sie ist ziemlich brauchbar. Warum Umschreibungen die Scham vergrößern „Ich habe mich um mich gekümmert." Das klingt nach Yogamatte und Kamillentee. Gemeint ist Selbstbefriedigung. Jedes Mal, wenn ein Wort umgangen wird, steckt darin dieselbe Nachricht an sich selbst: Dieses Wort ist zu groß für dich, nimm lieber das kleinere. Beim nächsten Mal wird wieder das kleinere genommen. Irgendwann sind gar keine Wörter mehr da, sondern nur noch Andeutungen — und die Sache, um die es geht, wirkt größer und schwieriger, als sie ist. Zwischen Freundinnen führt das zu einer stillen Verabredung, die keine je getroffen hat. Die eine sagt nicht, wie sie es macht. Die andere sagt es auch nicht. Beide gehen nach Hause und halten sich für die Komische. Ein Satz beim Zähneputzen In dieser Folge erzählt Susanne von dem Moment, in dem sie ihrem Partner gesagt hat, dass sie sich selbst befriedigt hat. Nicht angedeutet, nicht als Witz verpackt, aus dem man sich zurückziehen kann, wenn das Gegenüber komisch guckt. Davor stand derselbe Gedanke wie immer: Ich nehme ihm damit etwas weg. Danach kam ein kurzes „schade" und dann der Satz, um den es eigentlich geht: Toll, dass du dich um dich kümmerst. Und dann ist nichts passiert. Keine Krise, keine Aussprache, kein Abend mit Wein und ernsten Gesichtern. Am selben Abend ein blöder Witz und ein Lachen. Die Sache war genau um den Anteil kleiner geworden, den vorher die Angst ausgemacht hat. Für wen diese Folge ist Für Frauen ab 35, ab 40, ab 45, die ihre Freundinnen alles fragen können — außer das eine. Die nachts googeln und tagsüber ein Herz zurückschicken. Und für alle, die gemerkt haben, dass sie über ihre eigene Lust inzwischen so reden, als wäre sie ein medizinisches Thema. Es ist möglich, sich das zurückzuholen. Diese Folge zeigt den Anfang davon, nicht das Ergebnis. Wenn dir beim Hören eine Freundin eingefallen ist, der es genauso geht: Schick ihr die Folge. Das ist manchmal der einfachere Weg, ein Gespräch anzufangen, als selbst den ersten Satz zu sagen. Link in Bio und im ersten Kommentar.

  5. 4 gg fa

    Die Nachttischschublade

    Scham bei der Selbstbefriedigung — Shownotes Episode 008 In meiner Nachttischschublade stehen Bücher. Dahinter lag mein Vibrator. Dreißig Jahre lang, immer am selben Platz. In dieser Folge erzähle ich, wie Scham bei der Selbstbefriedigung bei mir aussah: nicht dramatisch, sondern ordentlich. Ein Ritual aus Verstecken, Zurücklegen und Geraderücken — sogar dann, wenn ich allein zu Hause war. Es geht um die Jahre dahinter. Um die Methode, die ich als Mädchen entdeckt und nie verändert habe. Um den Delfin-Vibrator, der nur naja war und trotzdem jahrelang blieb. Um Nächte neben einem schlafenden Mann, in denen ich leise sein musste und schnell — und danach befriedigt war und allein zugleich. Und es geht um einen Nachmittag vor ein paar Wochen, an dem ich den Vibrator vor die Bücher gelegt habe. Zwei Zentimeter. Mehr war das nicht. Das Verrückte an dieser Geschichte: Es hat mir nie jemand verboten. Es gab keinen Satz, keine Strafe, keine Szene. Das Schweigen hat gereicht. Bei uns zu Hause gab es für alles unterhalb vom Bauchnabel keine Sprache, und mit Freundinnen habe ich über Jungs geredet, über Sex — aber über Selbstbefriedigung kein einziges Mal. Nicht mit sechzehn, nicht mit dreißig, nicht letzte Woche. Ich habe das Verstecken nicht gelernt. Ich habe es geerbt. Und weil ich es versteckt habe, habe ich nie daran gearbeitet. Mit der Hand allein hat es bei mir nie funktioniert, und statt zu denken, mein Körper braucht andere Wege, habe ich gedacht, mit mir stimmt was nicht. Erst mit der offenen Schublade habe ich verstanden, wie diese beiden Dinge zusammenhängen. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Ich habe mich mein Leben lang selbst befriedigt — und gleichzeitig so getan, als gäbe es das nicht. Kein Verbot, keine Strafe, nur Schweigen. Genau daraus entsteht Scham. In dieser Folge nehme ich die Nachttischschublade auseinander: warum die Bücher davor eine Kulisse waren, warum das Verstecken die Scham nicht abgebildet, sondern gefüttert hat, und warum ich meine Selbstbefriedigung deshalb nie weiterentwickelt habe. Bis zu dem Nachmittag, an dem ich die Kulisse durchschaut habe. Seitdem liegt das Ding vorne. Und ich lasse mir zum ersten Mal seit Jahrzehnten Zeit dabei. Das Versteck erzieht das Gefühl — jedes Zurücklegen hinter die Bücher war eine Unterschrift unter denselben Satz: Das hier ist nicht in Ordnung. Scham braucht kein Verbot — es reicht, wenn etwas nirgendwo vorkommt. Nicht zu Hause, nicht unter Freundinnen, in keinem einzigen Gespräch. Was versteckt wird, wird nicht weiterentwickelt — deshalb die Methode aus Mädchentagen, deshalb der Delfin, der blieb, obwohl er nicht reichte. Die Scham wächst mit dem Alter — eine deutsche Befragung zeigt: Bei Frauen zwischen sechzig und siebzig verweigert fast ein Drittel schon die Antwort auf die Frage. Zwei Zentimeter ändern die Richtung — der Vibrator liegt jetzt vorne. Die Scham hat ihren festen Arbeitsplatz verloren. Die Folge erzählt zwei Szenen, die sich spiegeln: die Jahre hinter den Büchern — und den einen Nachmittag davor. Dazwischen liegt alles, was Scham mit Lust macht, wenn niemand hinguckt. Auch ich selbst nicht. Fertig bin ich damit nicht. Aber ich verstecke nichts mehr vor Leuten, die nie danach gesucht haben — mich selbst eingeschlossen. Shownotes und Episodendetails Es gibt Themen, die haben nicht mal ein Schweigen. Die kommen einfach nicht vor. Selbstbefriedigung war für mich jahrzehntelang so ein Thema. Ich habe es getan — und gleichzeitig dafür gesorgt, dass es nirgendwo existiert. Nicht in Gesprächen, nicht in meiner Schublade, nicht mal in meinem eigenen Kopf. Die Jahre hinter den Büchern Ich habe mich befriedigt, seit ich ein Mädchen war. Die Methode von damals ist im Kern die Methode geblieben. Dieselben Handgriffe, derselbe Ablauf — während sich sonst alles an mir verändert hat. In der Folge erzähle ich von den Nächten neben einem schlafenden Mann. Vom Leisesein, vom flachen Atmen, vom Vibrator, der nicht gegen die Matratze brummen darf. Vom Weg ins Bad, Tür zu, schnell, Hände waschen, zurück ins Bett. Es hat sich verboten angefühlt. Im eigenen Bett, neben dem eigenen Partner. Und ich erzähle, was das Beeilen aus der Sache gemacht hat: etwas Funktionales. Schnell hin, schnell fertig, schnell zurück. Ich habe jahrzehntelang eine Sparversion von etwas bekommen, das groß sein kann. Und ich dachte, die Sparversion ist das Produkt. Der Nachmittag mit der Schublade Dann dieser eine Nachmittag beim Aufräumen. Ich habe auf die Bücher geguckt und gemerkt: Ich habe keins davon je gelesen. Ich hatte sie damals ausgesucht, weil sie unverdächtig waren. Das waren keine Bücher. Das war eine Kulisse. Ich habe kurz überlegt, die Schublade komplett leer zu räumen. Habe ich nicht gemacht — das wäre mir zu groß gewesen. Ich wollte nur, dass er nicht mehr hinten liegt. Also: rausgenommen, vor die Bücher gelegt, Schublade zu. Und dann gewartet, dass sich schlechtes Gewissen meldet. Kam nichts. Was sich verändert hat, kam später und in kleinen Dosen. Ich sehe das Ding jetzt jedes Mal, wenn ich die Schublade aufmache. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mir Zeit lasse. Dass ich beim ersten Mal ohne Zeitdruck trotzdem gesprintet bin — aus reiner Gewohnheit — und mittendrin aufgehört habe. Fast gelacht. Nochmal von vorne, langsam diesmal. Ein Körper von heute, eine Methode von damals Mein Körper baut sich gerade um. Perimenopause, mittendrin. Und ich habe diesen Körper von heute jahrzehntelang mit dem Programm eines Mädchens bedient, das mal zufällig etwas entdeckt hat und nie wieder nachgucken durfte. Dabei ist Selbstbefriedigung der einzige Ort, an dem ich niemandem etwas erklären muss. Da liegt keiner daneben, der etwas erwartet. Da kann ich rausfinden, was dieser Körper heute mag. In Ruhe, ohne Publikum. Solange das Ding hinten lag, war es ein Notbehelf. Seit es vorne liegt, ist es meins. In der Folge steckt auch eine Zahl, die mich beschäftigt hat: In einer deutschen Befragung wollten fast dreißig Prozent der Frauen zwischen sechzig und siebzig die Frage nach Selbstbefriedigung gar nicht beantworten. Die Scham wird mit dem Alter nicht kleiner. Sie wird größer — genau andersrum, als es logisch wäre. Je mehr Leben eine Frau hinter sich hat, desto tiefer liegt das Ding in der Schublade. Saftig erscheint gerade jeden Morgen um sechs. Wenn du keine Folge verpassen willst: Abonniere Saftig bei Apple Podcasts oder Spotify — dann liegt die nächste Folge morgen früh automatisch vorne.

  6. 5 gg fa

    Das Flämmchen

    Lust wieder spüren — warum ich nackt durch den Flur gelaufen bin Ich dachte lange, meine Lust kommt irgendwann von allein zurück. Groß, laut und eindeutig, so wie früher. Stattdessen habe ich etwas anderes gelernt: Lust wieder spüren fängt bei mir viel kleiner an. Mit einem leisen Ziehen nach dem Duschen. An einem Dienstag um drei. In dieser Folge erzähle ich von genau diesem Dienstag. Von der Hand auf meinem Bauch. Von einem Handtuch auf dem Boden. Und von einem Wasserglas, das ich nie getrunken habe — denn das Glas war nur mein Alibi. Falls die Lust unterwegs verschwindet, war ich offiziell nur durstig. So weit war es mit mir gekommen: Ich hatte einen Rückzugsplan für meine eigene Lust. Worum es in dieser Folge geht Das Flämmchen: warum meine Lust heute kurz auflodert, statt einfach zu brennen wie früher Der Automat in mir: wie Gewohnheit über meinen Nachmittag entscheidet, ohne mich zu fragen Warum die Mail gegen den Sex gewinnt — und was das mit Drohen zu tun hat Pflegen oder drübertrampeln: die Entscheidung, die ich jahrelang nicht als Entscheidung erkannt habe Der Unterschied zwischen Verwaltung und bewusstem Berühren Lust wieder spüren beginnt mit Hinschauen Meine härteste Lektion war nicht, wie ich mir die Lust zurückhole. Sondern, wie ich aufhöre, sie zu übersehen. Denn sie war oft da. Sie hat kurz gelodert, und ich habe gedacht: gleich. Danach war sie weg. Ein Flämmchen kann nämlich nicht warten. Das ist keine Bosheit, das ist seine Natur. Deshalb geht es in dieser Folge um die zwei Sekunden zwischen dem Ziehen und dem, was ich damit mache. Früher hätte der Alltag gewonnen. Anziehen, föhnen, Mail, weiter im Programm. An diesem Dienstag lief es zum ersten Mal anders. Und ja — es hat sich gelohnt. Die Momente, die ich übersehen habe Wie das Übersehen aussieht, beschreibe ich in der Folge ziemlich genau. Abends auf dem Sofa meldet sich etwas, und ich denke: schön, nachher im Bett. Im Bett bin ich dann eingeschlafen. Oder es funkelt kurz, und gleichzeitig fällt mir ein, dass ich noch tanken muss. Tanken! Gegen eine Tankstelle hatte das Flämmchen keine Chance. Genau dafür gibt es keine Strichliste. Ich kann nicht wissen, wie viele solcher Momente ich verpasst habe. Aber ich kann ab jetzt anders hinschauen. Darum geht es hier: nicht um eine neue Technik, sondern um Aufmerksamkeit. Meine Lust braucht meine Aufmerksamkeit. Nicht seine. Meine. Das hat mir mit Mitte vierzig niemand mehr sagen müssen — ich habe es an einem einzigen Nachmittag verstanden. Für wen diese Folge ist Für dich, wenn deine Lust leiser geworden ist und du dich fragst, ob sie überhaupt noch da ist. Für dich, wenn du das Gefühl von früher vermisst — dieses Feuer, das einfach da war und brannte, ohne dass du etwas dafür tun musstest. Außerdem für dich, wenn bei dir auch immer irgendwas Dringendes dazwischenkommt. In der letzten Folge habe ich erzählt, dass meine Lust meistens einen Anlass braucht. Diesmal erzähle ich vom Gegenteil: von dem seltenen Moment, in dem sie von allein anklopft. Und davon, was passiert, wenn ich ihr endlich aufmache. Ein Dienstag, ein Handtuch, ein Wasserglas Die Geschichte beginnt unspektakulär. Ich hatte geduscht, weil morgens keine Zeit war. Dann stand ich im Bad, habe kurz die Hand auf meinen Bauch gelegt, und da war dieses Ziehen. Nicht dramatisch. Eher wie jemand, der vorsichtig anklopft und schon halb wieder gehen will. Ich habe gedacht: Na guck. Du lebst ja noch. Und dann kam der Moment, um den sich die ganze Folge dreht. Der Automat in mir griff schon nach der Unterwäsche. Der Automat ist der Teil von mir, der Tage abwickelt — er funktioniert komplett ohne mich. Aber diesmal bin ich mitten in der Bewegung stehen geblieben. Hand in der Luft. Warum eigentlich nicht jetzt? Wer hat festgelegt, dass Dienstag um drei nicht zählt? Ich habe auf eine Antwort gewartet. Es kam keine. Da war nur Gewohnheit, und Gewohnheit ist kein Argument. Acht Meter Flur, zwei Stimmen im Kopf Also bin ich nackt losgelaufen, mit einem leeren Glas als Sicherheitsnetz. Auf dem Weg liefen zwei Stimmen parallel. Die eine fand das albern. Die andere sagte nur: weitergehen. Irgendwo auf diesen acht Metern ist das Alberne gekippt und wurde großartig. Ich habe mich gefühlt wie eine, die was vorhat. Das hatte ich lange nicht. Was danach kam, erzähle ich in der Folge nicht komplett. Aber so viel: Mein Körper hat sofort mitgemacht. Ohne Anlauf, ohne banges Warten. Mittendrin dachte ich: Das gibt es also noch. Nicht als Erinnerung, sondern als Gegenwart. Warum die Mail sonst immer gewinnt Hinterher saß ich auf dem Sofa und habe verstanden, warum ich solche Momente jahrelang übersehen habe. Der Alltag droht nämlich. Die Mail wird dringender, je länger sie liegt. Der Termin platzt. Das Flämmchen dagegen droht nicht. Wenn ich es übergehe, passiert nichts — kein Vorwurf, keine Mahnung. Es geht einfach. Deshalb verliert es jeden Vergleich mit allem, was laut ist. Eine Mail gewinnt gegen Sex. Wenn mir das jemand über mein Leben erzählt hätte, hätte ich gelacht. Es war trotzdem jahrelang mein Leben. In der Folge nenne ich mich selbst die Spät-Aufgeklärte. Denn niemand hat mir je gesagt, dass Lust wieder spüren mit Aufmerksamkeit anfängt. Ich dachte, Lust ist da oder nicht. Kommt oder kommt nicht. Ich war Passagierin. Dabei gab es die ganze Zeit diese Entscheidung: Pflege ich das gerade — oder trete ich drüber? Ich habe sie jahrelang getroffen, ohne zu merken, dass ich sie treffe. Immer in dieselbe Richtung. Inzwischen weiß ich: Meine Lust wurde nicht lauter, sie wurde leiser. Das ist keine Fehlfunktion. Das bin ich jetzt. Seit ich hingucke, ist öfter etwas da, als ich jahrelang geglaubt habe. Nicht verlässlich und nicht planbar. Aber öfter. Und jedes Mal, wenn ich hinschaue statt drüberzutrampeln, kann ich meine Lust wieder spüren. Kleiner als früher, ja. Aber echt. Hör rein — und schick die Folge weiter Wenn du gerade erst einsteigst: Fang mit Folge 2 an, danach weißt du, ob wir uns kennen. Und wenn du eine Freundin hast, bei der auch ständig die Mail gewinnt — schick ihr diese Folge. Vielleicht ist das genau ihr Dienstag um drei.

  7. 6 gg fa

    Warum sich seine Hand falsch anfühlt

    Responsive Desire — Shownotes Episode 006 Responsive Desire — dieses Wort hätte Susanne ein paar Jahre früher gebrauchen können. Damals lag sie nachts wach und hat gerechnet: wann es das letzte Mal richtig war, wie oft falsch, ob das mehr wird. In dieser Folge erzählt sie, wie sie das Wort gefunden hat. Nicht in einer Arztpraxis, sondern in ihrem eigenen Bett, zwischen zwei Momenten mit ein und derselben Hand. Die Hand gehört ihrem Partner. Sie hat sich in fünf Jahren nicht verändert. Dieselben Finger, dieselbe Bewegung. Trotzdem fühlt sie sich an manchen Tagen richtig an und an anderen falsch. Susanne hat lange an ihm gesucht, dann an sich. Beides war die falsche Adresse. Zwischen seiner Hand und ihrer Haut sitzt noch etwas Drittes — und dieses Dritte hat die Regeln geändert, ohne Bescheid zu sagen. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Susanne erzählt zwei Momente. Ein Morgen, an dem ein Funken da ist — und sie trotzdem aussteigt, weil der Tag zu voll ist. Und ein Abend, an dem sie ihren Partner erst wegschickt und ihn zwei Stunden später selbst ins Bett holt. Dazwischen liegt eine Fortsetzungsgeschichte auf Instagram. Mit Werwölfen, ja. Susanne hat auch gelacht, ungefähr zwei Kapitel lang. Was diese Geschichten bei ihr auslösen, hat nichts mit Muskelbergen zu tun. In den Geschichten muss die Frau nichts tun. Nicht anfangen, nicht erklären, nicht den richtigen Moment abpassen. Da kümmert sich jemand zu hundert Prozent darum, dass sie ihre Lust bekommt. Genau an diesen Stellen hakt es bei Susanne im echten Leben: Anfangen ist Arbeit geworden, Annehmen auch. Die Geschichte schleust die Lust an beiden Baustellen vorbei — durch einen Eingang, von dem sie nicht wusste, dass es ihn gibt. Die Hand ist nie das Problem — ob sich eine Berührung richtig oder falsch anfühlt, entscheidet sich im Kopf, bevor die Hand überhaupt losgeht. Responsive Desire hat einen Namen — Lust, die nicht von selbst losläuft, sondern antwortet. Auf Nähe, auf Kontext, auf eine Geschichte. Die allermeisten Frauen funktionieren so, in langen Beziehungen werden es eher mehr. Kippen ist eine Entscheidung — selbst mit Anlass passiert bei Susanne nichts automatisch. Sie muss sich bewusst dafür entscheiden, alles andere loszulassen. Sonst gewinnt der Dienstag. Das Kaputt-Gefühl bremst mit — wer sich beim Streicheln fragt, warum sie nichts fühlt, fühlt garantiert nichts. Dieser Kreis hat Susanne Jahre gekostet. Am Ende bleibt Susanne ehrlich: Es funktioniert nicht immer. Es gibt Abende, an denen sie alles richtig macht und ihr Körper trotzdem still bleibt. Solche Abende lässt sie stehen, weil sie dazugehören. Aber aus dem Urteil „kaputt" ist ein Datum geworden — heute nicht. Mit einem Urteil kann man nichts machen. Ein Datum geht vorbei. Und ihre Lust? Die ist nicht weg. Sie ist umgezogen. Sie wohnt nicht mehr da, wo sie früher einfach aufgemacht hat, wenn er geklingelt hat. Sie hat einen anderen Eingang, weiter hinten, ohne Schild dran. Susanne hat Jahre gebraucht, um den überhaupt zu suchen. Aber es gibt ihn. Und seit sie das weiß, klingt dieselbe Klingel wieder anders. Shownotes und Episodendetails Vielleicht kennst du das: Er meint es lieb, die Berührung ist vertraut, und trotzdem zieht sich alles in dir zusammen. Nicht vor ihm. Vor dem Zeitpunkt. Diese Folge erklärt, warum das kein Beweis für irgendeinen Defekt ist. Der Morgen, an dem der Funken verliert Susanne liegt im Bett und liest. Ihr Partner wird wach, kuschelt sich an, seine Hand wandert. Und da ist tatsächlich etwas — ein Funken, ganz klar. Ihr Körper hätte Interesse. Gewonnen hat trotzdem der Kalender. Termine, Fahrerei, der volle Tag. Susanne windet sich freundlich aus seinen Händen und beantwortet beim Zähneputzen im Kopf schon die erste Mail. Gesagt hat sie nichts. Was auch — dass ein Funken da war und der Dienstag wichtiger? Das Bittere daran: Genau in dem Moment, in dem sie innerlich aufsteht, kippt seine Hand von richtig zu falsch. Die Hand streichelt eine Frau, die im Kopf längst im Flur steht. Der Abend, an dem sie ihn holt Wenige Tage später schickt sie ihn erst weg — sie will ihre Ruhe, sie will lesen. Dann baut die Geschichte auf dem Handy Spannung auf, Kapitel für Kapitel. Der Kopf kippt zuerst. Dann schießt der Gedanke in den Körper. Ihr Unterleib antwortet auf einen Text, auf Buchstaben, während der Mann nebenan im Wohnzimmer sitzt. Also ruft sie ihn. Und legt sich nackt auf ihn, damit keine Frage offenbleibt. Dieselbe Hand wie am Morgen, dieselbe Bewegung — diesmal fühlt sich alles daran richtig an. Gaspedal, Bremse und der Dienstag In der Erkenntnis nimmt Susanne ein Bild auseinander, das sie seitdem nicht mehr loslässt: Lust hat ein Gaspedal und eine Bremse. Das Gaspedal reagiert auf alles, was der Kopf als sexy einstuft. Die Bremse reagiert auf Stress, auf Listen, auf den Alltag. Das Problem ist fast nie das Gaspedal. Das Problem ist der Fuß auf der Bremse. Am Morgen standen dort die Termine. Am Abend hatte die Geschichte die Bremse längst gelöst, bevor er das Zimmer betrat. Dazu gehört eine Zahl, die vieles geraderückt: Nur ein kleiner Teil der Frauen bekommt Lust wirklich aus dem Nichts. Die allermeisten brauchen einen Anlass und den richtigen Kontext — und in langen Beziehungen werden es eher mehr. Was sich wie ein Defekt anfühlt, ist der Normalfall. Es hat Susanne nur nie eine gesagt. Ob das auf Dauer trägt, weiß Susanne nicht. Eine Fantasie ist kein Schalter, den man jeden Abend drücken kann — sie vermutet, dass Abnutzung dazugehört, und probiert weiter aus. Für wen diese Folge ist Für jede Frau ab 35, ab 40, ab 45, die neben einer vertrauten Hand liegt und nachts ausrechnet, was mit ihr nicht stimmt. Die gelernt hat, dass echte Lust von allein kommen muss, und deren Lust das nicht mehr tut. Die an der Technik ihres Partners gesucht hat, am Timing, an sich selbst — und die Antwort eine Etage höher nie vermutet hätte. Nach dieser Folge hat das Ganze einen Namen. Und einen anderen Eingang. Wenn du wissen willst, wie es weitergeht: Abonniere Saftig. in deiner Podcast-App. Die nächste Folge kommt von allein, und du musst nicht dran denken. Saftig. Endlich sagt es eine.

  8. 23 lug

    Mein Periodentracker spinnt

    Zyklus unregelmäßig — Shownotes Episode 5 Plötzlich ist der Zyklus unregelmäßig — und die App, die jahrelang alles auf zwei Tage genau wusste, schreibt nur noch: Deine Periode kommt voraussichtlich innerhalb der nächsten drei Wochen. Danke, sehr hilfreich. In dieser Folge erzählt Susanne die Geschichte von sich und ihrem Periodentracker. Es ist eine Beziehungsgeschichte. Die beiden hatten gute Jahre. Dann kam die Perimenopause dazwischen. Susanne mochte ihren berechenbaren Körper. Ein Zyklus wie ein Uhrwerk, eine App, die das schriftlich bestätigt, fruchtbare Tage mit Ansage. Sie hat morgens draufgeguckt und wusste, woran sie ist. Das war keine Kontrolle, das war Alltag — so selbstverständlich wie eine Uhr, die richtig geht. Bis der Tracker mit 44, 45 anfing, sich seltsam zu verhalten. Erst Kleinigkeiten, dann Ansagen wie "in drei Wochen oder in sieben, beides möglich". Susanne hat der App trotzdem weiter geglaubt, so wie man jemandem glaubt, der sich nie geirrt hat. Bis irgendwann die ganze Familie lachend durch die App scrollt — und für die kommenden Monate nur noch einen einzigen Eintrag findet: Periode möglich. Kein Datum, keine Prognose. Eine App, die aufgibt und in den Konjunktiv wechselt. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Diese Folge nimmt ein kleines Alltagsding — eine App-Nachricht — und packt damit ein großes Thema aus: den Moment, in dem der eigene Körper aufhört, sich an Pläne zu halten. Susanne erzählt, wie aus ihrer Zyklus-Vorhersage ein Tagebuch wurde, warum die Laune ohne Absender anstrengender ist als die Laune selbst, und wieso der Tracker gar nicht kaputt ist. Er rechnet nur mit einem Zyklus, den es so nicht mehr gibt. Wenn der Zyklus unregelmäßig wird, ist das kein Defekt der App und keiner der Frau. In der Perimenopause ist das Chaos der normale Ablauf — es fängt nur so unscheinbar an, dass der Körper längst umgezogen ist, während man noch an die alte Adresse schreibt. Der Tracker spinnt nicht, der Zyklus spinnt — Zyklus-Apps sind auf Körper gebaut, die sich wiederholen. In der Perimenopause werden die Zyklen erst kürzer, dann länger, dann unberechenbar. Die App macht ihren Job. Der Job ist nur weg. Die Laune verliert ihren Absender — Stimmungsschwankungen gab es immer, aber früher hatten sie ein Datum. Wenn niemand mehr weiß, wann die Tage vor den Tagen sind, steht die miese Laune einfach so im Zimmer. Ohne Beipackzettel. Kontrolle war Gewohnheit mit gutem Ruf — Susanne hat nicht die Kontrolle über ihren Körper verloren. Sie hatte sie nie. Sie hatte einen Körper, der zufällig regelmäßig war, und eine App, die das aufgeschrieben hat. Das eingebaute Signal funktioniert noch — Lust am Tag vor der Periode war für Susanne immer verlässlicher als jede App. Dieses Signal gibt es weiterhin. Sie liest es nur manchmal einen Tag zu spät — und auch dann lohnt es sich noch, ihm nachzugehen. Susanne hat keinen neuen Plan für ihren Körper. Sie hat eine App, mit der sie jetzt gemeinsam rät, einen Kalender, in dem sie die Einzige ist, die noch pünktlich kommt, und einen trockenen Satz für alles, was gerade gilt: Voraussichtlich wird das schon irgendwie. Rund vierzehn Minuten zum Wiedererkennen, Lachen und Aufatmen — für jede, deren Körper gerade improvisiert. Shownotes und Episodendetails Vielleicht kennst du diesen Moment: Du öffnest deine Zyklus-App, und statt eines Datums steht da ein Zeitfenster. Drei Wochen. Und irgendwas in dir weiß sofort — das ist nicht die App. Das bist du. Von der Vorhersage zum Tagebuch Susanne erzählt in dieser Folge, wie sie ihrer App die Daumen gedrückt hat. Jedes Mal, wenn eine neue Schätzung kam, dieser kleine Gedanke: Vielleicht diesmal. Vielleicht hat sie sich wieder gefangen. Hat sie nicht. Also hat Susanne umgestellt. Sie trägt weiter ein — aber rückwärts statt vorwärts. Was passiert ist, nicht mehr, was kommen soll. Löschen konnte sie die App trotzdem nicht. Da stecken Jahre drin. Es ist die einzige Stelle, an der ihr Körper lückenlos aufgeschrieben ist. Und wenn schon niemand mehr weiß, was als Nächstes kommt, will sie wenigstens wissen, was gewesen ist. Bist du das oder sind das deine Hormone? Die Periode kommt, wann sie will. Manchmal nach drei Wochen, manchmal nach sechs, manchmal nur kurz grüßen. Und hinten dran hängt die Laune. Susanne beschreibt einen Tag, an dem ihr alles zu viel war, obwohl nichts passiert ist. Wirklich nichts, sie hat extra nachgedacht. Früher hätte der Kalender das erklärt: klar, in vier Tagen geht es los. Heute guckt sie in den Kalender, der Kalender guckt zurück, und keiner von beiden weiß was. Die Laune kommt trotzdem. Sie kündigt sich nur nicht mehr an. Die Frage, ob das echt ist oder hormonell, lässt sie offen. Beziehungsweise: Sie schreibt sie auf einen Zettel, legt den Zettel auf einen Stapel, und irgendwann fliegt der Stapel weg. Wer Susanne kennt, weiß, dass das ihre Art von Ordnung ist. Die gute Nachricht in dieser Folge Zwischen all dem Durcheinander steckt ein Lichtblick, und Susanne sagt ihn extra deutlich, weil man zu diesem Thema sonst fast nur düstere Geschichten hört. Ihr Körper hatte schon immer ein eigenes Signal, zuverlässiger als jede App: Lust am Tag vor der Periode. Immer. Wie ein Naturgesetz, lange bevor es Apps gab. Dieses Signal meldet sich weiterhin. Es hat nur seinen Fahrplan verloren — das ist nicht dasselbe wie verschwunden. Manchmal versteht sie die Nachricht erst einen Tag später, wenn die Periode schon da ist, aber noch nicht richtig in Schwung. Und dann hilft der Sex ungemein. Die Lust ist nicht weg. Sie ist mit dem Zyklus durcheinandergeraten. Das ist ein Unterschied, der Mut macht. Für wen diese Folge ist Für jede Frau ab 35, ab 40, ab 45, deren Zyklus gerade macht, was er will. Die von zwei Geräten gleichzeitig beobachtet wird — App und Uhr — und trotzdem als Einzige im Raum keine Antwort bekommt. Die nachts googelt, ob das normal ist, und tagsüber Witze darüber macht. Die ihren berechenbaren Körper vermisst und trotzdem lachen kann, wenn die App aufgibt. Du wirst dich wiedererkennen. Vielleicht scrollst du danach selbst mal vorwärts, einfach um zu sehen, was deine App noch glaubt. Und du wirst ein bisschen freundlicher auf sie gucken. Kennst du eine Freundin, deren Tracker auch nur noch rät? Schick ihr diese Folge. Manchmal ist das der einfachste Weg zu sagen: Bei mir ist es genauso.

Trailer

Descrizione

Ich kann nicht anfangen. Und wenn er anfängt, kann ich es nicht annehmen. Dazwischen liege ich wach und frage mich, was eigentlich mit mir passiert. Ich bin nicht kaputt. Ich funktioniere anders als früher. Das hat mir nur nie eine gesagt. Saftig. Endlich sagt es eine. Muttertag, abends. Er fängt an. Mein Körper antwortet nicht. Ich liege da, warte, dass irgendwas kommt, und sortiere im Kopf schon die Sätze, mit denen ich es ihm nachher erkläre. Fünf Sätze hatte ich für ihn. Keinen für mich. Manchmal ist das zum Heulen. Öfter, als ich dachte, ist es zum Lachen. Neulich bin ich nackt durch unseren Flur gelaufen und habe so getan, als wollte ich nur ein Glas Wasser holen. Auch davon erzähle ich. Ich bin Susanne. Ich sage das, was keine sagt. Von Lust, die nicht mehr vorher da ist, sondern erst unterwegs kommt — wenn überhaupt. Von Sex in einer langen Beziehung. Vom Blick in den Spiegel, morgens. Davon, wie ich mich selbst befriedige, und warum ich darüber nie geredet habe. Und von den Abenden, an denen es plötzlich wieder gut ist. Perimenopause, Wechseljahre — die Wörter kamen bei mir später als das Gefühl. Und sie erklären nicht, warum ich mich selbst nicht mehr erkenne. Es ist anders geworden. Nicht schlimmer. Ehrlicher. Für Frauen ab 35, ab 40, ab 45, die nachts googeln und tagsüber nichts sagen. Fang mit Folge 1 an: Ich habe aufgehört anzufangen." Danach weißt du, ob wir uns kennen. Ich bin Susanne.