260917PC Bansky – Provokateur Künstler Anarchist Mensch Mahler am 17.9.2026 Die Ausstellung „House of Banksy – An Unauthorized Exhibition“ läuft vom 11. September 2026 bis zum 28. Februar 2027 im Kronprinzbau in Stuttgart. Ich bin mit hohen Erwartungen hingegangen. Und sie wurden übertroffen. Sensationell! Atemberaubend! Beklemmend – es schnürt einem die Luft ab. Und über allem schwebt die Frage: wer ist Bansky, der angesagte Gegenwartskünstler. Das teuerste Werk von Banksy ist das teilgeschredderte Bild „Love is in the Bin“ (ursprünglich „Girl with Balloon“), das im Oktober 2021 bei Sotheby’s in London für 16 Millionen Pfund, 21,8 Millionen Euro versteigert wurde. Der frühere BBC-Journalist Nigel Wrench führte 2003 ein Interview mit einem Künstler, der in einem Warenlager in Ost-London seine Graffiti-Arbeiten ausstellte: Antiautoritäre Motive, Schweine in Polizeihosen, Winston Churchill mit Irokesenhaarschnitt aus Gras. Der Künstler erklärte damals, er feiere mit seinen Wandsprühereien den Vandalismus, es sei die effektivste Art, Kunst zu machen. Und der Künstler erklärte weiter, er werde bei der Eröffnung seiner Ausstellung am Abend nicht dabei sein. Als Graffiti-Künstler könne man sich eben nicht lächelnd neben seine Werke stellen. Man werde eher als "Typ" wahrgenommen, wenn die Leute nicht wüssten, wer man ist. Als Wrench den Künstler bat, seinen Namen zu bestätigen, sagte der: "Robbie Banks". Dies ist eines der wenigen Interviews, von denen ziemlich sicher ist, dass der echte Künstler, der hinter Banksy steckt, wirklich Auskunft gab. Über Banksys richtigen Namen wird seit Jahrzehnten spekuliert. Und laut einer intensiven Recherche der Nachrichtenagentur Reuters soll Banksy aktuell David Jones heißen. Das ist natürlich nicht sein ursprünglicher Name. Den Namen David Jones soll er etwa zu der Zeit angenommen haben, als die Mail on Sunday 2008 geschrieben hatte, dass sich hinter Banksy der Künstler Robin Gunningham aus Bristol verberge. David Jones ist die Männernamen-Kombination, die es im Vereinigten Königreich am häufigsten gibt, würde sich also gut als Deckname eignen. Ausgegraben hat den Namen Simon Gardner von der Agentur Reuters, der in der Ukraine recherchierte, nachdem Banksy dort 2022 nach Kriegsbeginn Graffitis gesprüht hatte. Eines davon im Dorf Horenka nahe Kiew. Das Motiv an einer zerbombten Häuserwand zeigt einen Mann, der sich in einer Badewanne den Rücken schrubbt. Gardner schilderte in der BBC, wie er dazu kam: Die Sprüherei sei nur ein paar Meilen entfernt von Butscha aufgetaucht, wo er die Gräueltaten der russischen Armee untersuchte. Ihn habe dieser harte Kontrast zwischen dem Horror und dem surrealen Graffiti getroffen. Und als großer Banksy-Fan habe er den Plan gefasst, mehr über Banksys Identität zu erfahren. Eine Ikone von Maria und Jesus als Baby, dem ein Sprengstoffgürtel umgebunden wurde, die prüde Queen Victoria in Lederstiefeln und Strapsen mit dem Geschlecht über dem Gesicht einer Frau sitzend, ein Film über Bootpeople auf dem Bansky-Rettungsschiff konfrontiert mit einer Luxusjacht, schwule Polizisten, die sich umarmen und küssen, Apple Gründer Steve Jobs als syrischer Imigrant – sein Vater flüchtete tatsächlich von Homs in die USA – an Provokationen fehlt es wahrlich nicht. Aber alles Provokationen, die reichlich Stoff zum Nachdenken geben. Ich werde mir noch lange die Kunstwerke von Bansky anschauen und darüber philosophieren. Und das Shirt mit dem Intifada-Kämpfer tragen, der statt einer Handgrante einen Blumenstraß gegen die israelischen Besatzer schleudert. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.