Fünf Wochen Pause, dann fast eine Stunde Podcast. Hanni und Jani sind wieder da — sympathisch, authentisch, bodenständig. Und sie sind, ohne es zu wissen, ein Lehrstück darüber, wie Konsumbegeisterung zur politischen Unterstützung wird, ohne dass der Konsument das Wort „Politik” auch nur einmal in den Mund nimmt.
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## Die Werbung, die keine sein will
Gut zwanzig Minuten widmen Jan und Hannes ihren Teslas. One-Pedal-Drive, Ladeplanung nach Bernburg, Akku beim Angeln, Vergleich mit dem doppelt so teuren Audi Q6 e-Tron. Jan fasst zusammen: „Ich glaube, ich fahre keinen anderen Hersteller mehr.” Vorher sagt er: „Das ist keine Produktplatzierung.”
Das stimmt formaljuristisch. Kein Geld geflossen, kein Vertrag unterzeichnet. Und doch ist es genau das, was es funktional ist: unbezahlte, glaubwürdige Werbung für ein Unternehmen, dessen Börsenwert wesentlich davon abhängt, dass echte Menschen — keine Schauspieler, keine Influencer — genau so über ihre Teslas reden. Musk hat stets genau verstanden, welche Vorteile sich aus einer Partnerschaft mit dem Staat ziehen lassen — und wie man staatliche Ressourcen für die eigenen Zwecke nutzt. Was für staatliche Ressourcen gilt, gilt für soziale Glaubwürdigkeit ebenso: Die „Tessigang” aus Norddeutschland liefert sie gratis.
Musks Nettovermögen setzt sich zu großen Teilen aus dem Börsenwert von Tesla und SpaceX zusammen. Jede schwärmende Folge eines Landwirtschaftspodcasts ist ein kleines Stück davon.
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## Muskismus: Eine Ideologie ohne Platz für Landwirte
Dreißig Minuten nach der Tesla-Begeisterung kommt der entscheidende Moment. Hannes fragt, ob Jan mitgekriegt habe, dass Musk mit SpaceX jetzt endgültig der reichste Mensch der Welt sei. Beide rechnen sich durch, dass man seit dem Jahr 0 täglich eine Million Euro ausgeben müsste, um überhaupt an sein Vermögen heranzureichen. Ihr Urteil: „In welcher Lage sich die Welt und der Kapitalismus geschoben hat — es ist absurd geworden.” Und dann, fast atemlos: „Wir mit unseren kümmerlichen Agrarpreisen.”
Die Diagnose ist richtig. Die Verbindung zu dem, was sie gerade fünfzehn Minuten lang enthusiastisch beworben haben, bleibt unausgesprochen.
Was ist Musk eigentlich für ein ideologisches Projekt? Historiker Quinn Slobodian und Tech-Autor Ben Tarnoff beschreiben den „Muskismus” nicht als im Voraus ausformuliertes Weltbild, sondern als eine Weise, Produktionsprozesse und soziale Beziehungen zu organisieren — mit dem Ziel technologischer Dominanz über Mensch und Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Kerngedanke: Musk denkt sozusagen von der Zukunft her rückwärts — 100 Milliarden humanoide Roboter auf der Erde, ein Monopol über Satellitenkommunikation, eine KI-Plattform als ideologisches Sprachrohr.
In dieser Zukunft kommen Landwirte nicht vor. Techno-Optimisten im Silicon Valley vertreten die Überzeugung, dass technologischer Fortschritt durch „Disruption” die Quelle für Wohlstand und gesellschaftlichen Fortschritt sei — eine notorische Leerstelle bildet dabei die Auseinandersetzung mit Fragen gesellschaftlicher Verteilung von Macht und Ressourcen. Wer disruptiert wird, interessiert nicht. Traditionelle Landwirtschaft ist in diesem Weltbild nicht Feind — sie ist schlicht irrelevant. Ein Problem, das sich von allein durch Automatisierung, Vertikalfarming und synthetisches Protein löst.
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## DOGE und der Angriff auf die Landwirtschaft
Was nach Ideologie klingt, hat konkrete Auswirkungen. Musks „Department of Government Efficiency” richtete sich 2025 gezielt auch gegen das US-Landwirtschaftsministerium (USDA). Ein DOGE-Mitarbeiter, ehemaliger Software-Ingenieur beim Selbstfahrauto-Unternehmen Waymo, erhielt im April 2025 Zugriff auf das nationale Zahlungssystem der USDA — das System, das Subventionen, Notfallhilfen nach Wetterkatastrophen und Förderkredite für Landwirte und Rancher verwaltet. Dieser Zugriff hätte es ihm erlaubt, Einträge zu verändern und Zahlungen direkt zu stornieren.
„In der Datenbank der USDA-Kreditanträge gibt es keine persönlicheren Informationen irgendwo”, warnte ein früherer USDA-Beamter. „Das gesamte finanzielle Leben des Landwirts, jede verpasste Zahlung, jede finanzielle Notlage — alles ist dort.”
Amerikas Farmer hatten wesentlich dazu beigetragen, Trump ins Weiße Haus zu bringen — Trump gewann alle bis auf elf der 444 als landwirtschaftsabhängig eingestuften Counties. Doch dieselben Gemeinden reagierten mit Bestürzung, als die Trump-Administration begann, Bundesbehörden zu zerlegen und Förderprogramme einzufrieren, die ihre wirtschaftliche Existenz direkt betrafen.
In Deutschland hat Musk die AfD empfohlen — eine Partei, die EU-Agrarpolitik zwar kritisiert, aber in einer Koalition mit dem Technolibertarismus des Silicon Valley auch keine Antwort auf sinkende Erzeugerpreise liefert.
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## Der Widerspruch, der keiner sein darf
Hanni und Jani jammern in derselben Folge über Weizenpreise von 136 Euro, über Raps der innerhalb weniger Tage 20 Euro verliert, über „kümmerliche Agrarpreise”. Ihr Fazit: Man könnte mehr Werbung auf YouTube schalten, um das zu kompensieren. Der Gedanke, dass das Unternehmen, für das sie gerade kostenlose Werbung gemacht haben, in einem direkten Zusammenhang mit der Machtstruktur steht, die ihre wirtschaftliche Marginalisierung produziert, taucht nicht auf.
Das lässt sich am besten auf den Begriff bringen, den Slobodian und Tarnoff für Musks Kerntaktik verwenden: Er verspricht individuelle Unabhängigkeit durch Technologie — schafft aber in Wahrheit neue Abhängigkeiten. Ein Tesla ist bequem, leise, günstig im Betrieb. Und er ist ein Produkt eines Unternehmens, dessen Gründer die politischen und regulatorischen Strukturen aktiv abbaut, die den unabhängigen Kleinbetrieb überhaupt erst lebensfähig halten.