2 alte wei(s)se Männer

Kirchberg & Reinhard

Sie nennen sich selbstironisch „2 alte weis(s)e Männer“, die noch etwas zu sagen haben: Dr. Thomas Kirchberg, bis zu seinem Ruhestand Vorstandsmitglied eines Industrieunternehmens, und Michael Reinhard, zuletzt 21 Jahre lang Chefredakteur der Main-Post in Würzburg. In ihrer aktuellen Mutmacher-Staffel geht es jeden Freitag um das, was in aufgewühlten Zeiten besonders kostbar ist: Orientierung, Zuversicht und Mut. Wo liegen Lösungen? Was macht Mut? Was gibt konkreten Anlass zur Zuversicht? Antworten darauf suchen die beiden alten wei(s)sen Männer bei Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen, die klug einordnen, Orientierung geben – und für die eine hoffnungsvolle Zukunft keine Utopie ist. Wir lehnen Häme und Verunglimpfung gegenüber Andersdenkenden ab und werben in „2alte wei(s)se Männer“ für Respekt, Toleranz und Offenheit.

  1. vor 1 Tag

    Ahmad Mansour: Wenn Wut zu Hass wird — Extremismus und die offene Gesellschaft

    Ein Datum, ein Ort, eine Frage, die nicht loslässt. Christopher Street Day, Berlin, Juli 2026. Ein islamistisch motivierter Anschlag auf Menschen, die feiern wollten. Der Täter war bekannt, galt als Hochrisikogefährder — und war trotzdem auf freiem Fuß. Unser heutiger Gast Ahmad Mansour hat anschließend gefragt: Wie lange wollen wir noch wegsehen? Was ihr in dieser Folge erfahrt: Der Anschlag und das Systemversagen. Mansour war nach dem CSD-Anschlag nicht überrascht — er war enttäuscht. Enttäuscht, weil er seit Jahren vor einer Radikalisierungswelle warnt, die für alle sichtbar ist. Er analysiert, was auf mehreren Ebenen gleichzeitig schiefgelaufen ist: Ein Attentäter, der in Berlin aufgewachsen ist und unsere Schulen besucht hat. Ein Hochrisikogefährder, der nach einem versuchten IS-Anschluss mit einer Bewährungsstrafe davonkam. Deradikalisierungskurse als Ersatz für Haft — ein Konzept, das laut Mansour grundlegend falsch gedacht ist. Seine klare These: Deradikalisierung funktioniert nur parallel zur Strafe, nicht als Alternative. Wie Radikalisierung wirklich entsteht — und Mansours eigene Geschichte. Der bewegende Moment dieser Folge: Mansour erzählt, wie er selbst mit 13 Jahren in eine islamistische Gruppe geriet. Er war Streber, wurde gemobbt, saß in seinem Zimmer und weinte. Der Einzige, der es merkte, war der Imam von nebenan — der ihm Halt, Zugehörigkeit und das Gefühl gab, zu einer Elite zu gehören. In fünf Jahren in dieser Gruppe hatte er nicht eine Sekunde das Gefühl, radikal zu sein. Erst an der Universität Tel Aviv, umgeben von Menschen, die nicht seinen Vorurteilen entsprachen, begann der Weg zurück. Seine Botschaft: Radikalisierung entsteht in Leerstellen — dort, wo jemand sucht und niemand antwortet. Außer den Falschen. Das persönliche Gewicht: Leben unter Polizeischutz. Seit über zehn Jahren lebt Mansour unter Personenschutz. Er beschreibt, was das wirklich bedeutet: eine Tochter, die zwei Jahre lang nicht alleine in ihrem Zimmer schlafen wollte. Die tägliche Frage, ob es sich lohnt. Energie, die es jeden Tag kostet, weiterzumachen. Und doch: Er ist dankbar für einen Rechtsstaat, der ihn schützt — und findet Kraft in den Begegnungen mit jungen Menschen in Schulen, die am Ende einer Veranstaltung noch länger bleiben wollen, um weiterzudiskutieren. Der Mutmacher-Ausblick. Krisenzeiten, sagt Mansour, sind auch Zeiten, in denen Chancen entstehen. Demokratie ist nicht selbstverständlich und wird nicht vererbt — sie muss jeden Tag neu erkämpft werden. Wenn Schulen Medienkompetenz lehren, wenn Kinder lernen, zwischen Desinformation und Wahrheit zu unterscheiden, wenn wir wieder anfangen, eine positive Geschichte über dieses Land zu erzählen — dann sind wir auf dem richtigen Weg. Über den Gast: Ahmad Mansour ist Diplom-Psychologe, Extremismusforscher und Autor. Er wurde 1976 als arabischer Israeli geboren, lebt seit 2004 in Berlin. Mansour ist Mitglied des Expertengremiums zur Islamismus-Bekämpfung beim Bundesinnenministerium und Gründer von Mind Prevention. Sein neues Buch „Haltung ohne Hass" ist gerade erschienen. Für seine Arbeit wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Moses-Mendelssohn-Preis und dem Johanna-Eck-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. Heute begleitet er Familien von radikalisierten Jugendlichen, Aussteiger und verurteilte Terroristen. Unser Buch zur Staffel: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten — was hoffen lässt" ist im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Folgt uns, abonniert uns, teilt diese Folge — und bleibt streitlustig, kritisch und zuversichtlich.

    Ahmad Mansour: Wenn Wut zu Hass wird — Extremismus und die offene Gesellschaft
  2. 21. Aug.

    Benjamin Höhne: Was eine AfD-Regierung bedeuten würde

    Der 6. September 2026 ist kein abstraktes Datum. An diesem Tag wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag — und die Umfragen sehen die AfD mit rund 41 Prozent als klare Favoritin. Das wäre mehr als eine Verdoppelung des Ergebnisses von 2021. Erstmals seit 1945 steht Deutschland vor der Möglichkeit, dass eine Partei, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft ist, Regierungsverantwortung auf Landesebene übernimmt. Michael Reinhard und Thomas Kirchberg sprechen in dieser Folge mit Benjamin Höhne, Politikwissenschaftler an der TU Chemnitz und einem der profiliertesten Kenner ostdeutscher Politik. Höhne forscht zu Parteien, Populismus und dem Regierungssystem der Bundesrepublik — mit besonderem Fokus auf Ostdeutschland. Er ist in Lutherstadt Wittenberg geboren, kennt Sachsen-Anhalt von innen — und analysiert die Lage nüchtern, ohne zu dramatisieren oder zu verharmlosen. Was ihr in dieser Folge erfahrt: Wie wahrscheinlich ist eine AfD-Regierung — und in welcher Form? Höhne erklärt, warum die AfD trotz 41 Prozent Stimmenanteil keine absolute Stimmenmehrheit braucht, um eine absolute Mandatsmehrheit zu erringen — und welche Rolle das BSW dabei spielt. Er schildert drei mögliche Szenarien: AfD-Alleinregierung, AfD mit BSW-Unterstützung, CDU-Minderheitsregierung — und was jeweils dafür und dagegen spricht. Was eine AfD-Regierung konkret verändern würde: Nicht die Migrationspolitik — die ist Bundesangelegenheit. Sondern die Bereiche, die tatsächlich Ländersache sind: innere Sicherheit, Bildung, Kultur, Wissenschaft. Höhne benennt konkret: geplante „Bürgerwehren“ beim Ordnungsamt, ein „Corona-Tribunal" für Richter und Beamte, Abschaffung der Schulpflicht, Eingriffe in Hochschulberufungen, Kürzung der Zivilgesellschaftsfinanzierung — und den erklärten Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Schützt uns das Grundgesetz — oder droht der Ungarn-Effekt? Höhne differenziert: Deutschland ist eine Konsensdemokratie mit vielen Vetospielern — das macht schnelle Machtübernahmen schwierig. Aber: Verfassungsinstitutionen sind nur so stark wie ihr Rückhalt in der Bevölkerung. Und der ist im Osten strukturell schwächer — nicht weil Ostdeutsche per se rechtsextremer eingestellt wären, sondern weil Zivilgesellschaft, Kirchen und Gewerkschaften dort weniger tief verwurzelt sind. Was die Demokratie stark macht — und was jetzt zu tun ist: Höhne plädiert für eine deutlich stärkere Brandmauer, kritisiert Medien für die Normalisierung der AfD durch zu viele Talkshow-Einladungen und warnt davor, AfD-Themen zu übernehmen — das stärkt die Originale, nicht die Kopien. Und er macht einen konkreten Vorschlag: Wer noch Zeit hat, soll nach Sachsen-Anhalt fahren und vor Ort für demokratische Parteien werben. Der Mutmacher-Ausblick: Höhne glaubt, dass viele Menschen — auch solche, die Rechtsaußen gewählt haben — spüren, dass einfache Konzepte die großen Herausforderungen nicht lösen. Eine vielfältige Gesellschaft bringt die besten Voraussetzungen für neue Ideen. Parteien müssen mutiger werden. Und die Zivilgesellschaft muss sie dabei begleiten — und darf sie nicht allein lassen. Unser Buch zur Staffel: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten — was hoffen lässt" ist im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Folgt uns, abonniert uns, teilt diese Folge — und bleibt streitlustig, kritisch und zuversichtlich.

    Benjamin Höhne: Was eine AfD-Regierung bedeuten würde
  3. 30. Juli

    Julia Reuschenbach: Kann wertschätzende Debattenkultur unsere Demokratie stärken?

    Warum fällt es uns immer schwerer, miteinander zu streiten, ohne uns gegenseitig abzuwerten? Weshalb werden Kompromisse heute oft als Schwäche verstanden – obwohl sie das Herzstück jeder Demokratie sind? Und wie können wir wieder zu einer Debattenkultur finden, die verbindet statt spaltet? Darüber sprechen wir mit Julia Reuschenbach, Politikwissenschaftlerin, Demokratieforscherin und Expertin für Parteien, politische Kommunikation und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gemeinsam mit dem Journalisten Korbinian Frenzel hat sie das Buch „Defekte Debatten – Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen“ veröffentlicht. Im Gespräch erklärt Julia Reuschenbach, warum Debatten nicht deshalb scheitern, weil wir unterschiedliche Meinungen haben, sondern weil wir immer häufiger in Feindbildern statt in Argumenten denken. Sie beschreibt, weshalb Verantwortung nicht nur bei Politikerinnen und Politikern liegt, sondern ebenso bei Medien und bei uns allen als Teil der Öffentlichkeit. Dabei geht es nicht nur um die Diagnose. Julia Reuschenbach zeigt auch Wege auf, wie demokratische Debatten wieder gelingen können: durch mehr analoge Begegnungen, ehrliche Kompromissbereitschaft, politische Verantwortung und die Bereitschaft, Komplexität auszuhalten. In dieser Folge geht es um: Warum Debatten heute häufig schon beginnen, bevor überhaupt Argumente ausgetauscht werden. Weshalb Verantwortung bei Politik, Medien und Bürgerinnen und Bürgern liegt. Warum Kompromisse keine Niederlagen, sondern demokratische Stärke sind. Weshalb analoge Begegnungen Polarisierung abbauen können. Warum Vereinfachung selten gute Politik hervorbringt. Wie wir wieder lernen können, fair zu streiten, ohne den anderen zum Gegner zu machen. Ein Gespräch über Streitkultur, Verantwortung, Demokratie – und darüber, warum guter Streit nicht trennt, sondern die Grundlage einer lebendigen Demokratie ist. 📖 BuchtippJulia Reuschenbach & Korbinian Frenzel: Defekte Debatten – Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen Suhrkamp Verlag Wenn Sie unsere Gespräche auch jenseits des Podcasts nachlesen möchten: Unser neues Buch ist erschienen: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten – was hoffen lässt“ Jetzt im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert 2 alte wei(s)se Männer, teilt den Podcast und folgt uns in den sozialen Medien: Instagram https://www.instagram.com/2alteweissemaenner?igsh=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&ut  Facebook https://www.facebook.com/share/16qwKMqsxZ/?mibextid=wwXIfr Youtube https://youtube.com/@2alteweissemanner-rw6gw?si=DyDKBPUF3KohcL

    Julia Reuschenbach: Kann wertschätzende Debattenkultur unsere Demokratie stärken?
  4. 16. Juli

    Harald Welzer: Warum Demokratie mehr Gefühle braucht als gute Argumente

    Unsere Demokratie steht unter Druck. Viele Menschen haben das Gefühl, dass Vertrauen schwindet, gesellschaftlicher Zusammenhalt brüchig wird und Politik die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger nicht mehr erreicht. Doch woran liegt das eigentlich? Und was macht trotzdem Hoffnung? Darüber sprechen wir mit Harald Welzer, Soziologe, Sozialpsychologe, Publizist und einer der bedeutendsten Gesellschaftsdenker im deutschsprachigen Raum. Sein zentraler Gedankengang: Demokratie lebt nicht allein von Institutionen oder Argumenten – sie lebt von Vertrauen, Zugehörigkeit und Zuversicht. Im Gespräch erklärt Welzer, warum Angst zwar das stärkste politische Gefühl ist, warum Populisten genau davon profitieren und weshalb demokratische Politik die emotionale Ebene häufig unterschätzt. Er beschreibt, wie schleichend Erwartungssicherheit verloren gegangen ist, warum viele Menschen sich von der Politik nicht mehr verstanden fühlen und weshalb Vertrauen die eigentliche Währung einer funktionierenden Demokratie ist. Doch dieses Gespräch bleibt nicht bei der Diagnose stehen. Harald Welzer zeigt auch, warum unsere Gesellschaft sehr viel widerstandsfähiger ist, als sie oft erscheint. Er spricht über die enorme Kraft des Ehrenamts, über sein Projekt „Wohnzimmer der Gesellschaft“, über Orte der Begegnung und darüber, warum wir wieder viel häufiger Geschichten des Gelingens erzählen sollten. In dieser Folge geht es unter anderem um: Warum Angst politisch so wirkungsvoll ist Weshalb Vertrauen wichtiger ist als perfekte Programme Warum Populisten von den Fehlern der anderen leben Die stille Stärke der demokratischen Mehrheit Wie Begegnung Einsamkeit und Polarisierung überwinden kann Weshalb wir mehr über das Gelingen unserer Gesellschaft sprechen sollten Ein Gespräch über Demokratie, Vertrauen, Gemeinschaft – und darüber, warum Zuversicht keine naive Haltung, sondern eine gesellschaftliche Ressource ist. Buchtipp 📖 Harald Welzer: Das Haus der Gefühle Warum Demokratie nicht nur von Vernunft, sondern vor allem von Vertrauen, Zugehörigkeit und gemeinsamen Gefühlen lebt. Verlag: S. FISCHER, 304 Seiten. Wenn Sie unsere Gespräche auch jenseits des Podcasts nachlesen möchten: Unser neues Buch ist erschienen: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten – was hoffen lässt“ Jetzt im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert 2 alte wei(s)se Männer, teilt den Podcast und folgt uns in den sozialen Medien: Instagram https://www.instagram.com/2alteweissemaenner?igsh=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&ut  Facebook https://www.facebook.com/share/16qwKMqsxZ/?mibextid=wwXIfr Youtube https://youtube.com/@2alteweissemanner-rw6gw?si=DyDKBPUF3KohcL

    Harald Welzer: Warum Demokratie mehr Gefühle braucht als gute Argumente
  5. 2. Juli

    Tim Breitbarth: Warum Nachhaltigkeit mehr sein muss als ein Versprechen

    Unternehmen stehen längst unter Dauerbeobachtung: von Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden, Medien, NGOs, Politik und Investoren. Wer Verantwortung verspricht, muss zeigen können, was davon wirklich im Geschäftsmodell steckt — und was nur Kommunikation ist. In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg mit Tim Breitbarth, Professor für Nachhaltiges Management und Corporate Social Responsibility an der CBS International Business School in Köln. Tim Breitbarth macht deutlich: Unternehmen müssen nicht perfekt sein. Aber sie müssen sich ernsthaft mit ihrer Verantwortung auseinandersetzen. Entscheidend ist, ob Nachhaltigkeit im Unternehmen wirklich verankert ist — in Strategie, Lieferketten, Kommunikation, Kultur und alltäglichem Handeln. Ein zentrales Thema ist der Konflikt zwischen Kurzfristigkeit und Langfristigkeit. Gerade in Krisenzeiten geraten langfristige Fragen wie Klimaschutz, ökologische Grenzen und gesellschaftliche Verantwortung schnell unter Druck. Breitbarth warnt davor, diese Themen beiseitezuschieben: Die Probleme verschwinden nicht, nur weil sie politisch gerade weniger prominent diskutiert werden. Außerdem geht es um die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitskommunikation. Wann ist sie seriös? Wann wird sie Greenwashing? Und wie können Unternehmen offen über Ziele sprechen, auch wenn sie noch nicht alles erreicht haben? Der Mutmacher dieser Folge: Nachhaltigkeit ist nicht nur Risiko, Pflicht oder Berichtswesen. Sie kann Unternehmen widerstandsfähiger, innovativer und glaubwürdiger machen — wenn sie ernsthaft gelebt wird. Wenn Sie unsere Gespräche auch jenseits des Podcasts nachlesen möchten: Unser neues Buch ist erschienen: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten – was hoffen lässt“ Jetzt im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert 2 alte wei(s)se Männer, teilt den Podcast und folgt uns in den sozialen Medien: Instagram https://www.instagram.com/2alteweissemaenner?igsh=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&ut  Facebook https://www.facebook.com/share/16qwKMqsxZ/?mibextid=wwXIfr Youtube https://youtube.com/@2alteweissemanner-rw6gw?si=DyDKBPUF3KohcL

    Tim Breitbarth: Warum Nachhaltigkeit mehr sein muss als ein Versprechen
  6. 18. Juni

    Sabine Pfeiffer: Kollege KI oder Jobkiller – wie bedroht unsere Arbeitsplätze sind

    Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt – aber sie tut es anders, als viele Schlagzeilen vermuten lassen. In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg mit Prof. Dr. Sabine Pfeiffer über KI zwischen Hype, Hoffnung und Jobangst – und darüber, warum die Zukunft der Arbeit nicht allein von Algorithmen entschieden wird.   Sabine Pfeiffer ist Professorin für Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Technik, Arbeit, Digitalisierung und gesellschaftlichem Wandel. Ihr Blick auf KI ist wohltuend nüchtern: Weder Technikrausch noch Untergangsstimmung helfen weiter. Entscheidend ist, was KI in konkreten Arbeitsprozessen tatsächlich leisten kann – und was ihr im Moment nur zugeschrieben wird.   Gleich zu Beginn widerspricht Pfeiffer einer verbreiteten Erzählung: Die optimistische und die dystopische Sicht auf KI hätten oft denselben Kern – beide gingen davon aus, KI sei allmächtig. Für Pfeiffer liegt genau darin die größte Fehleinschätzung: Wir überschätzen häufig, was KI kann, und unterschätzen gleichzeitig die Komplexität menschlicher Arbeit. Viele Tätigkeiten bestehen eben nicht nur aus klar abgrenzbaren Routinen, sondern aus Erfahrungswissen, Improvisation, Verantwortung, Kommunikation und situativem Können.   Im Gespräch wird deutlich: Unternehmen gehen sehr unterschiedlich mit KI um. Manche warten ab, andere probieren fast alles aus, was der Markt anbietet. Besonders kritisch sieht Pfeiffer Projekte, die nicht mit der Frage beginnen: Welches Problem wollen wir eigentlich lösen? Stattdessen werde häufig ein Tool eingeführt und erst danach nach einem passenden Anwendungsfall gesucht. So entstünden viele teure Pilotprojekte, die über einen „Proof of Concept“ nicht hinauskommen.   Ein zentraler Punkt der Folge: KI ersetzt selten ganze Berufe, sondern verändert Tätigkeiten. Das klingt nach Entwarnung, ist aber keine Verharmlosung. Denn Arbeit verändert sich ständig – durch Technik, Organisation, Märkte und neue Anforderungen. Entscheidend ist, ob Beschäftigte auf eine einzelne Tätigkeit reduziert sind oder ob ihr Beruf aus vielen Facetten besteht. Je breiter, erfahrungsreicher und vielfältiger Arbeit organisiert ist, desto weniger lässt sie sich einfach automatisieren.   Der Mutmacher dieser Folge liegt in Pfeiffers Vertrauen in die Menschen. Deutschland habe mit seiner beruflichen Ausbildung eine enorme Stärke: Millionen Beschäftigte, die Praxis und Theorie verbinden, Fachwissen mit Erfahrung koppeln und Veränderungen im Alltag konkret bewältigen. Oft könnten Menschen mehr, als sie an ihrem Arbeitsplatz zeigen dürfen. Genau darin sieht Pfeiffer einen großen Grund zur Zuversicht.   Wenn Sie unsere Gespräche auch jenseits des Podcasts nachlesen möchten: Unser neues Buch ist erschienen: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten – was hoffen lässt“ Jetzt im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert 2 alte wei(s)se Männer, teilt den Podcast und folgt uns in den sozialen Medien: Instagram https://www.instagram.com/2alteweissemaenner?igsh=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&ut  Facebook https://www.facebook.com/share/16qwKMqsxZ/?mibextid=wwXIfr Youtube https://youtube.com/@2alteweissemanner-rw6gw?si=DyDKBPUF3KohcL

    Sabine Pfeiffer: Kollege KI oder Jobkiller – wie bedroht unsere Arbeitsplätze sind
  7. 4. Juni

    Sabine Kuhlmann: Welche Staatsreformen sind den Menschen zuzumuten?

    Was trauen Staat und Politik den Bürgerinnen und Bürgern eigentlich noch zu – und was trauen die Bürger dem Staat noch zu? In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg mit Prof. Dr. Sabine Kuhlmann über Staatsmodernisierung, Verwaltungsreform, Bürokratie, Digitalisierung und die Frage, warum viele Menschen den Staat im Alltag nicht mehr als handlungsfähig erleben.   Sabine Kuhlmann ist Verwaltungswissenschaftlerin an der Universität Potsdam und eine der profiliertesten Stimmen in Deutschland, wenn es um die Leistungsfähigkeit öffentlicher Institutionen, Föderalismus, Verwaltungsdigitalisierung und bessere Rechtsetzung geht. Ihr Befund zu Beginn: Es gibt viele gute Reformideen – aber die Umsetzung bleibt zu oft schleppend. Genau dadurch entsteht bei Bürgerinnen und Bürgern das Gefühl, dass vieles versprochen, aber zu wenig sichtbar eingelöst wird.   Im Gespräch macht Kuhlmann deutlich: Die Unzufriedenheit mit dem Staat ist nicht nur ein Gefühl. Gerade dort, wo Verwaltung direkt mit Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt kommt – auf kommunaler Ebene, in Bürgerämtern, bei Anträgen, Genehmigungen oder Sozialleistungen – zeigen sich reale Überlastung, Fachkräftemangel, zu viele neue Aufgaben und eine weiterhin zu langsame Digitalisierung. Der Frust entlädt sich oft an den Menschen in der Verwaltung, obwohl die Ursachen häufig in überkomplexen Strukturen, wachsender Regulierung und politisch gesetzten Aufgaben liegen.   Ein zentrales Thema ist die Frage, ob Deutschland bei Regeln und Verfahren nicht zu oft versucht, jede Einzelfallgerechtigkeit bis ins Detail abzubilden – und dadurch am Ende neue Ungerechtigkeit erzeugt. Kuhlmann argumentiert: Wenn Ansprüche, Zuständigkeiten und Verfahren so kompliziert werden, dass selbst Berechtigte ihre Leistungen nicht mehr beantragen oder verstehen, entsteht ein echtes Gerechtigkeitsproblem. Mehr Pauschalierung, einfachere Regeln, digitale Verfahren und gebündelte Zuständigkeiten könnten deshalb nicht weniger, sondern mehr Gerechtigkeit schaffen.   Auf die Frage, wo eine Bundesregierung konkret ansetzen sollte, nennt Kuhlmann drei große Hebel: erstens Strukturen vereinfachen und Aufgaben bündeln, zweitens die Verwaltungsdigitalisierung konsequent voranbringen und drittens Gesetze von Anfang an praxistauglicher machen. Der Mutmacher dieser Folge: Es gibt Ansatzpunkte zur Modernisierung. Es gibt gute Ideen, ein neues Bewusstsein für das Thema, ein eigenes Digital- und Staatsmodernisierungsministerium und viele junge Menschen, die sich für Politik, Verwaltung und Reformen interessieren. Kuhlmanns Zuversicht liegt genau darin: dass eine neue Generation mit frischem Blick, mehr digitaler Selbstverständlichkeit und vielleicht auch etwas mehr Radikalität Dinge voranbringen kann.   Wenn Sie unsere Gespräche auch jenseits des Podcasts nachlesen möchten: Unser neues Buch ist erschienen: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten – was hoffen lässt“ Jetzt im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert 2 alte wei(s)se Männer, teilt den Podcast und folgt uns in den sozialen Medien: Instagram https://www.instagram.com/2alteweissemaenner?igsh=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&ut  Facebook https://www.facebook.com/share/16qwKMqsxZ/?mibextid=wwXIfr Youtube https://youtube.com/@2alteweissemanner-rw6gw?si=DyDKBPUF3KohcL

    Sabine Kuhlmann: Welche Staatsreformen sind den Menschen zuzumuten?
  8. 21. Mai

    Ronja von Wurmb-Seibel: Wie Verbundenheit Mut macht

    Kriege, Klimawandel, politische Erschütterungen, gesellschaftliche Gereiztheit – und dazu ein Nachrichtenstrom, der kaum noch Pausen kennt. Viele Menschen leben inzwischen mit einem Dauerkrisengefühl: nicht immer im Panikmodus, aber in ständiger Anspannung. Genau darüber sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg in dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ mit Ronja von Wurmb-Seibel.   Sie ist Journalistin, Autorin und Filmemacherin. Wurmb-Seibel studierte Politikwissenschaften in München, arbeitete zunächst als Redakteurin im Politikressort der ZEIT und machte sich 2013 selbständig. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Arbeit als Reporterin in Kabul. Ihre journalistische Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet. In ihrem Bestseller „Wie wir die Welt sehen“ beschäftigt sie sich damit, wie Nachrichten unser Denken prägen – und wie wir lernen können, die Welt wahrzunehmen, ohne an ihr zu verzweifeln. Außerdem hat sie mit „Zusammen“ ein Buch und einen Film vorgelegt, in denen es um die Kraft von Verbundenheit geht.   Im Gespräch beschreibt Ronja von Wurmb-Seibel, was negative Nachrichten mit uns machen können: Ohnmacht verstärken, Rückzug fördern und das Gefühl erzeugen, die Welt werde immer schlechter – und wir könnten nichts daran ändern. Gleichzeitig macht sie deutlich: Es geht nicht darum, wegzuschauen oder sich von Krisen nicht mehr berühren zu lassen. Entscheidend sei vielmehr, neben dem Problem immer auch nach dem nächsten möglichen Schritt zu suchen. Ihre Formel dafür: „Scheiße plus X“ – also: Was ist der erste kleine Schritt in Richtung Lösung?   Ein zentrales Thema der Folge ist Verbundenheit. Für Ronja von Wurmb-Seibel ist sie weit mehr als Trost. Verbundenheit ist ein konkreter Hebel gegen Ohnmacht – im Privaten wie im Politischen. Sie spricht von „Mini-Demokratien“: Familien, Freundeskreise, Nachbarschaften, Vereine, Teams. Je stabiler diese kleinen Räume des Miteinanders sind, desto stabiler kann auch die Demokratie als Ganzes werden.   Außerdem geht es um Mut. Mut entsteht nicht nur durch große Gesten, sondern oft durch kleine Schritte: den Mund aufmachen, wenn Menschen abgewertet werden; ein Gespräch beginnen; sich engagieren; an Türen klingeln; zuhören, ohne den anderen sofort überzeugen zu wollen. Ronja von Wurmb-Seibel erzählt von ihrer eigenen politischen Kandidatur und davon, wie sehr direkte Gespräche mit Menschen ihr Bild von Gesellschaft verändert haben.   Am Ende bleibt ein klarer Mutmacher-Gedanke: Wir sind nicht so ohnmächtig, wie es sich manchmal anfühlt. Es gibt immer einen nächsten Schritt. Und oft beginnt er dort, wo Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen. Und wenn Sie unsere Gespräche auch jenseits des Podcasts nachlesen möchten: Unser neues Buch ist erschienen: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten – was hoffen lässt“ Jetzt im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert 2 alte wei(s)se Männer, teilt den Podcast und folgt uns in den sozialen Medien: Instagram https://www.instagram.com/2alteweissemaenner?igsh=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&ut  Facebook https://www.facebook.com/share/16qwKMqsxZ/?mibextid=wwXIfr Youtube https://youtube.com/@2alteweissemanner-rw6gw?si=DyDKBPUF3KohcL

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