ARCHITEKTURFUNK

Heinze-Podcast-Team

Host Klaus Füner spricht alle 14 Tage mit den Vordenker*innen und Newcomern aus Architektur, Design, Stadtplanung und Landschaftsplanung. Ob visionäre Konzepte oder bauliche Innovationen: Alles, was die hochkarätig besetzten Netzwerkveranstaltungen von Heinze an Themen hervorbringen und was relevant erscheint, wird hier ins Gespräch gebracht. Damit Ihr nichts verpasst, von dem, was die Baubranche bewegt. Das Klimafestival für die Bauwende wird hier auditiv weitergeführt und die Bauwende inhaltlich weiter verfolgt. Denn es gibt viel zu tun, hören wir denen zu, die schon ins Handeln gekommen sind.

  1. vor 3 Tagen

    #218 - Reißt sich Stuttgart (noch immer) selbst ab?

    Ein Passant sagt: "Das Ding kann weg." Eine Passantin ruft aus: "Ich bin richtig traurig, das ist ein super Gebäude!" Zwei Meinungen, ein Gebäude, eine Stadt, die sich nicht einig ist – und ein Eigentümer, der längst entschieden hat. Prof. Martina Baum, Architektin und Stadtplanerin, Amber Sayah, Redakteurin bei der "Stuttgarter Zeitung", mit Schwerpunkt Architektur und Kunst und Wilfried Dechau diskutieren, unter Moderation von Klaus Füner, live vor Publikum über das Wittwer-Gebäude in Stuttgart – 1968 erbaut, bis heute als Buchhandlung genutzt, seit einem Dreivierteljahr Zentrum einer erhitzten Debatte um Abriss und Neubau. Anlass: ein Gemeinderatsbeschluss, der Eigentümerinteressen über Bestandserhalt stellt – und eine Grünen-Fraktion, die dem eigenen Erhaltungsanspruch selbst widerspricht. Baums These: Baukultur ist immer Ausdruck gesellschaftlicher Werte – und die Frage, mit welchen Teilen einer Stadt wir weitermachen, verlangt sorgfältige Abwägung statt bequemer Investorenentscheidungen. Ihre Beobachtung aus zahlreichen Umbaufällen: Am Ende steht fast immer dieselbe Rechnung – 25 bis 30 Prozent mehr vermietbare Fläche, mehr Rendite, weniger Bestand. Im Publikum: kontroverse Stimmen zu Denkmalschutz als zahnlosem Tiger, zur Bauteilbörse Basel als Blaupause und zur Frage, warum ein 1990 gebautes Krankenhausgebäude schon wieder abgerissen wird. Ein Gespräch über die Aushöhlung des Denkmalschutzes durch Investoreninteressen, ein mögliches Abrissmoratorium, die fehlende Abrissgenehmigung im deutschen Baurecht und die Frage, ob eine Gesellschaft von privaten Eigentümern verlangen darf, was sie selbst für richtig hält.

    #218 - Reißt sich Stuttgart (noch immer) selbst ab?
  2. 10. Sept.

    #217 – Jan Tröber, TSSB Architekten - Carolabrücke 3.0 - der Gewinnerentwurf!

    Wenige Minuten zuvor war noch eine Straßenbahn drübergefahren. Dann, mitten in der Nacht, stürzt ein Teil der Carola-Brücke in die Elbe. Zwei Jahre später steht fest, wer Dresdens Hauptverkehrsachse neu bauen darf. Jan Tröber, Partner bei TSSB Architekten in Dresden, hat gemeinsam mit dem spanischen Ingenieurbüro FHECOR und dem Landschaftsarchitekturbüro UKL den Wettbewerb um die neue Carola-Brücke gewonnen – nur wenige hundert Meter vom eigenen Büro entfernt, wo Tröber den Einsturz am 11. September 2024 hautnah miterlebte. Entstanden ist "Carola-Brücke 3.0": eine leichte Bogenkonstruktion aus Stahl und Sandstein, die Elemente der historischen Vorgängerbauten verbindet und erstmals seit 1895 wieder mit Bögen durch die Dresdner Altstadtkulisse spannt. Der Weg dorthin: ein vierstufiges Auswahlverfahren mit Fachexpertengremium, einer Bürgerabstimmung mit 26.000 Teilnehmenden, einem Begleitgremium aus Politik und Verbänden und einem klaren Votum des Stadtrats mit 39 zu 31 Stimmen. Tröbers Team punktete vor allem bei der Bevölkerung, wo eigene Kommunikationsarbeit – Visualisierungen, Erklärfilme, eine eigene Website – eine zentrale Rolle spielte. Ziel: eine Brücke, die 140 Jahre halten soll, mit Baubeginn 2028. Ein Gespräch über die Grenze zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyismus im Wettbewerbsverfahren, die Rolle von Bürgerbeteiligung bei Stadtratsentscheidungen, ingenieurtechnische Baukunst bei 120 Metern Spannweite und die Frage, wie eine Stadt einen Symbolverlust in eine bessere Zukunft verwandelt.

    #217 – Jan Tröber, TSSB Architekten - Carolabrücke 3.0 - der Gewinnerentwurf!
  3. 16. Juli

    #215 – Florian Waller, Behnisch Architekturbüro: Moderne Lernlandschaften

    Viele Schulgebäude, die wir heute kennen, stammen aus einem pädagogischen Modell des frühen 20. Jahrhunderts: Flur, Klassenzimmer, Tafel, Frontalunterricht. Doch wie lernen Kinder heute und welche Räume brauchen sie dafür wirklich? Florian Waller, Partner bei Behnisch Architekturbüro, einem der international renommiertesten deutschen Architekturbüros, hat die Josef-Schwarz-Schule in Heilbronn realisiert – Teil des Bildungscampus der Dieter Schwarz Stiftung und eines der meistdiskutierten Beispiele zeitgemäßer Lernarchitektur. Das Büro widmet sich seit jeher dem Bauen für eine offene, demokratische Gesellschaft – Schulen inklusive. Wallers Ansatz: Lernen passiert nicht ausschließlich im Klassenzimmer, sondern in der gesamten Schule. Die Josef-Schwarz-Schule übersetzt das konsequent: ein terrassiertes Gebäude auf einem Sockel, drei pavillonartige Baukörper für Grund-, Mittel- und Oberstufe, natürliche Lüftung statt Klimaanlage, Holz und Lehm statt HPL und Kunststoff. Fast 60.000 Quadratmeter – und kein Geschoss gleicht dem anderen. Seine Überzeugung: Das pädagogische Konzept gibt die Architektur vor, nicht umgekehrt. Und Nachhaltigkeit beginnt damit, Kindern beizubringen, dass ihre Handlungen Konsequenzen haben, auch wenn es im Klassenzimmer mal stinkt. Ein Gespräch über Lernlandschaften, die Grenzen von Flexibilität, natürliche Materialien als pädagogisches Mittel und die Frage, wie viel Identität eine Schule braucht, um wirklich zu wirken. Wichtige Partner für die Entwicklung des Projektes sind Planstatt Senner für die Außenanalagen sowie Transsolar für das Klimakonzept.

    #215 – Florian Waller, Behnisch Architekturbüro: Moderne Lernlandschaften
  4. 11. Juni

    #213 - Sarah Barth, Leon Faust, Countdown 2030: Das Schweizer Bauwende-Kollektiv

    In der Schweiz werden pro Sekunde 500 Kilogramm Bauschutt produziert – eine halbe Tonne. Jährlich fallen 4.000 Häuser dem Abriss zum Opfer. Was, wenn der Abriss die Ausnahme würde statt die Regel? Sarah Barth und Leon Faust, Architektin und Architekt vom Verein Countdown 2030, kämpfen für eine klimaverträgliche Bauwende bis 2030. Die 2019 gegründete Schweizer Initiative entstand aus kollektivem Frust über einen Beruf, der maßgeblich zur Klimakrise beiträgt, während sich Architekt*innen über Grautöne und Fugenbreiten unterhalten. Entstanden sind Projekte wie die Ausstellung "Die Schweiz – ein Abriss" im Schweizer Architekturmuseum Basel, eine Petition mit 12.000 Unterschriften und das partizipative Portal Bauwende.tools. Barth und Faust setzen auf radikale Dringlichkeit: "2030 ist die entscheidende Dekade." Ihr Ansatz – dem Bestand einen Wert geben, der über den ökonomischen hinausgeht. Während die Politik von Kreislaufwirtschaft spricht, fehlen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Ihre Beobachtung: Wir bauen Rolls Royce, wo manchmal ein Käfer reicht. Die Herausforderung: Wie transformiert man einen ganzen Berufsstand? Wie schafft man gesellschaftlichen Wandel für politischen Wandel? Und was passiert am 31.12.2029 um 23:59:59 Uhr? Ein Gespräch über fatalistischen Aktivismus, die Macht der Digitalisierung beim Reuse, Hoffnung als aktiven Prozess und die Frage, warum sich der Verein 2030 selbst auflöst.

    #213 - Sarah Barth, Leon Faust, Countdown 2030: Das Schweizer Bauwende-Kollektiv
  5. 14. Mai

    #211 – Igor Brncic, OLIV Architekten: Stadt kann mehr!

    Die Anzahl der Warenhäuser hat sich auf ein Drittel dezimiert. Mehrere Zehntausend Menschen haben bereits ihre Arbeitsplätze verloren. Was tun mit diesen Immobilien, die seit 150 Jahren unsere Innenstädte prägen? Igor Brncic, Architekt und Gesellschafter bei OLIV Architekten, berät umfassend zur Revitalisierung innerstädtischer Handelsimmobilien. Das 1999 gegründete Büro mit 50 Mitarbeitenden entwickelt Konzepte für eine zukunftsfähige Nutzung – von baurechtlichen Studien bis zur Begleitung von Investoren und Entwicklern. Entstanden sind Projekte wie die Umfunktionierung des ehemaligen Kaufhauses in der Stuttgarter Königstraße für die Landesbank Baden-Württemberg, das Büro, Kultur und Gastronomie unter einem Dach vereint. Brncic setzt auf funktionale Vermischung statt Monofunktion: "Das Gebäude muss zur Stadt werden." Seine Beobachtung als Architekt – nach der Industrialisierung hat die Digitalisierung das Konzept des Kaufhauses obsolet gemacht. Während Menschen früher in Einkaufszentren gingen, um zu sehen und gesehen zu werden, findet Begegnung heute wieder in der Stadt statt. Die Herausforderung: Wie entstehen öffentliche Räume, die angenommen werden? Wie verwebt man wohnen, arbeiten und Freizeit, ohne dass Bauherren und Nutzer fremdeln? Ein Gespräch über den Niedergang des stationären Handels, die Rückkehr zur kleinteiligen Stadt, künstliche Intelligenz im Entwurfsprozess und die Sehnsucht nach realem Begegnungskonsum in Zeiten der Digitalisierung.

    #211 – Igor Brncic, OLIV Architekten: Stadt kann mehr!

Bewertungen und Rezensionen

5
von 5
23 Bewertungen

Info

Host Klaus Füner spricht alle 14 Tage mit den Vordenker*innen und Newcomern aus Architektur, Design, Stadtplanung und Landschaftsplanung. Ob visionäre Konzepte oder bauliche Innovationen: Alles, was die hochkarätig besetzten Netzwerkveranstaltungen von Heinze an Themen hervorbringen und was relevant erscheint, wird hier ins Gespräch gebracht. Damit Ihr nichts verpasst, von dem, was die Baubranche bewegt. Das Klimafestival für die Bauwende wird hier auditiv weitergeführt und die Bauwende inhaltlich weiter verfolgt. Denn es gibt viel zu tun, hören wir denen zu, die schon ins Handeln gekommen sind.