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DIY Radioastronomie

Astronomie selbst in die Hand nehmen! In unserem Podcast tauchen wir tief in die technische Radioastronomie ein und geben dir das Grundlagenwissen, das du brauchst. Wir zeigen dir, was mit DIY-Equipment alles möglich ist: Schon ein DVB-T Stick, 3mm Kupferdraht und ein Ofenrohr reichen aus, um erste Messungen an der Milchstraße vorzunehmen! Entdecke, wie du Antennenschrott, ausrangierte Elektronik oder alte Computerteile kreativ upcyclen und für deine Projekte anpassen kannst. Dabei liefern wir dir faktenbasierte Einblicke aus Physik, Elektrotechnik und Informatik, die dich zum Experimentieren motivieren. Hör rein und entdecke das Universum neu!

  1. 27.06.2025

    #18 – Sternenstaub-Detektive: Die Milchstraße mit dem Ofenrohr entdecken

    Einleitung | Ausrüstung und Technik | Was gemessen werden kann | Einschränkungen | Quellenverzeichnis Radioastronomie mit einfachen Mitteln: Die Vermessung der Milchstraße Einleitung Die Vorstellung, unsere Milchstraße mit vergleichsweise einfachen Mitteln zu vermessen, mag zunächst überraschend klingen. Doch im faszinierenden Feld der Radioastronomie ist dies für ambitionierte Hobby-Astronomen tatsächlich realisierbar. Schon mit Komponenten wie einem handelsüblichen DVB-T Stick, einem Stück 3mm Kupferdraht und einem Ofenrohr können beeindruckende Beobachtungen und Messungen durchgeführt werden. [1] Diese Art der Amateur-Radioastronomie bietet eine einzigartige Möglichkeit, grundlegende Aspekte unserer eigenen Galaxis auf eigene Faust zu erkunden. Ausrüstung und Technik Das Herzstück einer solchen Do-It-Yourself-Radioastronomie-Station ist typischerweise ein modifizierter DVB-T Stick. Diese kleinen Geräte, ursprünglich für den Empfang von digitalem Fernsehen konzipiert, können mit spezieller Software (bekannt als SDR – Software Defined Radio) umfunktioniert werden. Sie sind dann in der Lage, ein wesentlich breiteres Spektrum an Radiofrequenzen zu empfangen und zu verarbeiten. [1] Die Antenne für solche Projekte ist oft eine selbstgebaute Hornantenne. Diese kann effektiv aus einem einfachen Ofenrohr und einem 3mm starken Kupferdraht konstruiert werden. Der Kupferdraht dient dabei als Empfangselement (Monopolantenne), das in das Ofenrohr eingeführt wird. Das Ofenrohr selbst agiert als Wellenleiter, der die eintreffenden Radiowellen gezielt bündelt und zum Empfangselement leitet. [3] Diese spezielle Antennenkonfiguration ist besonders gut geeignet, um die charakteristische 21-Zentimeter-Linie des interstellaren Wasserstoffs zu erfassen. Was gemessen werden kann Das primäre Ziel dieser radioastronomischen Beobachtungen ist die Detektion und Analyse der 21-Zentimeter-Linie. Diese spezifische Funkemission entsteht, wenn der Elektronenspin eines neutralen Wasserstoffatoms seine Ausrichtung ändert – ein Prozess, der eine sehr geringe Energiemenge freisetzt. Diese Linie ist eine der fundamentalsten und am häufigsten vorkommenden Signaturen im gesamten Universum. [2] Durch die präzise Messung der Frequenz dieser 21-Zentimeter-Linie können Hobby-Radioastronomen den Dopplereffekt nutzen. Dieser Effekt ermöglicht es, die Radialgeschwindigkeit von Wasserstoffwolken innerhalb der Milchstraße relativ zur Erde zu bestimmen. [2] Aus der Analyse dieser Dopplerverschiebungen lassen sich wichtige Rückschlüsse auf die Rotationskurve unserer Milchstraße ziehen. Die Form dieser Kurve wiederum gibt Aufschluss über die Verteilung von Materie in unserer Galaxis, einschließlich der Präsenz von Dunkler Materie. Es ist sogar möglich, eine grobe Karte der Spiralstruktur der Milchstraße zu erstellen, indem man die Intensität der 21-Zentimeter-Emission in verschiedenen Himmelsrichtungen misst. [1] Einschränkungen Trotz der beeindruckenden Möglichkeiten, die diese einfache Ausrüstung bietet, sind auch bestimmte Einschränkungen zu beachten. Die Empfindlichkeit und die räumliche Auflösung einer selbstgebauten Anlage sind naturgemäß begrenzt im Vergleich zu professionellen Radioteleskopen von Observatorien. [3] Ein weiteres großes Problem sind Störungen durch terrestrische Quellen. Signale von Mobilfunknetzen, WLAN-Routern, Mikrowellenöfen und anderen elektronischen Geräten können die empfindlichen Messungen erheblich beeinträchtigen. Daher ist ein möglichst störungsarmer Standort für solche Experimente von großem Vorteil. [1] Während eine genaue und detaillierte Vermessung der Milchstraße präzisere Instrumente und komplexe Datenverarbeitung erfordert, sind diese DIY-Projekte für Bildungszwecke, die Demonstration physikalischer Prinzipien und den Lerneffekt von unschätzbarem Wert. Quellenverzeichnis [1] „Amateur Radio Astronomy with RTL-SDR“, Verfügbar unter: https://www.rtl-sdr.com/amateur-radio-astronomy/ [2] „The 21cm Hydrogen Line and Galactic Structure“, Verfügbar unter: https://www.astronomy.ohio-state.edu/21cm_line/ [3] „DIY Radio Telescopes for Education“, Verfügbar unter: https://www.setileague.org/articles/diyrt.htm Source: https://g.co/gemini/share/651cf5aacf3e

    8 Min.
  2. 26.06.2025

    #17 – Sternenstaub-Detektive: Auf der Suche nach Außerirdischer Intelligenz

    Zum Quellenverzeichnis Einleitung: Die Faszination der Suche Die Frage, ob wir allein im Universum sind, fasziniert die Menschheit seit jeher. Mit der fortschreitenden Technologie rückt die Suche nach außerirdischer Intelligenz (SETI) auch für ambitionierte Amateure in greifbare Nähe. Dieser Report beleuchtet, wie du mit deinem vorhandenen Equipment und einigen Erweiterungen selbst auf Entdeckungsreise gehen kannst, welche Herausforderungen dich erwarten und wie du die Wissenschaft aktiv unterstützen kannst. Dein Setup: Was ist möglich mit einer 1,2 Meter Satschüssel und umgebauten UHF/VHF Yagi Antennen sowie dem HackRF? Dein bestehendes Setup mit einer 1,2 Meter Satschüssel, umgebauten UHF/VHF Yagi Antennen und dem HackRF ist ein hervorragender Startpunkt für Amateur-SETI-Projekte. Die 1,2 Meter Satschüssel ist ideal für den Empfang im Mikrowellenbereich, insbesondere für die 21-cm-Wasserstofflinie (1420 MHz), die oft als „magische Frequenz“ für interstellare Kommunikation angesehen wird, da Wasserstoff das häufigste Element im Universum ist und diese Frequenz universell bekannt sein könnte [1]. Die umgebauten UHF/VHF Yagi-Antennen sind nützlich für niedrigere Frequenzbereiche, könnten aber für die SETI-Suche nach absichtlichen Signalen weniger relevant sein, da hier Störungen durch terrestrische Quellen stärker sind. Der HackRF ist ein vielseitiger Software Defined Radio (SDR), der einen weiten Frequenzbereich abdeckt und die flexible Verarbeitung von Radiosignalen ermöglicht. Das ist essenziell für die Analyse potenzieller ETI-Signale. Was sollte noch integriert werden und welche Software ist sinnvoll? Um dein Setup zu optimieren, empfehle ich folgende Integrationen: Low-Noise Block-Converter (LNB): Für deine Satschüssel benötigst du einen hochwertigen LNB, der speziell für den Frequenzbereich um 1420 MHz optimiert ist. Dies minimiert das Rauschen und verstärkt schwache Signale. Bandpassfilter: Ein Bandpassfilter für den 1420 MHz Bereich vor dem LNB oder direkt nach dem LNB kann unerwünschte Störungen außerhalb des interessierenden Bandes unterdrücken. Zusätzlicher Vorverstärker: Ein rauscharmen Vorverstärker (Low Noise Amplifier, LNA) direkt nach dem LNB kann die Signalstärke vor der Digitalisierung durch den HackRF verbessern, ohne das Rauschverhältnis wesentlich zu verschlechtern. Computer mit ausreichender Leistung: Die Auswertung von SDR-Daten erfordert erhebliche Rechenleistung. Ein leistungsstarker PC mit ausreichend RAM und schnellem Speicher ist unerlässlich. Für die Software-Seite gibt es ausgezeichnete freie Optionen: SDR-Software (z.B. SDR# oder GQRX): Diese Programme ermöglichen die grundlegende Steuerung deines HackRF, das Abstimmen auf Frequenzen und die Visualisierung des Spektrums. GQRX ist Open Source und auf Linux weit verbreitet. Radio Astronomy Software (z.B. GNU Radio): GNU Radio ist ein mächtiges Framework für Software Defined Radios, das sich hervorragend für komplexere Signalverarbeitung, Filterung und Analyse eignet. Es ist Open Source und bietet eine grafische Oberfläche für die Entwicklung von Signalflussdiagrammen. SETI-spezifische Software: Es gibt Projekte wie SETI@home (auch wenn es nicht mehr aktiv Rohdaten sammelt, war es ein Vorreiter) und andere Initiativen, die auf die Verarbeitung von Radiodaten abzielen. Halte Ausschau nach neuen Open-Source-Projekten im Bereich Amateur-Radioastronomie oder SETI. Software wie die von der Society of Amateur Radio Astronomers (SARA) empfohlenen Tools könnten hilfreich sein [2]. Rohdaten, Datenmengen und Zeitfenster Du wirst hauptsächlich Rohdaten in Form von digitalisierten Radiosignalen sammeln. Diese sind im Wesentlichen Zeitreihen von Amplitude und Phase der empfangenen Wellen in einem bestimmten Frequenzbereich. Die Datenrate kann enorm sein. Wenn du beispielsweise ein Band von 10 MHz bei einer Samplerate von 20 MS/s (Mega Samples pro Sekunde) aufnimmst, erzeugst du sehr schnell Gigabytes an Daten. Ein paar Minuten Aufnahme können bereits mehrere GB beanspruchen. Für kontinuierliche Überwachung über längere Zeiträume (Stunden oder Tage) müsstest du mit Terabytes an Rohdaten rechnen. Die Datenspeicherung und -verarbeitung ist hier eine der größten Herausforderungen für Amateure. Wie können die Daten ausgewertet werden? Die Auswertung der Rohdaten erfordert spezialisierte Techniken, um Muster im Rauschen zu finden: Spektralanalyse: Die Umwandlung der Zeitreihendaten in den Frequenzbereich (mittels Fast Fourier Transformation, FFT) ist der erste Schritt. Hier suchst du nach schmalbandigen, nicht-natürlichen Emissionen, die sich vom breitbandigen Rauschen abheben. Drift-Suche: Potentielle Signale von ETI könnten aufgrund der Relativbewegung zwischen Quelle und Empfänger (Doppler-Effekt) eine Frequenzverschiebung (Drift) aufweisen. Die Software muss in der Lage sein, solche Drifts zu erkennen. Pulssuche: Auch kurzzeitige, pulsierende Signale könnten auf intelligente Quellen hindeuten. Mustererkennung: Über die reine Frequenzerkennung hinaus geht es darum, komplexe Muster in der Frequenz, Amplitude oder Phase zu identifizieren, die auf eine künstliche Quelle hinweisen könnten. Gibt es schon trainierte KI-Modelle, die nach Mustern im Rauschen suchen? Ja, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen ist im Bereich SETI sehr aktiv. Es gibt bereits trainierte KI-Modelle, die darauf spezialisiert sind, subtile Muster in den riesigen Mengen an Radiodaten zu erkennen, die das menschliche Auge oder herkömmliche Algorithmen übersehen könnten [3]. Diese Modelle können lernen, zwischen natürlichem Rauschen, terrestrischen Interferenzen und potenziellen künstlichen Signalen zu unterscheiden. Projekte wie Breakthrough Listen nutzen KI intensiv, um ihre Daten zu analysieren und falsch positive Ergebnisse zu minimieren. Wie ist der Stand bei den Observatorien? Die großen Observatorien sind an der Spitze der SETI-Forschung. Das Breakthrough Listen-Projekt, finanziert von Yuri Milner, ist die umfangreichste SETI-Initiative der Geschichte [4]. Es nutzt Radioteleskope wie das Green Bank Telescope (USA) und das Parkes Telescope (Australien), um Milliarden von Radiokanälen gleichzeitig zu überwachen. Auch das SETI Institute in den USA ist weiterhin aktiv und betreibt das Allen Telescope Array (ATA), das speziell für SETI-Zwecke entwickelt wurde. Der Ansatz geht zunehmend von der Suche nach Einzelereignissen hin zur systematischen Überwachung großer Himmelsbereiche über längere Zeiträume und der Nutzung fortschrittlicher Rechenmethoden, einschließlich KI. Die Entdeckung des ersten Signals, das auf intelligentes Leben vermuten lässt Die Geschichte der SETI-Forschung ist voller Hoffnung und auch einiger Fehlalarme. Das berühmteste Beispiel für ein potenzielles ETI-Signal ist das „Wow!“-Signal, das am 15. August 1977 vom Big Ear Radioteleskop der Ohio State University empfangen wurde [5]. Es war ein extrem starkes, schmalbandiges Signal im 21-cm-Band (Wasserstofflinie) und dauerte 72 Sekunden – genau die Zeit, in der das Teleskop in seiner festen Ausrichtung über die Quelle fegte. Die Stärke des Signals war so außergewöhnlich, dass der Astronom Jerry Ehman die Worte „Wow!“ auf den Computerausdruck schrieb. Trotz intensiver Suche wurde das Signal nie wieder empfangen. Es bleibt bis heute unerklärt und ist ein starker Kandidat für ein nicht-terrestrisches, künstliches Signal. Die Entdeckung eines solchen Signals würde zweifellos die Wissenschaft in Staunen versetzen und unsere Sicht auf das Universum grundlegend verändern. Es wäre ein Paradigmenwechsel, der weitreichende philosophische, theologische und gesellschaftliche Implikationen hätte. Wie ambitioniert ist dies und wie nah oder entfernt ist die heutige Technik für Amateure gegenüber der Technik aus dem Film Contact? Die Suche nach ETI ist extrem ambitioniert und erfordert immense Geduld. Der Weltraum ist riesig, und die Wahrscheinlichkeit, ein Signal zufällig aufzufangen, ist verschwindend gering. Es ist wie das Suchen einer Nadel im Heuhaufen – nur dass der Heuhaufen so groß ist wie die Milchstraße. Im Vergleich zur Technik aus dem Film „Contact“: Im Film verwendet Ellie Arroway das Arecibo-Teleskop, ein riesiges Einzelteleskop mit einem Durchmesser von 305 Metern (vor seinem Einsturz) [6]. Dein 1,2-Meter-Teleskop ist im Vergleich winzig. Der Hauptunterschied liegt im „Sammelbereich“ der Antenne, der direkt die Empfindlichkeit bestimmt. Arecibo konnte extrem schwache Signale aus riesigen Entfernungen empfangen. Allerdings sind die im Film dargestellten Signalverarbeitungs- und Analysefähigkeiten, insbesondere die Nutzung von Rechenclustern und die Visualisierung, der heutigen Amateurtechnik durchaus näher, wenn man über leistungsstarke PCs und die richtige Software verfügt. Der „HackRF“ und ähnliche SDRs sind hier die Brücke, die es Amateuren ermöglicht, auf einer professionellen Ebene Signale zu verarbeiten, auch wenn die Antennengröße natürlich limitiert bleibt. Gibt es noch andere Wege, die Wissenschaft als Amateur bei der Suche nach intelligentem Leben im All zu unterstützen? Absolut! Neben der aktiven eigenen Suche gibt es mehrere Wege, wie Amateure die SETI-Forschung unterstützen können: Forschung zu terrestrischen Störungen: Eine der größten Herausforderungen bei SETI sind irdische Störungen (RFI – Radio Frequency Interference). Amateure können wertvolle Arbeit leisten, indem sie RFI-Quellen identifizieren und kartieren. Eigene SETI-Projekte mit Amateur-Hardware: Wie du es vorhast! Dokumentiere deine Ergebnisse und Methoden sorgfältig. Auch wenn du kein ETI-Signal findest, können deine Daten zur Kalibrierung und zum Verständnis des lokalen Funkhintergrunds beitragen. Citizen Science Projek

    8 Min.
  3. 26.06.2025

    #16 – Sternenstaub-Detektive: unser Sonnensystem

    DIY Radioastronomie Podcast – Staffel 2: Planeten im Radiospektrum Willkommen zur zweiten Staffel eures DIY Radioastronomie Podcasts! In dieser Episode tauchen wir in die faszinierende Welt der Radioemissionen unseres Sonnensystems ein. Inhaltsverzeichnis Welche Planeten sind messbar und auf welchen Frequenzen? Warum kann man Signale empfangen und was verursacht sie? Welches Equipment und welche Software ist nötig? Amateur vs. Wissenschaftlicher Betrieb Welche Daten fallen an und welchen Umfang haben die Rohdaten? Messdauer und Erkenntnisse Gibt es physikalische Besonderheiten? Welche Experimente kann man noch machen? Asteroidengürtel oder Kometen empfangen? Was ist für Einsteiger, was für Profis? Quellenverzeichnis Welche Planeten unseres Sonnensystems sind über ein Radioteleskop oder Antennen messbar? Auf welchen Frequenzen mit welcher Signalstärke kann man was empfangen und wie sind die Messungen zu interpretieren? Von den Planeten unseres Sonnensystems sind insbesondere Jupiter, Saturn und in geringerem Maße Uranus und Neptun gute Radioquellen [1]. Die Erde selbst emittiert ebenfalls Radiosignale, die jedoch hauptsächlich von menschlichen Aktivitäten stammen. Von Merkur, Venus und Mars sind keine natürlichen Radioemissionen in messbaren Stärken bekannt, die für die Radioastronomie von Interesse wären. Jupiter ist der bei weitem stärkste natürliche Radiostrahler unter den Planeten. Seine Emissionen lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen: Dekametrische Emissionen (DAM): Diese treten im Frequenzbereich von etwa 5 bis 40 MHz auf [2]. Sie sind sehr stark und können die Sättigungsgrenze von Radioempfängern erreichen. Die Messungen werden typischerweise als „Burst“-Ereignisse interpretiert, da sie oft kurz und intensiv sind. Diese Emissionen stehen in engem Zusammenhang mit Jupiters Mond Io, der wie ein Dynamo im Magnetfeld des Jupiters wirkt [1, 2]. Die empfangbaren Signalstärken können Zehntausende von Janskys erreichen, weit über dem Rauschen des Hintergrunds. Dezimetrische Emissionen (DIM): Diese finden im Frequenzbereich von etwa 300 MHz bis 5 GHz statt [2]. Diese Emissionen sind thermischen Ursprungs und werden durch Synchrotronstrahlung von Elektronen im Jupiter-Magnetfeld erzeugt. Sie sind kontinuierlicher und schwächer als die dekametrischen Emissionen und erfordern empfindlichere Ausrüstung. Saturn emittiert ebenfalls Radioemissionen, die jedoch wesentlich schwächer sind als die des Jupiters. Die Radioemissionen des Saturns werden hauptsächlich im Bereich von 100 kHz bis etwa 1.2 MHz beobachtet [3], können sich aber bis in den MHz-Bereich erstrecken. Sie sind oft mit Polarlichtern verbunden, ähnlich wie bei der Erde und dem Jupiter. Für den Empfang sind größere Antennen und empfindlichere Empfänger erforderlich. Uranus und Neptun: Auch diese Eisriesen emittieren Radiowellen, die jedoch extrem schwach sind und nur mit sehr großen professionellen Radioteleskopen nachgewiesen werden können [1]. Ihre Emissionen sind ebenfalls mit ihren Magnetfeldern und Polarlichtern assoziiert. Die Interpretation der Messungen beinhaltet oft die Analyse von Frequenzverschiebungen, Intensitätsschwankungen und Polarisationsmustern. Diese Daten geben Aufschluss über die Magnetfelder der Planeten, ihre Ionosphären, und die Wechselwirkungen mit ihren Monden und dem Sonnenwind. [Zum Inhaltsverzeichnis] Warum kann man überhaupt etwas von Planeten im Radiospektrum empfangen? Was verursacht diese Signale? Man kann überhaupt etwas von Planeten im Radiospektrum empfangen, weil bestimmte physikalische Prozesse in ihren Atmosphären und Magnetosphären Radiowellen erzeugen. Die Hauptursachen für diese Signale sind: Synchrotronstrahlung: Dies ist der dominierende Mechanismus für die starken dezimetrischen Emissionen von Jupiter und auch für die Radiostrahlung anderer Gasriesen. Geladene Teilchen (hauptsächlich Elektronen) werden in den starken Magnetfeldern der Planeten auf spiralförmige Bahnen gezwungen und dabei stark beschleunigt [1, 4]. Diese Beschleunigung führt zur Emission von Radiowellen. Je stärker das Magnetfeld und je schneller die Elektronen, desto höher die Frequenz und Intensität der Strahlung. Zyklotron-Maser-Emission (CME): Dies ist der Hauptmechanismus für die dekametrischen Emissionen Jupiters und die Emissionen Saturns. Hochenergetische Elektronen, die entlang der Magnetfeldlinien der Planeten wandern, werden durch bestimmte Bedingungen (z.B. Wechselwirkung mit Plasma oder Monden wie Io) verstärkt und erzeugen eine kohärente Radiostrahlung [1, 2]. Dieser Effekt ist vergleichbar mit einem Laser, der Licht erzeugt, nur dass hier Radiowellen statt sichtbaren Lichts erzeugt werden. Die Emission ist oft sehr direktional. Thermische Emission: Jeder Körper, der eine Temperatur oberhalb des absoluten Nullpunkts hat, emittiert Wärmestrahlung (Bremsstrahlung). Planeten mit warmen Atmosphären oder Oberflächen emittieren daher auch schwache Radiowellen aufgrund der thermischen Bewegung ihrer Atome und Moleküle [1]. Diese Art der Emission ist breitbandig und weniger intensiv als die nicht-thermischen Prozesse. Polarlichter: Eng verbunden mit Synchrotronstrahlung und CME sind die Polarlichter. Wenn hochenergetische Teilchen aus dem Sonnenwind oder der planetaren Magnetosphäre in die obere Atmosphäre des Planeten eindringen und mit den atmosphärischen Gasen kollidieren, werden nicht nur sichtbares Licht, sondern auch Radiowellen erzeugt. Dies ist bei Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun der Fall [1, 3]. Die Möglichkeit, diese Signale zu empfangen, ist ein direkter Beweis für die Existenz und Stärke der planetaren Magnetfelder und die dort ablaufenden hochenergetischen physikalischen Prozesse. Ohne diese Magnetfelder und die damit verbundenen Teilchenpopulationen gäbe es kaum messbare Radioemissionen. [Zum Inhaltsverzeichnis] Welches Equipment und welche Software ist nötig? Für die Radioastronomie, insbesondere für den Empfang von Jupiter-Signalen im Amateurrahmen, benötigt man spezifisches Equipment und Software: Equipment: Antenne: Für Jupiter (DAM) sind Dipolantennen oder Yagi-Antennen geeignet. Eine einfache „Two-Element-Dipol“ Antenne ist für den Start ausreichend. Wichtig ist, dass die Antenne für den gewünschten Frequenzbereich optimiert ist (z.B. für 20,1 MHz bei Jupiter) [5]. Für schwächere Signale oder höhere Frequenzen werden oft größere oder speziellere Antennen wie Parabolspiegel benötigt. Empfänger/Radio: Ein Kurzwellenempfänger (SDR – Software Defined Radio) ist ideal, da er flexibel ist und über Software konfiguriert werden kann. Beliebte Optionen sind der RTL-SDR Dongle oder FunCube Dongle, die kostengünstig sind [5]. Auch spezielle Kommunikations- oder Amateurfunkempfänger können verwendet werden, solange sie den Frequenzbereich abdecken. Vorverstärker (LNA – Low Noise Amplifier): Ein LNA ist entscheidend, um das schwache Signal von der Antenne zu verstärken, bevor es den Empfänger erreicht. Dies verbessert das Signal-Rausch-Verhältnis erheblich [5]. Computer: Ein Laptop oder Desktop-PC zur Steuerung des SDRs und zur Datenaufzeichnung und -analyse. Koaxialkabel: Niedrigdämpfendes Kabel zur Verbindung von Antenne, LNA und Empfänger. Software: SDR-Software: Programme wie SDR# (SDRSharp), Gqrx (Linux) oder HDSDR (Windows) dienen zur Steuerung des SDRs, zur Frequenzabstimmung und zur Visualisierung des Spektrums [5]. Datenaufzeichnungs-Software: Viele SDR-Programme haben integrierte Aufnahmefunktionen, um die Rohdaten (Audio oder I/Q-Daten) zu speichern. Analyse-Software: Programme wie „Radio-Jupiter Pro“ (RJP) sind speziell für die Vorhersage von Jupiter-Emissionen und die Analyse der empfangenen Daten konzipiert [6]. Auch allgemeine Audio-Analyse-Software (z.B. Audacity für Spektrogramme) oder mathematische Software (z.B. Python mit SciPy/NumPy) kann für tiefergehende Analysen genutzt werden. Planetariums-Software: Tools wie Stellarium oder ähnliche Anwendungen helfen dabei, die Position von Jupiter am Himmel zu bestimmen und vorherzusagen, wann er sichtbar sein wird. [Zum Inhaltsverzeichnis] Was geht im Amateur und was nur im wissenschaftlichen Betrieb von Observatorien? Es gibt deutliche Unterschiede zwischen dem, was im Amateurrahmen möglich ist, und dem, was nur im wissenschaftlichen Betrieb von Observatorien realisiert werden kann: Amateur-Radioastronomie: Jupiter-Dekametrische Emissionen (DAM): Dies ist der „Königsweg“ für Amateur-Radioastronomen. Die DAM-Emissionen Jupiters sind extrem stark und können mit relativ einfacher und kostengünstiger Ausrüstung (Dipolantenne, SDR, LNA) erfasst werden [1, 5]. Der Nachweis von Bursts und die Beobachtung von Io-Kontrolleffekten ist absolut machbar. Sonnenemissionen: Die Beobachtung von solaren Radiobursts im UKW-Bereich ist ebenfalls mit Amateur-Equipment möglich. Meteoriten: Der Nachweis von Meteoren durch die Reflexion von Radiosignalen (z.B. von Rundfunksendern) ist ein weiteres beliebtes Amateur-Experiment. Saturn-Radioemissionen (begrenzt): Mit einer größeren Amateur-Anlage und unter optimalen Bedingungen könnten sehr starke Bursts vom Saturn eventuell detektiert werden, dies ist jedoch anspruchsvoller als bei Jupiter. VLF-Rauschen der Erde: Das Erfassen von VLF-Signalen (Very Low Frequency) aus der Erdionosphäre ist ebenfalls ein zugängliches Projekt. Wissenschaftlicher Betrieb von Observatorien: Schwache planetare Emissionen: Der Nachweis von dezimetrischen Emissionen von Jupiter, oder jeglicher Emissionen von Uranus und Neptun erfordert riesige Parabolantennen, hochempfindliche gekühlte Empfänger und extrem rauscharmen Frontends [1]. Extragalaktische Radioquellen: Die Beobachtung von Pulsaren, Quasaren, Galaxien und der Kosmischen Mikrowe

    10 Min.
  4. 25.06.2025

    #15 - Sternenstaub-Detektive: künstliche Objekte

    Künstliche Objekte am Sternenhimmel: Ein Leitfaden für DIY-Radioteleskope Einleitung: Das Universum im Eigenbau empfangen Die Amateur-Radioastronomie bietet eine einzigartige und faszinierende Möglichkeit, das Universum zu erkunden. Über die Beobachtung natürlicher Radioquellen hinaus ermöglicht sie es Enthusiasten, Signale von künstlichen Objekten im Weltraum mit selbstgebauter Ausrüstung zu empfangen und auszuwerten. Diese Disziplin verbindet die Leidenschaft für Astronomie mit praktischen Ingenieursfähigkeiten und bietet eine direkte, dynamische Verbindung zu aktuellen Raumfahrtmissionen und technologischen Errungenschaften. Es handelt sich um ein intellektuell lohnendes Unterfangen, das zu einzigartigen Beobachtungen und einem tiefen Verständnis der Raumfahrt führen kann. Die Möglichkeit, sophisticated space communication reception zu betreiben, ist nicht länger ausschließlich großen, gut finanzierten Institutionen vorbehalten. Der Zugang zu Technologie hat sich erheblich demokratisiert. Beispielsweise wurde der Amateurfunksatellit OSCAR 10 mit handelsüblichen Komponenten gebaut.[1] Ein grundlegendes System, das einen Personal Computer nutzt, kann bereits für wenige hundert US-Dollar zusammengestellt werden.[2] Darüber hinaus nutzen Softwarelösungen wie WXtoImg die 16-Bit-Abtastfähigkeiten von Soundkarten, um eine bessere Dekodierung zu ermöglichen, als dies mit teurer, speziell entwickelter Hardware möglich wäre.[3] Die Verbreitung erschwinglicher Software Defined Radios (SDRs) wie dem RTL-SDR [4] senkt die Einstiegshürde weiter. Diese Entwicklung zeigt, dass die Schwelle für die Teilnahme an der Weltraumkommunikation und die Beobachtung des Weltraums erheblich niedriger ist, als gemeinhin angenommen. Der vorliegende Leitfaden zielt darauf ab, praktische Schritte aufzuzeigen, wie diese Zugänglichkeit genutzt werden kann, um mit DIY-Setups greifbare Ergebnisse zu erzielen. Grundlagen des Amateurfunk-Radioastronomie-Empfangs Ein DIY-Radioteleskop setzt sich typischerweise aus mehreren Schlüsselkomponenten zusammen. Dazu gehören eine Antenne zum Auffangen der Radiowellen, ein Empfänger – häufig ein Software Defined Radio (SDR) – zur Umwandlung der analogen Radiosignale in digitale Daten, ein Computer zur Signalverarbeitung und schließlich spezialisierte Software zur Dekodierung und Visualisierung der empfangenen Informationen.[5] Für den erfolgreichen Empfang sind mehrere technische Konzepte von grundlegender Bedeutung: Frequenzbereiche: Künstliche Objekte senden in spezifischen Frequenzbändern. Wettersatelliten nutzen beispielsweise das 137 MHz-Band [6][7], während Tiefraumsonden oft im S-Band (2.2-2.9 GHz) und X-Band (8.4-8.5 GHz) senden.[8] Diese höheren Frequenzen ermöglichen in der Regel höhere Datenraten und sind weniger anfällig für Störungen.[9] Die Auswahl der Antenne und des Empfängers muss präzise auf den Frequenzbereich des Zielobjekts abgestimmt sein, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Modulation: Die Art und Weise, wie Informationen auf die Funkwelle aufmoduliert werden, variiert stark. Signale können analog moduliert sein, wie beispielsweise das Automatic Picture Transmission (APT)-Format von Wettersatelliten [2][7], oder digital, wie AX.25 oder PSK-31, die bei Amateurfunksatelliten zum Einsatz kommen.[1] Das Verständnis der jeweiligen Modulation ist für die korrekte Dekodierung der empfangenen Daten unerlässlich. Rauschen (Noise): Das allgegenwärtige Hintergrundrauschen stellt eine der größten Herausforderungen in der Radioastronomie dar. Es kann sowohl von terrestrischen Quellen, wie beispielsweise von Menschen verursachten Störungen [9], als auch von kosmischen Ursprüngen herrühren, wie dem von Karl Jansky entdeckten „Hiss“.[10] Die Fähigkeit, schwache Signale aus diesem Rauschen herauszufiltern und zu verstärken, ist der Kern der Empfangstechnik. Radioastronomen verwenden die Systemrauschtemperatur ($T_s$) als ein praktisches Maß für die Rauschleistung pro Bandbreite.[10] Der Aufbau eines DIY-Radioteleskops ist eine Übung in der Systemintegration. Die vorliegenden Informationen zeigen, dass ein erfolgreicher Empfang nicht von einer einzelnen Komponente abhängt, sondern von einer sorgfältig aufeinander abgestimmten Kette von Geräten. Für den Tiefraumempfang ist beispielsweise eine Kombination aus Schüssel, Feed, rauscharmer Verstärker (LNA) und Downconverter erforderlich.[8] Ein Heimbausystem kann eine TV-Schüssel, einen Signalstärken-Detektor, eine Schnittstelle, eine Soundkarte und Software umfassen.[5] Die Diskussion über Rauschen und dessen Einfluss auf die Signalerkennung unterstreicht, dass jeder Teil des Systems, von der Antenne bis zur Software, zur Gesamtleistung beiträgt.[10] Dies erfordert ein ganzheitliches Denken über das eigene Setup und das Verständnis, wie jede Komponente interagiert und zur endgültigen Signalqualität beiträgt, anstatt sich nur auf einzelne Teile zu konzentrieren. Dieser Ansatz ist entscheidend für die Fehlerbehebung und Leistungsoptimierung. Künstliche Objekte für Amateur-Radioteleskope Der Sternenhimmel ist nicht nur von natürlichen Himmelskörpern bevölkert, sondern auch von einer wachsenden Zahl künstlicher Objekte, die für Amateur-Radioastronomen zugänglich sind. Während übliche TV-/Radio- und Militärsatelliten hierbei außer Acht gelassen werden, liegt der Fokus auf Objekten, die für die astronomische Wissenschaft von Bedeutung sind oder spannende Möglichkeiten für den Amateurfunk bieten. 3.1 Wettersatelliten (NOAA APT) Die NOAA-Wettersatelliten (National Oceanic and Atmospheric Administration) sind polumlaufende Satelliten, die kontinuierlich Wetterbilder im Automatic Picture Transmission (APT)-Format zur Erde senden. Sie stellen aufgrund ihrer relativ starken Signale und der Verfügbarkeit von Open-Source-Software einen idealen und beliebten Einstiegspunkt für Amateure dar.[2][6][7][11] Diese Satelliten senden im 137 MHz-Band. Das Signal ist ein analoger 2400 Hz AM-Subträger, der auf einen 137 MHz-RF-Träger frequenzmoduliert wird, mit einer Bandbreite von etwa 34 kHz.[2][6][7] Bei der Wiedergabe über Lautsprecher erzeugt das Signal einen charakteristischen „Tick-Tock“-Klang.[2] Die effektive Strahlungsleistung (ERP) dieser Satelliten beträgt typischerweise etwa 37 dBm, was 5 Watt entspricht.[7] Die folgende Tabelle listet die aktiven NOAA APT Satelliten und ihre Empfangsparameter auf, die für den direkten Start des Empfangs unerlässlich sind und dem DIY-Enthusiasten konkrete, umsetzbare und präzise Informationen liefern: Tabelle 1: Aktive NOAA APT Satelliten und Frequenzen SatellitFrequenz (MHz FM)ModulationBandbreite (kHz)Typische ERP (Watt / dBm)HinweiseNOAA 15137.6200FM (AM-Subträger)345 W / 37 dBmAktiv, beliebter EinstiegNOAA 18137.9125FM (AM-Subträger)345 W / 37 dBmAktivNOAA 19137.1000FM (AM-Subträger)345 W / 37 dBmAktiv Das Verfolgen von Satelliten und der Empfang ihrer Sendungen ist äußerst lohnend und vermittelt ein Gefühl der direkten Interaktion mit den Raumfahrzeugen über uns.[2] Die niedrige Einstiegshürde, kombiniert mit der Tatsache, dass für reine Empfangsstationen keine Amateurfunklizenz erforderlich ist [2], und der sofortigen, greifbaren Ausgabe von Wetterbildern, bietet eine äußerst befriedigende Erfahrung. Dieser schnelle Erfolg kann das Vertrauen erheblich stärken und zur weiteren Erforschung komplexerer Radioastronomieprojekte ermutigen. NOAA APT-Empfang ist somit ein idealer Ausgangspunkt für Anfänger in der DIY-Radioastronomie, da er ein kostengünstiges, rechtlich zugängliches und visuell ansprechendes Projekt bietet, das sofortiges Feedback liefert und somit das Engagement des Podcast-Publikums fördert. 3.2 Amateurfunksatelliten (OSCARs & CubeSats) Amateurfunksatelliten, oft als OSCARs (Orbiting Satellite Carrying Amateur Radio) bezeichnet, dienen lizenzierten Funkamateuren für Sprach- (FM, SSB) und Datenkommunikation (AX.25, Paketfunk, APRS). Derzeit befinden sich über 18 voll funktionsfähige Amateurfunksatelliten im Orbit, die als Repeater, lineare Transponder oder digitale Store-and-Forward-Relais fungieren können.[1] Die Amateurfunksatelliten-Gemeinschaft hat maßgeblich zur Weiterentwicklung der Satellitenkommunikation beigetragen. Zu den bemerkenswerten Errungenschaften gehören der Start des ersten Satelliten-Sprach-Transponders (OSCAR 3) und die Entwicklung hochmoderner digitaler „Store-and-Forward“-Nachrichtenübertragungstechniken.[1][12] Funkamateure sind seit den 1960er Jahren aktiv in die Raumfahrt involviert und konstruieren kleine bis mittelgroße Nutzlasten, die als „Piggyback-Loads“ auf kommerziellen oder wissenschaftlichen Satelliten installiert werden.[13] Besonders populär sind dabei CubeSats, standardisierte, würfelförmige Satelliten mit einer Kantenlänge von 10 cm, die als Nutzlasten ins All gebracht werden.[13] Ein frühes und wegweisendes Beispiel war OSCAR 1, der 1961 als erster Amateurfunksatellit als sekundäre Nutzlast gestartet wurde. Trotz seiner kurzen Lebensdauer von nur 22 Tagen war OSCAR 1 ein großer Erfolg, da über 570 Funkamateure in 28 Ländern ihre Beobachtungen an das Projekt OSCAR meldeten.[1] Viele LEO-OSCARs (Low Earth Orbit) nutzen Frequenzmodulation (FM) und können mit handelsüblichen Amateurfunkgeräten empfangen werden; sie werden oft als „FM LEOs“ oder „FM Birds“ bezeichnet.[1] Ein herausragendes Beispiel für einen geostationären Amateurfunksatelliten ist Es’hail 2 / QO-100, der seit 2018 in Betrieb ist und eine Abdeckung von Brasilien bis Thailand bietet. Dieser Satellit verfügt über Transponder im 2.4 GHz (Uplink) und 10.4 GHz (Downlink) Bereich.[1] Die Aktivitäten im Amateurfunk sind weit mehr als nur ein Hobby; sie stellen eine bedeutende, oft wegweisende Kraft in der Entwicklung von Raumfahrttechnologien dar. Die Tatsache, dass

    10 Min.
  5. 25.06.2025

    #14 - Sternenstaub-Detektive: Exoplaneten

    Radioastronomie bei der Suche nach Exoplaneten und Elementaren Signaturen: Fähigkeiten, Grenzen und der Beitrag von Amateuren Abstract: Dieser Bericht bietet eine eingehende Analyse der Rolle der Radioastronomie bei der Detektion von Exoplaneten und der Identifizierung elementarer und molekularer Zusammensetzungen im Weltraum, im Vergleich zur optischen Astronomie. Er beschreibt die spezifischen Elemente und Moleküle, die über Radiospektrallinien nachweisbar sind, bewertet die aktuellen Fähigkeiten und bestätigten Messungen in der Amateur-Radioastronomie und skizziert die technischen Anforderungen und die notwendige Software für solche Unternehmungen. Des Weiteren beleuchtet der Bericht die Grenzen und Überschneidungen zwischen optischen und radioastronomischen Methoden und untersucht kritisch zukünftige Trends, insbesondere den transformativen Einfluss KI-gestützter Datenanalysen, einschließlich des Potenzials für den Zugang von Amateuren zu professionellen Rohdaten und fortschrittlichen Computerwerkzeugen. Inhaltsverzeichnis I. Einführung in die Radioastronomie und Spektralliniendetektion 1.1 Grundlegende Prinzipien der Radiospektroskopie 1.2 Nachweisbare Elemente und Moleküle in der Radioastronomie II. Amateur-Radioastronomie: Fähigkeiten, Ausrüstung und Software 2.1 Amateur-Entdeckungen und bestätigte Messungen 2.2 Technische Anforderungen und Software für den Amateur-Nachweis von Elementen/Atmosphären Hardware Software Technische Anforderungen und praktische Überlegungen für Amateure III. Optische vs. Radioastronomie: Komplementäre Ansätze 3.1 Stärken der optischen Astronomie bei der Exoplaneten-Charakterisierung 3.2 Einzigartige Beiträge der Radioastronomie 3.3 Überschneidungsbereiche und Synergien IV. Die Zukunft der Radioastronomie und KI-Integration 4.1 Fortschritte in der professionellen Radioastronomie 4.2 Die Rolle der Künstlichen Intelligenz in der Datenanalyse 4.3 Amateur-Zugang zu Rohdaten und KI-Tools V. Fazit VI. Quellenverzeichnis I. Einführung in die Radioastronomie und Spektralliniendetektion 1.1 Grundlegende Prinzipien der Radiospektroskopie Die Radioastronomie nutzt elektromagnetische Strahlung im Radiofrequenzspektrum, typischerweise im Bereich von etwa 20 MHz bis 300 GHz, um Himmelsobjekte zu untersuchen.[1] Dieser Ansatz bietet einen entscheidenden Vorteil, indem er ein einzigartiges Fenster zu kosmischen Phänomenen öffnet, die bei anderen Wellenlängen oft verdeckt oder unsichtbar sind. Spektrallinien, die schmale Emissions- oder Absorptionsmerkmale im Radiospektrum darstellen, sind von zentraler Bedeutung für diese Disziplin. Diese Linien entstehen aus intrinsisch quantenmechanischen Phänomenen: Übergängen zwischen diskreten Energieniveaus innerhalb von Atomen und Molekülen.[2] Im Gegensatz zu idealisierten Wellen ist elektromagnetische Strahlung in Photonen quantisiert, und nur spezifische, diskrete Energiewerte ermöglichen stabile Quantenzustände, was zu Spektrallinien bei definierten, charakteristischen Frequenzen führt.[2] Die präzisen „Ruhefrequenzen“ dieser Spektrallinien fungieren als einzigartige chemische Fingerabdrücke, die es Astronomen ermöglichen, die spezifischen Atome und Moleküle in fernen kosmischen Umgebungen eindeutig zu identifizieren.[2][3] Über die Identifizierung hinaus liefert die Analyse von Spektrallinien entscheidende astrophysikalische Diagnosen. Doppler-Verschiebungen, also Änderungen der beobachteten Frequenz aufgrund der Radialgeschwindigkeit zwischen Quelle und Beobachter, ermöglichen die präzise Messung von Radialgeschwindigkeiten, galaktischen Rotationskurven und sogar den Hubble-Distanzen extragalaktischer Quellen.[2][4] Darüber hinaus kann die beobachtete Breite dieser Spektrallinien physikalische Bedingungen innerhalb des emittierenden oder absorbierenden Gases aufzeigen, wie die kinetische Temperatur (thermische Verbreiterung), turbulente Geschwindigkeiten und die Teilchendichte (Druckverbreiterung).[2][4] Die Fähigkeit, chemische Spezies anhand ihrer einzigartigen spektralen „Fingerabdrücke“ zu identifizieren, ist ein grundlegendes Prinzip, das alle Bereiche der Astronomie durchdringt, sei es die Optik, das Infrarot oder die Radioastronomie.[3] Der Unterschied zwischen diesen Feldern liegt nicht im zugrunde liegenden Prinzip, sondern in den spezifischen Arten von Quantenübergängen, die beobachtet werden (z. B. elektronische Übergänge für optisches/UV-Licht, Rotations- und Vibrationsübergänge für Infrarot/Radio), und den jeweiligen physikalischen Bedingungen (wie Temperatur und Dichte), die Emission oder Absorption in verschiedenen elektromagnetischen Bereichen begünstigen. Dies unterstreicht eine tiefgreifende Einheit in der astronomischen Methodik trotz unterschiedlicher Beobachtungstechniken. Ein Atom oder Molekül absorbiert und emittiert Licht auf eine einzigartige Weise, die von seiner Größe und der Wechselwirkung der Elektronen mit dem Kern abhängt. Diese „Fingerabdrücke“ ermöglichen es Astronomen, Substanzen im gesamten elektromagnetischen Spektrum mit großer Spezifität zu erkennen.[3] 1.2 Nachweisbare Elemente und Moleküle in der Radioastronomie Die Radioastronomie ist besonders gut geeignet, eine breite Palette von Elementen und Molekülen nachzuweisen, insbesondere solche, die in kalten, dichten interstellaren Umgebungen vorkommen. Das allgegenwärtigste Element im Universum, atomarer Wasserstoff (HI), wird bekanntlich über seine 21-cm-Linie (ν ≈ 1420,405 MHz) nachgewiesen, die aus einem Hyperfeinübergang in seinem Grundzustand resultiert.[2][4] Diese spezifische Linie ist ein Eckpfeiler der Radioastronomie und dient als primäres Werkzeug zur Kartierung der Verteilung und Kinematik von neutralem Wasserstoffgas in Galaxien. Neben atomarem Wasserstoff werden auch Rekombinationslinien von ionisiertem Wasserstoff bei Radiowellenlängen beobachtet. Diese Linien entstehen durch die Rekombination von Elektronen und Protonen, wobei Übergänge zwischen höheren Rydberg-Niveaus zu ausgeprägten Spektrallinien führen (z. B. bei ν ≈ 300 MHz für Rydberg-Niveau 280).[2][4] Eine Vielzahl von Molekülen, insbesondere polare Moleküle, sind über ihre Rotationstransitionen nachweisbar. Kohlenmonoxid (CO) ist ein prominentes Beispiel mit einer Rotationstransition bei ν ≈ 115 GHz.[4] CO ist besonders bedeutsam, da es eines der häufigsten interstellaren Moleküle ist und aufgrund seines starken elektrischen Dipolmoments leicht von Radioteleskopen nachgewiesen werden kann.[5] Tatsächlich ist CO so verbreitet, dass es häufig als Tracer für molekularen Wasserstoff (H2) in kalten, dichten Molekülwolken verwendet wird, wo H2 selbst im Radiobereich unsichtbar ist.[5][6] Weitere häufig nachgewiesene Moleküle sind das Hydroxyl-Radikal (OH), Formaldehyd (H2CO), Wasser (H2O), Methan (CH4) und Ammoniak (NH3).[5] Die UMIST-Datenbank, eine umfassende Ressource für die Astrochemie, listet 396 Spezies auf, die Elemente wie H, He, C, N, O, Na, Mg, Si, P, S, Cl und Fe umfassen und für Gasphasenreaktionen im Weltraum relevant sind.[7] Die Radioastronomie hat erfolgreich über hundert interstellare Spezies nachgewiesen, darunter Radikale, Ionen und komplexe organische (kohlenstoffbasierte) Verbindungen wie Alkohole, Säuren, Aldehyde und Ketone.[5] Eine bemerkenswerte jüngste Entdeckung ist Benzonitril, ein aromatisches Molekül, das aufgrund seines starken Dipolmoments identifiziert wurde und die expandierende Grenze des molekularen Nachweises verdeutlicht.[8] Ein entscheidendes physikalisches Kriterium für die Nachweisbarkeit eines Moleküls über Rotationstransitionen in der Radioastronomie ist das Vorhandensein eines elektrischen Dipolmoments.[5][8] Dies erklärt, warum molekularer Wasserstoff (H2), obwohl er das häufigste Molekül im Universum ist, für Radioteleskope „unsichtbar“ ist [5] – ihm fehlt ein permanentes Dipolmoment. Folglich müssen Astronomen auf Tracer-Moleküle wie CO zurückgreifen, die reichlich vorhanden sind und starke Dipolmomente besitzen, um die Verteilung von H2 in Molekülwolken indirekt zu kartieren.[5][6] Dies verdeutlicht eine grundlegende Einschränkung und einen cleveren Umweg in der radioastronomischen Beobachtung. Die umfangreiche Liste der nachgewiesenen organischen, kohlenstoffbasierten Verbindungen [5][6], einschließlich komplexer Moleküle wie Alkohole und Aldehyde, unterstreicht die unverzichtbare Rolle der Radioastronomie in der Astrochemie. Diese Fähigkeit ermöglicht es Wissenschaftlern, die reiche chemische Komplexität des interstellaren Raums zu erforschen und wichtige Hinweise auf die Bildung präbiotischer Moleküle sowie die chemischen Wege zu liefern, die zur Entstehung des Lebens im Universum führen könnten. Die Bestätigung von Rotationstransitionen durch Laborexperimente vor der astronomischen Detektion, wie bei Benzonitril geschehen [8], betont die entscheidende Wechselwirkung zwischen Laborspektroskopie und Beobachtungsastronomie. Labordaten liefern die präzisen „Fingerabdrücke“, die für die Identifizierung kosmischer Spezies unerlässlich sind. Tabelle 1: Relevante Elemente und Moleküle, die in der Radioastronomie gemessen werden KategorieBezeichnung/FormelSchlüsselübergang/Frequenz (Beispiel)Bedeutung/Allgemeine VerwendungNachweisbarkeits-HinweisElementAtomarer Wasserstoff (HI)Hyperfeinübergang / 1420,405 MHz (21-cm-Linie) [2][4]Häufigstes Element, Kartierung von neutralem Gas in Galaxien, Galaxienkinematik [2][4]Direkt nachweisbarElementIonisierter Wasserstoff (HII)Rekombinationslinien / z.B. ~300 MHz (Rydberg-Niveau 280) [4]Nachweis von HII-Regionen, Sternentstehungsgebieten [4]Direkt nachweisbarDiatomare MoleküleKohlenmonoxid (CO)Rotationstransition / 115 GHz [4]Häufigster Tracer für molekularen Wasserstoff (H2) in Molekülwolken [5][6]Starkes Dipolmome

    7 Min.
  6. 25.06.2025

    #13 - Sternenstaub-Detektive: Sonne

    DIY Radioastronomie Podcast: Sternenstaub-Detektive – Die Sonne im Radioblick Willkommen zur zweiten Staffel der „Sternenstaub-Detektive“, in der wir uns der aufregenden Welt der Radioastronomie zuwenden, speziell der Beobachtung unserer Sonne mit selbstgebautem Equipment. Dieser Report bietet dir einen umfassenden Überblick über die nötige Ausrüstung, Frequenzbereiche, wissenschaftliche Einblicke und wie du als Hobby-Astronom die Forschung unterstützen kannst. 1. Benötigtes Equipment für Hobby-Radioastronomen Der Einstieg in die Radioastronomie muss nicht teuer sein. Mit etwas Geschick lassen sich aus einfachen Bauteilen und Amateurfunk-Technik leistungsfähige Radioteleskope bauen. 1.1 Das Minimum, das du brauchst: SDR-Stick (Software-Defined Radio): Ein RTL-SDR USB-Dongle ist die Basis. Dieser wandelt die empfangenen Funksignale in digitale Daten um, die dein Computer verarbeiten kann. Antenne: Eine einfache Dipolantenne ist ein guter Start. Alternativ kann eine umgebaute Satellitenschüssel mit einem LNB (Low Noise Block Converter) verwendet werden, um höhere Frequenzen zu empfangen. Computer: Ein Standard-PC oder Laptop ist ausreichend für die Datenerfassung und erste Analysen. Koaxialkabel und Adapter: Zur Verbindung der Antenne mit dem SDR-Stick. 1.2 Empfohlene Erweiterungen und DIY-Radioteleskope: LNA (Low Noise Amplifier): Ein rauscharmer Verstärker verbessert die Signalstärke schwacher Signale erheblich. Bandpassfilter: Hilft, unerwünschte Störsignale außerhalb des interessierenden Frequenzbereichs zu unterdrücken. DIY-Antennen: Dipolantenne: Einfach aus Draht oder Aluminiumrohren zu bauen, ideal für Frequenzen um 20 MHz (z.B. für das Radio Jove Projekt). Hornantenne: Kann aus Schaumstoffplatten und Alufolie selbst gebaut werden und eignet sich für breitere Frequenzbereiche. Parabolantenne (Satellitenschüssel): Eine alte Satellitenschüssel lässt sich hervorragend als Reflektor für höhere Frequenzen (z.B. 2,4 GHz oder 12 GHz mit LNB) zweckentfremden. Durch Modifikationen lässt sie sich auch für niedrigere Frequenzen anpassen. Yagi-Antenne: Eine Richtantenne, die gute Leistung in spezifischen Frequenzbereichen bietet, z.B. für die 1420-MHz-Wasserstofflinie, aber auch für solare Emissionen nutzbar. 2. Frequenzbereiche und Rückschlüsse Die Sonne sendet über ein breites Spektrum von Radiofrequenzen. Für bodengestützte Radioastronomie sind wir jedoch durch die Ionosphäre der Erde begrenzt, die Frequenzen unter etwa 10-15 MHz reflektiert. 2.1 Wichtige Frequenzbereiche für die Sonnenbeobachtung: 20-60 MHz (HF/VHF): Dieser Bereich ist besonders interessant für die Beobachtung von solaren Radiobursts (SRBs), insbesondere Typ-III-Bursts. Projekte wie Radio Jove arbeiten bei 20 MHz. Typ I: Schmalbandig, 80-200 MHz, oft mit aktiven Regionen verbunden. Typ II: Breitbandig, 10-100 MHz, assoziiert mit koronalen Massenauswürfen (CMEs) und Schockwellen. Zeigen einen langsamen Frequenzdrift von hoch nach niedrig. Typ III: Breitbandig, 10 kHz – 1 GHz, kurzlebig, durch Elektronenschwärme ausgelöst. Zeigen einen schnellen Frequenzdrift. Am leichtesten für Amateure zu detektieren. Typ IV: Breitbandig, 20 MHz – 2 GHz, langlebig, oft nach CMEs und Flares. Typ V: Glattes Kontinuum, 10-200 MHz, folgt manchmal Typ-III-Bursts. 136 MHz / 228 MHz: Einige Amateur-Setups nutzen diese Frequenzen für solare Radiofluss- und Burst-Messungen. VLF (Very Low Frequency, z.B. 21.4 – 25.2 kHz): Hier wird nicht die Sonne direkt gemessen, sondern indirekt Sudden Ionospheric Disturbances (SIDs), die durch Röntgen- und UV-Strahlung von Sonneneruptionen verursacht werden und die Ionosphäre beeinflussen. Man überwacht dabei die Feldstärke weit entfernter VLF-Sender. 2800 MHz (10.7 cm): Dies ist eine wichtige Frequenz für professionelle Observatorien zur Messung des solaren Radioflusses (F10.7-Index), der ein guter Indikator für die allgemeine Sonnenaktivität und die Temperatur der Korona ist. Für Amateure mit DIY-Equipment ist dieser Bereich oft schwieriger zu erreichen. 2.2 Wissenschaftliche Rückschlüsse: Anhand der Frequenz, Intensität und Dauer der Radiostrahlung können Rückschlüsse auf die Prozesse in der Sonnenatmosphäre gezogen werden. Radiobursts geben Aufschluss über Energiefreisetzungsprozesse bei Sonneneruptionen, die Bewegung schneller Elektronen und Schockwellen. Der F10.7-Index korreliert mit der Anzahl der Sonnenflecken und der solaren UV-Strahlung und hilft, die Sonnenaktivität zu verfolgen. 3. Wissenschaftlicher Stand und offene Fragen Die Sonnenphysik ist ein hochaktives Forschungsfeld, und auch wenn vieles erklärt ist, gibt es noch fundamentale Rätsel zu lösen. 3.1 Erklärte Phänomene: Die grundlegende Physik von Sonneneruptionen und koronalen Massenauswürfen ist verstanden. Die Klassifizierung von solaren Radiobursts und deren Zusammenhang mit anderen solaren Ereignissen ist etabliert. Der Zusammenhang zwischen solarem Radiofluss und der Sonnenaktivität ist bekannt. 3.2 Offene Fragen und Entdeckungen: Das koronale Heizproblem: Warum ist die Sonnenkorona (die äußerste Atmosphäre) mit mehreren Millionen Grad Celsius so viel heißer als die darunterliegende Oberfläche (ca. 5.500 Grad)? Radioastronomische Beobachtungen können helfen, Mikro-Flares oder Wellenphänomene zu detektieren, die zur Heizung beitragen. Der solare Dynamo und der Sonnenzyklus: Wie wird das Magnetfeld der Sonne erzeugt und warum kehrt es alle 11 Jahre seine Polarität um? Radiobeobachtungen können subtile Änderungen im Magnetfeld und den damit verbundenen Emissionen aufdecken. Beschleunigungsmechanismen von Teilchen: Wie werden Elektronen und andere Teilchen bei Flares auf so hohe Energien beschleunigt, dass sie starke Radioemissionen verursachen? 4. Beitrag der Amateur-Radioastronomie Der Amateur-Bereich kann die wissenschaftliche Arbeit in mehreren wichtigen Aspekten unterstützen und ergänzen: Langzeitüberwachung: Amateure können kontinuierlich Daten sammeln, was für die Überwachung der variablen Sonnenaktivität und seltener Ereignisse von unschätzbarem Wert ist. Professionelle Teleskope sind oft überbucht und können keine so umfassende Langzeitüberwachung leisten. Daten für Citizen Science Projekte: Projekte wie Radio Jove (NASA) und Solar Radio Burst Tracker (Zooniverse) sammeln aktiv Daten von Amateuren. Diese Daten werden von Wissenschaftlern genutzt, um Sonnenphänomene zu analysieren, Modelle zu validieren und sogar KI-Modelle zu trainieren. Regionale Verteilung: Ein Netzwerk von Amateur-Stationen weltweit ermöglicht eine räumlich verteilte Datenerfassung, was für die Lokalisierung und Verfolgung von Ereignissen nützlich sein kann. Test von Theorien: Manchmal können auch einfache Amateurexperimente helfen, bestimmte Aspekte von Theorien zu überprüfen oder neue, unerwartete Phänomene zu entdecken. Öffentlichkeitsarbeit und Bildung: Amateure spielen eine wichtige Rolle bei der Begeisterung für Wissenschaft und Technik. 5. Empfohlene Software (bevorzugt Open Source) Die Software ist entscheidend für die Steuerung deines SDR-Sticks und die Analyse der Daten. Glücklicherweise gibt es eine Reihe von (oft kostenlosen und Open Source) Optionen: SDR# (SDRSharp): Eine beliebte, kostenlose Software für die allgemeine SDR-Nutzung. Ermöglicht das Hören und Aufnehmen von Radiosignalen. Mit Plugins erweiterbar für spezialisierte Aufgaben. Download SDR# GNU Radio: Eine mächtige Open-Source-Toolkit für Software Defined Radio. Ermöglicht die Entwicklung eigener Signalverarbeitungs-Flowgraphs (grafisch über GNU Radio Companion – GRC). Ideal für die Automatisierung von Messungen und komplexere Analysen. Offizielle GNU Radio Website Radio-SkyPipe: Kostenlose Software zur Darstellung von Signalstärken über die Zeit (Strip Chart Recorder). Sehr nützlich für die kontinuierliche Aufzeichnung von solaren Emissionen. Bietet auch Funktionen für das Radio Jove Projekt. Radio-SkyPipe Download Radio-Sky Spectrograph (RSS): Ebenfalls von Radio-Sky, ermöglicht die Aufnahme und Darstellung von Radiospektrogrammen (Zeit, Frequenz, Intensität). Kann bis zu 512 Frequenzkanäle gleichzeitig aufzeichnen. Ideal zur Analyse von Radioburst-Typen. Radio-Sky Spectrograph Download RASDRviewer: Kontroll- und Analysesoftware speziell für RASDR2-Empfänger, aber auch für andere SDRs nutzbar. Bietet Power-vs-Time-Plots und Exportfunktionen. Quellcode auf Anfrage. RASDRviewer Informationen SpectraVue: Kommerzielle Software, aber eine leistungsfähige Option für detaillierte Spektralanalysen, die auch von Amateuren genutzt wird. SpectraVue Website 6. Schwierigkeiten und Fallstricke Die Radioastronomie ist nicht ohne Herausforderungen, besonders für Hobbyisten: RFI (Radio Frequency Interference): Dies ist der größte Feind des Radioastronomen. Quellen sind zahlreich: Schaltnetzteile (Computer, LED-Beleuchtung), Motoren, Haushaltsgeräte, Mobiltelefone, Wi-Fi, digitale Rundfunk- und Fernsehsender. Gegenmaßnahmen: Standortwahl (möglichst weit entfernt von Störquellen), Ausschalten von elektronischen Geräten, Abschirmung der Ausrüstung, Einsatz von Filtern. Schwache Signale: Solare Radioemissionen (insbesondere der „ruhigen“ Sonne) können sehr schwach sein, was empfindliche Antennen und rauscharme Empfänger erfordert. Wetterabhängigkeit: Hohe Feuchtigkeit oder Regen kann die Leistung von Antennen und LNBs beeinträchtigen. Kalibrierung: Die genaue Kalibrierung deines Systems ist entscheidend für wissenschaftlich verwertbare Daten. Dies kann komplex sein und erfordert oft spezielle Techniken (z.B. „Hot/Cold“-Kalibrierung). Dateninterpretation: Das Verständnis und die Interpretation der gesammelten Daten erfordern Einarbeitung

    8 Min.
  7. 25.06.2025

    #12 - Sternenstaub-Detektive: Jupiter

    Radiosternwarte im Eigenbau: Jupiter-Emissionen für Sternenstaub-Detektive Inhaltsverzeichnis 1. Einführung: Jupiter als Radiosender – Das Unsichtbare hören 2. Das notwendige Equipment: Dein DIY-Radioteleskop für Jupiter Antennen für Jupiter (bevorzugt DIY) SDR-Receiver (Software-Defined Radio) 3. Frequenzbereiche und wissenschaftliche Rückschlüsse Jupiters Radioemissionen Was man anhand der Frequenzen lernen kann Wissenschaftlich geklärt vs. offene Fragen 4. Software für Datenerfassung und -analyse (bevorzugt Open Source) Erfassung und Visualisierung Vorhersage-Tools 5. Herausforderungen und Fallstricke im Amateurfunk Radiofrequenz-Interferenzen (RFI) Ionosphärische Effekte Antennenplatzierung und -ausrichtung 6. Amateure unterstützen die Wissenschaft: Citizen Science Beiträge zur Jupiter-Forschung Gemeinschaft und Datenzugang Vergleich Amateur vs. Professionelle Radioastronomie Rechenleistung für die Datenverarbeitung Was noch nicht geht und sehnlichst erwartet wird Schlussfolgerungen Quellen 1. Einführung: Jupiter als Radiosender – Das Unsichtbare hören Die Radioastronomie eröffnet eine faszinierende Möglichkeit, den Kosmos zu erkunden, die über die Grenzen der traditionellen optischen Astronomie hinausgeht. Im Gegensatz zur visuellen Sternenbeobachtung ist die Radioastronomie unabhängig von klarem Himmel, Dunkelheit oder Wetterbedingungen.[1] Dies bietet einen einzigartigen Vorteil für Hobbyastronomen, da sie so eine Dimension des Universums erforschen können, die optischen Teleskopen verborgen bleibt.[1] Diese Eigenschaft, die üblichen Einschränkungen der visuellen Himmelsbeobachtung zu umgehen, macht die Radioastronomie besonders reizvoll und zugänglich für Enthusiasten, die sich dem Universum auf eine neue Art nähern möchten. Es ist eine Möglichkeit, das Unsichtbare zu „sehen“ und zu „hören“, was die Faszination für das Universum vertieft. Jupiter ist ein besonders lohnendes Ziel für Radioastronomen. Der Gasriese erzeugt aufgrund komplexer Wechselwirkungen zwischen seinem mächtigen Magnetfeld und seinem innersten Mond Io auffällige, knackende Radiosignale.[1], [2] Tatsächlich ist Jupiter, abgesehen von der Sonne, der lauteste Radiosender in unserem Sonnensystem.[3], [2] Diese charakteristischen „Radiostürme“ sind für Amateure mit relativ einfacher Ausrüstung hörbar.[1], [4] Die Entdeckung der Radiostrahlung von Jupiter im Jahr 1955 durch Bernard Burke und Kenneth Franklin, die bei einer Frequenz von 22 MHz erfolgte, lieferte die erste definitive Evidenz für Jupiters Magnetfeld.[5], [2] Es ist bemerkenswert, dass diese bahnbrechende Entdeckung in einem Frequenzbereich stattfand, der auch heute noch für Amateurfunkgeräte und Kurzwellenempfänger zugänglich ist. Dies verbindet die heutigen Hobbyaktivitäten direkt mit den Anfängen der Radioastronomie und zeigt, dass auch mit bescheidener Ausrüstung bedeutende Beobachtungen möglich sind. Neben diesen intermittierenden decametrischen Emissionen sendet Jupiter auch eine stetige Radioemission bei kürzeren (dezimetrischen) Wellenlängen aus.[2], [2] Ein großer Reiz der Radioastronomie liegt in der Möglichkeit, ein eigenes Radioteleskop mit einfachen Werkzeugen zu bauen und so direkt in diese faszinierende Wissenschaft einzutauchen.[1] Amateure können durch ihre Beobachtungen aktiv zum wissenschaftlichen Verständnis von Jupiters Magnetosphäre und seinen Auroras beitragen.[1] 2. Das notwendige Equipment: Dein DIY-Radioteleskop für Jupiter Der Einstieg in die Radioastronomie des Jupiters erfordert eine überschaubare Grundausstattung, die für viele Hobbyisten erschwinglich und im Eigenbau realisierbar ist. Die Kernkomponenten umfassen eine Antenne zum Auffangen der Radiowellen, einen Software-Defined Radio (SDR) Receiver zur Digitalisierung der Signale, einen Computer mit geeigneter Software zur Analyse und Visualisierung sowie die notwendigen Kabel und Adapter zur Verbindung der Komponenten.[1], [6] Ein optionaler, aber oft empfohlener Zusatz ist ein rauscharmes Verstärkermodul (Low-Noise Amplifier, LNA), um schwache Signale zu verstärken und die Detektion von Quellen wie der Milchstraße zu erleichtern.[1] Es ist jedoch Vorsicht geboten: Breitband-Transistor-Preamps, die oft sehr günstig sind (unter 20 US-Dollar), können mehr Probleme wie Intermodulationsprodukte und Desensibilisierung verursachen, als sie lösen. Stattdessen wird ein Preselector empfohlen, ein abgestimmter Schaltkreis vor dem Verstärker, der nur den gewünschten Frequenzbereich durchlässt und so die Empfindlichkeit gegenüber den kosmischen Signalen erhöht, während starke lokale Störungen unterdrückt werden.[7] Antennen für Jupiter (bevorzugt DIY) Für die Beobachtung von Jupiter ist die Antenne das Herzstück des Setups. Jupiters Radioemissionen können von der Erde aus auf Frequenzen von etwa 14 bis 38 MHz empfangen werden.[2], [7], [8], [9] Für die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit wird ein Bereich zwischen 18 und 28 MHz empfohlen.[7], [9] Signale unter 15 MHz werden durch die Ionosphäre der Erde stark gedämpft oder abgelenkt, während Signale am oberen Ende des Spektrums (über 28 MHz) tendenziell schwächer sind.[7], [9] Diese Emissionen werden als „dekametrische Radiostürme“ bezeichnet, da ihre Wellenlängen im Bereich von zehn Metern liegen.[10] Die Wahl der Frequenz ist entscheidend, da die Erdatmosphäre, insbesondere die Ionosphäre, als dynamisches Filter wirkt. Signale unter 15 MHz werden stark abgeschwächt oder von der Ionosphäre reflektiert, was eine natürliche Barriere für bodengestützte Beobachtungen darstellt.[7], [8], [11], [4], [12], [13], [14], [15], [9] Dies begrenzt den zugänglichen Frequenzbereich erheblich. Gleichzeitig können höhere Frequenzen oft ionosphärische Effekte umgehen.[8], [9] Die Überprüfung von Amateurfunkbändern knapp unterhalb der beabsichtigten Jupiter-Hörfrequenz kann Aufschluss über die aktuelle Reflektivität der Ionosphäre geben, was für die Planung von Beobachtungen nützlich ist.[8], [9] Dies verwandelt die Ionosphäre von einem bloßen Hindernis in ein Diagnosewerkzeug, das Amateuren hilft, die besten Beobachtungsbedingungen zu ermitteln. Für Anfänger ist die Dipolantenne die einfachste, kostengünstigste und am leichtesten zu bauende Antenne, die für den Empfang von Jupiters lautesten Bursts ausreicht.[10], [16] Eine grundlegende DIY-Anleitung für eine 21-MHz-Antenne sieht vor, die Gesamtlänge des Dipols durch die Formel 467 / Frequenz (MHz) in Fuß zu bestimmen. Für 21 MHz ergibt sich eine Länge von 22.24 Fuß (ca. 6.78 Meter). Diese Länge wird in zwei gleiche Hälften geteilt, die die „Beine“ des Dipols bilden.[16] Benötigte Materialien sind etwa 25 Fuß (ca. 7.6 Meter) Litzen-Kupferdraht (AWG #12), robustes Nylonseil, Plexiglas oder kommerzielle Isolatoren und 50 Ohm Koaxialkabel (RG/8X mini-foam wird bevorzugt; RG/58AU ist verlustreicher und anfälliger für Interferenzen).[16] Die beiden Drahtstücke (für allgemeine Zwecke ca. 1.5 Meter pro Stück) werden T-förmig an einem Kunststoff- oder Holzträger befestigt und dann mit einem Koaxialkabel verbunden.[1], [1], [1] Das Radio JOVE Projekt verwendet ein Dual-Dipol-Array, bestehend aus zwei horizontalen, parallelen Dipolantennen aus Kupferdraht, die etwa 3 Meter über dem Boden aufgehängt und über RG59U Koaxialkabel und einen Power Combiner/Splitter mit dem Empfänger verbunden sind.[17], [18] Die Gesamtlänge der Drähte für eine einzelne Dipolantenne im Radio JOVE Kit beträgt 23 Fuß 3 Zoll (ca. 7.09 Meter).[19] Die Ausrichtung der Antenne ist entscheidend für den Erfolg. Das Strahlungsmuster eines Dipols ist „Donut-förmig“, was bedeutet, dass er am empfindlichsten für Signale ist, die senkrecht zu seiner Länge eintreffen.[16] Für Beobachter in mittleren und höheren Breitengraden wird eine Ost-West-Ausrichtung des Dipols empfohlen, während für Äquatornähe eine Nord-Süd-Ausrichtung vorteilhafter sein kann. Eine optimale Lösung ist die Verwendung von zwei Dipolen (einer Nord-Süd und einer Ost-West), die am Empfänger umgeschaltet werden können, um die beste Ausrichtung für Jupiters aktuelle Position zu wählen.[16] Die Höhe der Antenne über dem Boden (zwischen 1/4 und 3/8 einer Wellenlänge) beeinflusst den Abstrahlwinkel und ist entscheidend für den Erfolg.[10], [16] Neben Dipolen können auch andere Antennentypen verwendet werden. Eine alte Satellitenschüssel kann als Radioteleskop umfunktioniert werden.[1], [20] Richtantennen wie Yagis, Quads oder Moxons können die Erfolgschancen erheblich verbessern, da sie eine höhere Richtwirkung aufweisen und oft mit einem TV-Antennenrotor gedreht werden können, um Jupiter zu verfolgen.[4], [21], [16] Die historische Mills Cross Antenne, mit der Jupiters Radiostrahlung entdeckt wurde, war ein riesiges Array aus über 100 Dipolen.[4], [5], [4] SDR-Receiver (Software-Defined Radio) SDR-Receiver sind kleine, erschwingliche USB-Geräte, die an den Computer angeschlossen werden und es ermöglichen, auf bestimmte Radiofrequenzen abzustimmen und Signale aus dem Weltraum zu erfassen.[1] Die weite Verbreitung und Zugänglichkeit von SDRs in Kombination mit der Möglichkeit, Antennen im Eigenbau herzustellen, hat die Radioastronomie erheblich demokratisiert. Diese Synergie senkt die Eintrittsbarriere erheblich und ermöglicht es einer viel breiteren Öffentlichkeit, sich mit dieser komplexen Wissenschaft zu beschäftigen. Empfohlene Modelle: Die RTL-SDR Blog V3 oder V4 Dongles sind weit verbreitet und kostengünstig.[1], [22] Der SDRplay RSP1B (Nachfolger des RSP1A) ist ein vollwertiger 14-Bit-Breitband-SDR, der den Radiofrequenzbereich von 1 kHz (VLF) bis 2 GHz (Mikrowellen) abdeckt und vom Radio JOVE Projekt als Empfänger optimiert für 16-24 MHz eingesetzt wird.[6], [21], [6], [23]

    10 Min.
  8. 25.06.2025

    #11 - Sternenstaub-Detektive: Pulsare

    DIY Radioteleskop für Pulsare: Ein Leitfaden für Selbermacher Die Identifizierung von Pulsaren mit einem selbstgebauten Radioteleskop und SDR-Technik ist ein faszinierendes, aber auch anspruchsvolles Projekt. Dieser Leitfaden beleuchtet die technischen Anforderungen, notwendige Bauelemente, geeignete Software und die Herausforderungen, die es zu meistern gilt. 1. Einleitung Pulsare, schnell rotierende Neutronensterne, senden gebündelte Radiowellen ins All, die auf der Erde als periodische Pulse empfangen werden können. Ihre Signale sind extrem schwach und erfordern präzise Technik und sorgfältige Datenverarbeitung. Mit der richtigen Ausrüstung und viel Geduld ist eine Detektion aber auch für ambitionierte Amateure möglich. — 2. Technische Anforderungen 2.1 Antennenschüssel (Dish) Die Größe der Antennenschüssel ist entscheidend für die Sammelleistung des Teleskops. Je größer der Durchmesser, desto mehr Signal kann gesammelt werden und desto besser ist das Signal-Rausch-Verhältnis (SNR). **Einsteiger:** Für erste Versuche mit stärkeren Pulsaren sollten Sie eine Schüssel mit einem **Mindestdurchmesser von 3 Metern** anstreben [1, 2]. Eine umgebaute Satellitenschüssel oder eine Eigenkonstruktion aus Metallgitter sind hier Optionen. **Fortgeschritten/Wissenschaftlich nutzbar:** Um zuverlässiger Pulsare zu detektieren und auch schwächere Signale erfassen zu können, sind Schüsseln von **3,5 bis 6 Metern** Durchmesser empfehlenswert. Professionelle Radioteleskope verwenden deutlich größere Anlagen (z.B. 30m) [1]. **Frequenz:** Eine gängige Frequenz für die Radioastronomie ist die **21-cm-Wasserstofflinie bei 1420 MHz** [1, 2]. Es gibt aber auch Pulsare, die bei niedrigeren Frequenzen (z.B. 422 MHz oder 608-611 MHz) beobachtet werden können [2], was unter Umständen kleinere oder einfachere Antennenstrukturen wie große Yagi-Antennen ermöglicht [4]. 2.2 SDR-Empfindlichkeit (Noise Figure, NF) Die Empfindlichkeit des Software Defined Radios (SDR) wird maßgeblich durch seine Rauschzahl (Noise Figure, NF) und die Systemrauschtemperatur (Tsys) beeinflusst. Eine niedrige Rauschzahl ist entscheidend. **RTL-SDR:** Diese kostengünstigen USB-Sticks sind als fähig für Pulsardetektion erwähnt [1, 2, 3, 4, 5]. Sie haben eine typische NF von ca. **3,5 dB bis 6,7 dB** (gemessen) [3]. **SDRplay RSP1A:** Bietet eine bessere Leistung und eine höhere Auflösung (14-Bit-ADC) [7]. **HackRF One:** Hat eine NF von ca. **8,9 dB (ohne externen LNA)** [6]. **USRP B210:** Verfügt über einen 12-Bit-ADC und bis zu 56 MHz Bandbreite [3]. Wichtig ist, dass die **Gesamtrauschtemperatur des Systems (Tsys)** so niedrig wie möglich ist. Ein professionelles 30m-Teleskop hatte eine Tsys von etwa 110°K. Das Ziel für Amateure ist, diesen Wert durch Optimierung (insbesondere des LNAs) deutlich zu senken, z.B. auf 50°K, was das SNR erheblich verbessert [1]. — 3. Weitere Bauelemente zur Signalverstärkung und Empfindlichkeitserhöhung Um das extrem schwache Pulsarsignal aus dem Hintergrundrauschen herauszufiltern, sind zusätzliche Komponenten unerlässlich. **Low Noise Amplifier (LNA):** Ein entscheidendes Element! Der LNA muss **direkt am Antennenfeed** platziert werden, um das schwache Signal sofort nach dem Empfang zu verstärken, bevor es durch das Koaxialkabel Rauschen aufnimmt [8]. **Anforderungen:** Eine Rauschzahl von ** 1 dB** und eine Verstärkung von **15-20 dB** sind ideal [8]. **Empfehlungen:** Komponenten wie der **PGA-103+** oder **PSA-5043+** (Minicircuits) sind beliebte Basis für DIY-LNAs [8]. Fertige Module wie der **NooElec SAWBird+ H1** (speziell für 1420 MHz) [9] oder der **GPIO Labs Hydrogen Line Pre-filtered LNA** sind ebenfalls sehr gut geeignet und oft bereits mit integrierten Filtern versehen. **Bandpassfilter:** Unabdingbar, um starke Interferenzen außerhalb des gewünschten Frequenzbandes (z.B. von Mobilfunkmasten, WLAN) zu unterdrücken, die den LNA übersteuern könnten. Platzierung idealerweise **vor dem LNA** [8]. **Bias-Tee:** Ermöglicht die Stromversorgung des LNAs über dasselbe Koaxialkabel, das auch das Signal zum SDR leitet. Viele moderne SDRs (z.B. RTL-SDR Blog V3, SDRplay RSP1A) haben einen **integrierten Bias-Tee** [8]. **Feedhorn (Speisehorn):** Die Komponente, die das Signal von der Parabolspiegeloberfläche sammelt und zum LNA leitet. Für 1420 MHz sind zylindrische Hohlleiter-Feedhorns oder Helix-Antennen beliebte DIY-Optionen. **Koaxialkabel:** Zwischen LNA und SDR sollte ein **kurzes, hochwertiges Koaxialkabel** (geringe Dämpfung, z.B. RG-58, RG-213 oder LMR-400) verwendet werden. **USB-Verlängerung:** Für längere Distanzen zwischen SDR und Computer ist ein **hochwertiges, abgeschirmtes USB 3.0 Verlängerungskabel** empfehlenswert, um Datenverlust und Rauschen zu vermeiden. **Stromversorgung:** Der LNA benötigt eine stabile Gleichstromversorgung (typischerweise 3.3V-5V). — 4. Geeignete SDR-Geräte und Zwischenelemente Die Auswahl des SDRs hängt maßgeblich von Ihrem Budget und Ihren Ambitionen ab. 4.1 SDR-Geräte **RTL-SDR Blog V3/V4 (Einsteiger):** **Vorteile:** Extrem kostengünstig (~20-30€), große Community, integrierter Bias-Tee. Gute Empfindlichkeit für den Preis. **Nachteile:** 8-Bit-ADC (geringere Dynamik), kann durch starke Signale leicht übersteuert werden, typischerweise nur 2.4 MHz Bandbreite. **SDRplay RSP1A (Fortgeschritten):** **Vorteile:** Bessere Empfindlichkeit und Dynamik (14-Bit-ADC), breiterer Frequenzbereich, bis zu 10 MHz Bandbreite, integrierter Bias-Tee [7]. **Nachteile:** Höherer Preis (~120-150€), proprietäre Software für die Steuerung. **HackRF One (Fortgeschritten):** **Vorteile:** Sehr breiter Frequenzbereich (1 MHz – 6 GHz), Transmit-Fähigkeit, 20 MHz Bandbreite. **Nachteile:** 8-Bit-ADC, höhere Eigenrauschzahl als RSP1A ohne externen LNA, höherer Preis (~250-350€). **Ettus USRP B210 (Wissenschaftlich nutzbar):** **Vorteile:** Hohe Auflösung (12-Bit-ADC), sehr große Bandbreite (bis 56 MHz), MIMO-fähig, externe Taktsynchronisation (wichtig für präzise Timing-Messungen) [3]. **Nachteile:** Sehr hoher Preis (~1500-2000€+), komplex in der Anwendung. 4.2 Auf dem Markt erhältliche Zwischenelemente **Filter:** Neben den bereits genannten speziellen LNA+Filter-Modulen gibt es auch dedizierte **Bandpassfilter** für spezifische Frequenzbänder, z.B. für 1420 MHz. Achten Sie auf geringe Einfügedämpfung und gute Selektivität. (Kosten: ca. 30-100€) **LNAs:** Fertige **Low Noise Amplifier Module** von Herstellern wie NooElec [9] oder GPIO Labs sind oft die beste Wahl, da sie für den vorgesehenen Frequenzbereich optimiert sind und gute Leistung bieten. (Kosten: ca. 40-70€) **Feedhorns:** Kommerzielle **Feedhörner für 1420 MHz** sind erhältlich, können aber auch mit etwas handwerklichem Geschick selbst gebaut werden. (Kosten: ca. 100-300€ für kommerzielle, Materialkosten für DIY geringer). — 5. Kostenübersicht und Kategorisierung Die Kosten können stark variieren, je nachdem, wie viel Sie selbst bauen und welche Komponenten Sie wählen. 5.1 Einsteiger (ca. 100 – 300€) Ziel: Erste Schritte im Radioempfang und Versuch der Pulsardetektion der stärksten Objekte mit grundlegender Ausrüstung. **Antenne:** Umgebaute, alte Satellitenschüssel (oft kostenlos oder 50-100€ gebraucht) oder kleine DIY-Mesh-Antenne (Material ca. 50-100€). **SDR:** RTL-SDR Blog V3/V4 (ca. 20-30€). **LNA:** Günstiger LNA mit geringer Rauschzahl (z.B. PGA-103+ basierend, ca. 20-50€) oder fertiges Modul (ca. 40-70€). **Filter:** Einfacher Bandpassfilter (ca. 20-50€). **Kabel/Verbinder:** Standard Koaxialkabel und Adapter (ca. 20-50€). **Sonstiges:** Stativ/Halterung, Kleinteile. 5.2 Fortgeschritten (ca. 500 – 1500€) Ziel: Zuverlässigere Detektion von stärkeren Pulsaren, verbesserte Messgenauigkeit. **Antenne:** Selbstgebaute 3,5 – 5m Mesh-Schüssel (Material ca. 200-500€) oder kommerziell erhältlicher Wifi-Dish. **SDR:** SDRplay RSP1A (ca. 120-150€) oder HackRF One (ca. 250-350€). **LNA:** Hochwertiger, rauscharmer LNA (z.B. NooElec SAWBird+ H1, ca. 40-70€). **Filter:** Spezieller, hochwertiger Bandpassfilter für 1420 MHz (ca. 50-100€). **Feedhorn:** Kommerzielles 1420 MHz Feedhorn oder optimierter DIY-Bau (ca. 100-300€). **Montierung:** Stabile, präzise nachführbare Montierung (DIY oder modifiziert, ca. 100-300€). **Kabel/Verbinder:** Hochwertige, verlustarme Kabel und N-Typ-Verbinder (ca. 50-100€). **PC:** Dedizierter Rechner für die Datenverarbeitung (vorhandener PC reicht meist, aber hohe CPU-Anforderungen bei Verarbeitung). 5.3 Wissenschaftlich nutzbar (ab 2000€) Ziel: Potenziell auch schwächere Pulsare detektieren, präzise Zeitmessungen, Forschungsprojekte. **Antenne:** Große, präzise 5-6m Schüssel (oft nur gebraucht erhältlich, sonst mehrere Tausend Euro) oder Array von kleineren Antennen. **SDR:** Ettus USRP B210 (ca. 1500-2000€) oder ähnliche professionelle SDR-Plattformen. **LNA:** Professioneller, gekühlter LNA (Spezialanfertigung oder High-End-Produkt). **Filter:** Hochwertige, kundenspezifische Filterlösungen. **Referenztakt:** GPSDO (GPS Disciplined Oscillator) für hochpräzisen Takt des SDRs (ca. 100-300€), entscheidend für präzises Timing. **Montierung:** Professionelle, hochpräzise azimutale/äquatoriale Montierung mit Motorsteuerung und Encoder (mehrere Tausend Euro). **PC:** Leistungsstarker Workstation-PC mit viel RAM und schneller SSD für die Datenverarbeitung. — 6. Software-Empfehlungen Die Software ist der Schlüssel zur Verarbeitung der Rohdaten und zur Entdeckung von Pulsaren. 6.1 Datenakquisition (SDR-Steuerung) **SDR# (SDRSharp

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Astronomie selbst in die Hand nehmen! In unserem Podcast tauchen wir tief in die technische Radioastronomie ein und geben dir das Grundlagenwissen, das du brauchst. Wir zeigen dir, was mit DIY-Equipment alles möglich ist: Schon ein DVB-T Stick, 3mm Kupferdraht und ein Ofenrohr reichen aus, um erste Messungen an der Milchstraße vorzunehmen! Entdecke, wie du Antennenschrott, ausrangierte Elektronik oder alte Computerteile kreativ upcyclen und für deine Projekte anpassen kannst. Dabei liefern wir dir faktenbasierte Einblicke aus Physik, Elektrotechnik und Informatik, die dich zum Experimentieren motivieren. Hör rein und entdecke das Universum neu!