In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über eine zentrale Entwicklung der digitalen Arbeitswelt: die zunehmende Hybridisierung menschlicher und technischer Arbeitsleistungen durch Künstliche Intelligenz. Ausgangspunkt ist ein Positionspaper von Rehmer et al. (2025), das KI als neue Leittechnologie beschreibt und mit dem Konzept des „Hybrid Man“ ein neues arbeitspsychologisches Menschenbild skizziert. Im Zentrum steht die Beobachtung, dass KI nicht mehr nur körperliche Tätigkeiten oder einfache Routinen verändert, sondern zunehmend auch kognitive Arbeit durchdringt. Die Episode zeigt, dass dadurch die Grenzen zwischen menschlicher und technischer Leistung unschärfer werden. Arbeit entsteht immer häufiger in der Interaktion zwischen Mensch und KI. Damit stellen sich neue Fragen nach Verantwortung, Kontrolle, Vertrauen, Erklärbarkeit und Kompetenz. Besonders wichtig wird dabei die sogenannte AI Literacy: die Fähigkeit, KI-bezogenes Wissen zu finden, zu verstehen, kritisch zu reflektieren und verantwortungsvoll anzuwenden. Zugleich beleuchtet die Episode die psychologischen Risiken dieser Entwicklung. KI kann Menschen entlasten, aber auch neuen Überwachungsdruck, Anpassungsstress, Existenzängste und psychische Fehlbeanspruchungen erzeugen. Technologische Entlastung bedeutet daher nicht automatisch menschengerechte Arbeit. Entscheidend ist, wie Organisationen die neue Mensch-Technik-Interaktion gestalten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Konzept des eudaimonischen Wohlbefindens. Es beschreibt Wohlbefinden nicht nur als angenehmen Zustand, sondern als Wachstum, Sinnhaftigkeit, Authentizität und Exzellenz. Die Episode diskutiert, weshalb dieses Konzept ein wichtiges Zielkriterium für die Gestaltung zukünftiger KI-gestützter Arbeit sein könnte. Sein persönliches Fazit: Die entscheidende Herausforderung der kommenden Jahre besteht nicht allein darin, KI in Organisationen zu integrieren. Viel wichtiger ist die Frage, ob KI so gestaltet wird, dass sie menschliche Urteilskraft, Selbstwirksamkeit, Lernen, Verantwortung und Sinn stärkt. Die Zukunft der Arbeit entscheidet sich deshalb nicht nur an der Leistungsfähigkeit technischer Systeme, sondern daran, ob Organisationen lernen, hybride Arbeit wirklich menschengerecht zu gestalten. Quelle: Rehmer, S., Muehlan, H., Menzel, M., Juds, M., Fellmann, M., Dhiman, H., & Röcker, C. (2025). Die Hybridisierung von menschlichen und technischen Arbeitsleistungen mit Künstlicher Intelligenz als neuer Leittechnologie: Entwicklungen, Implikationen und Potenziale für menschengerechte Arbeit. Zeitschrift für Arbeitswissenschaft, 79, 525–533. https://doi.org/10.1007/s41449-025-00489-y