In dieser Episode spricht Daniel mit Dr. Gunther Wobser, CEO des mittelständischen Familienunternehmens LAUDA, über den strategischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz – und darüber, wie ein Hidden Champion aus dem Bereich Temperiertechnik den Sprung in die KI-Ära gestaltet. Wobser führt LAUDA in dritter Generation und versteht Innovation als langfristige Verantwortung. Ein prägendes Erlebnis war sein einjähriger Aufenthalt im Silicon Valley (2017–2018), wo er hautnah erlebte, wie datengetriebene Geschäftsmodelle und KI-Start-ups entstehen. Während LAUDA traditionell stark hardwaregetrieben denkt – Kühlung, Heizung, präzise Temperaturführung – wurde dort klar: Die eigentliche Dynamik entsteht rund um Daten und Algorithmen. Der Wendepunkt kam, als deutlich wurde, dass KI nicht nur ein digitales Zusatzthema ist, sondern das Kerngeschäft transformieren kann. Ein konkreter Impuls: der Wunsch, Kunden weltweit besseren Service zu bieten – selbst in entlegenen Regionen. Die Idee: Geräte vernetzen, Betriebsdaten auswerten, Ausfälle vorhersagen und Servicefälle reduzieren. KI soll Temperiersysteme langlebiger, effizienter und intelligenter machen. Aus der Trennung von „Hardware hier“ und „KI dort“ wurde die Vision einer intelligenten, vernetzten Produktwelt. Heute verfolgt LAUDA eine zweigleisige KI-Strategie: Generative KI im Unternehmen: In Verwaltung, Vertrieb und Service setzt LAUDA stark auf generative KI. Übersetzungen, Protokolle, interne Wissensverarbeitung oder erste KI-gestützte Kundenbots – hier sind Effizienzgewinne messbar. Nutzungshäufigkeit, Akzeptanz und eingesparte Stunden dienen als Kennzahlen. KI wird nicht als Personalabbauinstrument verstanden, sondern als Hebel, um Fachkräftemangel abzufedern und Ressourcen gezielter einzusetzen. Industrial AI in Produkten: Parallel arbeitet LAUDA an „AI-ready“-Geräten. Neue Produktlinien sind standardmäßig mit Wi-Fi ausgestattet und cloudfähig. Ziel ist es, Betriebsdaten zu analysieren, Performance zu optimieren und perspektivisch KI-Funktionen direkt anzubieten. Damit will LAUDA Technologieführerschaft im deutschen Maschinenbau sichern – gerade im Wettbewerb mit asiatischen Anbietern. Ein zentraler Erfolgsfaktor: Menschen. Erste KI-Initiativen waren stark vom Management getrieben und nur mäßig erfolgreich. Erst als digitale Themen strategisch verankert, neue IT-Profile aufgebaut und Schlüsselpersonen aktiviert wurden, entstand echte Dynamik – teilweise so stark, dass interne „Guerilla-Projekte“ überraschend schnell Fahrt aufnahmen. KI wurde vom Top-down-Projekt zum gelebten Organisationsthema. Auch die Produktion bleibt nicht außen vor: LAUDA hat die Montage vollständig digitalisiert, papierlose Prozesse eingeführt und schafft die Basis für weitere Automatisierung. KI wird als „Superpower“ verstanden – vergleichbar mit Dampfmaschine oder maschineller Kälteerzeugung – die alle Unternehmensbereiche durchdringt: Entwicklung, Fertigung, Vertrieb und Service. Gleichzeitig spricht Wobser offen über Risiken: KI kann Märkte verändern und sogar Nachfrage reduzieren, etwa wenn weniger physische Experimente nötig sind. Für ihn bedeutet das: aktiv gestalten statt abwarten. Sein Rat an andere Mittelständler: pragmatisch starten. Mit sicheren, unternehmensweiten KI-Tools beginnen, Mitarbeitende einbinden, Datenkompetenz aufbauen und Pilotprojekte zulassen. Nicht Perfektion suchen, sondern Lernräume schaffen. Denn wer KI mit seiner Kernkompetenz verbindet, hat die Chance, auch in den nächsten Jahrzehnten wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Episode zeigt eindrucksvoll: KI ist für den Mittelstand kein Hype-Thema – sondern eine strategische Zukunftsfrage.