Nach längerer Zeit mal wieder in den schwächelnden Podcast mit dem eher merkwürdigen Namen der Nürnberger Nachrichten reingehört. Kleinere Stärken hatte das Projekt zuletzt im Zuge des Kommunalwahlkampfs in Bayern 2019/20. Aber schon damals lag dies vornehmlich an den jeweiligen Gästen.
Nach einem verschlafenen Intro präsentieren hier zwei alternde Männer, ihres Zeichens Chefredakteur und Leiter der Online-Redaktion, einen Podcast, der wie so vieles, was in der jüngsten Zeit aus dem Verlag Nürnberger Presse kommt, nur noch dessen Niedergang ausdrückt.
Professionalität sucht man größtenteils leider vergebens. Die Audioqualität ist erschreckend schlecht. Die Protagonisten klingen amateurhaft aufgenommen. Störgeräusche sowie ein hohler Klang stehen nicht für die Kompetenz eines einstmals großen regionalen Medienhauses. Wie es die NN schaffen, auch nach mehreren Jahren Podcasting immer noch wie eine alte Tonbandaufnahme aus den achtziger Jahren zu klingen, erschließt sich wohl nur den Machern selbst.
Während Moderator Husarek meistens durch Selbstgefälligkeiten auffällt, nervt Moderator Oberth die Zuhörer vornehmlich durch häufige Versprecher und Verhaspeln sowie mit seinen ständigen Zustimmungslauten: Mhm, mhm. Hm, hm. Mhm, mhm. Hm, hm.
Gerne greifen die beiden Herren auch in die Kisten des peinlichen Schenkelklopfers oder des Selbstmitleids. Mal spötteln sie über ihre eigenen eher mittelmäßigen Leistungen in der Schule (Mathematik), bezichtigen sich selbst „blöder Fragen“ oder lavieren über schlechte Anzeigenerlöse und die Krise der Medien. Oberths stets wiederkehrenden langweiligen Geschichten aus der ländlichen Provinz erzeugen mehr Gähnen als Informationsgewinn.
Noch einmal: Der Podcast steigt und fällt mit den Gästen. Und so hätten sich für die Sonderausgabe zum Angriffskrieg auf die Ukraine am 28.2.22 weitaus bessere Protagonisten als Gesprächspartner/-partnerinnen angeboten (das schwer bombardierte Charkiv ist die Partnerstadt Nürnbergs) als eine ukrainisch-stämmige Redakteurin des Medienhauses, die ihrerseits nur ahnungslos im Nebel stochert. Statt echter Info erzählt sie Platituden aus Telefonaten, die nichts Neues oder Einsichten in die Tragödie in Osteuropa vermitteln. Auch hier verschenken die NN ein wichtiges Thema leichtfertig.
Allerdings ist die Erwartungshaltung wie auch bei anderen Audioangeboten dieses Verlages, dem mittlerweile katastrophal heruntergewirtschafteten Online-Angebot Nordbayern und auch dem seinem eigenem Ende entgegenblickenden Printmedium ohnehin gering. Wie wenig die NN noch Wert auf Sorgfalt legen, zeigt sich unter anderem daran, dass in der Textbeschreibung dieses Podcasts zwei gravierende Fehler enthalten sind. Nicht einmal hierfür reicht es noch.
Eigentlich wäre für die Metropolregion und den Großraum Nürnberg ein qualitativ hochwertiges Medienangebot (auch aus dem Podcast-Bereich) dringend nötig. Erschreckend, dass der Verlag Nürnberger Presse ob seiner wirtschaftlichen Schieflage und seiner agierenden Personen dies nicht mehr zu liefern imstande ist.