PortGeschichten

Gabi Schoek

Im Jahr 2011 begann für mich eine neue Zeitrechnung. Ich wurde ein CyBorg. So heißen doch kybernetische Organismen, die in sich biologische und technische Elemente verbinden, oder nicht? Doch bevor jemand denkt, das sei etwas Hochmodernes, gar Science-Fiction oder sonst etwas Tolles, nein, es war schlicht Krebs und das technische Element ein Port. Nur CyBorg hört sich netter an, nicht so krank. Irgendwie modern. Ich bin geheilt, sagen jedenfalls meine Ärzte, aber Krebs geht nicht weg, denn wenn er weg ist, bleibt er in den Gedanken. Und ein CyBorg bin ich weiterhin, werde ich vermutlich auch bleiben, denn ich habe dieses Ding immer noch, und mittlerweile ist er so mit mir verwachsen, dass man mir die halbe Schulter entfernen müsste, um ihn loszuwerden. Keine Option. Also bleibt er, und so bleiben auch die PortGeschichten. Meine Krebserkrankung hat mein Leben grundlegend verändert. Was nicht an dem Krebs lag, so einfach ist es nun nicht. Sondern daran, dass sich alles änderte. Wirklich alles. Rückblickend war es eine der besten Entscheidungen überhaupt, mir Unterstützung bei einer Psychoonkologin zu holen. Nach den anstrengenden Behandlungen des Körpers begann die Behandlung der Seele. Nicht minder anstrengend. Aber genauso heilsam. Oder sogar mehr, ich weiß es nicht. Nein, man kriegt Krebs nicht, weil man »schuld« ist (Schwachsinn!) oder psychische Probleme hat oder… es kursieren die dollsten Geschichten. Das Immunsystem hat versagt, peng! Und dann die Gene. Aber das alles ist Wissenschaft, um die geht es hier nicht. Es geht um mein Leben danach. Um meine PortGeschichten. Letztens fragte mich mein Onkologe, warum ich ihn nicht hätte wegmachen lassen, den Port. Die Antwort ist ganz simpel: wenn man ihn eingebaut bekommt, ist das mit Narkose, wenn er ausgebaut wird, nur mit örtlicher Betäubung. Und ich bin eine Memme. Also ist er geblieben. Und so bin ich halt ein CyBorg, hört sich doch wirklich moderner an als Krebsüberlebende, oder etwa nicht? 😉

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Im Jahr 2011 begann für mich eine neue Zeitrechnung. Ich wurde ein CyBorg. So heißen doch kybernetische Organismen, die in sich biologische und technische Elemente verbinden, oder nicht? Doch bevor jemand denkt, das sei etwas Hochmodernes, gar Science-Fiction oder sonst etwas Tolles, nein, es war schlicht Krebs und das technische Element ein Port. Nur CyBorg hört sich netter an, nicht so krank. Irgendwie modern. Ich bin geheilt, sagen jedenfalls meine Ärzte, aber Krebs geht nicht weg, denn wenn er weg ist, bleibt er in den Gedanken. Und ein CyBorg bin ich weiterhin, werde ich vermutlich auch bleiben, denn ich habe dieses Ding immer noch, und mittlerweile ist er so mit mir verwachsen, dass man mir die halbe Schulter entfernen müsste, um ihn loszuwerden. Keine Option. Also bleibt er, und so bleiben auch die PortGeschichten. Meine Krebserkrankung hat mein Leben grundlegend verändert. Was nicht an dem Krebs lag, so einfach ist es nun nicht. Sondern daran, dass sich alles änderte. Wirklich alles. Rückblickend war es eine der besten Entscheidungen überhaupt, mir Unterstützung bei einer Psychoonkologin zu holen. Nach den anstrengenden Behandlungen des Körpers begann die Behandlung der Seele. Nicht minder anstrengend. Aber genauso heilsam. Oder sogar mehr, ich weiß es nicht. Nein, man kriegt Krebs nicht, weil man »schuld« ist (Schwachsinn!) oder psychische Probleme hat oder… es kursieren die dollsten Geschichten. Das Immunsystem hat versagt, peng! Und dann die Gene. Aber das alles ist Wissenschaft, um die geht es hier nicht. Es geht um mein Leben danach. Um meine PortGeschichten. Letztens fragte mich mein Onkologe, warum ich ihn nicht hätte wegmachen lassen, den Port. Die Antwort ist ganz simpel: wenn man ihn eingebaut bekommt, ist das mit Narkose, wenn er ausgebaut wird, nur mit örtlicher Betäubung. Und ich bin eine Memme. Also ist er geblieben. Und so bin ich halt ein CyBorg, hört sich doch wirklich moderner an als Krebsüberlebende, oder etwa nicht? 😉