Nach der Folge 0 war ich grundsätzlich von der Idee angetan, Horrorfilme mal aus ganz anderen Perspektiven zu betrachten. Bereits da hatte ich allerdings das Gefühl, dass die beiden Hosts nicht nur sehr selbstbewusst sind, sondern auch ein Stück weit arrogant und herablassend auf Kritiker schießen. Als Weiße(r) solle man am besten keine Kritiken mehr über Filme von Jordan Peele schreiben, kann man zumindest für sich daraus ableiten. Dass Betroffene Rassismus besser verstehen und nachempfinden können, ist sicher richtig, gerne möchte man auch sich auch durch diesen Podcast aufklären lassen, stattdessen schwingt ständig ein überlegenes Gehabe mit, dass zumindest Folge 0 als reines Muskelspiel ziemlich anstrengend macht. Eine offene Einladung zum Dialog oder dergleichen ist das nicht. Die Besprechung von Candyman dreht sich zwar in seiner Kritik etwas im Kreis und ist dadurch recht lang, aber die White Saviour Problematik war für mich ein echter Zugewinn, indem ich auch Sinn und Zweck des Podcasts sehe. Ob das bei so einem alten oder älteren Film nicht etwas einfach oder eben müßig ist, sei dahingestellt, es ist das Ziel des Podcasts, erfüllt damit seine Ansprüche und ist in der Sache ja auch schlüssig. Ein Stück weit erschreckend, gemessen am wie gesagt sehr offensiv formulierten Anspruch, fand ich dagegen zwei Dinge: Cabrini Green als Sozialbauten, in denen zum Großteil People of Color wohnten, wird lediglich als Setting benannt, in seiner Bedeutung zum Thema Rassismus aber nicht wirklich beachtet. Cabrini Green erscheint wie eine Art Parallelwelt - obwohl mitten Chicago -, in der PoC ein isoliertes Leben führen. Die Candyman-Legende passt dahingehend sehr gut zu dieser Welt mit ihren eigenen Geschichten, gleichzeitig ist es erschreckend zu sehen, wie ein Teil der Gesellschaft dort ein- bzw. weggepfercht wird. Zum anderen scheinen beide eine naheliegende, im Netz fleißig diskutierte Lesart für das Ende nicht zu (er)kennen. Candyman funktioniert mit dieser Lesart als Twist auf das Slashergenre, indem nämlich Helen die Killerin ist und nicht Candyman, der über den Film als solcher inszeniert wird. Sie verfällt der Macht dieser Urban Legend, recherchiert im Film so intensiv, dass sie wie besessen von Candyman wird. Unterstützt wird diese Lesart durch die ikonische Szene, in der Helen durch eine Öffnung aus dem Mund von Candyman klettert. Nach antiker mythologischer Vorstellung führt der Gang durch einen Tunnel oder eine Höhle zu einer Art Wiedergeburt, hier ist sie sinnbildlich für den Wahnsinn, dem Helen anheimfällt und in Folge die Morde begeht. Die Besprechung des Films selbst ist insofern sehr unbefriedigend. Vieles scheint auch schlichtweg nicht den Geschmack der beiden zu treffen, „schon wieder so ein Trope“ ist die häufige Kritik an einem Genre, wo Klischees und deren Brechungen ständig verhandelt werden. Dass eine Szene einfach mit „lol“ kommentiert wird, ist da doch reichlich albern. So bin ich nach der ersten Themenfolge doch ziemlich enttäuscht und von dem etwas selbstgefälligen, anfeindenden Gestus vor den Kopf gestoßen.