Vielseitig - Der Literaturpodcast

Michelle Schleimer

Herzlich willkommen! In diesem Interview-Projekt lade ich Autor:innen und Personen aus dem Literaturbetrieb ein, um mit ihnen über ihre Werke und ihre Arbeit zu sprechen. Dabei möchte ich vor allem jungen (post-)migrantischen Menschen einen Einblick geben und sie empowern. Darüber hinaus sind natürlich allgemein literaturinteressierte Menschen herzlich eingeladen, die neugierig auf die Diskurse und die Gäst:innen sind. Gefördert vom Fonds Soziokultur & Jugendstil*-Ideenfonds, die Umsetzung wird durch Radio Blau in Leipzig ermöglicht. Cover: Deborah Moldawksi, Font: Basteleur by Keussel, velvetyne.fr Intro/Outro/Sounds: Thea Steimer Instagram: @vielseitig_podcast Impressum: https://michelleschleimer.wordpress.com/2024/03/09/26/

  1. 17.01.2025

    Lene Albrecht und Mirrianne Mahn, reden wir zu wenig über die deutsche Kolonialgeschichte?

    Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Vielseitig! In dieser Folge spreche ich mit den Autorinnen Lene Albrecht und Mirrianne Mahn. Es geht um die Frage, wie wir eine Sprache finden können, um deutsche Kolonialgeschichte, die Geschichten Schwarzer Körper, Schwarzer Menschen erzählen zu können. Lene Albrecht, *1986 in Berlin, studierte Kulturwissenschaft in Frankfurt (Oder) und am Literaturinstitut in Leipzig. Bisher erschienen sind von ihr »Wir, im Fenster« (Aufbau, 2019), »Weiße Flecken« (S. Fischer, 2024). Mirrianne Mahn, *1989 in Buea, Kamerun, studierte Anglistik und Amerikanistik in Frankfurt am Main. Sie ist Aktivistin, Politikerin Theatermacherin und Autorin. »Issa« (Rowohlt, 2024) ist ihr erster Roman. Zur Einordnung die Klappentexte: Eine junge Frau reist nach Togo, im Gepäck ein Aufnahmegerät und den Auftrag, zu Flucht- und Migrationsursachen zu forschen. Vor Ort trifft sie Menschen und fragt nach ihren Geschichten: eine Schneiderin, die ihrer Abschiebung aus Deutschland zuvorkam, einen jungen Mann, der mit seinem Dienst im Waisenhaus hadert, und den Bibliothekar, der sie aufmerksam macht auf die Europäer*innen, die wie Gespenster das Land bevölkern. Immer mehr zweifelt sie ihre Rolle im Land an und beginnt, sich kritisch mit der eigenen Verstrickung und den Erzählungen ihrer Familie auseinanderzusetzen. Ein kaleidoskopischer Roman über familiäre Schuld, persönliche Scham und die Frage danach, wie wir unseren Kindern die Welt erzählen wollen. “Warum er ausgerechnet sie auswählte, ist ungewiss, aber es hieß, sagte meine Mutter, als ich sie danach fragte, dass meine Urgroßmutter sein Lieblingskind war - und, das fügte sie nach einer Pause hinzu, für ein Kind afro-panamischer Abstammung ungewöhnlich helle Haut hatte.” Eigentlich will Issa diese Reise gar nicht antreten. Schwanger sitzt sie im Flugzeug nach Douala, angetrieben von ihrer Mutter, die bei der bevorstehenden Geburt um das Leben ihrer Tochter fürchtet. In Kamerun, dem Land ihrer Kindheit, soll sie den heilsamen Weg der Rituale gehen, unter den Adleraugen ihrer Omas. Doch so einfach ist das alles gar nicht, wenn man in Frankfurt zu Schwarz und in Buea zu deutsch ist. Der Besuch wird für Issa eine Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte und der Gewissheit, dass sowohl Traumata als auch unbedingte Liebes- und Lebenswille vererbbar sind. Erwähnte Medien: Noah Sow: Deutschland Schwarz Weiß: Der alltägliche Rassismus (2008). May Ayim, Katharina Oguntoye, Dagmar Schultz (Hg.): Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte (2021, Orlanda). Black Panther, Serie.

    1 Std. 17 Min.
  2. 22.07.2024

    Vanessa Vu und Ahmad Katlesh, was bedeuten euch Erinnerungen?

    Herzlich willkommen zur achten Folge von Vielseitig. Ich bin Michelle Schleimer und heute spreche ich mit der Journalistin Vanessa Vu und dem Schriftsteller Ahmad Katlesh über Ihren Briefwechsel “Komm dahin, wo es still ist”. Wir sprechen über den Werdegang von Vanessa und Ahmad; über verschiedene Arten, mit Erinnerung umzugehen und warum Vanessa nach zwei Wochen Zusammensein von Ahmads Wohnung aus einen Reiskocher bestellt. Ich bin ein großer Fan von Briefwechseln und die Mails von Vanessa und Ahmad haben mich sehr berührt. Die Journalistin und der Schriftsteller lernen sich beim Tanzen kennen. Sie beginnen zu diskutieren, Mails auszutauschen und verlieben sich schließlich ineinander. Die Mails sind sowohl berührend als auch politisch: Es geht um das Kennenlernen, den Wunsch einander zu verstehen, das Kommunizieren über Sprachbarrieren hinweg; es geht aber auch um: Rassismus und Diskriminierungserfahrungen im Alltag, die aktuelle politische Situation in Deutschland nach der Correctiv-Recherche, der Austausch über Flucht und Migration. "Komm dahin, wo es still ist" erschien 2024 im Rowohlt Verlag. Vanessa Vu ist Redakteurin bei ZEIT ONINE im Ressort X. Sie hat die Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule absolviert und vorher in München, Paris und London, Ethnologie, Internationales Recht und Südostasienwissenschaften studiert. Neben ihrer Arbeit bei ZEIT ONLINE hostete Vanessa fünf Jahre lang den Podcast Rice & Shine. Ich finde den Podcast super toll, und war auch ein wenig ehrfürchtig in diesem Gespräch. Ahmad Katlesh ist Schriftsteller. Ahmad studierte Mathematik in Damaskus, arbeitete in Syrien und Jordanien als Journalist. Erschienen sind mehrere Lyrik- und Prosabände auf Arabisch, 2020 wurde ein Gedichtband ins Deutsche übersetzt, mit dem unglaublich schönen Titel: Das Gedächtnis der Finger. Ahmad hostet auch einen Podcast namens Tiklam, in dem er sehr erfolgreich arabische Lyrik einspricht. Foto von (c) Harald Keller.

    1 Std. 1 Min.
  3. 19.04.2024

    Yannic Han Biao Federer, was bedeutet dein Name?

    Herzlich Willkommen zu einer neuen Staffel von Vielseitig! Ich bin Michelle Schleimer und heute spreche ich mit dem Autor Yannic Han Biao Federer über seinen Roman „Tao“ Mit Yannic spreche ich über seine Zeit in Oxford, die Anfänge seines Schreibens, die Auseinandersetzung mit chinesisch-indonesischer Geschichte und die politische Bedeutung seines Namens. Diese Folge ist für mich vielleicht eine der persönlichsten bisher, denn Yannic und ich haben viele biographische Gemeinsamkeiten. Yannic Han Biao Federer, ist *1986 in Breisach am Rhein geboren. Er studierte Germanistik und Romanistik in Bonn, Florenz und Oxford. Sein Debüt „Und alles wie aus Pappmaché“ erschien 2019 bei suhrkamp nova. Mit „Tao“ veröffentlichte er 2022 seinen zweiten Roman bei Suhrkamp. Neben dem Schreiben von Romanen, ist Yannic Lehrbeauftragter an der Universität Bönn, arbeitet für den Hörfunk und schreibt Theaterstücke. Ich stelle euch Yannics Roman „Tao“ nun einmal kurz vor: Der Protagonist des Romans ist Tobi, eigentlich heißt er Tao – aber so nennt ihn nur seine Freundin Miriam und einst sein Vater. Taos Vater starb in einem Hotel in Hongkong und die Beziehung mit Miriam geht in die Brüche. Tao begibt sich auf die Suche: Nach den Anfängen der Beziehung mit Miriam und den letzten Tagen des Vaters in Hongkong. Der Roman springt zwischen den Jugenderinnerungen Taos und seinem Alltag als Dozent, der sich mittags in seinem Büro verschanzt, um an seinem Manuskript weiterzuschreiben. Hier entsteht auch die Geschichte von Alex – Taos Alter Ego. Oft präsent ist in Taos Alltag die übergriffige Frage „Woher kommst du?“. Auf die es keine einfache Antwort gibt, denn Taos Vater ist zwar in Indonesien aufgewachsen, als Kind jedoch aus China nach Indonesien verkauft worden. Spannend sind auch die Textstellen im Roman, die auf die Geschichte der chinesischen Minderheit in Indonesien verweisen, den politischen Repressionen und Gewaltausschreitungen. In der Folge erwähnte Literatur: Vincent Bevins - The Jakarta Method. Washington's Anticommunist Crusade & the Mass Murder Program that Shaped Our World, New York: Public Affairs 2020. David van Reybrouck - Revolusi. Indonesien und die Entstehung der modernen Welt, aus dem Niederländischen von Andreas Ecke, Berlin: Suhrkamp 2022. Amnesty International - Indonesien. Ein Bericht von amnesty international, Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1977 (= amnesty international publications, November 1977). Foto © AWK | Engel-Albustin 2022

    1 Std. 10 Min.
  4. 17.09.2023

    Karosh Taha, warum schreibst du?

    Entschuldigt die Hintergrundgeräusche! Mir ist es beim Schneiden leider nicht gelungen sie weiter zu reduzieren! Viel Spaß beim Hören! Herzlich Willkommen zur sechsten Folge von Vielseitig. Ich bin Michelle Schreiber und in dieser Folge spreche ich mit der Autorin Karosh Taha über ihren Roman „Im Bauch der Königin“ und die Recherche für ihren dritten Roman. Karosh Taha wurde 1987 in Zaxo, Irak, geboren. Sie absolvierte ein Lehramtsstudium für Englisch und Geschichte an der Universität Duisburg-Essen. Heute lebt sie in Paris und Köln. 2018 erschien ihr erster Roman „Beschreibung einer Krabbenwanderung“, 2021 folgte „Im Bauch der Königin“, beide bei DuMont erschienen. Mit Karosh spreche ich in dieser Folge über ihre Erinnerungen an das Jahr 2003 und die Invasion US-amerikanischer Truppen in den Irak sowie die Recherche für ihren dritten Roman, in dem der Diktator Sadam Hussein eine Rolle spielen wird. Wir sprechen auch über ihre Herangehensweise beim Schreiben ihres Romans „Im Bauch der Königin“ und den Verstrickungen kleinster Details. Falls ihr in diesem Gespräch neugierig darauf geworden seid, mehr über Karosh zu erfahren kann ich euch das Gespräch mit Mascha Jacobs in ihrem Podcast „Dear Reader“ sehr ans Herz legen. Dort spricht Karosh über ihren Weg zu ihrem ersten Roman und über Sex in der Literatur. Timestamps: 00:00 Teaser 01:42 Intro 4:23 Begrüßung & Lesungen in Frankreich und Deutschland 8:44 Münzspiel & Erinnerungen an 2003, Invasion der USA im Irak, Diktator Saddam Hussein 14:18 Recherche für den neuen Roman 15:40 Vertrauen bei Zeug:innen wecken 24:36 Interviews auf Kurdisch führen vs. Romane auf Deutsch schreiben 28:10 Feedback aus der kurdischen Community 29:06 Literatur und Identifikation 31:20 Warum liest du? 34:08 Wenn du drei Autor:innen einladen könntest, lebend oder bereits verstorben, wen würdest du einladen und was gäbe es zu essen? 38:01 Im Bauch der Königin 53:07 Die Zukunft von Literatur aus marginalisierten Perspektiven 56:24 Rat an junge Schreibende Das Buch, auf das ich mich in meiner Aussage zur Diskriminierung der chinesischen Minderheit in Indonesien beziehe, heißt "The End of Silence" von Soe Tjen Marching. Hier schildert sie die Inhaftierung und Folter von Menschen, die aufgrund ihrer politischen Einstellungen und Aktivitäten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Indonesien verfolgt wurden. Zudem schreibt sie über die politischen Repressionen gegenüber der chinesischen Minderheit in Indonesien.

    58 Min.

Bewertungen und Rezensionen

4,7
von 5
3 Bewertungen

Info

Herzlich willkommen! In diesem Interview-Projekt lade ich Autor:innen und Personen aus dem Literaturbetrieb ein, um mit ihnen über ihre Werke und ihre Arbeit zu sprechen. Dabei möchte ich vor allem jungen (post-)migrantischen Menschen einen Einblick geben und sie empowern. Darüber hinaus sind natürlich allgemein literaturinteressierte Menschen herzlich eingeladen, die neugierig auf die Diskurse und die Gäst:innen sind. Gefördert vom Fonds Soziokultur & Jugendstil*-Ideenfonds, die Umsetzung wird durch Radio Blau in Leipzig ermöglicht. Cover: Deborah Moldawksi, Font: Basteleur by Keussel, velvetyne.fr Intro/Outro/Sounds: Thea Steimer Instagram: @vielseitig_podcast Impressum: https://michelleschleimer.wordpress.com/2024/03/09/26/