Digital Matters - Der Podcast

Michael vom Sondern und Robert Yung

Bei Digital Matters machen wir Digitalisierung greifbar! Mit konkreten, praxisnahen Beispielen zeigen wir, wie Unternehmen den ersten Schritt in Richtung digitaler Transformation wagen können. Gemeinsam mit spannenden Gästen teilen wir erprobte Strategien und inspirieren dazu, den Wandel aktiv anzugehen. Ob innovative Geschäftsmodelle, erfolgreiche Digitalisierungsprojekte oder technologische Neuerungen – wir machen komplexe Themen verständlich und motivieren, selbst aktiv zu werden. Digital Matters – für alle, die den digitalen Wandel gestalten wollen.

  1. 9. Sept.

    Wie man ein 190 Jahre altes Unternehmen digital neu erfindet

    Direktvertrieb für Werbegeschenke – 190 Jahre Tradition, goldene Zeiten, eine treue Kundschaft. Und dann kommt das Internet und stellt die Frage, die jedes zweite Mittelstandsunternehmen irgendwann stellen muss: Was ist unser Geschäftsmodell eigentlich noch wert, wenn der alte Vertriebsweg nicht mehr trägt? Als Astrid Schulte 2017 mit zwei Partnern die Berenson AG übernahm, gab es bei aller Aufbruchsstimmung im Unternehmen keine Antwort auf diese Frage – nur eine gute Kultur und viele willige Menschen ohne Richtung. In dieser Folge erzählt Astrid, Vorstandsvorsitzende der Berenson AG, wie aus vierzig, fünfzig Küchentisch-Gesprächen mit mittelständischen Kunden die neue Vision entstand: nicht Werbegeschenke gegen Websites austauschen, sondern die alte Geschichte weitererzählen – vom analogen zum digitalen und analogen Sichtbarkeitspartner. Sie beschreibt, wie unterschiedlich eine Belegschaft auf so eine Kehrtwende reagiert, von den Possibilisten, die sofort mitziehen, bis zu dem Vertriebsleiter, der seinem Team ankündigte, man habe schon acht Vorstände überlebt und werde auch diesen überleben – bis eine Schülerpraktikantin im Meeting das anders sah. Besonders offen spricht Astrid über die Mechanik der eigentlichen Transformation: die Vertriebsstruktur von fünf auf zwei Führungsebenen zu kappen, gescheiterte „Schnellboot"-Experimente mit Digitalvertrieblern, die nach Empfehlungsprämien wieder abwanderten, und die überraschende Erkenntnis, dass ausgerechnet die eigenen Führungskräfte die härteste Zielgruppe für Veränderung waren – weil Entscheidungsmacht ein über Jahrzehnte erarbeiteter Besitzstand ist. Auch ein handfestes Scheitern gehört dazu: ein unternehmensweites OKR-System, das in monatlichen Drei-Stunden-Meetings erstickte, bevor es einem entspannteren, jährlichen Planungsrhythmus wich. Für den Mittelstand ist die zentrale Botschaft: Geschäftsmodellinnovation entsteht nicht am Reißbrett, sondern im Gespräch mit den eigenen Kunden – und sie gelingt nur, wenn man die eigene Geschichte weitererzählt statt sie zu kappen. Kapitel und Shownotes wie immer oben in der Beschreibung – hört rein und abonniert uns für mehr Transformationsgeschichten aus dem Mittelstand.

  2. 2. Sept.

    Vibe Coding: Prototyp ja, Provisorium nein

    Vibe Coding ist gerade überall – jede zweite YouTube- oder Insta-Story erzählt, wie jemand in fünf Minuten eine App oder ein ganzes Business gebaut hat. Auch in mittelständischen Unternehmen kommt das Thema zunehmend über die Mitarbeitenden selbst ins Haus, oft bevor die IT überhaupt gefragt wurde. Robert und Michi ordnen in dieser Quickie-Folge ein, was an dem Hype dran ist und was Führungskräfte im Mittelstand tatsächlich damit anfangen sollten. Robert bringt sein eigenes Beispiel mit: die komplette Produktion der Digital-Matters-Podcast-Videos – Zuschnitt, Untertitel, YouTube-Upload, Shorts – läuft vibe-gecodet für rund 6 Euro Materialkosten im Monat. Daran zeigt sich die Kernthese der Folge: Vibe Coding gibt Fachabteilungen die Möglichkeit, eigene Hypothesen selbst zu testen und Prototypen zu bauen, statt monatelang Lastenhefte für externe Dienstleister zu schreiben. Der Haken dabei: Ein funktionierender Prototyp ist noch keine produktionsreife Software – ohne echtes Architekturwissen entsteht schnell Spaghetticode, der weder sicher noch erweiterbar ist. Im Gespräch geht es außerdem darum, wie sich die Rolle der IT verändert – vom reinen Verhinderer und Lastenheft-Verwalter hin zum Innovation Enabler, der eine sichere Sandbox für Prototyping bereitstellt. Ein zweites, oft unterschätztes Risiko liegt nicht in der Technik, sondern in der Organisation: Wer einen fertigen Prototyp einfach präsentiert, statt Kolleginnen und Kollegen als Testerinnen und Tester mitzunehmen, verliert die Akzeptanz im Unternehmen. Auch der klassische Budget- und Controllingprozess mit Fünf-Jahres-Business-Case passt nicht mehr zu einer Welt, in der man erst iterativ herausfinden muss, welches Problem überhaupt das richtige ist. Für mittelständische Unternehmen heißt das: Vibe Coding ist kein reines IT-Thema, sondern Teil der größeren KI-Adoption-Frage – mit denselben Leitplanken, Governance-Fragen und Budgetlogiken, die auch für andere KI-Initiativen gelten.

  3. 26. Aug.

    Regeln oder Prinzipien? Führung in komplexen Zeiten

    Klassisches Management funktioniert gut, wenn Ursache und Wirkung klar sind – bei kompliziertem, aber vorhersehbarem Geschäft. Doch immer mehr Unternehmen bewegen sich in komplexen Märkten, in denen dieselben Werkzeuge, dieselben Dashboards und Zielvereinbarungen plötzlich das Gegenteil von dem bewirken, was sie sollen. In dieser Folge sprechen Robert und Michi mit Prof. Dr. Henning Werner, Rektor der EBS und seit über 20 Jahren Restrukturierungs- und Transformationsexperte, sowie Mark Poppenborg, Gründer von Intrinsify, über die zentrale Unterscheidung zwischen komplizierter und komplexer Wertschöpfung. Kernthese der Folge: Viele Organisationen ersticken sich selbst mit immer mehr Regeln, weil ihnen die Sprache für das fehlt, was sie eigentlich beobachten – und verlieren dabei genau die Anpassungsfähigkeit, die sie in dynamischen Märkten bräuchten. Mark bringt dazu ein konkretes Beispiel aus der Praxis: ein Softwareunternehmen, das durch eine einzige strukturelle Änderung – Projektleiter müssen jedes Angebot mitunterschreiben – Vertrieb und Implementierung endlich zum Austausch zwingt, statt neue Regeln draufzusetzen. Darüber hinaus geht es um das Prinzip der Entpersonifizierung, um das Delegation Poker als praktisches Werkzeug für abgestufte Entscheidungsverantwortung und um die Frage, warum „Rezepte" wie Scrum oder Holacracy oft scheitern, wenn sie als Blaupause statt als Werkzeugkasten verstanden werden. Ein weiterer Schwerpunkt: der Einsatz von KI in Führung und Lehre. Mark beschreibt das Phänomen der „künstlichen Kommunikation" – Führungskräfte, die ihre Probleme reflexartig mit der KI besprechen, statt ihre eigene Urteilskraft zu trainieren, und warum das gerade bei Innovationsfragen zu gefährlichem Mittelmaß führt. Für Mittelständler ist die Kernbotschaft: Bevor man neue Tools oder KI-Systeme einführt, lohnt sich der Blick aufs System und die Rahmenbedingungen, denn ein gutes Team ohne passendes Spielsystem gewinnt keine Meisterschaft. Wenn euch die Folge weiterhilft, abonniert uns gerne für mehr aus der Mittelstands-Praxis.

  4. 8. Juli

    KI im Unternehmen: klein anfangen statt Weltformel

    Die KI-Welle wirkt überwältigend. Dabei ist sie zu großen Teilen eine Bubble. In diesem Quickie von Digital Matters räumen Michi und Robert mit dem Druck auf, dem sich gerade Führungskräfte ausgesetzt fühlen: LinkedIn und Instagram sind voll mit „7 Prompts, die deine Abteilung ersetzen", und trotzdem hat die überwältigende Mehrheit der Menschen KI noch nie ernsthaft genutzt. Die gute Nachricht lautet also: Du bist nicht zu spät. Michi und Robert zeigen, wie der Einstieg wirklich gelingt – nicht mit einem Riesenstrategieprojekt, sondern mit echten Alltagsaufgaben. Eine 30-seitige PDF zu Einfuhrbestimmungen mit Lieferantenverträgen abgleichen, eine Excel-Tabelle bauen lassen, die Spesenabrechnung automatisieren: Aufgaben, die früher einen ganzen Tag gekostet haben und heute in Minuten erledigt sind. Michi erzählt von einer Führungskraft, die nach einer einzigen Schulung jeden Tag ein Stück Arbeit an KI abgibt und davon, warum Demut („Zeig mir das mal, das kann ich noch nicht") die stärkste Führungsstrategie im KI-Zeitalter ist. Außerdem in dieser Folge: warum du dem ständigen Modell-Hype gelassen begegnen kannst (99 % der Anwendungen laufen mit einem Modell von vor einem Jahr – wenn es funktioniert, don't touch), weshalb das „KI ist mehr als nur Effizienz"-Narrativ Einsteiger eher verschreckt als motiviert, und warum sich drei Stunden Schulung schon in der ersten Woche auszahlen. Ein Plädoyer für kleine Schritte, echte Anwendungsfälle und die Multiplikatoren im eigenen Team. Wenn dir die Folge gefällt: Folge Digital Matters für ehrliche Einordnung zu KI und Digitalisierung im Mittelstand – ohne Hype. digital-matters.io

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