Nates Kaffeeklatsch

Erik Nate

Als freier Journalist beschäftige ich mich mit dem weltpolitischen Geschehen In diesem Podcast findet Ihr immer mal wieder neue Impulse und Gedanken zum aktuellen Geschehen eriknate.substack.com

  1. 17.12.2025

    Und plötzlich politisch kontrovers

    Ich bin so lange ich denken kann schon auf Social Media unterwegs. Sogar auf den frühen wie MSN, MySpace, ICQ und Co. Immer mal mit mehr oder weniger Content und immer wieder mit dem, dass ich kurz davor war, richtig viel Bekanntheit zu bekommen, und irgendein Neider mir das dann kaputt gemacht hat. Damit will ich nicht behaupten, dass ich unschuldig bin, denn ich kam mit den Ansprüchen von Followern, der Kritik und dem Hass oft nicht zurecht. Was habe ich also oft gemacht – klar, Account gelöscht. In den ganzen Jahren, seit es Social Media gibt, war Social Media noch nie so unsozial wie es jetzt ist. Da rede ich nicht mal von ein, zwei Hasskommentaren, die man stehen lässt, weil diese diesmal nicht so schlimm waren wie die bisherigen. Droh-Nachrichten sind heute komplett normal und das inzwischen nicht mal mehr mit Fake-Profilen. Eine Influencerin aus den USA hat einen Hasskommentar bekommen und hat sich auf die Suche gemacht. Sie ist drei Stunden gefahren, um den, der kommentiert hat, auf der Arbeit zu besuchen. Er versuchte, Anzeige gegen sie zu stellen, weil er sich angeblich bedroht fühlte, diese wurde aber abgelehnt. Ich selbst bin in einem Ambassador-Programm, zumindest noch, denn das könnte sich rasant ändern. Mein Partner erwartet, dass keine politisch kritischen Aussagen getroffen werden in den Accounts, die man nutzt. So gut, so schlecht. Bleibt die Frage: Was tun, wenn die Welt sich entschieden hat, dein Leben zu einer politischen Aussage zu machen? Ich bin ein trans Mann, Intersex, schwul. Journalist, Läufer und Hundebesitzer. Also ob nicht jedes einzelne Wort von eben für viele sich anfühlen muss wie ein Schlag ins Gesicht, ist mein Content genau das. Ich erzähle von meinem Leben, meinen Läufen und meinem Hund, neben sozial und politisch kritischen Äußerungen. Nach meinem Social-Media-Management-Studium habe ich gezielt beschlossen, dass ich nichts von einer Einzelthema-Account-Content-Strategie halte – wobei, wenn man genau hinschaut, dann ist es ein Einzelthema – mein Leben ist das Thema. Dass mein Leben tatsächlich politisch ist, hat damit zu tun, dass sich Politik, Wirtschaft und Medien dazu entschieden haben, über mich zu urteilen, weil ich trans, inter, schwul, Hundebesitzer, Journalist und content creator bin. Wenn man sich das also anschaut, dann kritisieren mich Menschen im Internet aus unterschiedlichen Gründen. Denn sie sind überzeugt, ich dürfe mein Leben nicht so leben, wie ich es lebe. Je nachdem, wem ich zuhöre, komme ich in die Hölle, vergifte die Gedanken von Kindern, bin pervers oder passe nicht in die Gesellschaft. Vor allem recherchiere ich wohl nie richtig, berichte nur einseitig und bin ohnehin grün-links versifft, und man sieht es mir immer an. Von der Politik, weil trans und intersex sein, von Politikern plötzlich für ihre Agenda genutzt wird, um Meinungen zu pushen, die mit der Realität nichts gemein haben. Politiker im Alltag immer wieder gegen Journalisten hetzen und versuchen, ganz offiziell Schutzgesetze zu untergraben oder dies aufheben zu lassen. Von Medien, weil sie lieber Juresica Parker schreiben statt Mario Olszinski und lieber ein Bild in Drag drucken als ein Bild von Mario, dem Angeklagten, ohne Make-up, ohne Frauenkleidung. Damit ein problematisches politisches Meinungsbild erschaffen. Von Firmen, die mit mir zusammenarbeiten, weil sie überzeugt sind, dass ich nur für sie einen Account eröffnen soll, und dort soll alles beige, unpolitisch und nur ein Thema sein. Sorry, aber dafür, dass es „nur“ ein Ambassador-Programm ist, bekomme ich nicht genug raus. Ambassador heißt nichts weiter, als dass ihr das Geld für eine Kooperation nicht ausgeben wollt. Zu guter Letzt auch noch von anderen Influencern, die ihre Reichweite und ihren Bekanntheitsgrad ausnutzen, um noch mehr Geld zu machen. Das Ganze, indem sie „Protect the Dolls“ schreiben und Merch raushauen. Von mir erwarten, dass ich dankbar bin, dass sie etwas für die trans Community tun würden. Das alles tun sie, ohne sich vorher mit der Geschichte dieser Aussage zu beschäftigen. Denn ich als weißer trans Mann bin damit nicht gemeint und auch weiße trans Frauen sind mit dieser Aussage nicht gemeint. Der Ausspruch kommt aus der BPIOC-Community der 1980er Jahre, wo schwarze und Latino- sowie indigene trans Frauen keine Stimme hatten und die Verfolgung dieser Personengruppe extrem war. So wird mein Leben urplötzlich zu einer politisch stark diskutierten Angelegenheit, zu der jeder eine kontroverse Meinung hat. Und ich will eigentlich nur mein Leben leben und nicht gerade ein Ambassador-Programm verlieren. Vor allem, da ich mit der Firma auch privat verbunden bin und es ziemlich bescheiden wäre, wenn der Vertrag plötzlich gekündigt werden würde. Bleibt zuletzt die Frage: Was tun, wenn dein Leben ungewollt zu einem politischen Statement wird und du nichts dagegen tun kannst? Ich poste weiter meinen Content, so wie ich ihn posten möchte, und hoffe, dass Influencer, Politiker, Medien und Firmen verstehen, dass Still­schweigen auch Zustimmung ist und manchmal ein Leben ganz ungewollt genau dadurch zur politischen Kontroverse wird, weil sie es dazu machen. Get full access to Erik Nate at eriknate.substack.com/subscribe

    7 Min.
  2. 04.06.2025

    Deutschland unter Merz – Ein autoritärer Umbau durch demokratische Mittel

    Ordnung, Disziplin – und der Rückbau des Sozialen Seit Mai 2025 ist Friedrich Merz (CDU) Bundeskanzler einer Regierung aus CDU/CSU und SPD. In rascher Abfolge wurden Dutzende Sonderbeauftragtenposten gestrichen, Sozialleistungen infrage gestellt, das Rentensystem „reformiert“ – und queere, feministische sowie kulturelle Förderprogramme deutlich reduziert. Die Maßnahmen werden als Effizienzgewinn und Bürokratieabbau vermarktet. Doch in ihrer Gesamtheit zeichnen sie das Bild eines autoritär inspirierten Umbaus: Machtzentralisierung, Entsolidarisierung, Normierung – insbesondere entlang konservativer Ideale. 1. Der große Kahlschlag: Wer nicht mehr gebraucht wird In der ersten Regierungswoche hat das Kabinett Merz 25 Beauftragten-, Koordinatoren- und Sonderposten gestrichen. Betroffen sind vor allem: * Gleichstellung und Vielfalt (z. B. feministische Außenpolitik, Antiziganismus, Menschenrechte) * Klima und Umwelt (internationale Klimapolitik, Artenhilfsprogramme, Meeresbeauftragte) * Mobilität und Digitalisierung (Radverkehr, Ladeinfrastruktur, IT-Koordination) Die Funktionen wurden nicht neu besetzt. Ihre Aufgaben sollen von den jeweiligen Ministerien „mitübernommen“ werden – in der Praxis bedeutet das meist: Sie entfallen oder verlieren Priorität. Vollständige Liste der gestrichenen Posten: Wird separat unten angehängt, siehe Anhang. 2. Sozialkürzungen & Kulturabbau: Der Rückzug des Staates Parallel zur Reduktion der strukturellen Vielfalt kürzt die Regierung Gelder für: * Kulturfonds (weniger Förderung freier Träger & Jugendkultur) * Schul- & Jugendprojekte (indirekt betroffen durch Subventionsabbau) * Kunst- und Erinnerungsarbeit (u. a. antifaschistische Projekte) * Integrations- und queere Beratungsstrukturen (viele auf Länderebene gefährdet) Diese Einschnitte treffen besonders marginalisierte Gruppen – oft genau die, für die zuvor eigene Beauftragte vorgesehen waren. 3. Rentenpolitik: Die stille Anhebung des Arbeitszwangs Offiziell:Merz lehnt eine Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre ab. Die CDU wolle "niemandem das Arbeiten im Alter aufzwingen." Faktisch:Mit der sogenannten "Aktivrente" wird ein neues System geschaffen: * Wer nach dem gesetzlichen Rentenalter weiterarbeitet, * verzichtet auf Rentenzahlungen, erhält aber * bis zu 2.000 € monatlich steuerfrei zusätzlich zum Lohn. Warum das problematisch ist: Argument der Regierung Realität für Betroffene„Freiwillig“ Für viele faktisch notwendig, weil Rente nicht reicht. „Leistungsanreiz“ Entsolidarisiert Altersvorsorge: Wer nicht arbeiten kann, verliert„Entlastung der Rentenkasse“ geschieht auf dem Rücken prekärer älterer Arbeitnehmer:innen Die Maßnahme wird als Anreiz verkauft – sie bedeutet aber: Wer Rente will, darf nicht müde sein. 4. Gerichte? Empfehlungen. Der Rechtsstaat gerät ebenfalls unter Druck. Beispiel:Ein Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts erklärte die Zurückweisung von Asylsuchenden an der Grenze für rechtswidrig. Die Regierung kündigte an, die Praxis trotzdem fortzusetzen.Innenminister Dobrindt sprach von einer "politischen Entscheidung", nicht von einem rechtlichen Fehler. Der Umgang mit Gerichten ähnelt zunehmend dem US-amerikanischen Modell unter Donald Trump: Urteile sind optional – wenn sie nicht ins Weltbild passen, ignoriert man sie. 5. Politische Symbolik: Trump, zwei Geschlechter, „Woke-Widerstand“ Friedrich Merz erklärte öffentlich, dass er die Entscheidung von Donald Trump, in den USA nur noch zwei Geschlechter anzuerkennen, „nachvollziehen“ könne. Auch der Koalitionsvertrag sieht eine Überprüfung des Selbstbestimmungsgesetzes vor. Gleichzeitig nutzen rechte Akteure gezielt das Gesetz: Ein bekannter Neonazi änderte seinen Geschlechtseintrag, um einer Haft zu entgehen – ein seltener Einzelfall, medial jedoch hochgespielt. In derselben Zeit wurde die schwarze trans Frau Cleo trotz widersprüchlicher Beweislage zu über 12 Jahren Haft im Männergefängnis verurteilt.Die Parallele ist eklatant: Missbrauch durch rechte Täter wird instrumentalisiert – während trans Frauen kriminalisiert und entrechtet werden. Fazit: Der autoritäre Umbau im Namen der Vernunft Was wir in Deutschland 2025 erleben, ist kein Bruch mit der Demokratie – sondern ihr kontrollierter Rückbau. * Vielfalt wird durch „Ordnung“ ersetzt. * Rechte werden zu Privilegien gemacht. * Schutz wird zur Eigenverantwortung erklärt. Was unter Trump als radikal galt, wird in Deutschland durch Verwaltungsreformen, Steuerregeln und Gerichtsdiskussionen weichgespült – und doch bleibt der Effekt derselbe: Ein Staat, der sich seiner Schutzpflichten entledigt – und dabei vorgibt, nur „vernünftig“ zu handeln. 📎 Anhang: Liste der gestrichenen Beauftragten & Koordinatoren (Stand Mai 2025) * Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik * Botschafterin für feministische Außenpolitik * Beauftragte für Menschenrechte und globale Gesundheit * Sonderbevollmächtigter für Migrationsabkommen * Sonderbeauftragter für Libyen * Beauftragter für die Neustrukturierung in der Ukraine * Meeresbeauftragter der Bundesregierung * Beauftragter für Menschenrechtsfragen im BMJ * Beauftragter für Bürokratieabbau * Innovationsbeauftragter für Grünen Wasserstoff * Beauftragter für Soziale Innovationen * Beauftragter für Transfer und Ausgründungen aus der Wissenschaft * Koordinator für strategische Auslandsprojekte * Beauftragter für EITI (Rohstofftransparenz) * Koordinator für Ladesäuleninfrastruktur * Radverkehrsbeauftragter * Koordinator für Güterverkehr * Beauftragter für Luft- und Raumfahrt * Beauftragter für Informationstechnik * Koordinator für Schienenverkehr * Sonderbeauftragter für den westlichen Balkan * Koordinator für Südlicher Kaukasus / Zentralasien / Moldau * Beauftragter für das Nationale Artenhilfsprogramm * Beauftragter für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich * Planungsbeauftragter für die Zeitenwende (Verteidigung) Get full access to Erik Nate at eriknate.substack.com/subscribe

    10 Min.
  3. 25.04.2025

    Nachrichtenrückblick 25.04.25

    Trump Merch 2028 Donald Trump schwangt immer wieder zwischen 2028 zu kandidieren oder nicht. Das wäre seine 3. Runde – etwas, was in den USA eigentlich per Gesetz nicht möglich ist. Nun verkauft Donald Trump Merchandise mit dem Aufdruck Trump 2028. Ob man das nun als Kandidatur sehen kann oder nur um die Demokraten zu irritieren, ist bisher nicht klar. Änderung des Wahlrechts Ein Richter hat Teile des Wahlrechts blockiert. Vor allem der Nachweis über die Form des Nachweises der Staatsbürgerschaft. Andere Teile wie zum Beispiel die Verkürzung der Fristen für die Briefwahl bleibt erst mal bestehen. (AP) Memorandum gegen ActBlue ActBlue ist die Plattform über die Demokratenpartei Spenden und Wahlkampfspenden zu erhalten. Gestern hat Donald Trump ein Memorandum unterschrieben, das gezielt ActBlue vorwirft, Spenden aus dem Ausland erhalten zu haben. Damit versucht er, die Demokraten in den nächsten Wahlen zu behindern. (NBC) Geschlechts-angleichende Maßnahmen Das Pentagon hat bekannt gegeben, dass es erst einmal die Kosten für die geschlechtsangleichenden Maßnahmen für trans Menschen übernehmen werden. Der Hintergrund ist, dass ein Richter ein Urteil gesprochen hat, das das Pentagon dazu zeigt, solange trans Menschen im Militär sind, haben sie darauf Anspruch. Auch die Entlassung von trans Menschen aus dem Militär ist im Moment mittels Urteil blockiert. (Them) Richter verhaftet Kash Patel, der Direktor des FBI, hat einen X-Post verfasst, in dem es darum geht, dass Richterin Hannah Doughan aus Milwaukee verhaftet wurde, aufgrund dessen, dass sie geholfen haben soll, die Verhaftung eines Migranten verhindert zu haben. Das Gericht und auch das FBI haben bisher keine weitere Stellung bezogen. (CNBC) Studierendenvisa wiederhergestellt Mehrere internationale Studierende haben die Trump-Regierung verklagt, nachdem diese 1500 internationalen Studenten die Studierendenvisa entzogen hatte ohne Begründung. Nach einer Anhörung vor Gericht hat die Trump-Regierung die Visa wiederhergestellt. (NYT) Get full access to Erik Nate at eriknate.substack.com/subscribe

    5 Min.

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