Mauerecho – Ost trifft West

taz Panter Stiftung

„Mauerecho – Ost trifft West“ ist ein Podcast der taz Panter Stiftung, die sich der Überwindung der mentalen Barrieren zwischen Ost- und Westdeutschland widmet. Ziel ist es, durch persönliche Geschichten, aktuelle Bezüge und interaktive Elemente ein tieferes Verständnis füreinander zu schaffen und die „Mauer in den Köpfen“ abzubauen. Der Podcast ist Teil der Stiftungsprojekte, die Nach­wuchs­jour­na­lis­t*in­nen fördern. Dennis Chiponda übernimmt die Moderation und hat bereits beim Ostjugend-Projekt zu den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg mitgewirkt. Bis Mai 2025 ist Ann Toma-Toader im Redaktionsteam. Sie hat bei Projekten wie dem Podcast „Katerfrühstück“ sowie dem YouTube-Kanal „Klarkommen“ mitgewirkt. Ab Mai 2025 beginnt eine Co-Moderatorin, Marie Eisenmann, und damit auch ein neues Format, „Der Nachwendekindertalk“, das alle zwei Wochen ausgestrahlt wird. Sonst: Jede Woche, sonntags erscheint eine neue Podcastfolge von „Mauerecho“ – hier und überall dort, wo es Podcasts gibt. Weitere Informationen: mauerecho@taz.de, taz.de/mauerecho und taz.de/stiftung

  1. vor 1 Tag

    Folge 63: Kultur nur mit Bekenntnis? Sachsen-Anhalt nach der Wahl

    „Um uns wieder ein gesundes Selbstbewusstsein zu geben, werden wir u. a. […] die Kulturförderung an ein Bekenntnis zu unserem Land binden.“ Das steht auf Seite 8 des Kurzwahlprogramms der AfD Sachsen-Anhalt zur Landtagswahl 2026. Doch wie genau würde ein solches Bekenntnis aussehen? Und welche Folgen hätte es für die Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt? Für die neue Sonderfolge von „Mauerecho“, aufgenommen beim Osten-Festival in Bitterfeld-Wolfen, kamen Vertreter:innen der Kulturbranche miteinander ins Gespräch. Alle Gesprächspartner:innen betonen, dass freie Kulturangebote auf eine verlässliche Finanzierung angewiesen sind. Bei der Frage, wie diese Finanzierung organisiert werden sollte, unterscheiden sich ihre Positionen jedoch. Wolfgang Aldag, Landtagsabgeordneter der Grünen, sagt, Kultur müsse unabhängiger von staatlichen Mitteln werden. Dabei spiele auch das Ehrenamt eine Rolle. Nicole Tröger, Leiterin des WUK Theater Quartiers, verweist dagegen auf die prekäre finanzielle Lage vieler freischaffender Künstler:innen. Sie hätte sich bereits in der Vergangenheit mehr Unterstützung gewünscht, statt darauf angewiesen zu sein, dass Menschen ehrenamtlich arbeiten. Die Gesprächspartner:innen beschreiben einen möglichen Konflikt: Sollten Fördermittel künftig an politische oder kulturelle Voraussetzungen geknüpft werden, müssten Einrichtungen ihrer Einschätzung nach abwägen, unter welchen Bedingungen sie staatliche Förderung noch annehmen wollen. Die Zahlen zeigen, wie stark Teile der Kulturlandschaft von öffentlicher Finanzierung abhängig sind. Der Kulturhaushalt des Landes Sachsen-Anhalt betrug im Jahr 2026 rund 193 Millionen Euro. Das geht aus der Kulturbilanz der Staatskanzlei und des Ministeriums für Kultur des Landes hervor. Nach Angaben der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder gab das Land 2021 zwischen 150 und 200 Euro pro Person für Kultur aus. Im Vergleich der Bundesländer belegte Sachsen-Anhalt damit bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur Platz sechs von 16. Trotz dieser vergleichsweise hohen öffentlichen Förderung beschreibt Nicole Tröger die finanzielle Lage vieler freischaffender Künstler:innen als prekär. Wie genau die AfD versuchen wird, ihre kulturpolitischen Pläne umzusetzen, bleibt offen. Wie die Kulturbranche damit umgeht und ob es einen Zwischenweg geben kann, erfahrt ihr in unserer neuen Folge von „Mauerecho“. Zu Gast sind: - Nicole Tröger, Theaterleiterin des WUK Theater Quartiers - Stephanie Scholz, Radio Corax - Wolfgang Aldag, Stadtrat und Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen - Folkert Uhde, Geschäftsführer der Bachfesttage Köthen Mauerecho – Ost trifft West ist ein Podcast der taz Panter Stiftung. Er erscheint alle zwei Wochen donnerstags auf taz.de/mauerecho sowie überall dort, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank gilt unserem Sounddesigner Sebastian Jautschus und Praktikant Kilian Hamidi. Weiterführende Texte: ⁠https://taz.de/Nach-AfD-Sieg-in-Sachsen-Anhalt/!6211317/⁠ ⁠https://taz.de/Einfluss-der-AfD-auf-die-Kultur/!6202665/⁠ ⁠https://taz.de/Kulturelle-Teilhabe-in-der-Diskussion/!6098183/⁠

    Folge 63: Kultur nur mit Bekenntnis? Sachsen-Anhalt nach der Wahl
  2. 11. Sept.

    Folge 61: Engagiert, aber nicht unverwundbar - Zivilgesellschaft in Ost und West

    Ehrenamt kann Sinn stiften, Gemeinschaft schaffen und das Gefühl vermitteln, etwas zu bewirken. Doch was passiert, wenn aus Verantwortung Überforderung wird? Über die Belastungen ländlichen Engagements, Selbstfürsorge und unterschiedliche Erfahrungen in Ost- und Westdeutschland sprechen Ulrike Hähnlein und Felicitas Gerull, die Vorstandsvorsitzenden des Denkwerk Ost e. V., in der neuen Folge von „Mauerecho – Ost trifft West“. Wie weit die Belastung gehen kann, zeigt der Rücktritt Dirk Neubauers. Der Gründer des Denkwerk Ost kündigte 2024 seinen Rücktritt als Landrat des Landkreises Mittelsachsen an. Zuvor habe sich eine „diffuse Bedrohungslage aus der rechten Ecke“ bis in sein privates Umfeld ausgeweitet, berichtete Neubauer dem vorwärts. Anfeindungen sind jedoch nur eine mögliche Belastung. Hinzu kommen Zeitdruck, hohe Erwartungen und das Gefühl, immer mehr Verantwortung übernehmen zu müssen. Wer sich langfristig engagiere, brauche deshalb nicht nur Resilienz und Durchhaltevermögen, sagt Gerull. Ebenso wichtig sei es, die eigenen Grenzen zu erkennen und Unterstützung anzunehmen. „Wenn jemand gerade durchhängt und sagt: ‚Ich kann nicht mehr‘, dann gibt es auch immer jemanden, der die Kraft hat, weiterzumachen“, sagt Gerull. Entscheidend sei, sich zu vernetzen und Verantwortung zu teilen. Engagement könne belasten, aber auch Kraft geben. Wie wichtig sinnvolle und passende Aufgaben sind, zeigt der 2026 veröffentlichte Abschlussbericht „Sinn im Ehrenamt“ der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Für die Untersuchung wurden zunächst 143 Menschen beim Beginn eines neuen Engagements befragt, 104 von ihnen erneut nach drei Monaten. Danach berichteten die Engagierten im Durchschnitt eine höhere Sinnerfüllung. Zugleich zeigte sich: Stimmen persönliche Interessen, Motive und Vorstellungen von Sinn mit der Aufgabe und der Organisation überein, sind Engagierte zufriedener. Auch Mitbestimmung kann dazu beitragen, dass eine Tätigkeit als sinnvoll erlebt wird. Fehlt diese Passung, kann das Engagement dagegen psychisch belasten. Vereine und Initiativen sollten deshalb nicht nur fragen, welche Aufgaben erledigt werden müssen. Sie sollten auch klären, was Engagierte motiviert, welche Fähigkeiten sie mitbringen und wie viel Verantwortung sie übernehmen können. Eine Burnoutquote liefert die Studie allerdings nicht. Wie viele Menschen diese Fragen betreffen, zeigt der Deutsche Freiwilligensurvey 2024: Rund 27 Millionen Menschen ab 14 Jahren engagieren sich in Deutschland freiwillig. In ländlichen Räumen liegt ihr Anteil mit 38,4 Prozent etwas höher als in Städten mit 35,8 Prozent. Im Westen beträgt die Engagementquote 37,3 Prozent, im Osten einschließlich Berlin 34 Prozent. Die unterschiedlichen historischen Voraussetzungen wirken dennoch nach. Während sich freie zivilgesellschaftliche Organisationen in Westdeutschland über Jahrzehnte entwickeln konnten, war unabhängiges gesellschaftspolitisches Engagement in der DDR stark eingeschränkt, erläutert die Bundeszentrale für politische Bildung. Diese Geschichte prägt Hähnleins Biografie: „Bei uns in der DDR hieß Ehrenamt: die Jungen Pioniere und die FDJ. Ehrenamt hat für mich erst ab 1990 begonnen.“ Gerull stammt dagegen aus der Lüneburger Heide und wurde schon früh gesellschaftlich aktiv. Trotz ihrer unterschiedlichen Erfahrungen sind sich beide einig: Engagement braucht nicht nur Überzeugung, sondern auch Strukturen, die Verantwortung verteilen und Pausen ermöglichen. Wie Engagierte ihre Grenzen schützen können, welche Unterstützung Vereine brauchen und warum gesellschaftliche Veränderung nicht von Einzelnen allein getragen werden kann, hört ihr in der neuen Sonderfolge von „Mauerecho – Ost trifft West“. „Mauerecho – Ost trifft West“ ist ein Podcast der taz panterstiftung. Er erscheint derzeit jede Woche auf taz.de/mauerecho sowie überall, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank gilt unserem Sounddesigner Sebastian Jautschus und unserem Praktikanten Kilian Hamidi.

    Folge 61: Engagiert, aber nicht unverwundbar - Zivilgesellschaft in Ost und West
  3. 4. Sept.

    Folge 60: Wer nicht da ist, verliert: Überlassen wir die Jugend den Rechten?

    Wer nicht da ist, verliert: Überlassen wir die Jugend den Rechten Welche Einflussfaktoren entscheiden darüber, ob sich ein frustrierter, wütender Jugendlicher radikalisiert oder seine Wut in etwas Produktives umwandelt? In einer früheren Folge von Mauerecho sagte Sarah Schröder von der Alten Spitzenfabrik, einem soziokulturellen Verein im sächsischen Grimma: „Es hätte damals nur einige Zufälle gebraucht und ich hätte auch bei den Nazis landen können.“ Christian Weißgerber, Gast der aktuellen Folge und ehemaliger Neonazi, erzählt uns, dass es ihm nicht anders ging. Nur landete er am Ende auf der anderen Seite: „Aber ich würde auch sagen, in Eisenach gab es keine wirklich gut organisierten linken Strukturen und in meiner Familie ist vielleicht auch einfach ein bisschen zu viel Wert auf manche Sachen, die eher rechts sind, gelegt worden. Aber sonst hätte ich mit der Wut, die ich hatte, sicherlich auch ein extrem guter Linksaußen werden können. Das hat damals halt erst einmal nicht stattgefunden.“ Eine besondere Rolle spielt, wem Jugendliche begegnen und welche Gemeinschaft ihnen angeboten wird. Nach Weißgerbers Darstellung war die Nachwuchsgewinnung kein Nebeneffekt rechter Politik, sondern strategische Kernarbeit, für die die Szene niemals die Mittel gekürzt hätte. Wer sich nicht um den Nachwuchs kümmert, stirbt aus. So näherten sich rechtsextreme Kader jungen Menschen über Bekannte und Veranstaltungen mit Angeboten, die zunächst vor allem „ausreichend Spaß gemacht oder den Menschen einen sozialen Raum gegeben haben“. Laut der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus ist dies eine gezielte Strategie der rechtsextremen Szene. Sie nutzt Grillfeste, Konzerte, Fußballturniere und andere Freizeitangebote zur Ansprache Jugendlicher. Ideologische Botschaften werden eher beiläufig vermittelt und stehen zunächst im Hintergrund. Heute kann man gerade im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt Ähnliches beobachten: Wahlkampftermine von Ulrich Siegmund erinnern eher an Volksfeste als an klassische Wahlkampfaktionen, die den Alltag nur für kurze Zeit durchschneiden. Rechtsextreme Strukturen erweitern ihre Strategie zudem auf weitere Zielgruppen. Die BIGE beschreibt Radikalisierung als einen schleichenden und vielschichtigen Prozess. Wut, Frustration, mangelnde Anerkennung und Orientierungslosigkeit können eine Rolle spielen. Radikalisierungsprozesse verlaufen jedoch selten linear und haben nicht nur eine einzige Ursache. Das bestätigt auch der Sozialwissenschaftler Daniel Kubiak, der ebenfalls in der aktuellen Folge zu hören ist. Haltlosigkeit, Wut und fehlende Anerkennung führen nicht automatisch in den Rechtsextremismus: „Man kann genauso gut die Fusion gründen oder zu den Backstreet Boys auf Konzerte gehen.“ Doch wo bleiben die Vorbilder, die Jugendlichen Alternativen aufzeigen, wenn es immer weniger entsprechende Angebote gibt? Viele Orte der Kinder- und Jugendarbeit sind verschwunden, wie der 17. Kinder- und Jugendbericht zeigt. Zwischen 2006 und 2020 sank die Zahl der Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit von 17.966 auf 13.617. Das ist ein Rückgang um 24,2 Prozent. Auch die Zahl der Jugendräume und Jugendheime ohne hauptamtliches Personal ging von 7.019 auf 3.183 zurück. Das Bild ist allerdings nicht einheitlich: Klassische Jugendzentren blieben vergleichsweise stabil, die mobile Jugendarbeit nahm sogar zu. Der Bericht macht außerdem deutlich, dass der Rückgang unterschiedliche Ursachen haben kann. Die Zahlen beweisen deshalb nicht, dass der Verlust eines Jugendtreffs zu Radikalisierung führt. Sie dokumentieren aber, dass viele niedrigschwellige Räume weggefallen sind. Dabei kommt es nicht allein auf Gebäude an. Laut den im Kinder- und Jugendbericht aufgeführten Untersuchungen des Deutschen Jugendinstituts hat pädagogisches Personal einen signifikant positiven Einfluss auf die Breite der Angebote und das ehrenamtliche Engagement. Jugendarbeit braucht Menschen, die zuhören, Beziehungen aufbauen und erreichbar bleiben.

    Folge 60: Wer nicht da ist, verliert: Überlassen wir die Jugend den Rechten?
  4. 6. Aug.

    Folge 59: Bildungskrise in Ost und West - Gemeinsam gescheitert?

    2022 sank die Leistung unserer Schüler:innen in Mathematik, den Naturwissenschaften und der Lesekompetenz auf das niedrigste Niveau seit Beginn der Messung der PISA-Studie. Das Bildungspolitik damit längst zu einer gemeinsamen Krisenfrage geworden ist, nehmen auch unsere Gäste Andreas Sturm (CDU) und Louis Krüger (Bündnis 90/Die Grünen), bildungspolitische Sprecher ihrer Landtagsfraktionen in Baden-Württemberg und Berlin, wahr. Andreas Sturm bringt den Stand der Einheit in der Bildungspolitik auf den Punkt: „Die Mauern, über die wir in der Vergangenheit gesprochen haben, sind jetzt auch Mauern, wenn wir über soziale Herkunft, Sprachdefizite und fehlende Bildungschancen reden.“ Doch ziehen sich die Mauern heute nicht mehr durch Ost und West, sondern mitten durch unsere Klassenzimmer. Nach Zahlen des IQB-Bildungstrends 2024 lagen Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg im Spitzenfeld in allen getesteten MINT-Fächern. Bremen, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hessen und das Saarland bilden das Schlusslicht der Untersuchung. Trotz dieser Unterschiede lässt sich ein Trend erkennen: Selbst die Spitzenreiter haben im Vergleich zu früheren Erhebungen deutlich an Punkten verloren. Ob Spitzenreiter oder Schlusslicht, die Probleme unterscheiden sich kaum Doch woran liegt das? Bei der Problemdiagnose scheinen sich beide Bildungspolitiker ersteunlich einig zu sein. Louis Krüger sagt dazu: „Lehrkräftemangel ist auch bei uns das große Problem, weil natürlich alles andere davon abhängt. Nur wenn ich ausreichendes und gut qualifiziertes Personal habe, kann ich die anderen Probleme angehen. Und das Zweite ist das Thema Bildungsungerechtigkeit. Da sind wir in Deutschland insgesamt einfach sehr, sehr schlecht im weltweiten Vergleich.Uns hängt es immer noch sehr stark vom Elternhaus ab, welche Chancen ich als Kind habe.“ Gestützt wird die Aussage durch die Zahlen des nationalen Bildungsberichts “Bildung in Deutschland". Noch immer gelingt es in Deutschland nur unzureichend, Bildungserfolg von sozialer Herkunft zu entkoppeln: Bei den 20-Jährigen erreichen 79 Prozent der Kinder aus privilegierten Familien die Hochschulreife, in benachteiligten Familien sind es nur 31 Prozent. Ob das dreigliedrige Schulsystem und Ziffernnoten noch zeitgemäß sind, ob die Länder ihre Kompetenzen an den Bund abtreten sollten, um gemeinsame Standards zu ermöglichen, und wo unser Moderator einen unserer Gäste provoziert, könnt ihr in der aktuellen Folge von Mauerecho nachhören. „Mauerecho – Ost trifft West“ ist ein Podcast der taz panterstiftung. Er erscheint alle zwei Wochen donnerstags auf taz.de/mauerecho sowie überall, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank gilt unserer neuen Redakteurin Jacqueline Kamp und unserem Sounddesigner Sebastian Jautschus.

    Folge 59: Bildungskrise in Ost und West - Gemeinsam gescheitert?
  5. 23. Juli

    Folge 58: Keine Finanzierung , kein Deutschkurs, keine Fachkräfte – Kürzungen bei der Integrationsarbeit

    Gäste sollen wie Könige behandelt werden. Das wünscht sich Eter Hachmann, Vorstandsvorsitzende von DaMOst, dem Dachverband der Mi­gran­t*in­nen­or­ga­ni­sa­tio­nen in Ostdeutschland. Pläne des Innenministeriums unter Alexander Dobrindt (CSU), die Mittel für Integrationskurse drastisch zu kürzen und somit Ukrainer:innen, EU-Bürger:innen, Asylsuchende im laufenden Verfahren sowie Geduldeten die Chance auf einen Sprachkurs zu erschweren, gleichen mehr einem knappen Kopfnicken als einer willkommenheißenden Begrüßungsumarmung. In der neuen Folge Mauerecho adressiert Hachmann Minister:innen, die nicht wüssten, wie mit Gästen umzugehen sei: „Machen Sie das bitte georgisch. Wenn der Gast kommt, dann muss man das Beste vom Besten rausholen, unabhängig davon, ob der Gast nur für eine Nacht bleibt, für eine Woche oder für zwei Jahre.“ Im besten Fall würden die Menschen sich dann entscheiden, in Deutschland zu bleiben und ihre Arbeitskraft hier einbringen, die gerade im Osten dringend gebraucht werde. „Mauerecho“. „Mauerecho – Ost trifft West“ ist ein Podcast der taz panterstiftung. Er erscheint alle zwei Wochen donnerstags auf taz.de/mauerecho sowie überall, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank gilt unserer neuen Redakteurin Jacqueline Kamp und unserem Sounddesigner Sebastian Jautschus. Aus der Praxis eines Kursträgers heraus, mahnt René Nohr, Geschäftsführer der Volkshochschule Bingen am Rhein in Rheinland-Pfalz, Schwierigkeiten bei der Durchführung von Integrationskursen an. Die finanziellen Kürzungen und die Zugangshürden für motivierte Sprachlernende verknappen das Kursangebot so stark, das Klassen nicht ausreichend gefüllt werden könnten. Frustriert zeigt sich Nohr auch über die vermeintliche Logik hinter der politischen Entscheidung: „Es ist aus jeder Perspektive dumm. Das kostet den Staat wesentlich mehr Geld, weil die Leute kein Deutsch mehr lernen. Und dann können sie nicht arbeiten. Das heißt, die Sozialleistungen werden länger bezahlt.“ Was sich unsere Gäst:innen von der Bundesregierung wünschen, um weiter erfolgreich Integrationsarbeit leisten zu können und wieso auch unser Host Dennis Chiponda in der Vergangenheit schon erleben musste, was es heißt, wenn die Arbeit von Verbänden durch Ak­teur­e:innen der Politik verkompliziert wird, hört ihr in der neuen Folge Mauerecho.

  6. 9. Juli

    Sonderfolge 57: Wahlarena: Mecklenburg - Vorpommern

    Vergangene Woche scheiterte eine Verfassungsänderung zur Richterwahl für das Landesverfassungsgericht im Landtag in Mecklenburg-Vorpommern, weil die CDU dagegen stimmte. Die aktuelle Landesregierung aus SPD und Linke wollte diese gemeinsam mit den Grünen aus Sorge vor einer erstarkenden AfD umsetzen. Es sollte eine Notfalllösung festgeschrieben werden, die greift, wenn die Wahlen für Landesverfassungsrichter:innen politisch blockiert und nicht mit einer Zweidrittel-Mehrheit durchgebracht werden können. Ähnliche Änderungen hatten Sachsen-Anhalt und das Saarland zuletzt als Sicherheitsmaßnahme umgesetzt. Über diese Änderung stritten die Gäst:innen der Mauerecho-Wahlarena Beatrix Hegenkötter (SPD), Claudia Müller (Bündnis 90/Die Grünen), Hennis Herbst (Die Linke) und Torsten Heil (CDU). Torsten Heil begründete das Gegenstimmen der CDU zur Verfassungsänderung so: Die Partei wolle nicht in „voreilsamen Gehorsam“ Dinge ändern müssen. Es ginge vielmehr darum, dass jeder politisch für seine Position kämpfen müsse. Bürger:innen konnten aktiv auf der Bühne der Wahlarena an der Diskussion teilnehmen und so kritisierte ein Bürger das Vorgehen der CDU mit Unverständnis. Ebenso hielt Claudia Müller (Grüne) dagegen: Die Umfragezahlen wären bekannt und „die Augen zu verschließen davor, dass dieses Problem kommt, ist grob fahrlässig“. Weiter diskutierten wurden die Themen Wirtschaft, Tourismus, Wohnen und wie man eigentlich demokratische Regierungsmehrheiten gewinnen will, wenn die CDU eine Koalition mit der Linken ausschließt. Die Antwort von Herr Heil, könnt ihr in der aktuellen Sonderfolge nachhören. #Wahlarena #Greifswald #MecklenburgVorpommern #CDU #noAfD #SPD #diegrünen #dieLinken

    Sonderfolge 57: Wahlarena: Mecklenburg - Vorpommern
  7. 25. Juni

    Folge 56: Landtagswahlen2026 - Wer bei Integration spart, zahlt am Ende drauf!

    In der öffentlichen Diskusion wird oft über Migration gestritten, gemeint ist aber teilweise Integration. Weil Integration vor allem Aufgabe der Länder und Kommunen ist, sprechen wir in der aktuellen Folge mit dem Berliner SPD-Politiker Orkan Özdemir und der CDU-Innenpolitischen Sprecherin und Polizistin Anne-Christin von Allwörden explizit über Zuständigkeiten, Ressourcen und die Frage, warum Integrationspolitik in der Praxis so oft an Geld, Personal und politischen Prioritäten scheitert. Wo sollte Integration beginnen? Unser Gast Ann Christin von Allwörden hat da eine eindeutige Haltung zu. “Da geht es nämlich erst mal die Frage, bekommt der Mensch überhaupt einen Schutzstatus bei uns oder muss er das Land wieder verlassen? Wenn diese Frage geklärt ist, dann sind wir auf einer ganz anderen Ebene. Dann fängt für mich auch erst Integration an. Ich integriere ja nicht Menschen, von denen ich noch nicht mal weiß, ob sie überhaupt in Deutschland bleiben dürfen.” Zitat Allwörden Die alltägliche Umsetzung von Integration muss gut organisiert werden. Sprachkurse, Erstaufnahme, dezentrale Unterbringung, Arbeitsmarktzugang… setzt die verarmten Kommunen unseres Landes unter Druck. Özdemir betont, dass Integration ohne ausreichende Investitionen nicht gelingen könne. Von Allwörden verweist dagegen auf die strukturellen Grenzen der Länder, vor allem in Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern, wo Mittel, Personal und Infrastruktur knapper seien als in Großstädten wie Berlin. Ein zweiter Schwerpunkt der Folge sind die unterschiedlichen Ost-West-Erfahrungen mit Migration/Integration und Rassismus. Chiponda, Özdemir und von Allwörden sprechen über Vertragsarbeiter- und Gastarbeiterbiografien, über die Gewalt der sogenannten Baseballschlägerjahre und darüber, wie stark Herkunft, Sozialisation und regionales Umfeld politische Wahrnehmungen prägen. Dabei wird deutlich, dass Rassismus im Osten nicht isoliert betrachtet werden kann, aber auch im Westen keineswegs verschwindet. Kontrovers wird es bei der Frage, wie der Staat die Integration umsetzen soll. Die Bezahlkarte, längere Aufenthalte in Gemeinschaftsunterkünften und die Rolle von Sanktionen werden unterschiedlich bewertet. Während von Allwörden auf Ordnung und Steuerung verweist, aber auch darauf drängt, dass die Verfahren beschleunigt werden müssen warnt Özdemir vor Symbolpolitik, die Teilhabe erschwert und Menschen eher ausgrenzt als integriert. “... das dauert aber im Durchschnitt 4 bis zu fünf Jahre wegen dem Erwerb der Sprache Erkenntnis und so weiter und so fort, bis man überhaupt in eine Arbeit einmündet. Das würde also bedeuten, dass man diesen Menschen fünf Jahre lang keine Teilhabe im Durchschnitt, an der Gesellschaft, in der sie leben, gewähren würde. Und wir wissen, dass 50 Prozent dieser Menschen, zu uns gekommen sind, auch hier bleiben werden. Das wissen wir heute schon, weil sie arbeiten.” Zitat Özdemir Die Folge weitet den Blick schließlich auf gesellschaftliche Folgen von Unsicherheit, Abwanderung und rechter Mobilisierung. Wenn sich junge Menschen, Familien und Fachkräfte in Regionen nicht mehr sicher oder willkommen fühlen und wegziehen, hat das nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Konsequenzen. In der nächsten Folge sprechen wir wieder mit Bürger*innen über die Themen Migration und Integration. Die Folge erscheint am 09.07.2026. Habt ihr eigene Fragen oder Feedback? Schickt uns eine Sprachmemo oder Nachricht an 0157 55875373 oder schreibt uns an mauerecho@taz.de. „Mauerecho“. „Mauerecho – Ost trifft West“ ist ein Podcast der taz panterstiftung. Er erscheint alle zwei Wochen donnerstags auf taz.de/mauerecho sowie überall, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank gilt unserer neuen Redakteurin Jacqueline Kamp und unserem Sounddesigner Sebastian Jautschus.

    Folge 56: Landtagswahlen2026 - Wer bei Integration spart, zahlt am Ende drauf!
  8. 11. Juni

    Folge 55 - Wer zahlt für den Sozialstaat?

    Die Kosten für Sozialstaatreformen tragen schlussendlich die Allerärmsten. Das kritisieren Sanktionsfrei-Aktivistin Helena Steinhaus und Unternehmerin Isabelle Hoyer. Der Sozialstaat soll sukzessive reformiert werden, damit er weniger kostet. So der Plan der Bundesregierung. Kürzlich erst sprach sich die Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) gegen eine eigentlich im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbarte Bafög-Reform aus. Denn Studierende seien in Deutschland privilegiert und neben dem Studium zu arbeiten, sei laut Bär „kein Drama“. Ebenso ist eine Pflegereform geplant, die beispielsweise vorsieht, die Rentenpunkte, die pflegende Personen erhalten, von 100 auf 70 herunterzusetzen. Die Unternehmerin und Gründerin eines Women Leadership Netzwerks, Isabelle Hoyer, hält in der neuen Folge Mauerecho gegen den Vorschlag. Und Helena Steinhaus von Sanktionsfrei e.V. fordert sogar: „Die sollten verdoppelt werden.“ Arbeitnehmer*innen auch durch Grundsicherungs-Sanktionen betroffen Für die neue Grundsicherung, die ab dem 1. Juli das Bürgergeld ersetzt, hat die Bundesregierung einen härteren Sanktionskatalog beschlossen. Bisherige Schutzrechte des ehemaligen Bürgergelds sollen ebenfalls wegfallen. Es sind Maßnahmen, die nicht nur Leistungsempfänger*innen unter Druck setzen. Auch Arbeitnehmer*innen sind betroffen. Kritik gab es von vielen Seiten. Gewerkschaften, Grüne und Linke und zivilgesellschaftliche Initiativen wie Sanktionsfrei e. V. positionieren sich gegen die geplanten Reformen. Diese würden Menschen zwingen, schlechte Arbeitsbedingungen auszuhalten, wie Helena Steinhaus im Gespräch mit Mauerecho-Host Dennis Chiponda anmahnt. Sie sagt: „Die Allermeisten würden fast jede Arbeit machen, um bloß nicht in die Grundsicherung zu fallen. Und das heißt auch, dass man weniger Ansprüche stellt, sowohl an die Arbeitsbedingungen als auch an die Bezahlungen.“ Die Sankitonsfrei-Aktivistin fordert außerdem, dass gute Arbeitsbedingungen für Menschen geschaffen werden, auch in Berufsspaten, die weniger „verführerisch“ seien – besonders in großen Unternehmen. Warum die Aktivistin in diesem Zusammenhang das Unternehmen und den Arbeitgeber Tchibo als „W*****r“ bezeichnet und wie Kleinunternehmer*innen mit finanziellem Druck umgehen, hört ihr in dieser neuen Podcast-Folge Mauerecho. In der nächsten Folge sprechen wir wieder mit Politiker*innen über die Themen Migration und Integration. Die Folge erscheint am 25.06.2026. Habt ihr eigene Fragen oder Feedback? Schickt uns eine Sprachmemo oder Nachricht an 0157 55875373 oder schreibt uns an mauerecho@taz.de. „Mauerecho“. „Mauerecho – Ost trifft West“ ist ein Podcast der taz panterstiftung. Er erscheint alle zwei Wochen donnerstags auf taz.de/mauerecho sowie überall, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank gilt unserer neuen Redakteurin Jacqueline Kamp und unserem Sounddesigner Sebastian Jautschus.

    Folge 55 - Wer zahlt für den Sozialstaat?

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