Was passiert, wenn wir bei Menschen weniger auf Abschlüsse und formale Qualifikationen schauen – und stattdessen stärker darauf, was sie wirklich können? In dieser Folge sprechen wir mit Nicole Otten, Personalreferentin bei der ise GmbH. Ihr eigener beruflicher Weg ist alles andere als geradlinig: Mit 16 begann sie eine Ausbildung bei der Polizei, später arbeitete sie bei einem Bildungsträger und heute ist sie als erfahrene HR-Generalistin im Personalbereich tätig. Wir sprechen darüber, warum Lebensläufe nicht immer zeigen, welches Potenzial tatsächlich in Menschen steckt, welche Rolle Kompetenzen jenseits von Diplomen spielen und warum es sich für Unternehmen lohnen kann, bei Recruiting und Personalentwicklung auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Nicole bringt dabei vor allem eine sehr praxisnahe Perspektive mit – und ein gutes Gespür für die Bedürfnisse von Mitarbeitenden und Führungskräften. Außerdem geht es um das Impostor-Phänomen: dieses Gefühl, trotz objektiver Erfolge eigentlich gar nicht so kompetent zu sein, wie andere glauben – verbunden mit der Sorge, irgendwann „aufzufliegen“. Ursprünglich wurde das Phänomen von Pauline Clance und Suzanne Imes 1978 beschrieben. Neuere Forschung zeigt, dass solche Erfahrungen keineswegs nur Frauen betreffen und auch im Arbeitskontext eine relevante Rolle spielen. Und natürlich gibt es wieder unsere Schätzfrage: Wie hoch war 2024 die Quote der vorzeitig gelösten Ausbildungsverträge in Deutschland? Die Auflösung: 29,7 Prozent. Insgesamt wurden 2024 rund 159.000 Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Wichtig dabei: Eine Vertragslösung ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem endgültigen Ausbildungsabbruch – beispielsweise kann anschließend ein neuer Ausbildungsvertrag in einem anderen Betrieb oder Beruf abgeschlossen werden. Quellen & weiterführende Literatur Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026 – Vertragslösungsquote 2024: 29,7 %. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Vertragslösungen im Spiegel der Statistik – Erläuterungen zur Berechnung und Interpretation der Vertragslösungsquote. Clance, P. R. & Imes, S. A. (1978): The Impostor Phenomenon in High Achieving Women: Dynamics and Therapeutic Intervention. Psychotherapy: Theory, Research & Practice, 15(3), 241–247. Bravata, D. M. et al. (2020): Prevalence, Predictors, and Treatment of Impostor Syndrome: a Systematic Review. Journal of General Internal Medicine, 35, 1252–1275. Die Review umfasst 62 Studien mit mehr als 14.000 Teilnehmenden und zeigt zugleich, wie stark die berichteten Häufigkeiten je nach Messmethode schwanken. Gullifor, D. P. et al. (2024): The impostor phenomenon at work: A systematic evidence-based review, conceptual development, and agenda for future research. Journal of Organizational Behavior, 45(2), 234–251. Besonders interessant für die Einordnung des Phänomens im Arbeits- und Organisationskontext.